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Antifa schreibt offenen Brief an „Dortmund Nazifrei“

nazis20130501do8Verschiedene Gruppen der Antifa haben sich mit einem offenen Brief an Dortmund Nazifrei gewandt. Ihr Vorwurf: Das Bündnis, in dem SPD, Grüne und Gewerkschaften das Sagen haben, habe sich am 1. Mai unsolidarisch gezeigt und beim Kampf gegen die Nazis versagt.

Ein paar peinliche Plakate, Bratwürstchen und Bier im Westfalenpark – mehr bekam das Bündnis Dortmund Nazifrei am 1. Mai nicht hin. Während die Nazi-Partei „Die Rechte“ durch Dortmund marschierte, die Abschaffung der Gewerkschaften forderte und „Jude  verrecke“ Rufe durch die Stadt hallten, liessen es sich die Mitglieder des maßgeblich von SPD, Grünen und Gewerkschaften getragenen Bündnis „Dortmund Nazifrei“  bei schönem Wetter im Westfalenpark  gut gehen. Auf, auch aus den eigenen Reihen, reagiert man indes eher mimosenhaft. Nun haben sich verschiedenen Antifa-Gruppen mit einem offenen Brief an Dortmund Nazifrei gewandt:

Wir erwarten von einem Bündnis, welches sich “Nazifrei” nennt, einen ernst gemeinten Anspruch, Naziaufmärsche verhindern zu wollen. Diesem Anspruch ist das Bündnis am 1. Mai nicht gerecht geworden.

Wir sehen es als Fehler von “Dortmund Nazifrei” an, ermöglicht zu haben, dass die Neonazis marschieren konnten. Während das Spektrum, das sich heute maßgeblich im Bündnis “Nazifrei” organisiert, am 1. Mai 2007 immerhin noch Shuttlebusse von der DGB-Demo im Westfalenpark zu den Antifa-Aktionen bereitgestellt hatte, reicht es heute – trotz Gründung eines Bündnisses, das sich die Blockade von Naziaufmärschen auf die Fahne schreibt – nicht einmal mehr dazu. Diese Entwicklung sehen wir als Rückschritt in den Bemühungen, in Dortmund einen breiten Protest gegen die Neonazis auf die Beine zu stellen. Die nachgeschobene Erklärung, “Dortmund Nazifrei” stehe am 1. Mai an der Seite der Gewerkschaften, kann das kaum kaschieren. Es wäre mehr möglich gewesen, auch ohne das Anliegen der Gewerkschaften zu beschädigen.

Gerade vor dem Hintergrund, dass am 1. Mai 2009 die DGB-Demonstration von Neonazis überfallen wurde, finden wir es extrem dürftig und beschämend, lediglich ein Plakat mit der Aufschrift: “Ene, mene Nazifrei – Nazispuk ist jetzt vorbei!” entlang der Naziroute zu plakatieren. Wir fragen uns auch, was die politische Aussage dieses Plakats sein soll. An sich ist eine solche Aktion durchaus in Ordnung und auch wir sind der Auffassung, dass es nicht nur die eine richtige Handlungsoption gibt.

Enttäuscht sind wir jedoch darüber, dass es keinen Austausch bezüglich der Route des Naziaufmarsches gab. Selbst am Montagabend, als euch die Route des Aufmarsches längst bekannt gewesen ist, haben eure Leute auf der Filmveranstaltung im Fritz-Henßler-Haus behauptet, nicht zu wissen, wo die Neonazis marschieren werden. Damit untergrabt ihr die Bemühungen anderer Antifaschist_innen, die auf ihre Weise die Neonazis stoppen wollen und denen diese Information am Montag sicher weitergeholfen hätte.

In diesem Vorgehen offenbart sich nicht nur ein exklusiver Umgang mit wichtigen Informationen, sondern auch eine problematische Nähe zur Polizei. Ihr habt an dieser Stelle eure priviligierte Stellung gegenüber der Polizei über eine Kooperation mit anderen Antifaschist_innen gestellt. Mit der Akzeptanz der unterschiedlichen Mittel und der Einigkeit im Kampf gegen Neonazis ist es offenbar nicht so weit her.

“Blockaden stärken die Falschen?”

Wir fragen uns, was aus eurem Vorsatz, Naziaufmärsche verhindern zu wollen, geworden ist. Sind Blockaden als der massenhafte Zivile Ungehorsam, der natürlich in Gegensatz zu den Plänen der Polizei steht, tatsächlich euer Mittel?

Wir möchten gerne mit blockadewilligen Antifaschist_innen in den Dialog treten und auch mit all denen, die vielleicht vor dem Schritt des unmittelbaren Widerstands zurückschrecken, an anderer Stelle jedoch ihren Teil zum Kampf gegen die Neonazis beitragen wollen.

Wir sind allerdings nicht bereit zum Dialog mit Leuten, denen ihre Nähe zur Polizei wichtiger ist als das solidarische Miteinander der antifaschistischen Akteurinnen und Akteure. Wenn Neonazis auf die Straße gehen, ist Widerstand Pflicht. Das gilt im gerade von euch viel zitierten Dresden genau so wie in Dortmund.

Den latenten Vorwurf, wir als autonome Antifaschist_innen würden eindimensional auf ein “Katz- und Mausspiel” setzen, weisen wir zurück. Ja, wir organisieren direkte Aktionen gegen Naziaufmärsche. In den Raum zu stellen, wir würden uns darauf beschränken, ist angesichts der Infoveranstaltungen, Publikationen, Konzerte und zahlreichen weiteren Aktionen, die autonome Antifaschist_innen Jahr für Jahr in Dortmund organisieren, lächerlich. Anders als ihr sind wir dabei basisdemokratisch organisiert, wir entscheiden selbst, was wir für richtig halten. Einen Oberantifaschisten und gelenkte Parteiendemokratie brauchen wir nicht.

So ist es verwunderlich, dass bestimmte Leute in der Vergangenheit immer wieder von einer “Hochburg des Widerstands” gesprochen haben. Wenngleich es in Dortmund auch erfreuliche Schritte in den letzten Jahren gab: Durch Repression und Plakate allein lassen sich Neonazis nicht bekämpfen. Deshalb fragen wir:

Wo war diese “Hochburg des Widerstands”, als es darauf ankam?

 

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13 Kommentare zu “Antifa schreibt offenen Brief an „Dortmund Nazifrei“

  • #1
    Martina

    Im Bündnis Dortmund Nazifrei sind Falken, die Alevitische Jugend, die Liga für Menschenrechte im Iran und weitere parteiunabhängige Organisationen aktiv und zahlreich vertreteten. Diese tragen das Bündnis im selben Maß, wie die Parteien. Wirklich traurig, wenn man bestimmte Menschen einfach nicht sehen möchte und ihre Aktivität nicht anerkennt, weil es das geliebte Feindbild zerstören würde.

    Der letzten PM von Nazifrei konnte man entnehmen warum am 1.Mai nicht blockiert wurde und dass diese Aktion spezifisch auf den Arbeiter*innentag abgestimmt war. Direkt auf Blockadeunwilligkeit zu schließen ist unbegründet aber hilft einigen wahrscheinlich sich in ihre Wut zu steigern.

    Beim lesen dieses offenen Briefes werde ich den Eindruck nicht los, dass die Antifa viel Wert auf Kooperationsarbeit legt und diese pflegt. Schön! Dann hat die Antifa bestimmt vor der Demo zu Gesprächen eingeladen, um sich mit anderen auszutauschen oder? Geht man davon aus, dass einem Informationen prinzipiell zukommen, ohne Kontakt zu anderen zu suchen?

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Martina: Du kannst davon ausgehen dass die Nazis nun immer am 1. Mai in Dortmund marschieren werden. Der Termin ist rechtssicher, Die Rechte wird ihn als ihren Aufmarschtag in den kommenden Jahren etablieren. Wird sich Dortmund Nazifrei auch in Zukunft das Recht auf Bratwurst*in im Westfalenpark von den Nazis nicht nehmen lassen?

  • #3
    Thomas Nueckel

    Und wahrscheinlich wird das „Bündnis Dortmund nazifrei“ dann auch in Zukunft zum 1. Mai den Dortmunder Rechten keine Aufmerksamkeit schenken. Prima. Wenn die Rechten dann irgendwann mal ihre sogenannten „befreiten Zonen“ auf Dortmund ausgedehnt haben, wird es wohl heißen:“ Unser Bratwurststand im Westfalenpark, -der bleibt antifaschistisch!“

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  • #5
    Özlem

    Peinlich für die „Antifa“ so einen Brief zu schreiben!
    Anstatt Nazifrei einfach nach der Route zu fragen oder nachzusehen wo die Plakate hängen.
    Woher kommen eigentlich die „latenten Vorwürfe“ auf die in dem Brief eingegangen wird? Wieso erfindet man so etwas?
    Wurde dieser „offene Brief“ eigentlich an Nazifrei gesendet? Komisch, dass man den Dialog einfordert, aber genau das Gegenteil macht.
    Anstatt gegen die Nazis zu arbeiten haben es unsere „Antifas“ auf die Nazi-Gegner abgesehen (Oberbürgermeister, Opferberatung und nun Nazifrei). Dabei ist Dortmund Nazifrei die einzige Antifaschistische Gruppe in Dortmund die vorbehalt- und vorwurflos mit allen Gruppen zusammengearbeitet hat, die gegen Rechts agieren in der Stadt. Selbst mit den „Antifas“, aber damit dürfte jetzt schluss sein. Denn die wollen oder können anscheinend nicht mit Parteien, Gewerschaften, Jugendverbänden, Migrantenverbänden und Kirchen zusammenarbeiten. Schade!!!
    Wozu brauch diese Stadt eine Anti-Antifa, solange wir eine solche „Antifa“ haben und dazu noch einen Anheizer wie Stefan Laurin, der sie vor seinen Karren spannen kann.
    Freuen tun sich darüber nur die Nazis.

    Schämt euch für diesen Brief!!!

    Antifaschistische Grüße

  • #6
    Rigoberto

    Hallo Özlem,

    der Brief stellt eine konkrete Frage: Soll der nächste Nazigroßaufmarsch wieder ohne „zivilgesellschaftlichen“ Protest stattfinden? Warum gehst du nicht auf die ein?

    Ebenfalls antifaschistische Grüße

  • #7
    M.

    ch finde den Offenen Brief ganz angemessen.
    Mal zu den verschiedenen hier geäußerten Vorwürfen gegen „die Antifa“.
    Bei Nazifrei nach der Route fragen:
    Wurde soweit ich informiert bin von verschiedenen Leuten gemacht, z.B. bei der Filmvorführung von „Blut muss fließen“. Von Seiten Nazifreis wurde dann unwissenheit suggeriert.
    Für mich lässt das zwei Rückschlüsse zu. Entweder Nazifrei hat mit der Polizei ausgehandelt dass die Route nicht an andere Akteure, insbesondere „Linksextreme“ weitergegeben wird. Oder man wollte mit den Plakaten ein Monopol auf „Protest“ haben und hat die Route deshalb nicht bekannt gegeben.
    @Özlem: Ich weiss nicht ob du schonmal eine Demo organisiert hast, am Abend davor hat man in der Regel aber wichtigeres zu tun als durch die ganze Stadt zu fahren um Plakate zu suchen.
    Zum Vorwurf, Antifas würden nicht die Zusammenarbeit suchen:
    Die Zusammenarbeit mit der Dortmunder Zivilgesellschaft gestaltet sich doch schon seit Jahren etwas schwierig. Ganz persönlich, kann ich da z.B. von einer Demo gegen Nazis berichten, es dürfte 2002 oder 2003 gewesen sein. Die Nazis hatten eine Kundgebung in der nähe des U-Turms angemeldet. Eine große Demo aus dem gewerkschftlichen Spektrum wurde dagegen veranstaltet. Als die Demo in Sichtweite der Nazis war und meine Freunde und ich gegen Sie protestieren wollten wurden wir ziemlich ruppig von den Ordnern der Demo wieder in den Demonstrationszug geschupst. O-Ton damals: Sowas wolle man nicht.
    Die Geschichte ist zwar schon lange her aber es ist ja in den letzten Jahren nicht besser geworden. Erinnert sei an das Antifa-Camp, das letzten Sommer stattfinden sollte. Die Camp-Veranstalter sind im Vorfeld soweit ich weiss bei diversen Akteuren der Zivilgesellschaft „Klinken putzen gegangen“, dabei wurde ihnen versichert, dass man das Camp für ein gutes Anliegen hält. Als es dann ernst wurde und das Camp zu scheitern drohte war all die Unterstützung, bis auf lobenswerte Ausnahmen weg. Das Camp fand nicht statt und OB Sierau ließ sich vom hauseigenen Extremismusexperten ein Rechtfertigunspapier dafür schreiben.
    Ich bitte übrigens niemand darum, dass „Workers Youth Camp“ jetzt als gelungenes Camp und Gegenbeispiel anzuführen. Diese maßgeblich von den Jusos organisierte Veranstaltung diente doch nur dazu junge Wähler für die SPD zu generieren. Das sowas in Dortmund kein Problem darstellt ist ja klar.
    Die Antifa bekämpft Nazi-Gegner?
    Warum eine Zusammenarbeit mit OB Sierau und seine Koordinationsstelle schwer vorstellbar ist, dürfte schon durch das oben angeführte Beispiel Antifa-Camp deutlich geworden sein. Hinzu kommt noch der Aufruf an Antifas, doch „auszusteigen“, dieser setzt linke Nazigegner mit Nazis gleich. Das „die Antifas“ nicht mit Menschen zusammenarbeitet, die Sie für „rote Nazis“ diffamieren dürfte auch einleutend sein.
    Ein Zusammenarbeit mit der Opferberatung „Back Up“ wäre ja eigentlich sehr wünschenswert, ist seit den Äußerungen von Claudia Luzar am Anfang des Jahres doch auch eher nur mit großen Bauchschmerzen möglich. Luzar betrieb mit ihrem Offenen Brief damals eine Beratungstätigkeit für Neonazis, sie rief die Nazis dazu auf ihre Politik doch im demokratischen Rahmen und ohne Übergriffe durchzuführen. Ich frage mich ja, ob man sich jetzt bei „Back Up“ über die Gründung der Partei „Die Rechte“ freut und die Dortmuner Neonazis schon als Partner im demokratischen Dialog begrüßt hat. Den von Infoständen und Aufmärschen gehen ja eher selten Übergriffe aus. Die Frage sei erlaubt ob OB Sierau und die „Opferberaterin“ Luzar gar kein Interesse an direkten Protesten gegen Aufmärsche wie am 1. Mai haben?
    Zum Schluß möchte ich einfach nochma daran erinnern, dass die offiziellen der Stadt und Zivilgesellschaft sich doch erst seit kurzem für Neonazis in Dortmund interessieren. Das Engagement setze doch erst dann ein, als sich die Berichte in den verschiedensten (auch überregionalen) Medien häuften, dass es ein massives Neonaziproblem in Dortmund gibt.
    Nehmen wir den „Antikriegstag“ der Nazis als Beispiel, der erste Aufmarsch fand im September 2004 statt. Von diesem Jahr an gab es immer Demonstrationen und andere Aktion von Seiten „der Antifa“ und anderer Linker Gruppen in Dortmund. In welchem Jahr ist die Dortmunder Zivilgesellschaft in Form von „Nazifrei“ erstmals aufgetreten? 2010 oder 2011?
    So traurig es auch ist, „die Antifa“ in Form verschiedener Gruppen steht in ihrem kontinuierlichen Kampf gegen Nazis ziemlich alleine da. In den vergangen Jahren waren es immer Gruppen aus dem Antifa-Spektrum die auf neue Entwicklungen der neonazistischen Szene aufmerksam gemacht haben. Das Problem ist jetzt langsam in Dortmund angekommen, soweit so gut. Nur leider erscheinen die Versuche von Sierau und Co. sich gegen Nazis zu stellen doch etwas hilflos. Was nicht mit Maßnahmen von Ordnugsamt und Polizei geregelt werden kann soll dur „bunte“ Kulturevents kaschiert werden. Neonazis stören sich aber nicht an solchen Events, es ist wichtig ihnen den Spaß an Aufmärschen zu nehmen. Bunte Plakate nehmen ihnen die Freude nicht, sondern stundenlages warten, von Gegendemonstranten umzingelt, dann gehts Nachhause ohne Aufmarscherlebnis und stark frustriert. Andere Städte habens vorgemacht. Dabei muss es zu keinen Auseinandersetzungen kommen, auch die meisten Antifas haben gerne einen entspannten Demo-Tag.

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Özlem: Ich zitiere hier mal Wolfgang Thierse. Es mag in Dortmund unbekannt sein, aber der Mann ist Sozialdemokrat, allerdings niemand, der bei Ullrich Sierau nachfragen muss was er darf oder nicht. Thierse zum Protest gegen einen Nazi-Aufmarsch am 1. Mai 2010 in Berlin – und nein, mit Protest meint Thierse nicht den beherzten Biss in eine Grillwurst:
    „“Protest war friedlich, fröhlich und gewaltfrei“ – Thierse zum 1. Mai
    Zu dem Protest gegen den Aufmarsch der Neonazis am 1. Mai in Prenzlauer Berg erklärt Wolfgang Thierse:

    Dass Neonazis mitten durch Berlin und unseren Stadtteil Prenzlauer Berg marschieren, können Demokraten nicht schweigend hinnehmen, denn Schweigen wird allzu oft als Zustimmung missverstanden. Deshalb haben sich am 1. Mai rund 10.000 Berliner versammelt, um den Aufmarsch der Rechtsextremen zu verhindern.

    Als der Demonstrationszug der Neonazis begann, gingen wir (der Bezirksbürgermeister von Pankow, Matthias Köhne, der Integrationsbeauftragte des Berliner Senats, Günter Piening, der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland und ich) im Einvernehmen mit der Polizei vor dem Demonstrationszug der Neonazis her und trugen Plakate mit der Aufschrift „Berlin gegen Nazis“. Schließlich haben wir uns den marschierenden Neonazis in den Weg gesetzt.

    Unser Protest war friedlich, fröhlich und gewaltfrei. Nachdem die Polizei mehrfach dazu aufgefordert hatte und ein Einsatzleiter der Polizei mich im persönlichen Gespräch bat, die Sitzblockade aufzuheben, verließ ich mit seiner Hilfe widerstandslos die Fahrbahn. Denn unser Protest richtete sich nicht gegen die Polizei, sondern gegen die Nazis. „Die Beamten erfüllen ihre polizeiliche Pflicht und wir Demonstranten tun unsere staatsbürgerliche Pflicht.“

    Ich bin froh, dass an diesem Tag 10.000 Berliner die Courage hatten, sich den Nazis in den Weg zu stellen, um ihre Straßen und Plätze zu verteidigen und den Missbrauch des 1. Mai durch Rechtsextreme zu verhindern. „Man muss seine Wut und seine Ablehnung gegen Neonazis auch ausdrücken dürfen!““
    http://www.thierse.de/themen/rechtsextremismus-und-demokratische-kultur/erklaerung-zum-protest-am-1-mai/

  • #9
    Tobias

    @Özlem: Als Mitautor dieses Briefes wüsste ich nicht, wofür ich mich schämen sollte. Du hast offenbar nicht gelesen was da drin steht. Am Montag, den 29.4. wurden Vertreter von Dortmund Nazifrei bei ihrer Veranstaltung im Fritz-Henßler-Haus gefragt, wo die Route der Nazis sei. Die haben gesagt, sie wüssten es nicht. Im Nachhinein stellt sich heraus, das die glatt gelogen haben. Und jetzt sollen wir als Autonome Antifas uns schämen, weil wir sie dafür kritisieren? Ich denke nicht.

    Da muss der Stefan uns auch vor keinen Karren spannen, damit wir mitkriegen wie bei der Gruppe der Hase läuft.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Davon ab: Wir würden auch gerne die Replik von Dortmund Nazifrei auf den Ruhrbaronen veröffentlichen und so zur Diskussion beitragen.

  • #11
    marie

    peinlich finde ich an diesem offenen brief gar nichts.
    peinlich ist eher, dass in dortmund immer wieder eine „hochburg des widerstands“ beschworen wird die nicht existent ist.
    sorry, aber mit der polizei -ob nun direkt oder indirekt- symbolische blockaden, wo alle mal ihre parteifähnchen schwenken dürfen, zu koordinieren, das ist peinlich.
    @ martina: „die falken“ als parteiunabhängige organisation zu bezeichnen, ist lächerlich. das mag in anderen städten vielleicht zutreffen, in dortmund jedoch ganz sicher nicht. da werden falken, die mit antifafahne auftreten zur ordnung gerufen und die kinder lächeln für den oberbürgermeister im zweifelsfall auch mal in die kamera.
    dass es unterschiedliche wege und mittel gibt naziaufmärsche zu verhindern, darüber brauchen wir nicht diskutieren.
    es müssen ja nicht alle den weg der direkten aktion gehen, aber in dortmund werden antifas schon seit jahren kriminalisiert (das antifa-camp ist da nur ein beispiel von vielen).
    das jugendorganisationen sich immer auch gedanken über mögliche gewalt machen (müssen) okay, aber da werden geradezu absurde szenarien heraufbeschworen.
    peinlich ist beispielsweise, sich als „sachkundiger bürger“ aufzuführen und raf-vergleiche zu bemühen und damit die extremismus-keule zu schwingen.
    @özlem: das nenne ich mal vorbehalt und vorwurfslos.
    es mag ja durchaus engagierte menschen, bei dortmund nazifrei geben, die manche dinge auch differenzierter sehen als andere, letztendlich werde ich aber den eindruck nicht los, dass da eben auch persönliche abhängigkeiten (wie jobs) im vordergrund stehen und bevor man da risiken eingeht, hält man halt lieber die klappe bzw. passt sich an.
    was ich vermisse ist eine aktive, politische auseinandersetzung in dortmund.
    menschen mit rückgrat, die sich trauen zu sagen was sie denken.
    dass es im vorfeld keine gespräche gegeben hat ist bedauerlich, aber angesichts der bisherigen erfahrungen auch nicht verwunderlich.
    das anliegen von nazifrei am ersten mai den arbeiter*innentag zu begehen, ist nachvollziehbar, es zeugt jedoch auch davon die dimension des naziproblems in dortmund zu verkennen…ach ´ne wie war das nochmal… dortmund ist ja wenn überhaupt die „hochburg des widerstands“.

  • #12
    Gerd Pfisterer

    Wenn es stimmt, dass „Dortmund Nazifrei“ die Route der Nazidemo wusste und nicht weitersagte – und das klingt glaubhaft – dann ist die Kritik des offenen Briefes am Bündnis „Dortmund Nazifrei“ vollauf berechtigt. Der Stachel sitzt tief, dass die Faschisten am 1. Mai in Dortmund marschieren konnten und es muss ein gemeinsames Bestreben aller Antifaschisten geben, eine Wiederholung zu verhindern! Ich sehe am 1. Mai in Dortmund tatsächlich einen Rückschlag im Bestreben die verschiedenen antifaschistischen Strömungen zusammen zu bringen. Es war übrigens die Vertrauenskörperleitung von HSP, die 2007 den Shuttle-Busverkehr vom Westfalenpark zur Faschistendemo organisiert hat. Wir haben es damals gemacht, weil es uns innerhalb der IG Metall nicht gelungen ist, eine Mehrheit für ein offensives Vorgehen gegen die Faschisten zu gewinnen. Inzwischen ist die Diskussion dort so weit, dass Blockadeaktionen nicht mehr prinzipiell abgelehnt werden und am Antikriegstag zu allen antifa Aktivitäten aufgerufen wird. Das ist zwar noch nicht optimal, aber ein Fortschritt. Leider hat sich durch Verantwortliche innerhalb des DGB und der Einzelgewerkschaften und der SPD am 1. Mai die Linie durchgesetzt, die Faschisten am 1. Mai zu irgnorieren und deshalb auch keinerlei Gespräche mit anderen antifaschistischen Gruppierungen vor dem 1. Mai zu suchen! Das halte ich für falsch und einen Rückfall. Für falsch halte ich allerdings auch, allen Gewerkschaftskolleginnen und Kollegen, die sich an der 1.Mai Demo beteiligt haben und im Westfalenpark waren, zu unterstellen, ihnen wäre der Faschistenaufmarsch egal und sie hätten nur Interesse an Bratwurst und Bier. Einseitig finde ich auch die Kritik am DGB, wenn von Antifagruppen am 1. Mai parallel zum DGB zu einer sogenannten „antikapitalistischen Demo“ aufgerufen wird, statt sich mit seinen antikapitalistischen Inhalten an der DGB Demo zu beteiligen! Ich wünsche mir, dass jetzt in der Nachbereitung kritisch und selbstkritisch diskutiert und das Ganze nicht zum Anlass genommen wird, wieder alte Wunden und Gräben aufzureißen.

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