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Update: Bild will Wulffs Mailbox-Nachricht veröffentlichen

Die Zukunft von Christian Wulff könnte schnell beendet sein – wenn wir erfahren, was er auf die Mailbox von Bild-Chef Kai Diekmann gesprochen hat.

Eines ist heute schon klar: In Zukunft werden Politiker auf die Mailboxen von Journalisten kaum mehr als den Satz „Ich bitte um Rückruf“ sprechen. Aber so klug war Christian Wulff nicht. Er hat auf die Mailbox von Bild-Chef Kai Dieckmann gesprochen. Nur was? Darüber gibt es zwei Versionen. Wulff sagte gestern im ARD/ZDF-Interview:

„…ich habe dann gebeten, um einen Tag die Veröffentlichung zu verschieben, damit man darüber reden kann.“

Das klingt ja nun alles sehr moderat. Eine Bitte, vielleicht sogar höflich vorgetragen. Merkwürdig wäre das immer noch, aber etwas anderes als die Androhung eines Krieges.  Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht, das Deppendorf und Schausten nachgefragt hätten. Haben sie aber nicht. Bild Vize-Chef Blome widerspricht der Darstellung Wulffs in einem Interview mit dem Deutschlandfunk:

„…es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufs, die Absicht und das Motiv – nämlich: Die Berichterstattung, diesen ersten Breaking-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden.“

Die beiden Aussagen passen nicht zusammen. Aber  herauszubekommen, wer nun die Wahrheit sagt, ist ganz einfach: Wulff und Diekmann sollten sich darauf einigen, dass der Mailbox-Anruf von Wulff veröffentlicht wird. Dann werden wir sehen, ob es eine freundliche Bitte um ein erneutes Gespräch war oder eine Drohung und die Forderung, die Berichterstattung zu unterlassen.

Auch im Umgang mit dem Redakteur der Welt am Sonntag, der über Wulffs Stiefschwester schrieb gibt es zwei Versionen. Wulff:

Und der Redakteur hat sich über die Gelegenheit gefreut, er hat mit mir gesprochen. Und es ist dann nichts zurückgeblieben.

Welt-Chef Jan-Eric Peters:

Unser Reporter, ein erfahrener Journalist, war sehr überrascht von dem Vorgang und sagte mir, er habe diesen Teil des Gesprächs als eisig und sehr heftig empfunden. Nach dem Gespräch versuchte Wulff an höchsten Verlagsstellen, unter anderem beim Vorstandsvorsitzenden zu intervenieren. Ich habe trotzdem entschieden, die Geschichte zu veröffentlichen.“

Spannend wäre jetzt auch zu erfahren, ob sich Wulff in Niedersachsen auch schon so verhielt, ob der dort die Regionalmedien unter Druck setzte, versuchte, Geschichten zu verhindern.

Update:

Bild hat Bundespräsident Wulff in einem Schreiben gebeten, seine Zustimmung zur Veröffentlichung seiner Nachricht auf der Mailbox von Bild Chef Kai-Diekmann zu geben. Wulff kann dem jetzt zustimmen oder den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren. Mal sehen, wie er sich entscheidet. Sollte Wulff gestern die Unwahrheit gesagt haben ist er ein ganz heißer Anwärter für den Christoph-Daum-Medienpreis 2012, mit dem die plumpste Lüge in der Öffentlichkeit ausgezeichnet wird 😉

Dank an Henk, Frank und Pat für die Hinweise

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17 Kommentare zu “Update: Bild will Wulffs Mailbox-Nachricht veröffentlichen

  • #1
    allemachtdendrähten

    Noch bevor der an seinem Amt klammernde Christian Wulff heute Abend vor den gemeinsamen Kameras von ARD und ZDF sein Statement zur Lage des Bundespräsidenten abgeben wird, droht Bild-Mitchef Nikolaus Blome dem ins Straucheln geratenen Staatsoberhaupt unverblümt. Offenbart sich hier allmählich – „in eigener Sache“ – ein ausgewachsener Bildzeitungsskandal?

    Nikolaus Blome heute in seinem Kommentar „Der gefangene Präsident“ in BILD:

    „Christian Wulff ist gefangen nicht in einer Affäre, sondern in einer ganzen Reihe davon. Mal dubios, mal halbseiden, mal katastrophal. Kaum vorstellbar, wie er auf einen Schlag in allen Fragen reinen Tisch machen kann.“ http://www.bild.de
    /news/standards/bild-kommentar/der-gefangene-praesident-21887232.bild.html Auszug von Bettina Röhl auf Facebook.

  • #2
    Helmut Junge

    @Stefan,
    in den 15 Minuten, die Wullf den beiden moderaten Fernsehjournalisten für das Interview gönnte, konnten die angesichts der Fülle von Fragen, die mittlerweile anstehen, kaum nachhaken.
    Für solche Sorte Interviews benötigt man auch Journalisten, die sich nicht zu vornehm dazu sind, scharf und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen zur Sache zu kommen.
    Einen, der nicht lange um den Brei herum redet. Einen, der nicht „vielleicht“ sagt, sondern, der sagt: „Sie haben, alle wissen es. Geben Sie es zu.“
    So einen haben die aber bei den öffentlich rechtlichen leider nicht.
    Sag mal Stefan, hast du mal daran gedacht zum Fernsehen zu gehen?
    Deine Interviews würde ich mir bestimmt angucken.

  • #3
    Walter Stach

    „Perpetuum mobile“ -und der Bundespräsident als Objekt und Subjekt des Ganzen.Mittlerweile neige ich dazu, mein Verhalten daran auszurichten, was ich durchgängig den Berichten/Kommentaren der TAZ entnehmen kann: “ Für den Politikbetrieb in Berlin, auch im Hinblick auf wichtige Entscheidungen für das Land und seine Bürger, ist es relativ egal, ob Wulf im Amt bleibt oder nicht“. Anders formuliert: „Ich will mich über Wulf nicht mehr aufregen, nicht mehr über ihn diskutieren“. Wulf ist wie er ist, CDU/CSU/FDP nebst Frau Merkel sind wie sie sind und die Opposition sagt und fordert nicht klar, eindeutig,vehement das, was durch sie gesagt und gefordert werden müßte;Gabriel meinte ja vor kurzem sogar, Wulf müsse Präsident bleiben, da ansonsten nach dem vorzeitigen Abgang von Köhler eine Staatskrise drohe. Solch ein Unsinn kommt von einem potentiellen Kanzlerkandidat. Demnächst also weiterhin einen Präsidenten Wulf und ein Kanzler Gabriel? Bei diesem Gespann drohen dann allerdings für Körper und Geist Vieler in Deutschland gesundheitliche Beeinträchtigungen.

  • #4
    68er

    Die Sache mit der Mailbox ist doch der beste Beleg dafür, dass die Bild-Zeitung ein Spiel mit unserem Bundespräsimpel spielt. Wenn es ihr wirklich um die Pressefreiheit gegangen wäre hätte sie den Text schon lange veröffentlicht. Rechtlich wäre das kein Problem und das wissen auch die Juristen bei Springer.

    Stattdessen setzt Bild auf die unzureichende Einsichtkraft von Herrn Wulff und lässt ihn ins Messer laufen. Und selbst als ihm das Messer schon in der Brust steckt, zieht Herr Diekmann es nicht stolz heraus und präsentiert es der Öffentlichkeit, nein er lässt seinen Lakaien Blome noch kräftig in der Wunde stochern, indem er ihn zum Deutschlandfunk schickt, um so über Bande die Geschichte vom dahinscheidenden König weiter in die Länge ziehen zu können.

    Also Herr Diekmann und Herr Blome:

    Fakten auf den Tisch! Mailbox-Tirade ungekürzt online stellen!

    Und wenn es wirklich einen anständigen Journalisten im Springer Konzern gibt, sollte der auch an der Chefredaktion vorbei das mal endlich leaken.

    Über die Piraten und Netzpolitik jubeln, aber selber nach oben kuschen.

    Oder erzählt mal, wie eine Redaktionskonferenz im Hause Springer bei solch heiklen Fragen tatsächlich abläuft, wie unwissend dort die Redakteure gehalten werden.

  • #5
    Marc

    Frage ist halt, glaubt man der Bildzeitung (die wir ja alle kennen) oder dem Bundespräsidenten (von dem wir wissen, dass er im Landtag den Grünen nicht ganz die Wahrheit gesagt hatte). 😉

  • #6
    plaque sniffken

    die bild bittet wulff den wortlaut der mailboxnachricht verlöffentlichen zu dürfen und veröffentlicht im selben atemzug das anschreiben.

    ein großartiger unterton.

    don’t mess with springer, es sei denn du hast wimbledon gewonnen.

    http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/bild-bittet-wulff-um-transparenz-21916856.bild.html

  • #7
    68er

    Jetzt wird’s spannend!

    Diekmann gibt Herrn Wulff die Chance die „Hosen runter zulassen“:

    http://www.morgenpost.de/politik/article1872743/Bild-Chef-will-Wulffs-Anruf-veroeffentlichen.html

  • #8
    68er

    Kommt die Erklärung noch heute?

    Kommt sie schriftlich oder im Schloss Bellevue?

    Ist seine Frau dabei, wie bei Herrn Köhler?

  • #9
    pat boone

    rock’n’roll

    http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/bild-bittet-wulff-um-transparenz-21916856.bild.html

  • #10
    68er

    Ein Beitrag zur Ikonografie der Macht:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article13799572/Bild-will-Wulffs-Mailbox-Nachricht-veroeffentlichen.html

  • #11
    68er

    Jetzt geht die Jagd los, wer als erster die Rücktrittsnachricht bringt.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Wulff sie vorab bei Diekmann auf die Mailbox spricht dürften recht gering sein.

  • #12
    Novinky Schleich

    Mag man von Herrn Wulff halten was man will.

    Aber:

    Der Zeitpunkt, die Mailboxnachricht zu veröffentlichen ist gelinde gesagt etwas zu spät gewählt.

    Was möchte denn die Bildzeitung? Ein kleines Scharmützel mit Wulff provozieren, um ihn dann abzuschießen? Soll das ein verdammtes Ping-Pong-Spiel werden, frei nach dem Motto; Wer hat den längeren Atem?

    Wollen wir mal annehmen, dass die Entscheidung zu Veröffentlichung der Mailboxnachricht nicht erst gestern gefallen ist. Wäre es Freund Dieckmann von vornherein um Aufklärung und Transparenz gegangen, so hätte er die Bitte um Veröffentlichung schon vor Weihnachten verschicken können.

    Wulffs „Ich-bin-doch Mensch,-lasst-es mich-sein-Strategie“ mag durchsichtig und unangemessen sein. Gleiches gilt aber auch für das neue Springermanöver.
    Was jetzt folgen wird ist die klassische Bildzeitungs-Schlachtgeschichte, und der Sieger steht schon vorher fest.

    Jenseits von Verschwörungsphantasien hat es höchstwahrscheinlich einen Grund, dass bislang niemand die Mailboxnachricht geleakt hat. Man hat fein abgewartet und bemüht jetzt unter dem Deckmantel des Herstellens von Transparenz den abgedroschenen „Bild klärt auf-Duktus“.

    Abzuwarten bis der Schaden am größten ist und den Veröffentlichungstermin danach auszuwählen ist nicht redlich….

    … und die Rolle der Verteidigers der Pressefreiheit steht Herrn Dieckmann schlecht….

  • #13
    Mao aus Duisburg

    @11: Diese Variante des Rücktritts wäre aber sehr, sehr elegant, zynisch und hätte Loriot-Niveau….Von einem Herrn Wulff nicht zu erwarten.

  • #14
    Helmut Junge

    Die Anfrage von Bild bei Herrn Wullf, ob sie die Mailbox-Nachricht veröffentlichen dürfen, hat es in sich.
    Sagt Wullf nämlich „Nein“, gilt er allen als Lügner.
    Sagt er aber „Ja“, und seine Aussage beim gestrigen Interview stimmt nicht mit dem Mailbox-Inhalt überein, ist er direkt überführt.
    Falls die Mailbox-Nachricht anders als seine gestrige Interview-Aussage sein sollte, kann man seine Verteidigungsstrategie als sehr, sehr schlecht vorbereitet einstufen.
    Dann muß er gehen. Er konnte doch nicht annehmen, dass die Mailbox-Nachricht gelöscht worden sei.
    Bild pokert allerdings selbst auch sehr hoch.
    Nur was macht es, wenn Bild der Lüge überführt würde?
    Dann wäre Wullf insgesamt aus dem Schneider. Der könnte sich danach sogar ganze Häuserreihen schenken lassen.

  • #15
    pat boone

    wulff hat veröffentlichung abgelehnt

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807406,00.html

  • #16
    Henk

    Jetzt darf bei unserem Präsidenten-Laiendarsteller aber wirklich nichts mehr nachkommen 😉

    Im Ernst: Damit gibt Wulff die angekündigte Transparenz auf wie der BVB seine Sparbemühungen und lässt nur den Schluss zu, erneut die Unwahrheit gesagt zu haben.

    Wie haben es die Beginner so schön ausgedrückt:

    „Du Willst Ans Telefon kommen, komm In die Puschen!
    In der Zelle um die Ecke hat deine Oma angerufen
    Überhaupt wird’s jetzt Zeit, dass du gehst, du
    Sag niemam‘, dass du hier warst, verstehst du …
    Geh bitte!“

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