
Hannah Bruns gehörte früher zur antideutschen Szene. Heute ist sie das Gesicht des Israelhasses der Berliner Linken.
Sie gehörte mal zur antideutschen Szene in Nordrhein-Westfalen, war israelsolidarisch und engagiert gegen Antisemitismus. Das alles ist lange her. Sehr lange. 2012 trat Hannah Bruns in die Linkspartei Bochums ein und entfernte sich langsam, aber sicher von ihren alten politischen Freunden. Sie machte im Kreisverband Bochum Karriere, der damals von den heutigen BSW-Politikern Sevim Dagdelen, damals Bundestagsabgeordnete für die Linke, und Amid Rabieh, damals zeitweise im Kreisvorstand und heute NRW-Chef der Wagenknechte, dominiert wurde. Ihr Weg führte Bruns in den Landesvorstand und fast in den Bundestag: 2017 stand sie auf Platz 13 der nordrhein-westfälischen Landesliste. Zwölf aus NRW zogen in den Bundestag. Hätte die Linke statt 9,2 Prozent 9,9 Prozent geholt, wäre auch Bruns Bundestagsabgeordnete geworden.
Nur wenige Monate nach der Wahl brach Bruns mit der Partei. Nach der Teilnahme an der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin im Januar 2018, bei der die Polizei gegen kurdische Teilnehmer vorgegangen war, bezeichnete sie die Beamten in den sozialen Medien als „Bullenhunde“ und „Schweine“. Bei der Linkspartei in Bochum war man von diesem Posting nicht angetan. Die Partei distanzierte sich von Bruns, die austrat und ihren Bruch mit der Partei im Februar in einem wirren Statement begründete: Darin beschrieb sie ihre politische Arbeit in Langendreer-West, einem gesichtslosen Vorort Bochums, und kam zu dem Schluss: „Die Massen dürsten nach Führung und Macht.“ Wer in der Linkspartei arbeite, „verarscht das Proletariat“. Der Text endete mit lächerlichem Pathos: „Für die Rekonstitution der KPD! Nieder mit der Linkspartei und allen Illusionen!“ Bruns war von der Karrierelinken zur Westentaschenleninistin mutiert. Im Magazin Vice sagte sie, Reformlinke seien Illusionäre, weil sie behaupten würden, man könnte den Staat friedlich übernehmen und dann der Arbeiterschaft helfen: „Die Geschichte zeigt das Gegenteil.“
Hohler Pathos ist bis heute Bruns Markenzeichen:
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Israel war damals noch kein Thema, aber das sollte sich bald ändern. Bruns zog nach Berlin, tauchte im Umfeld der maoistischen Schlägertruppe Jugendwiderstand auf, die 2019 durch Auflösung wohl einem Verbot zuvorkam, und wurde immer häufiger auf antisemitischen Demonstrationen gesehen.
2025 trat Bruns der Linken bei, diesmal dem Landesverband Berlin. Und sofort stand sie wieder im Rampenlicht, engagierte sich in der Landesarbeitsgemeinschaft und der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, sagte im Interview mit der ARD, sie würde sich nicht vom Angriff der Hamas im Oktober 2023 distanzieren. In einer Rede auf einer Demonstration im November 2025 sagte Bruns, wie immer in den vergangenen Jahren mit irgendeinem Lappen, oft einer Kufiya, um den Kopf: „Die Befreiung Palästinas endet nicht, wenn das Westjordanland befreit ist. Die Befreiung Palästinas endet dann, wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt!“ Bruns war auch dabei, als im November 2025 die Parteizentrale aus Protest gegen den Ausschluss von Ramsy Kilani besetzt wurde. Der flog unter anderem aus der Linken, weil er zum Jahrestag des 7. Oktober in einem Tweet Hamas-Terroristen palästinensische Guerillakämpfer genannt hatte.
Nun könnte es sein, dass auch Bruns die Partei verlassen muss. Aus den kleinen israelsolidarischen Kreisen der Partei wurde ein Antrag auf Parteiausschluss gestellt, der kurz vor der Wahl am 6. September bei der Schiedskommission einging. Für die Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen wäre ein Rauswurf Bruns praktisch, doch durch die Länge eines solchen Verfahrens würde eine Entscheidung erst Monate nach der Wahl Elif Eralps zur Regierenden Bürgermeisterin erfolgen. Und er wäre umstritten: Wie bei den englischen Grünen und La France insoumise sind Hass gegen Israel und Antisemitismus auch bei der Linken wichtige Erfolgsfaktoren und sichern die Zustimmung von Aktivisten und muslimischen Migranten. Und Bruns hat Unterstützer. In einem Brief fordern gut 130 Unterzeichner, darunter der Lustigmann El Hotzo, die einstige Twitter-Prominente Jasmina Kuhnke und die Weltbühne-Autorin Deborah Feldman: „Das Ausschlussverfahren gegen Hannah Bruns muss sofort gestoppt und zurückgenommen werden.“
Bruns kann sich also entspannen: Mit Hass auf Israel ist sie zu einer bundesweit bekannten Person aufgestiegen. Gehen SPD und Grüne mit der Bruns-Linken eine Koalition ein, verlieren sie beim Thema Antisemitismus jede Glaubwürdigkeit; bekommt Elif Eralp das Hannah-Problem nicht in den Griff, ist absehbar, dass Berlin auch künftig von einer Null regiert wird; fliegt Bruns aus der Partei, droht Ärger mit der antisemitischen Basis nicht nur in Berlin.
Egal, was passiert: Bruns’ Eitelkeit und ihr Selbstbild als revolutionäre Agitatorin der Volksmassen auch über Langendreer-West hinaus werden in jedem Fall gestärkt.
Der Text erschien in ähnlicher Form bereits in der Jungle World
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