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(Update) TAZ: 16 dämliche Fragen an Rösler

Foto: FDP Niedersachsen

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Die Taz von morgen sorgt schon heute für Empörung. Darin wird die Zeitung Fragen veröffentlichen, die sie FDP-Chef Phillip Rösler gestellt hat. Die Fragen sind eine unglaubliche Entgleisung, die Amadeu-Antonio-Stiftung spricht von „Alltagsrassismus“.

Teil einer Serie, bei der die Taz mit Spitzenpolitikern über „bestimmte Themen“ spricht, sollte es werden. Doch die FDP gab das Interview am Ende nicht frei. Grund genug für Chefredakteurin Ines Pohl, sich zu empören: “Das ist ein grober Bruch der gängigen Spielregeln”, wird sie im Hausblog zitiert.

Doch der eigentliche Skandal ist nicht, dass die Interview-Fragen nun ohne Antworten abgedruckt werden. Es sind die stumpfen Fragen, die immer wieder auf Röslers vermeintliches Andersaussehen abzielen. Die Fragen lauten unter anderem:

Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?“

Sie bekommen immer wieder Hassmails. Weil Sie FDP-Chef sind? Oder weil man Ihnen Ihre nichtdeutschen Wurzeln ansieht?

Warum werden Sie gehasst?

In Niedersachsen, wo Sie herkommen, wurden Sie häufig als “der Chinese” bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass oder Ressentiment?

In Niedersachsen, wo Sie herkommen, wurden Sie häufig als “der Chinese” bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass oder Ressentiment?

An Wahlkampfständen scheint das eine andere Rolle zu spielen. Dort bekommen FDP-Mitglieder zu hören: “Ich würde euch wählen, wenn Ihr nicht diesen Chinesen an Eurer Spitze hättet.”

Herr Rösler, zurück zu Ihnen. Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?

Sind Sie als Kind deswegen diskriminiert worden?

Würden Sie sich selbst als Migrant bezeichnen?

Sie waren mit 33 Jahren zum ersten Mal in Vietnam, auf Initiative Ihrer Frau. Warum interessiert Sie persönlich das Land Ihrer leiblichen Eltern nicht?

Sie haben das Bild vom Bambus, der sich im Wind biegt, aber nicht bricht, in die politische Diskussion eingeführt. Was wollten Sie damit ausdrücken?

Als Politprofi dürfte Ihnen klar gewesen sein, dass ein solches Bild von einem asiatisch aussehenden Politiker auf diesen bezogen wird. Das soll keine Rolle spielen, sondern Zufall sein?

Rainer Brüderle hat dieses Sprachbild mehrfach aufgegriffen und gesagt: “Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht, indem man wie Bambusrohr hin und her schwingt, sondern steht wie eine Eiche. Deshalb ist die Eiche hier heimisch und nicht das Bambusrohr.” Warum sagt Ihr Fraktionschef so etwas?

Warum waren Sie dann bei der Einlassung von Peer Steinbrücks Pressesprecher Rolf Kleine nicht entspannt? Kleine hat sich mit einem Facebook-Eintrag über Sie lustig gemacht und sie mit einem nordvietnamesischen General in Verbindung gebracht. Daraufhin haben Sie in einem Interview gesagt: “Wer so handelt, muss für sich entscheiden, ob er noch Anstand hat und die richtigen Konsequenzen daraus zieht.

Man muss sich nicht sehr anstrengen, um bei Brüderles Aussage eine ganz ähnliche Konnotation herauszuhören. Dass Sie das eine – zumindest öffentlich – ganz entspannt sehen und das andere als latenten Rassismus kritisieren, lässt sich schwer nachvollziehen.

Was meinen Sie, brauchen wir in Deutschland eine breitere Debatte über Rassismus?

Deutschland braucht vor allem solche grenzdebilen Fragen nicht, die sich die zwei Redakteurinnen auch selbst hätten beantworten können. „Sagen sie doch mal Herr Rösler, wie fühlt sich Hass an? Hä? Hä?! Hä?!!“ Was die Taz als kreatives Krisenmanagement verkaufen wollte, ging glücklicherweise mächtig nach hinten los. Die Amadeu-Antonio-Stiftung spricht auf Facebook von „Alltagsrassismus“, in der Kommentarspalte des Blogs tobt der Shitstorm. Für diese unterirdische Entgleisung wird sich die Taz entschuldigen müssen. Glaubhaft.

Update I: Die TAZ hat sich inzwischen zu der Angelegenheit geäußert. TAZ-Autor Sebastian Heiser schreibt dazu im Hausblog (Auszug):

Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Wir stellen Röslers Eignung nicht wegen seines Aussehens in Frage. Sondern wir sprechen an, dass andere das offenbar so sehen. Das Thema des Interviews sind die rassistischen Diskriminierungen in dieser Gesellschaft. Gleich unsere erste Frage lautet: “Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass Andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?” Im weiteren Verlauf des Interviews geht es um Hassmails, um die Bezeichnung als “der Chinese” und um Rainer Brüderles Vergleich von Bambusrohr und Eiche. Nach meiner Überzeugung ist Rassismus ein Problem in dieser Gesellschaft, über das man offen reden sollte. Und zum Thema Rassismus sollten nicht nur Weiße zu Wort kommen, sondern auch Betroffene.

Zum Vorwürf, wir würden Röslers Aussehen “immer und immer wieder” ansprechen, habe ich unser Archiv durchgesehen. In diesem Jahr haben wir 173 Artikel veröffentlicht, in denen Philipp Rösler auftaucht. In genau fünfeinhalb dieser Artikel wird seine Herkunft erwähnt. (…)

Mein Fazit: Wir erwähnen Röslers Aussehen, wenn es eine gesellschaftliche Debatte darum gibt. Wenn es also von anderen thematisiert wird und es daraufhin Rassismus-Vorwürfe gibt. Genauso wie auch jetzt in dem umstrittenen Interview.

Update II: Mittlerweile gibt es auf Twitter den Hastag #tazfragen, auf dem User nun blöde Fragen an die TAZ stellen.

Update III: TAZ-Chefredakteurin Ines Pohl hat sich eingeschaltet. Auch sie will keinen Fehler erkennen und meint:

„Fakt ist: Rösler hat der taz ein Interview gegeben, dass ihm später im Wahlkampf schädlich zu sein schien.“ (Die ganze Stellungnahme)

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51 Kommentare zu “(Update) TAZ: 16 dämliche Fragen an Rösler

  • #51
    Sebastian Heiser

    Martin Niewendick schrieb: „16 Fragen – die man auch locker in maximal zwei drei Fragen hätte zusammenfassen können“

    Wenn Herr Rösler während des Gesprächs auf diese Fragen gesagt hätte „dazu möchte ich nichts sagen“, dann hätten wir das akzeptiert und garantiert nicht so viele Fragen dazu gestellt. Der Eindruck des einseitigen Nachbohrens entsteht natürlich, wenn man nur die Fragen liest. Wir haben das hier in der taz völlig falsch eingeschätzt, diese Wirkung ist natürlich fatal. Aber wir kannten ja das ganze Interview. Wenn man die Fragen mit den Antworten vor sich hat, dann ergibt das ein interessantes Gespräch, bei dem zwei Seiten sich gemeinsam über ein Thema austauschen.

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