Ukraine: Käßmann, Kurschus, gerechter Krieg

Warschau Altstadt 1945 by Polish Press Agency Public Domain

„Sie brauchen mehr als unser Mitgefühl und unsere Gebete.“ Sagte die Präses der westfälischen Landeskirche, Annette Kurschus, Anfang März der Funke Mediengruppe. Seit November 2021 ist Kurschus, was Margot Käßmann bis Februar 2010 war, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, sie stellt fest: „Ihr Land“, das der Ukrainer, „wurde willkürlich und bösartig überfallen, sie haben das Recht, sich zu verteidigen.“ Und dann dieser Satz: „Wer bin ich, ihnen ins Gesicht zu sagen, sie sollten dazu Pflugscharen benutzen.“

Blamiert hat Putin alle und alles, Pop und Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, Medien und Kommentatoren, Kultur und Kirche, Käßmann und „Konkret“ und so weiter: Nicht dass Putin diesen Krieg führt, sondern wie er ihn führen lässt, wirft jeden, der dachte, er sei auf Höhe der Zeit, hinter sich selber zurück. So schlau wie heute war gestern kaum wer, gerade weil die Bilder aus der Ukraine heute so aussehen wie gestern die in der NS-Wochenschau. Die „Zeitenwende“, die alle erspüren, geht auf eine Impression zurück, einen Sinneseindruck, der das Denken verändert. Beispiel: die evangelische Kirche.

Deren Friedensethik war immer äußerst weit gespannt, zwischen einem Militärbischof und einem radikalen Pazifisten liegt ein weites Feld. Zuletzt hatte die pazifistische Fraktion klare Geländegewinne erzielt, ausgelöst weniger durch das Epochenjahr 1989 als wiederum durch eine Impression, den ersten Krieg im Bildschirmformat: 1991 berichtete CNN live, wie eine von den UN mandatierte Koalition Saddam Hussein davon abhielt, Kuwait besetzt zu halten.

Damals überboten sich die Feuilletons in ihrer Empörung über die Bilder  –  weniger darüber, dass Saddam Hussein Dutzende Raketen auf Tel Aviv abfeuerte und Juden in Schutzräume zwang wie früher in Ghettos, sehr viel mehr darüber, wie gefesselt man sich fühle, von der Couch aus mitanzusehen, wie Cruise Missiles im Irak ihre Ziele finden. Angesichts der Fernsehbilder beschied etwa Heinrich Albertz, Pfarrer und zuvor Berlins Regierender: „Ja, die Rede vom ‚gerechten‘ Krieg ist Gotteslästerung“. Bitterböse damals der Kommentar von Eike Geisel: Friedensbewegte hätten die Video-Ästhetik des Krieges als einen „Bluff“ durchschaut, darauf aus, dass sie als TV-User „um die Leichenberge betrogen wurden“.

Berge, die sich am nächsten Morgen umso rasanter auf Millionenhöhe türmen ließen, von FAZ bis TAZ wurden Hekatomben geschichtet. Später wird die Zahl der tatsächlich getöteten Zivilisten auf 3500 geschätzt: Der erste Medienkrieg war kein Krieg der Bilder, sondern der Einbildungen.

„Keine weiße Weste“

Das ist der Krieg, den Putin in der Ukraine führt, nicht, Mariupol sieht tatsächlich aus, wie Warschau aussah. Wenn es in der Geschichte einen unbestritten gerechten Krieg gegeben hat, dann den gegen unsere Vorfahren, die solche Stadtbilder schufen. Und heute den, mit dem sich die Ukrainer dagegen wehren, dass ihre Städte erneut, diesmal von Russen, in Schutt und Asche gelegt werden. Der Satz von Annette Kurschus  –  „ wer bin ich, ihnen ins Gesicht zu sagen, sie sollten dazu Pflugscharen benutzen“  –  bringt diese deutlich veränderte Wahrnehmung auf den Begriff:

Kurschus rückt ihren Satz sehr betont in die Ich-Form, die erste Repräsentantin des deutschen Protestantismus macht mehr als deutlich, dass, wer immer in dieser Situation gewaltfreien Widerstand einklagt, erst recht nur in der Ich-Form sprechen kann, alles andere ist erbarmunglos.

Zweitens bedeutet Kurschus‘ Satz: Schwerter lassen sich in Pflugscharen umschmieden, das schon, aber sie lassen sich nicht ersetzen. Damit rückt sie etwas zurecht, was friedensethisch zuletzt verwischt worden ist: den fundamentalen Unterschied, der zwischen einem von Gott gewirkten Frieden  –  keine Schwerter, nur noch Pflugscharen  –  und einem von Menschen gemachten besteht, bei dem es immer nur um weniger Schwerter und mehr Pflugscharen gehen kann.

Heißt drittens, dass der Rat der Evangelischen Kirche  –   ebenso die Bischofskonferenz der katholischen Kirche  –  Waffenlieferungen an die ukrainische Armee für „grundsätzlich legitim“ halten. Das Thema Rüstungsexporte ist das Fort Knox der kirchlichen Friedensethik.

Vier Tage nach ihrem Interview mit der WAZ wird Kurschus noch deutlicher, im Interview mit dem epd erklärt sie: „Wir können in dieser Situation keine weiße Weste behalten. (…) Aber wir dürfen dem als Kirchen nicht ausweichen, indem wir schweigen und uns aus der Verantwortung ziehen.“ Die protestantische Friedensethik, eh nicht zeitlos, müsse einer „kritischen Prüfung“ unterzogen werden.

Lehre vom gerechten Krieg

Was hier geschieht  –  und in einer sehr unaufgeregten Weise geschieht, wenn man es mit früheren Debatten vergleicht; der Friedensbeauftragte der EKD, Landesbischof Friedrich Kramer, hält tapfer dagegen, aber auch das liest sich eher so, als gäbe er zu Protokoll  –  was gerade geschieht, sind theologisch eminente, aber keine tektonischen Verschiebungen.

Präses Annette Kurschus 2019 zum Tag des Friedens im Rathaus Bochum (c) Presseamt Stadt Bochum

Blick zurück: Im 4. Jahrhundert hatte Augustin seine Lehre vom gerechten Krieg entworfen, deren klassische Form stammt von Thomas von Aquin, 13. Jahrhundert, ihr Clou besteht darin, dass sie dem Krieg jede religiöse Weihe entzieht. Ein gerechter Krieg  –  ein ungerechter sowieso  –  ist das Gegenteil eines „Heiligen Krieges“, eines von göttlicher Autorität angeordneten Waffengangs. Krieg wird in dieser entheiligten, gleichsam säkularisierten Theologie an eine Rechtsordnung gebunden und allein an den Maßstäben menschlichen Rechts gemessen, die drei Kriterien:

Nur eine legitim herrschende Autorität hat das Recht zum Krieg; ihn zu führen erfordert einen gerechten Grund; Ziel muss sein, Frieden (wieder-) herzustellen.

Klingt lapidar, schließt aber ungemein Vieles aus: private Fehden und persönliche  Interessen, willkürliche Zwecke und jede Berufung auf göttliche Legitimation. Neben das „Recht zum Krieg“ tritt das „Recht im Krieg“, hier gilt: Die Art, ihn zu führen, muss angemessen sein, angewandte Gewalt verhältnismäßig, Zivilisten sollen verschont, Gefangene menschlich behandelt werden.

Wie bei allen Rechtssätzen kommt es auch hier auf ihre Interpretation an, die Literatur dazu ist über Jahrhunderte angewachsen. Sicher wurde die Lehre vom Krieg teils übel missbraucht, unterm Strich aber steht: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein, ein Verteidigungskrieg dagegen muss sein, nicht damit der einzelne Christ sich selber schütze, wohl aber alle, die einer Aggression schutzlos ausgeliefert sind.

Der I. Weltkrieg bedeutete einen Cut für diese lang tradierte Lehre, zu offenbar das Dilemma, dass sie auf beiden Seiten der Front plausibel erschien. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson war der erste, der versuchte, die Theorie von ihrem Ende her zu denken, dem Ziel eines „gerechten Friedens“. Auch hier wieder die Bindung an eine Rechtsordnung, anders aber als bei der Lehre vom gerechten Krieg lässt sich die Idee eines gerechten Friedens über menschliches Rechtsdenken hinaus unmittelbar an göttliche Autorität ankoppeln. Ein Vorteil?

Ein Nachteil? Zunächst nur eine kleine Verschiebung im frommen Bewusstsein: Krieg soll nicht sein laut Gottes Willen, Frieden muss sein laut desselben göttlichen Willens. In diesem Spielraum zwischen Soll und Muss liegt der Geburtsort des modernen christlichen Pazifismus. Getauft wurde er, als die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen, seitdem scheinen das Gebot Gottes und das der Wirklichkeit eins geworden zu sein: Wenn es Atombomben gibt, kann es keine gerechten Kriege mehr geben.

„Kein Mittel legitimer Selbstverteidigung“

Sondern was? „Aus Gottes Frieden leben  –  für gerechten Frieden sorgen“, heißt eine 2007 veröffentlichte Denkschrift des Rates der EKD, der Titel ist Programm: Frieden und der eigene Auftrag wird hier unmittelbar von Gott her gedacht. Dagegen wird die Lehre vom gerechten Krieg  –  die ja nun gerade nicht von Gott her argumentiert, sondern vom menschlichen Ermessen  –  rundweg verworfen: „Im Rahmen des Leitbilds vom gerechten Frieden hat die Lehre vom bellum iustum keinen Platz mehr“, heißt es jetzt.

Stattdessen setzt die Denkschrift  –  es ist die Käßmann-Position  –  ganz auf „zivile Konfliktbearbeitung“, auf „universale Institutionen“ und „Förderung von Lernprozessen“.  Kein Platz mehr auch für den Versuch, „durch das Dasein von Atomwaffen einen Frieden in Freiheit zu sichern“, die Zeit für atomare Abschreckung sei endgültig abgelaufen, wörtlich: „Aus der Sicht evangelischer Friedensethik kann die Drohung mit Nuklearwaffen heute nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden.“

Helsinki 2022-02-26 by rajatonvimma /// VJ Group Random Doctors CC BY 2.0

Man kann sich leicht lustig machen über die Vorstellung, wie Margot Käßmann aus Hannover mit Taliban-Kriegern im Zelt die Rechte von Frauen in Lernprozessen verhandelt. Was man dieser friedensethischen Position zugestehen muss: dass sie das Scheitern der realpolitisch Nüchternen und militärisch Versierten deutlich eher und scharf gesehen hat. „Nichts ist gut in Afghanistan“, der Satz aus einer Predigt Käßmanns, seinerzeit heftig diskutiert, stammt von Neujahr 2010 und nicht vom 29. Juni 2021, als der letzte Bundeswehr-Soldat ausgeflogen und das Land den Taliban überlassen wurde.

Ausrichtung am Nato-Ziel

Ernüchtert sind heute alle, ob sie auf Schwerter gesetzt haben oder auf Pflugscharen. Für die protestantische Friedensethik hat dies  –  das hat Kurschus mit ihrem klugen Satz klar gemacht  –  Konsequenzen:

_ für die Frage, wie Aufrüstung  –  das 100 Milliarden-Programm der Bundesregierung  –  unter jetzigen Bedingungen zu werten sei,

_ für die Frage nach Rüstungsexporten,

_  für eine friedensethische Reflektion von Geopolitik: deren Bedeutung, so der westfälische Theologe Ulrich Körtner, Professor an der Uni Wien, sei bisher noch nicht begriffen,

_ für eine sehr grundsätzliche Reflektion darüber, dass, so nochmals Körtner, die „Kategorie des Feindes“, als den die russische Regierung den Westen sieht, sehr real in unsere Weltsicht eingerückt ist,

_ Konsequenzen für die Frage nach atomaren Waffen: Als Begründung dafür, warum eine atomare Abschreckung nicht mehr funktioniere, hatte die EKD-Denkschrift 2007 erklärt, man könne nicht „von vornherein mit einem zu rationalem Kalkül geneigten Gegner rechnen“. Heute setzt diese Begründung ihr Gegenteil frei: Bei einem rational verpeilten Gegner wie Putin ist die atomare Drohung ultima ratio, sie setzt auf einen allerletzten Rest von Vernunft, auf was sonst.

_ Konsequenzen für die Frage nach konventionellen Waffen: 2019 hatte die EKD-Synode ihre Friedensethik klimapolitisch unterbaut und die Bundesregierung aufgefordert, „mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für entwicklungspolitische Maßnahmen auszugeben“. Die 2%- Forderung, hieß es schachzugmäßig, „orientiert sich an dem Nato-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes für Verteidigung auszugeben“. Diese Ausrichtung am Nato-Ziel aber setzt ein insgeheimes Einvernehmen voraus oder deutet es zumindest an: Wer entwicklungs- und verteidigungspolitische Aufgaben auf Augenhöhe bringen will, kann keine Abrüstung fordern.

Die evangelische Kirche, die gerne bekennt, wird Farbe bekennen müssen, es wird nicht die der weißen Weste sein.

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17 Kommentare

  1. #1 | Reginald sagt am 27. März 2022 um 12:43 Uhr

    İnteressiert mich nicht mehr Der Eiserne Vorhang gehört sofort wieder her.sämtlicher Handel mit diesem Massenmörderstaat Russland gehört sofort eingestellt.Wir in Europa haben genug Möglichkeiten ohne irgendwelche Mörder und Verbrecherstaaten in Wachstum und Wohlstand zu leben.Wir müssen nur Mal anfangen Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.Machen wir endlich Schluss mit der Nutzung von fossilen Energien.Dann brauchen wir auch die islamischen Mörderstaaten nicht mehr Handel zu treiben.

  2. #2 | Berthold Grabe sagt am 27. März 2022 um 14:12 Uhr

    Eine gute Ausführung, mit einem kleinen Haken.
    Wir sollten der unredlichen Friedenspropaganda nicht Nahrung geben, in dem wir bei den aktuellen Plänen von Aufrüstung sprechen, das ist irreführend und schlicht falsch, es geht lediglich um angemessene und nicht vorhandene Ausrüstung, die beschafft werden muss.
    Das ist wichtig um nicht einem Märchen von deutscher Aufrüstung zu unterliegen, für die die Mittel in der aktuellen Struktur nicht mal im Ansatz reichen würden.
    Sicher wäre es geboten den Wehretat auch um seine masslose Verschwendung zu bereinigen, dann wären die jetzigen bewilligten Mittel zusätzlich überhaupt nicht nötig.
    Und in dieser Verschwendung liegt viel mehr Ethik im Argen.

  3. #3 | Robert Müser sagt am 27. März 2022 um 15:28 Uhr

    "Schwerter zu Gehirnmasse" wäre hier für einige Aktiven bei der ev. Kirche angesagt, scheint aber an der technischen Umsetzung zu scheitern.

    Auch hier gilt:
    Wer schon immer nach einem letzten Grund für den Austritt aus der ev. Kirche gesucht hat, der findet hier im Agieren von Käßmann, Kurschus und Co. bestimmt etwas.

  4. #4 | Manni sagt am 27. März 2022 um 17:01 Uhr

    @Berthold Grabe, #2: ungeachtet unserer ansonsten Recht verschiedenen Sichtweisen stimme ich Ihnen inhaltlich völlig zu. Das sehe ich genauso. Evtl könnte man noch darüber debattieren, ob nicht auch Militärhilfe inkl der zivilen Maßnahmen in diesem Sinne in den Wehretat gehören sollte.

  5. #5 | Thomas Schweighäuser sagt am 29. März 2022 um 00:14 Uhr

    "Das ist der Krieg, den Putin in der Ukraine führt, nicht, Mariupol sieht tatsächlich aus, wie Warschau aussah. Wenn es in der Geschichte einen unbestritten gerechten Krieg gegeben hat, dann den gegen unsere Vorfahren, die solche Stadtbilder schufen. Und heute den, mit dem sich die Ukrainer dagegen wehren, dass ihre Städte erneut, diesmal von Russen, in Schutt und Asche gelegt werden."
    Hat gut einen Monat gedauert, bis sich der erste deutsche Prediger fand, der sich bemüßigt fühlte, den Höllenstaat Deutschland, der ein einzigartiges Menschheitsverbrechen betrieb, und seine Metzeleien zu relativieren.
    Auf die Militärseelsorger, denen das "Gott mit uns" auf den Koppelschlössern der Vernichtungskrieger immer schon Auftrag war, kann man sich eben verlassen.

  6. #6 | Thomas Wessel sagt am 29. März 2022 um 10:03 Uhr

    @ Thomas Schweighäuser | Wenn der Krieg der Alliierten gegen die Nazis ein gerechter Krieg war, kann es – Ihrer Logik zufolge – kein anderer Krieg jemals mehr sein, ohne dass man den „Höllenstaat Deutschland“ relativieren würde. Ihrer Logik zufolge wäre jeder Krieg außer diesem einen ein ungerechter Krieg. Wenn sich die Ukrainer dagegen wehren, dass Mariupol zu einer Steinwüste gemacht wird, wie Rotterdam eine war und Irpin zu einem Stadtbild wie Warschau – das war mein Vergleich – , erklären Sie ihnen, das sei ungerecht.

    Und begründen dies – wo ist da der Zusammenhang? – mit dem „einzigartigen Menschheitsverbrechen“, mit Auschwitz. Ganz so, als ob Auschwitz eine militärische Maßnahme gewesen sei. Als ob die Vernichtung des europäischen Judentums in irgendeiner Weise als Krieg – gegen wen, wenn nicht die Juden? – zu begreifen wäre. Solche Vorstellungen finden sich eigentlich nur ganz rechts außen, wieso bei Ihnen?

    Am Ende führt Ihre Logik Sie dahin zu behaupten, dass die Ukrainer – die Ukrainer! – „Vernichtungskrieger“ seien. Die Pirouette, die Sie hier hinlegen, ist putinesk.

  7. #7 | Thomas Schweighäuser sagt am 30. März 2022 um 08:23 Uhr

    @Thomas Wessel
    Es ging darum, dass Sie von allen Kriegen, die nach 1939 geführt wurden, denjenigen, der gegen "unsere Vorfahren" geführt wurde, und denjenigen, den die Ukraine gegen die russische Armee führt, als "unbestritten gerecht" bezeichnen. Es hätte dutzende andere Beispiele für Kriege gegen Invasoren oder die Zerstörung von Städten gegeben, aber es mussten eben Warschau und Rotterdam sein, wie eben auch Saddam als Wiedergänger Hitlers und die Bombardierung Belgrads als Verhinderung von Auschwitz gerade stehen mussten. Insofern sehe ich Sie auf der Wiedergutwerdungsmission der Deutschen, ein Projekt, das mich seit Jahrzehnten anödet.

  8. #8 | Thomas Wessel sagt am 30. März 2022 um 10:28 Uhr

    @Thomas Schweighäuser | Erst erklären Sie die Ukrainer zu „Vernichtungskriegern“ – und rücken nicht davon ab – , jetzt drehen Sie Eike Geisel das Wort von der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ im Mund herum: Geisel hatte damit die eitle Attitüde der deutschen Friedensbewegung gemeint, die anderen empfahl, sich friedlich abschlachten zu lassen. Also just das, was Sie jetzt den Ukrainern empfehlen, die Sie, sobald sie sich wehren, als „Vernichtungskrieger“ denunzieren.

    Aber Ihnen geht es wohl wirklich nicht um die Ukrainer, sondern – insofern bestätigen sie Eike Geisel 25 Jahre nach dessen Tod – um „ein Projekt, das mich“ – also Sie – „seit Jahrzehnten anödet“. Sie drehen sich um Ihr Angeödetsein, das ist nicht mein Thema.

  9. #9 | Thomas Schweighäuser sagt am 30. März 2022 um 20:37 Uhr

    @ Thomas Wessel
    Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass "Gott mit uns" auf den Koppeln der deutschen Wehrmacht zu finden war. Wer da einen Bezug zu den Ukrainern herausliest, hat wohl etwas fundamental falsch verstanden. Wer das wohl war?
    (Kleiner Tipp: Ich wars nicht.)

  10. #10 | Thomas Wessel sagt am 31. März 2022 um 11:07 Uhr

    @Thomas Schweighäuser | Eben diesen Bezug haben Sie hergestellt: Weil der Krieg gegen die Nazis ein gerechter Krieg gewesen sei, schrieben Sie, könne es der Krieg der Ukrainer gegen die Russen nicht sein. Ihre Begründung: Auschwitz. Wo kein Auschwitz – immer noch Ihr Gedankengang – da kein Recht, sich gegen Putins Diktatur zu verteidigen.

    Wer es dennoch für gerecht halte, so wie es tue, dass sich die Ukrainer militärisch verteidigen, dem – schrieben Sie – seien die „Koppelschlösser der Vernichtungskrieger immer schon Auftrag“.

    „Immer schon“ heißt: Sie reden von „Vernichtungskriegern“ gestern und heute, Sie setzen Wehrmacht und ukrainische Armee gleich.

    Wenn Sie diese Konsequenz nicht meinen, die sich aus Ihrem Gedankengang ergibt, gehen Sie ihn Schritt für Schritt zurück, Sie werden feststellen, dass es bereits am Anfang klemmt, da, wo Sie Auschwitz instrumentalisieren.

  11. #11 | Walter Stach sagt am 1. April 2022 um 14:00 Uhr

    Deutscher Bellizismus
    -Unser Krieg: Nur die Wahrheit!

    So die Überschrift eines Gastbeitrages von Thomas Fischer bei SPIEGEL online vom 1. 4. 2022 mit der Unterzeile:

    "Auf der Suche nach der Wahrheit über den Krieg gerät man rasch in schwere See. Nun ist es Zeit für das Schlimmste, was als stärkste Gefahr droht : Relativierung!"

    Ich weise auf diesen Beitrag primär deshalb hin, weil Fischer in ihm Meinungen jenseits der medialen Mehrheitsmeinung vertritt und die mir vor allem deshalb hier erwähnens- und bedenkenswert erscheinen, aber auch, weil ich selbst hier bei den Ruhrbaronen seit Beginn der einschlägigen Meinungsäußerungen zur Kenntnis zu nehmen hatte , was Fischer mit "drohender Gefahr der Relativierung" umschreibt.

    Trotzdem -und in diesem Sinne- drei Anmerkungen "zur Sache":
    1.
    "Die USA würden jahrelangen Krieg tolerieren. Sie würden viele Tote in Kauf nehmen".
    So der Top-Ökonom Jeffrey Sachs in WELT + online am 1. 4. 2022.".

    Zu dieser Feststellung "passen" Einsichten wie:
    Der Wirtschaftskrieg des "Westens" gegen Russland geht primär zu Lasten der westeuropäischen Staaten, vorne weg zu Lasten Deutschlands. Er belastet insgesamt nicht die US-Wirtschaft, sondern stärkt vielmehr diese im weltweiten Wettbewerb mit der westeuropäischen, vor allem mit der deutschen Exportwirtschaft.

    Nicht nur, aber kurzfristig vor allem mit Blick auf die Wahlen zum US-Kongress im November 2022 bietet sich für Präsident Biden die unverhoffte und angesichts der "miesen Umfragewerte" für ihn und seine demokratischen Partei eine insofern willkommene Gelegenheit, sich Tag für Tag als "Vorkämpfer" für Freiheit und Demokratie zu profilieren -ohne dadurch auch nur das Leben eines einzigen US-Bürgers zu gefährden oder, wie bereits gesagt, die US-Wirtschaft über die akuten Probleme hinaus zusätzlich in Schwierigkeiten zu bringen.

    Im übrigen dürfte die Demonstrationen von "Macht und Stärke" seitens des US-Präsidenten gegenüber Russland ihm und seiner Partei gut tun im ihrem Bemühen, die "Schmach des Truppen-
    Abzuges aus Afghanistan" vergessen zu machen.

    Thomas Fischer sei Dank, dass ich mich mit Meinungsäußerungen wie z.B. der Vorherige nicht gänzlich als "Außenseiter" sehen muß oder überrascht zu werden, wenn ich die "Drohung des Relativierens, des Relativierers" zur Kenntnis zu nehmen habe.

    "Ansonsten":

    Der Krieg " in der Nachbarschaft", seine über das akute Leid der Menschen in der Ukraine hinaus gehenden nicht absehbaren Folgen für Deutschland, für Europa, weltweit,

    die nicht enden wollende weltweite Corona-Pandemie.

    die tagtäglich immer wieder und immer nachdrücklich bereits jetzt und hier für "jedermann" sicht- und spürbaren Folgen der Klimakatastrophe und der m,E. völlig unzureichende Reaktion darauf -in Deutschland, in Europa, weltweit.

    läßt das alles es zu, ohne Skrupel gute Wünsche zum Wochenende auszusprechen oder hier bei den Ruhrbaronen wie seit Jahren üblich über Siege oder NIederlagen z.B. in der Fußball-Bundesliga zu spekulieren und zu streiten oder über ein denkbares Ergebnis der bevorstehenden Landtagwahl hier in NRW oder über…….????

    Mir fällt das Alles wie vielen anderen Menschen derzeit sehr, sehr schwer. Sei es 'drum.
    Ich wünsche jedenfalls ein schönes, ein gutes Wochenende -und "uns" BVB-Fans einen Erfolg gegen RB-Leipzig ; für mich wäre das schon bei einem Unentschieden der Fall.

  12. #12 | Helmut Junge sagt am 1. April 2022 um 19:06 Uhr

    Walter Stach, der Artikel von Thomas Fischer im Spiegel ist gut. Wie könnte es auch anders sein bei jemanden der Vorsitzender des 2. Strafsenats beim Bundesverfassungsgericht war. Die müssen ihre Gedanken schon sprachlich konsequent formulieren können.
    Aber was du vermutlich nicht weißt, ist daß das dazugehörige Foto mit Habecks Kotauversuch bei der Welt sehr viel aufschlußreicher ist. Da beugt sich Habeck noch viel tiefer runter.Damit du das sehen kannst, verlinke ich es dir.
    https://www.welt.de/satire/article237670115/Habeck-besiegelt-Deal-Katar-bekommt-EM-2024-von-Deutschland.html

  13. #13 | Walter Stach sagt am 2. April 2022 um 17:08 Uhr

    Helmut Junge,
    ich habe "irgendwo" gelesen, daß das von Dir angesprochene Foto nicht die tatsächliche Situation abbildet , die aufgrund dieses . Fotos jetzt als Kotau publiziert wird. Dass das vornehmlich durch die Springer-Medien geschieht, ist für Springer -und für seine Medienkundschaft- selbstverständlich. Das ist für mich allerdings "so oder so" völlig belanglos.

    Zu Thomas Fischer:
    Nachdenkens- bzw. bedenkenswert erscheint mir, , daß "die Medienwelt" außerhalb des SPIEGEL bzw. außerhalb von SPIEGEL- online, die Aktivisten in den sog. sozialen Netzwerken eingeschlossen, alles zu tun bzw. alles zu unterlassen scheinen, um mittels strikten Verschweigenss des betr. Fischer-Kommentars dessen Inhalt zu verschweigen, von einer kritischen Auseinandersetzung damit ganz zu schweigen. Nicht verwunderlich, denn der SPIEGEL-Gastbeitrag von Thomas Fischer paßt ob seiner rationalen Betrachtungen ganz und gar nicht in das von überbordenden Gefühlen strotzendem öffentlichen Meinungsbild bzw. in den medial-politisch betriebenen Meinungsbildungsprozess.

    Nicht nur wegen des hier angesprochenen Meinungsbeitrages (SPIEGEl-Gastkommentars) von Fischer, sondern auch aufgrund vorangegangener Spiegel-Beiträge von Fischer , kann ich "dem SPIEGEL" nur dazu gratulieren, Fischer als Gastkommentator gewonnen zu haben.

    Es scheint , wie von Dir angemerkt, einem sachgerechten, sachdienlichen, vernunftgeleiteten, nicht auf "Meinungsmache um jeden Preis" ausgerichtetem Journalismus sehr gut zu tun, wenn sich ein hochkarätiger Jurist wie Fischer -sprachbegabt, sprachgewandt- kommentierend zu Wort meldet.
    Prof. Dr. Thomas Fischer war nicht nur Vorsitzender des 2. Strafsenates bei BGH -nicht des BVerfG-, sondern war und ist als Strafrechtswissenschaftler als Hochschullehrer aktiv und jedem Strafrechtler in Deutschland ein tagtäglicher Begleiter durch den dem von ihm mittlerweile in der 69. Auflage verfaßten Kommentars zum StGB.

    Helmut Junge,
    ich habe den SPIEGEL-online Beitrag von Thomas Fischer zudem erwähnt, weil es für mich sehr befriedigend war feststellen zu können, daß in dieser -verständliciherweise -von Emotionen offenbar überwältigten Verfassung unser Gesellschaft, nicht zuletzt in der medialen Welt und nicht nur hierzulande, jemand da ist, der sich immer noch ,trotz allem bzw. jetzt erstrecht der Vernunft und der auf sie fußenden Aufklärung verpflichtet fühlt.

    Helmut Junge,
    ich habe mich in den letzten Wochen bewußt jeder weiteren Meinungsäußerung zum russischen Krieg gegen die Ukraine hier bei den Ruhrbarone enthalten und werde das auch weiterhin tun, es sei denn, mit begegnet eine Kommentierung von der Qualität des jüngsten Fischer-Gastbeitrages bei SPIEL-online.

  14. #14 | Helmut Junge sagt am 2. April 2022 um 20:03 Uhr

    Walter Stach, Habeck und Baerbock werden derzeit von der früheren "Springerpresse" , die gar nicht mehr Springer gehört, täglich sehr positiv dargestellt. Sehr positiv. Sogar besser als Lindner und seine FDP. Angegriffen wird Olaf Scholz. Und das massiv. Insofern halte ich das Foto in der Welt einfach nur für fotografisch besser. Es gibt im Netz auch Fotos, die so gedreht sind, daß Habeck seinen Gastgeber überragt, so daß er nicht gebückt wirkt. Daß diese Fotos gedreht sind, sieht man am schefen Gitter im Hintergrund. Nein, der Kotau ist echt.
    Zu Thomas Fischer: Von 1000 Hochschulprofessoren seiner Fachrichtung schaffen es nur wenige nach so weit oben. Deshalb ist Hochschullehrer zu sein keine Steigerung der Würde von Fischer, eher eine Herabsetzung.
    Der Mann kann schreiben wie ich es selten gesehen habe. Solche Leute sind heutzutage rar.
    Walter Stach, ich kann aus meiner bescheidenen Position keinerlei Einfluß auf den Krieg nehmen. Das können auch die Autoren und Kommentatoren bei den Ruhrbaronen nicht. Vielleicht bilden sie sich das ein. Solange wir uns aber im Krieg befinden, Habeck sagt ja, daß er sich, und damit auch mich, im Wirtschaftskrieg sieht, greife ich meine Regierung nicht an. Der Trümmerhaufen, den ich fürchte, ist ja auch noch nicht zu sehen. Ich habe keine Lust darauf, den Unheilsverkünder zu spielen. Und ich neige sowieso mehr zur Analyse dessen, was da ist. Also halte ich mich mit Gefühlen zurück.Das heißt nicht, daß ich unsere Regierung mag.

  15. #15 | Gerechter Krieg? - Christuskirche Bochum | Kirche der Kulturen sagt am 2. April 2022 um 21:39 Uhr

    […] zuerst erschienen auf dem Blog ruhrbarone.de am 27. März […]

  16. #16 | Thomas Schweighäuser sagt am 4. April 2022 um 19:24 Uhr

    @Thomas Wessel
    Ist mir zwar mittlerweile sehr mühsam, aber die gleichsam automatische Gleichsetzung der verzweifelten kriegerischen Bemühungen, das deutsche Morden zu stoppen, mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine, zeigt mir, dass hierzulande auch ein ganz anderes Projekt weiterbetrieben wird. Welches, habe ich Ihnen mehrfach versucht klarzumachen, vergeblich, wie ich jetzt erkennen muss. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

  17. #17 | Schwere Waffen – Ralf Langejürgen sagt am 4. Mai 2022 um 21:07 Uhr

    […] Unsere handlunsgsleitende Gesinnung ist unverändert makellos. Wir müssen die Ukrainer in ihrem gerechten Krieg  gegen den Aggressor unterstützen und unseren Kiewer Freunden schnellstmöglich das nötige militärische Werkzeug an […]

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