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AKP und AfD: Der Rechtsradikalismus hat sich im Ruhrgebiet verfestigt

Recep Tayyip Erdogan Foto: Glenn Fawcett Lizenz: Gemeinfrei

Ob AKP oder AfD – das Ruhrgebiet ist eine Hochburg der rechtsradikalen Parteien, vor allem in den ehemaligen Arbeiterquartieren haben die Rechten längst ihre Hochburgen und die Wahlergebnisse, das hat die Zustimmung zu Erdogan von über 75 Prozent gestern gezeigt,  sind keine Ausrutscher mehr.

Im großen Teilen des Ruhrgebiet hat das autoritäre und chauvinistische Denken mit der AKP und der AfD neue politische Angebote gefunden, die es annimmt. Das es neu ist, wäre ein Lüge: Die SPD hat aufgehört, diese Klientel zu bedienen, die Gewerkschaften haben ihre politische Bindungskraft längst verloren. Jahrzehnte von Misswirtschaft, wirtschaftlichem Abstieg und in den vergangenen Jahren eine Zunahme von Banden- und Clankriminalität in bestimmten Quartieren sind weitere Gründe, warum demokratische Parteien an Bedeutung verloren haben. Die wachsende Bedeutung des Islams in migrantischen Milieus und ein zunehmender Nationalismus sind weiter wichtige Faktoren. Bei den Türken und Deutschen können wir das Anwachsen des Rechtsradikalismus – sei es in seiner völkischen oder völkisch/islamistischen Spielart beobachten. Wie die in den vergangenen Jahren zugewanderten Araber oder Afrikaner zur Demokratie stehen wissen wir schlicht nicht. Aber zu glauben, es wären glühende Anhänger von Aufklärung und Demokratie, wäre arg optimistisch.

Zusammen bildet all das einen perfekten Sturm. Immer mehr Menschen lehnen die Demokratie und das westliche Denken ab. Den türkischen Erdogan-Anhängern kann man noch raten, das Land zu verlassen und in der Türkei die Suppe auszulöffeln, die sie ihren Landsleuten bereitet haben. Bei den Deutschen wird das nicht funktionieren. Das Ruhrgebiet hat ein Problem mit dem Rechtsradikalismus in den verschiedensten Spielarten. Ich habe keine Ahnung, was dagegen getan werden kann, aber es sich zu überlegen ist höchste Zeit.

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17 Kommentare zu “AKP und AfD: Der Rechtsradikalismus hat sich im Ruhrgebiet verfestigt

  • #1
    Daniel Breitscheidel

    Im Kohlenpod (empfehlenswerter Podcast zurSchließung der letzten Zeche im Ruhrgebiet) wurde von den alten Bergleuten immer wieder die starke Integration durch den Bergbau hervorgehoben. Es wurde für einander eingestanden Untertage und in der Siedlung. Häufig wurde auch darauf verwiesen, dass es heute einfach anders sei. Man kenne sich nicht mehr und man unterhält sich auch nicht mehr mit jedem Nachbarn etc.
    Ich glaube es ist negativ zu merken, dass die Kohle mit zu Hochzeiten über 500T. Arbeitern im Ruhrgebiet als identifikationsstiftendes und verbindendes Element weggefallen ist. Solidarität und der Perspektivwechsel werden nicht mehr so häufig vollzogen wie früher. Zumindest ist das mein Gefühl.
    Natürlich gibt es wohl noch weitere Hauptursachen, wie Perspektivlosigkeit oder Abgehängtsein, aber die sind aber auch zum Teil auf das Sterben der Kohle zurückzuführen.
    Ich stelle aber an mir auch immer fest, dass ich mich nicht traue gewisse Themen anzusprechen, weil ich nicht immer die Kraft habe die nötigen Diskussionen zu führen.
    Ich habe wirklich fast Angst davor wie andere Menschen denken mögen. Das hatte ich früher nicht…

  • #2
    Klaus Lohmann

    @Daniel Breitscheidel: Man verklärt im Allgemeinen und insbesondere im Ruhrgebiet gern diese Kohle/Stahlkonjunkturzeit. "Die Gastarbeiter" waren zu keiner Zeit everybody’s darling, es waren Arbeitskollegen, die gern die dreckigsten Jobs erledigen durften, während die heimischen Arbeiter nach Höherem – z.B. sauber am hell erleuchteten Band bei Opel oder Ford – strebten.
    Und im Miteinander abseits von Stollen und Stahlwerk zählte vor allem "bedingungslose Integration" mit Sprache, Kultur, Freizeitverhalten und Anerkennung teutscher Obrigkeit, Gründlichkeit und Sauberkeit. Wer als Gastarbeiter diese Hürden nahm, war dann auch in der SPD gerngesehener "Hyperdeutscher".
    Dass nach Einbruch der industriellen Blüte im Ruhrgebiet sich Niemand mehr seitens Politik oder gesellschaftlich relevanter Institutionen groß um die Sorgen und Nöte der hiergebliebenen Gastarbeiter kümmerte, dient als Beweis für die dünne Grundlage der angeblichen Solidarität und als ein Grund für die vielen Probleme des Ruhrgebiets mit seinen Migranten heute.

  • #3
    ruhrreisen

    Die Solidarität zwischen Gastarbeitern und Einheimischen war einzig und allein dadurch begründet, dass man hart zusammen malochte und der Eine auf den Anderen angewiesen war. Oder eben dort, wo Menschen die gleiche Sprache sprechen und nicht zuhause in ihrer Parallelwelt versinken (müssen). Da bleibt kein Platz für Sozialromantik. Gleiches gilt übrigens auch für andere Notfälle…z.B. Sturmschäden usw. Da freuen sich Nachbarn auch über Hilfe von gänzlich Unbekannten.
    Wenn der Job weg, Naturkastastrophen aus bleiben? Was bleibt dann? Tja…

  • #4
    Walter Stach

    Stefan Laurin,
    "volle Übereinstimmung" mit dem Inhalt der beiden letzten Sätze Deines Kommentars.

  • #5
    Walter Stach

    Zusatz:
    1.
    Ich nehme zur Kenntnis, daß insgesamt mehr als 5o % der Wahlberechtigten für Erdogan gestimmt haben. Selbst wenn "man" daran Abstriche zu machen hat, weil………,bleibt zu konstatieren, daß Erdogan offenkundig von "sehr, sehr viele Türken" als Staatspräsident hochgeachtet wird.

    Gründe? Da scheint es einige zu geben.
    Ich bin dieserhalb nur sehr oberflächlich informiert und enthalte mich insofern einer bewertenden Betrachtung.

    Was mir aufgefallen ist:
    In den Großstädten fand bzw. findet Erdogan weit weniger Unterstützer als "auf dem Lande". Und insofern gibt es auffällige Ähnlichkeiten in der politischen Grundeinstellung der Menschen in der Türkei mit denen in sog. westlichen Demokratien -sh.USA, sh. Frankreich, sh. Italien, sh. Brexit-Entscheid in GB, sh. aber auch das Wahlverhalten in Deutschland.
    Ursachen…..? Darüber wäre nachzudenken und zu diskutieren.

    2.
    Wahlverhalten "der" Türken im Ruhrgebiet:
    Mir ist aufgefallen -unabhängig von der konkreten Wahlentscheidung-, daß sie sich besonders dann bedingungslos für Erdogan ins Zeug legen , wenn sie ihre wirtschaftliche/soziale Lage als besonders prekär empfinden und wenn das -Ursachen/Folgen?- einhergeht mit einem "niedrigen" Bildungsstand und dem Empfinden (!), von den "Alteingessenen" als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden, besser wohl, als solche stets behandelt worden zu sein.
    Sie sehen -selbstverständlich- in Erdogan nicht denjenigen, der ihre wirtschafltich/soziale Lage in Deutschland zu verbessern willens und fähig sein könnte und auch niemanden, der sie aus ihrer "Bildungsmisere" herausführen könnte, aber eben jemanden, der ihnen das Gefühl vermittelt, eben nicht "zweitklassig" zu sein, sondern selbstbewußt und stolz sein zu können auf ihre türkische Herkunft, auf ihre Heimat, auf……-eben auch auf Erdogan, der es "der EU", der es "den Deutschen" zeigt, daß…….

    Auf die Frage, ob (!) und wie die hiesige Gesellschaft -speziell die im Revier- und ob und wie der deutsche Staat darauf reagieren sollte, habe ich keine hinreichend begründete und insofern einigermaßen überzeugende Antwort parat.

    Nicht zu leugnen sind die in der politischen Grundeinstellung -und deren Motivation?- erkennbaren Übereinstimmungen zwischen großen Teilen der Erdogan-Wähler und den "abgedrängten" Menschen aus den sozialschwachen und bildungsfernen Schichten der Bevölkerung , namentlich im Revier, namentlich in diversen Quartieren der Ruhrgebietsgroßstädte.
    Dass diese politische Gemengelage jenseits der Frage nach der Präsidentschaft Erdogans in der Türkei in den diversen Quartieren der Ruhrgebietsstädte für erheblichen Zündstoff sorgt, ist bekannt.
    Dass sich diese brisante politische Gemengelage noch verschärft hat durch die Unterbringung relativ vieler nach Deutschland geflüchtete Menschen in diesen Quartieren, dürfte unbestritten sein.

    Über Problemlösungen wurde und wird diskutiert; bisher, so meine Wahrnehmung, ohne erkennbaren Erfolg und ohne Erfolgsaussichten.

    Ich kann auch nicht erkennen, daß der Staat -Bund, Land, Kommune-, wenn er als sog. starker Staat, wie oftmals von mir gefordert, nach dem Motto "Null-Toleranz" bei jedweder Rechtsverletzung mehr als bisher in diversen Quartieren unserer Kommunen präsent ist, damit/dadurch nachhaltig die umschriebenen Probleme "aus der Welt schaffen", ja nicht einmal nennenswert wird minimieren können.

    "Wir" haben damit zu leben, es sei denn, daß……..??
    In Gesellschaft und Staat "mehrheitsfähige" Antworten auf diese Frage kenne ich nicht.

  • #6
    ke

    Spätestens nach dem "Arabischen Frühling" und den Ergebnissen der ersten Wahlen war klar, dass sich die meisten Menschen aus D geirrt hatten.
    Eine liberale Welt mit individueller Freiheit ist nicht die Lebensform, die sich Menschen auf der gesamten Welt wünschen.

    Wie sieht es bei den Türken aus? Welche Hintergründe haben sie?

    75 Prozent in Essen sind eine Hausnummer, aber lt.
    http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/wahlverhalten-deutsch-tuerken-101.html
    ist die Situation deutlich komplexer.
    Demnach haben weniger als 500.000 Türken aus D Erdogan gewählt.
    Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei nur 50% in D. Wie ist das zu bewerten? Interessiert die Türkei nicht mehr? Sieht man im Vorfeld keine Chance für "seine Partei"? Wer wählt nicht? Ist es wie bei deutschen Wahlen, dass insbesondere arm und abgehängt nicht wählt?

    Bei Wahlen in D wählen Deutschtürken überwiegend SPD (35%). Offen ist, was passiert, wenn es beispielsweise eine Variante der AKP in Deutschland gäbe. 500.000 Stimmen ergaben bei der letzten Wahl ca. 1 Prozent.
    https://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahlen/2017/ergebnisse/bund-99.html

  • #7
    Arnold Voss

    Walter, es gibt Leute die gerne Diktatoren wählen, weil sie sie mögen und das ganz unabhängig von ihrer eigenen sozialen Lage. Die Sozilalisation und Prägung in einer patriarchalischen Kultur ist dabei sehr förderlich. Geführt werden zu wollen ist das tragende Element autokratischer Strukturen, nicht die ökonomische Lage. Arme und abgehängte Menschen sind nicht automatisch Antidemokraten. Die Deutschtürken die Erdogan gewählt haben würden auch in Deutschland eine "starken Mann" wählen, wenn es ihn denn zu wählen gäbe.

  • #8
    Wolfram Obermanns

    "Arme und abgehängte Menschen sind nicht automatisch Antidemokraten."
    Exakt. Die Querfront derer, die glauben, dem kleinen mit Adipositas ringenden Mafiosi in Moskau schiene die Sonne aus dem Arsch und drängelt jenem in den selbigen kriechen zu dürfen, besteht ganz gewiß nicht aus armen und abgehängten Menschen.

    Bei der Motivsuche finde ich dennoch die Ergebnisse der Psychologie interessant, die zeigen, wie Individuen durchaus bereit sind gegen das eigene Interesse zu handeln, wenn sie sich übervorteilt wähnen.

  • #9
    Walter Stach

    Arnold,
    einverstanden -mit der Ergänzung des letzten Satzes um: " und das gilt zunehmend auch für viele sog. Alteingessene , die sich ihrerseits für Putin, Orban, Erdogan, Trump begeistern bis hin in die Führungsetage der CSU -nicht nur der AFD.-"

    Arnold,
    ich betrachte meine Überlegungen -4- zu möglichen Gründen für das Wahlverhalten der Türken ingesamt , konkret für das der hier lebenden Deutschen türkischer Abstammung aufgrund Deinr Betrachtungen nicht als widerlegt, sondern halte sie weiterhin -ergänzt um Deine Gedanken- für bedenkenswert -jedenfalls meinerseits.

  • #10
    Helmut Junge

    @Wolfram…"die zeigen, wie Individuen durchaus bereit sind gegen das eigene Interesse zu handeln, wenn sie sich übervorteilt wähnen."
    Genau dieses Verhalten habe ich schon häufig beobachtet. Sogar und gerade bei mir selbst. Man hat das Gefühl sich zu wehren, rutscht dafür aber tiefer in den Schlamassel hinein, als ohne "Gegenwehr". Später, wenn man es merkt, nennt man sich selber einen Idioten. Aber dann verdrängt man doch besser solche Gedanken. Und dann geht es weiter zum nächsten Abenteuer.

  • #11
    Wolfram Obermanns

    Ich bin mir nicht sicher, ob das nur blöd ist.
    Man könnte es auch als Investment ins soziale Gefüge deuten. Strategisch ist das riskant.

    Die Gleichung, "die da oben verarschen uns doch nur, also wähle ich abstrafend die Offenverarscher", kann empfindlich in die Hose gehen, wie wir wissen. Was wir offensichtlich nicht wußten ist, wie verarscht sich wieviele inzwischen fühlen.

  • #12
    Arnold Voss

    … und sie fühlen sich nicht nur so, sie werden es auch.

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-06/volkswagen-abgasskandal-bussgeld-deutschland?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.facebook.ref.zeitde.share.link.x&utm_medium=sm&utm_source=facebook_zonaudev_ext&utm_campaign=ref&utm_content=zeitde_share_link_x

  • #13
    Klaus Lohmann

    @Arnold Voss: Wer sich bei den jahrzehntelang bekannten, irrwitzigen Verbrauchs- und Abgaswerten aus den Hochglanzpropekten noch verarscht vorkommt, der hat anscheinend einen Gutteil seines Verstands beim letzten, womöglich erst in den letzten Jahren stattgefundenen Diesel-Autokauf zuhause gelassen. Das würde ich nicht als symptomatisch für kapitalistische Systeme bezeichnen, man ist in den Glasetagen durchaus noch erfindungsreicher als bei VW &Co., siehe Bayer/Monsanto.

    Aber die hier wichtige Frage ist trotzdem: Wieviele *tun nur so*, als würden sie verarscht und freuen sich insgeheim über ihren "Beitrag" zur rassistischen, nationalistischen, islam- und judenhassenden Renaissance und wieviele Menschen im Land werden *wirklich* verarscht?

    Die Erkenntnis, dass es in sozial angespannten Milieus – insbesondere in Regionen ala Ruhrgebiet – sehr viel mehr vom Wohlstand und angenehmem Leben abgehängte Menschen gibt als z.B. am Starnberger See, ist keine Erkenntnis der Neuzeit, sondern ein Vermächtnis des früh verstorbenen "Wirtschaftswunders".

  • #14
    Helmut Junge

    "wie wir wissen. Was wir offensichtlich nicht wußten ist, wie verarscht sich wieviele inzwischen fühlen."
    Wir wußten es nicht, weil ?
    Wissen wir es denn jetzt?

    Wir reden ja über das Gefühl verarscht zu werden. Wenn daraus irrationale Handlungen entstehen, ist dieses "Verarschtwerden-Gefühl gefährlich für die Gemeinschaft, falls nämlich dieses Gefühl nicht im privaten Bereich, sondern im politischen Bereich entsteht. Und genau das ist offenbar der Fall.
    Und letztlich benötigen WIR eine argumentationshilfe, wie wir mit jemanden sprechen können, der sich verarscht fühlt. M.W. sind wir, jedenfalls ich nicht fähig, sachlich mit jemanden zu reden, der einer sachlichen Auseinandersetzung überhaupt gar nicht mehr zugänglich ist. In den Fällen, die ich in meinem Leben ein Verarschtwerden-Gefühl hatte, war ich auch argumentativ kaum beeinflußbar. Dabei bin ich sonst eher ein abwägender Mensch. Trotzdem habe ich Kontakte abgebrochen, die sich später nie wieder herstellen ließen.
    Im politischen Bereich geschieht das jetzt wohl massiv der SPD, die für immer(!) Wähler auf Wähler verliert. Die sind dann weg. Hätte man die halten wollen, hätte man die wachsende Unzufriedenheit vor langer Zeit bemerken, UND auf diese Leute zugehen müssen. Wer sich nämlich auf einmal verarscht vorkommt, der kommt nie wieder, soviel auch auf ihn eingeredet wird.
    Das wäre nicht einmal schlimm, wenn nicht sein Weg in diese Rattenfängerrichtung ginge, sondern zu konkurrierenden demokratischen Parteien.

  • #15
    Walter Stach

    Helmut,
    nur so nebenbei, da Du ja beinahe jede Gelegenheit wahrzunehmen scheinst, Dich zum desolaten Zustand der SPD -über seine Ursachen, über seine möglichen Folgen- zu äußern:

    Neben den vielen vorliegenden Essays, neben den vielen Einlassungen aus Wissenschaft und Politik, die sich allesamt mit dem Zustand der SPD befassen, gibt es dazu eine Neuerscheinung von Franz Walter, der darauf bezogen im SPIEGEL mit einem Essay aufwartet: " Libertärer Schein der Lifestyle-Linken",
    DER SPIEGEL Nr. 26/23.6. 2o18

    Bis heute, das Essay ist berücksichtigt, registriere ich als "alter SPDler", daß es den e i n e n entscheidenden Grund für den Niedergang der SPD nicht zu geben scheint, sondern daß es mehre Gründe gibt, über deren Gewichtigkeit zu streiten wäre, so daß es -folglich (!)- auch nicht die e i n e, die einzig richtige Problemlösung geben kann, was wiederum voraussetzt, daß es irgend einen Sinn macht -welchen?-, den Niedergang der SPD aufzuhalten und vor allem, dass das so außerhalb der SPD für sinnvoll, für wünschenswert gehalten wird. Letzteres erscheint mir zumindest zweifelhaft.

    Helmut,
    ich bin jedenfalls weder fähig noch willens, in der Diskussion innerhalb der SPD den einzig wahren Grund für ihren Niedergang zu benennen noch fähig/willens, ein Patentrezept präsentieren zu können, dessen Beachtung aus der kranken Partei eine gesunde machen könnte. Alles was diesbezüglich bisher in der SPD dazu bedacht und gemacht worden ist, ist für sich genommen durchaus naheliegend und beachtenswert, aber ich bin weiterhin voller Zweifel in einem beständigen Prozess der Nachdenklichkeit -Ende offen-; für mich persönlich und für "meine" SPD.
    Helmut,
    ich erinnere daran, daß ich hier bei den Ruhrbaronen mehrfach festgestellt habe, daß "man" als SPDler in seine Nachdenklichkeit einzubeziehen hat die Möglichkeit eines endgültigen Aus der SPD als relevante politische Partei in Deutschland und daß diese Möglichkeit weder gleichgesetzt werden kann mit dem Ende sozialdemokratischer -demokratisch sozialistischer Bewegungen in Deutschland, in Europa und schon gar nicht mit dem Ende freiheitlich-demokratischer-sozialer Rechtstaaten.

    "Vor Ort", so mein Rat an die Jungen, die jetzt erfreulicherweise hier in Waltrop das Ruder in der SPD übernommen haben, sollten alle Parteimitglieder losgelöst von den unbeantworteten Fragen über die Ursachen des desolaten Zustandes der Gesamtpartei und losgelöst von der unbeantworteten Frage nach der "richtigen Problemlösung", sich sofort, sich ganz konkret, ganz praktisch und in direktem Kontakt mit dem Betroffenen um deren alltägliche Probleme kümmern und zu helfen versuchen, und zwar gegenüber jedermann, der im weitesten Sinne hilfsbedürftig zu sein scheint.. Wenn man das grundsätzlich wollen sollte, ließen sich viele Handlungsfelder definieren, auf denen zu arbeiten wäre -inhaltlich, personell, organisatorisch-.
    So einfach? Ja, weil ich ansonsten "nur"eine endlose Debatte in der SPD befürchte, die nicht nur ganz generell viele Menschen in Deutschland nicht interessiert, die sie zunehmend zu nerven scheint, sondern auch in der SPD bei den jüngeren Parteimitgliedern zu sehr, sehr viel zusätzlicher Frustration führen dürfte.

    "Verarscht-Werden" und die Reaktion darauf…..

    Jeder, der sich "verarscht" fühlt, wird dafür objektive Gründe benennen können und in der Regel nicht fähig, nicht willens sein, diese als bloßes subjektives Empfinden zu (be-) werten, wenn "man" ihm das nahezubringen versucht.
    Und dieses "sich verarscht fühlen" ist nicht nur ein Zustand, der im prekären Millieu ,
    unter Menschen aus sozialschwachen und bildungsfernen Schichten der Bevölkerung, sondern in allen Bevölkerungsschichten existiert und anzuwachsen scheint.

    Wenn es neuerdings -sh. vor allem der Markenkern des Trumpismus- gar keine faktengestützte Realität mehr zu geben scheint, sondern in der öffentlichen Debatte alles behauptet werden kann und dieses alles wider alle Fakten , ja als unbestreitbar vorsätzliche Lüge dann wesentlich das Denken und Handeln der Wähler und der Gewählten bestimmt, dann liegt es nahe, daß das Gefühl des "Verarschtwerdens" tagtäglich schichtenübergreifend wächst.

    (Ich fühle mich momentan z.B. verarscht durch das öffentliche Spektakel, das die CSU aufführt – der deutschen Interessen wegen, so sagt sie, und das hat nichts, so sagt sie weiter, mit der Landtagswahl in Bayern zu tun; na dann.).

    "Dauerfolgen" dieses wachsende Gefühl , sich politisch verarscht zu sehen?

    Zumindest, so scheint mir, besteht begründeter Anlass, deshalb -nicht speziell wegen des Niederganges der SPD- über das Ob und über das Wie des Fortbestandes der parlamentarischen Parteien-Demokratie nachzudenken.

    Im übrigen:
    Mir erscheint es zumindest fraglich, ob und inwieweit dieses Gefühl des Verarschtwerdens für die Wähler hier und vor allem für die Wähler in der Türkei entscheidend ihr Votum pro oder contra Erdogan bestimmt haben könnte.

  • #16
    frau u.

    Wie grün, linksaussen muss man eigentlich stehen, um alles ausser No-Border, No-Nation, als Rechtsradikalismus zu diffamieren?

    Die AKP Wähler sind SPD Mitglieder (siehe Köln-Demo) und genau dieses Klientel wurde auch seit den 2000zigern von den BaranowskiSozis hofiert, weil sie sich Wählerstimmen versprachen. Die eigenen "alten" Arbeiter-Wähler wurden als Abgehängte verachtet, insbesondere im Barley/Maas Fanclub des WBH.

    Dank Merkels 2 Millionen-Willkommenspolitik, bricht die die scheinbare Integrationssimulation in vielen Bereichen komplett in sich zusammen, nicht nur in derMannschaft und die Bürger sehen & erleben, dass von den Sozen irreparabel geschädigte Deutschland, in der Schule, Kita, Einkaufszone, Nachbarhaus etc. und sind schockiert. Spätestens bei dem Schuleintritt der eigenen Kindern ist "Multi-Kulti" (in Ückendorf eher Mono-Kulti) sowie so beendet, selbst bei den Hipstern in Neukölln!

    Vielleicht wird es Zeit für Laurin Abbitte gegenüber Ulfkotte zu leisten, der schon früh vor der Özil-Bismarck-Gegengesellschaft berichtete 😉
    Für alle anderen im Ruhrgebiet gilt, rette sich wer kann!

    https://www.ruhrbarone.de/schwachsinn-burgerkrieg/2569

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