25 Jahre Route der Industriekultur stehen auch für die Musealisierung des Ruhrgebiets

Schacht 12 der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de Lizenz: CC BY-SA 3.0 de


In diesem Jahr  feiert das Ruhrgebiet 25 Jahre Route der Industriekultur. Der Blick richtet sich einmal mehr auf die Vergangenheit und nicht in Richtung Zukunft.

1999, in dem Jahr, in dem die Internationale Bauausstellung Emscher Park zu Ende ging, wurde die Route der Industriekultur eröffnet. Sie sollte sowohl bei den Menschen im Ruhrgebiet das Bewusstsein für ihr kulturelles und architektonisches Erbe wecken als auch Touristen anziehen. Heute hat die Route 27 sogenannte Ankerpunkte und lässt sich auf 700 Kilometern Länge mit dem Fahrrad erkunden; mit Zollverein verfügt sie über ein UNESCO-Weltkulturerbe als Zentrum. Die Route ist auf den ersten Blick ein Erfolg: Zeigt man Besuchern von auswärts den Gasometer in Oberhausen, die bereits erwähnte Zeche Zollverein oder die Jahrhunderthalle Bochum, sind diese nicht nur aus Höflichkeit begeistert. Auch die meisten Ruhrgebietler haben die Route angenommen und sind stolz auf die Zeugnisse der Vergangenheit. Das Problem liegt jedoch darin, dass Industrie im Ruhrgebiet mittlerweile als etwas von gestern gilt, als etwas, das zurecht überwunden wurde. An kaum einem anderen Ort fiel die Idee der „postindustriellen Gesellschaft“ auf einen so fruchtbaren Boden wie hier in der Region, welche ihre Existenz der Industrialisierung verdankt und aus bedeutungslosen Kleinstädten und Dörfern eine Stadtlandschaft mit heute noch über fünf Millionen Einwohnern schuf. Dass Deindustrialisierung der Grund dafür ist, dass das Ruhrgebiet heute zu den ärmsten Regionen Deutschlands gehört, ist in Vergessenheit geraten und wird durch die Musealisierung von Fabriken, Stahlwerken und Zechen veredelt. Auch wenn ein Großteil der alten Industrien wie dem Bergbau wegen ihrer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit zurecht untergegangen sind, erweist es sich als fatal, dass moderne leistungsfähige Industriebetriebe mit gut bezahlten Arbeitsplätzen nur selten folgten. Der Erfolg der Route der Industriekultur ist somit ein Menetekel für den Wirtschaftsstandort Deutschland: So nett es auch sein mag, seinen Kaffee vor der malerischen Kulisse einer alten Fabrik zu trinken, so bitter sind die wirtschaftlichen Folgen des Abbaus der Arbeitsplätze, denen nie neue, wettbewerbsfähige Jobs in ausreichender Zahl folgten. Wer wissen will, wie Deutschland aussehen wird, wenn die Deindustrialisierung weiter geht, tut gut daran, das Ruhrgebiet zu bereisen: Die Armut, die Perspektivlosigkeit und die heruntergekommenen Städte zeigen den Preis, den eine Region für diese Entwicklung zahlt. Und so ist die Route der Industriekultur auch ein Zeichen dafür, dass das Ruhrgebiet schon lange aufgehört hat, um seine Zukunft zu kämpfen und lieber den Blick auf die Vergangenheit richtet.

 

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