Armut, Rassismus und die Essener Tafel

Wasserturm am Steeler Berg. Sitz der Tafel Essen Foto: Wiki05 Lizenz: Gemeinfrei

Nein, ich kenne keinen Ausländerfeind, der erst bei 75 Prozent den Fremdenanteil stoppt. Erst recht keinen, der das nur auf Zeit tut. Ich kenne auch keinen Rassisten, der über viele Jahre Migranten und Deutsche gemeinsam bedient und ab 75% Migranten auf Rassismus umschaltet.Ich kenne aber Menschen, die weitaus größere Probleme mit ungewohnter sozialer Umgebung und anderssprachigen Begegnungen haben als ich. Die ängstlich und nicht neugierig werden, wenn zu viele Menschen um sie herum sind, die sie nicht verstehen und die nicht ihre Gewohnheiten pflegen.

Es ist eine der großen kollektiven Idiotien nicht nur der linksliberalen Mittel- und Oberschicht, sich selbst als den Durchschnitt zu sehen, und die, die kulturell nicht so ticken wie sie, als irgendwie abgehängte Minderheit zu deklassieren. Ist der größte Teil der oberen 2 Drittel doch selbst nur unter den Luxusbedingungen großer ökonomischer Absicherung sowie zeitlich und sozial begrenzter Dosierung zum multikulturellen oder sogar transnationalem Leben in der Lage. Die Mehrzahl bleibt genauso gerne unter sich wie alle anderen gesellschaftlichen Schichten und Gruppen.

Multikulti ist aber kein Zuckerschlecken mehr, wenn es ans Eingemachte geht. Wenn der Andere nicht zur folkloristischen Erweiterung der eigenen Lebenswelt sondern zum Konkurrenten, wenn nicht sogar zum Gegner wird. Und das ist er, wenn er einem an einer Tafel das Essen vor der Nase wegschnappt, nur weil er frecher, stärker oder beides ist. Oder wenn er sich um die gleiche Sozialwohnung bemüht, auf die man selbst schon Jahre gewartet hat und sie auch noch bekommt, obwohl er erst ein paar Monate im Lande ist.

Arme Migranten gegen arme Deutsche ist eben nicht mehr Multikulti sondern Multistress. Erst recht wenn obendrein die gemeinsame Sprache zur Konfliktbewältigung fehlt. Da werden alle Vorurteile wach, und selbst wenn sich alle Beteiligten zu beherrschen versuchen, kommen sie auch zum Ausbruch. Und glaube jetzt keiner, dass das nur auf Seiten der sogenannten Biodeutschen der Fall ist.Die meisten Migranten würden in ihrem eigenen Land in der umgekehrten Situation zu genau den gleichen Äußerungen neigen, ja wohlmöglich noch viel handgreiflicher werden als ihr deutscher Widerpart.

Wer unter diesen Bedingungen aus sicherer soziale Entfernung Rassismus ruft, liegt zwar sachlich meistens richtig, hat aber deswegen noch lange nicht das Recht, sich moralisch überlegen zu fühlen.Eigentlich stände es ihm oder ihr sogar besser zu Gesicht, einfach die Klappe zu halten und sich zu fragen, ob er/sie in der gleichen Situation wirklich anders gehandelt hätte. Rassisten sind nämlich immer die anderen. Besonders bei denen, die den Selbsttest bislang auf Grund ihrer eigenen Lebensbedingungen vermeiden konnten.

Diese Leute sind es, die der AFD die Wähler in die Arme treiben, und nicht die, die ihre Ängste und Vorurteile aus der Situation heraus aussprechen und oft sogar, wenn sie darauf hingewiesen werden, bereuen. Diese moralischen und politischen Besserwisser die im Ernstfall genauso sind, das aber niemals vor laufender Kamera sagen würden. Dafür sind sie einfach zu gebildet und zu clever. So wie die Politiker aus fast allen Parteien, die schon seit Längerem die nationalistischen Forderungen der AFD nachbeten um deren Wähler „zurückzugewinnen“, sich aber nie selbst als Rassisten ansehen würden.

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33 Kommentare

  1. #1 | Klaus W. sagt am 9. März 2018 um 15:57 Uhr

    Also.Herr Voss- Sie entgleisen ein wenig mit Ihrer zwar richtigen nun aber auch nicht sensationellen Theorie vom Konkurrenzkampf zwischen "Eingeborenen" ind Zugewanderten. Wobei dieser Konkurrenzkampf natürlich nicht nur bei der Tafel, sondern auch um Arbeitsplätze und Pöstchen in den Verwaltungen und Unternehmen stattfindet . Es ist nunmal nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aufgrund von Mehrsprachigkeit und erhöhter interkultureller Kompetenz rundsärzlich erst einmal Wettbewerbsvorteile mitbringen- und außerdem oft jünger als ihre Mitbewerber sind und aufgrund größer angelegter Familienstrukturen auch früh eine Vielzahl sozialer Techniken erlangen, die sich als wichtig im Berufsleben erweisen können.

    Nur, Herr Voss, nicht jeder, der Ihre Meinung nicht teilt oder Rassismus anders als Sie definiert, treibt der AFD die Wähler zu und muss auch nicht – aus der Distanz- die Klappe halten, wie Sie nahe legen

    Sie gerieren sich genau so wie die totalitären Volkserzieher, .die Sie immer kritisieren.

  2. #2 | ke sagt am 9. März 2018 um 16:45 Uhr

    @1 Klaus W. :
    Sie schreiben: "Es ist nunmal nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aufgrund von Mehrsprachigkeit und erhöhter interkultureller Kompetenz rundsärzlich erst einmal Wettbewerbsvorteile mitbringen"

    Diese Qualifikationen, die auch nicht automatisch bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte vorhanden sind, dürfte sich auf einen sehr kleinen Bereich des Arbeitsmarkts positiv auswirken.
    Mehrsprachigkeit bringt bspw. nichts, wenn die Sprache keiner im Land spricht.
    Interkulturelle Kompetenz ist auch etwas, das sehr vom Land uns selbst von der Region abhängt. Wer gelernt hat, als Mensch mit Wurzeln in Eritrea in Deutschland zu leben, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Vorteile haben, wenn es um die Kommunikation bspw. mit Japanern geht.
    Wer gelernt hat in GE-Ückendorf zu leben wird in Blankenese Probleme haben. Selbst temporäre Zuwanderer aus dem Süden können bspw. mit den Ruhris in Herne Probleme haben.

  3. #3 | ke sagt am 9. März 2018 um 16:58 Uhr

    Die Aussage der letzten 2 Abschnitte trifft es.
    Ich mag Menschen nicht, die bspw. im Club mit Ruhrblick beim Wein sitzen und dann über die engagierten Menschen im Norden lästern. Wo bleibt das eigene soziale Engagement.
    Macht es besser, wenn ihr es könnt.

    Ein Nebensatz hat mir zu denken gegeben: "und die, die kulturell nicht so ticken wie sie, als irgendwie abgehängte Minderheit zu deklassieren"
    Ist das so? Wird "anders" als "abgehängte Minderheit" klassifiziert?
    Ich glaube nicht, dass dies für alle "Anderen" gilt. Dafür ist der Pott einfach zu sehr mit Einwanderungshistorien gemischt, und wir kennen alle erfolgreiche Zuwanderergeschichten.

    Ja, ich sehe auch Verteilungskämpfe. Wir haben Wohnungsnot, wir haben im Pott und in vielen anderen Städten hohe Langzeitarbeitslosenzahlen. Jetzt haben wir mehr Menschen, die um Ressourcen aus demselben Segment konkurrieren.

    Wenn es um soziale Grundsicherungsleistungen geht, darf es diese Konkurrenz nicht geben. Sie sind insbesondere da, um die schwächsten der Gesellschaft zu schützen, die oft mit Krankheiten, Einschränkungen etc. zu kämpfen haben. Das Verteilen von Sozialleistungen darf kein "Start des Schlussverkaufs", bei dem der Stärkste gewinnt, sein. Wer diese Solidarität vermissen lässt, muss sanktioniert werden. Aber als Einzelperson.

  4. #4 | Helmut Junge sagt am 9. März 2018 um 18:45 Uhr

    @Klaus W. wenn wir sachlich diekutieren wollen, müssen wir wissen, wer die Tafel aufsucht. Das werden nämlich nicht diejenigen sein, die viel Geld verdienen.
    Vermutlich sind wir uns darin einig.
    Ob die hochqualifiziert sind, wissen wir nicht. Wir kennen nicht einen Einzigen, der die Tafel aufsucht.
    Niemand außer den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Essener Tafel kennt die Zustände an der Essener Tafel!!!
    Niemand außerhalb. Vielleicht gehen wir da auch konsenz.
    Leider aber glauben Viele sich da einmischen zu müssen.
    Darin werden wir vermutlich nicht einig sein, weil Sie ja selber da zugehören.
    Ich habe große Achtung vor Menschen, die heutzutage noch willens sind, ohne Bezahlung für einen guten Zweck zu arbeiten und einen Teil ihrer eigenen Lebensqualität für eben diesen guten Zweck opfern. Da bin ich ganz bei Arnold Voß.,
    Und ich frage danach, wer es wagt diese Menschen zu kritisieren, ja sogar zu beschimpfen.
    Sie @Klaus W. kümmern sich vermutlich, ähnlich wie ich, nicht um die Flüchtlinge, die die Tafel aufsuchen.
    Und es sind ja nach wie vor 3 von 4 Besuchern, die unter die Kategorie "Ausländerohne deutschen Paß" fallen. Und nach der Aufnahmesperre werden es immer noch viele sein. Wie viele, das werden wir dann sicher erfahren.
    Aber ich kommentiere hier und jetzt nicht Ihretwegen, sondern deshalb, weil ich, nachdem ich lesen durfte, daß die Wohlfahrtsverbände geschlossen die Essener Tafel als "rassistisch" kritisiert haben, mich gefragt habe, mit welchem Recht die das tun.
    Wissen Sie es?
    Ich mußte erst einmal googeln.
    Der deutsche Bildungsserver nennt 6 Spitzenverbände
    https://www.bildungsserver.de/Wohlfahrtsverbaende-in-Deutschland-2007-de.html
    Das sind
    Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Diakonisches Werk, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Rotes Kreuz, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland
    Ich wollte wissen, ob die auch ehrenamtlich tätig wären, weil ja die Mitarbeiter der Tafeln ehrenamtlich tätig sind, und ich denke, daß diese Frage wichtig ist, um überhaupt einen Vergleich auf Augenhöhe zu machen.
    Ich habe den Hinweis gefunden, daß in Deutschland insgesamt 1,4 Millionen Menschen hauptberuflich, also nicht ehrenamtlich bei diesen 6 Wohlfahrtsverbänden beschäftigt sind.
    Diese Verbände haben vor einigen Tagen einvernehmlich die Essener Tafel als "rassistisch" bezeichnet.
    Und jetzt kommt bei mir die Frage aller Fragen. Wenn nämlich diese 1,4 Millionen hauptbruflichen Wohltäter, an die Frau Merkel vielleicht bei ihrem berühmten Satz "Wir schaffen das" gedacht hat, nicht die Anlaufstelle für Flüchtlinge sind, sondern genau die als rassistisch beschimpften ehrenamtlichen Helfer der Tafeln, also auch der Essener Tafel, kommt bei mir der zwingende Verdacht, daß diese 1.4 Millionen bezahlten Mitarbeiter der Wohlfahrtsverbände sich eben überhaupt nicht um die Flüchtlinge kümmern.
    @Klaus W. können Sie mir in diesem Gedankengang folgen?

  5. #5 | Klaus W. sagt am 9. März 2018 um 20:10 Uhr

    Herr Junge, ich kann Ihnen schon folgen- aber Ihre Schlüsse sind unzutreffend. Unabhängig davon, dass sehr viele Tafeln- so auch die Essener- im Paritätischen organisiert sind und von den dort hauptamtlich Tätigen auch in vielen Fragen unterstützt werden – Schulungen für die MA, , rechtliche , sozialrechtliche und steuerliche Fragen, ggf. Lohnabrechnungen, soweit vorhanden- etc- kümmern sich die Wohlfahrtsverbände ebenso wie zahlreiche andere haupt-und/oder ehrenamtlich geführte NGOs natürlich um Flüchtlinge mit zahlreichen Angeboten.
    Die Klientel, die von den eben Genannten beraten und unterstützt wird, ist in der Regel identisch mit der Klientel, die bei den Tafeln anzutreffen ist.

    Ich habe im übrigen beim ersten Beitrag, der zum Thema Essener Tafel hier bei den Ruhrbaronen erschien, differenzierte Betrachtung angemahnt, auich auf eine mögliche Überforderung der ehrenamtlich Tätigen hingewiesen.

    . So ist natürlich auch ein türkeistämmiger oder marrokanischstämmiger Nutzer der Tafel mit deutschem Pass auch weiterhin dort bezugsberechtigt. Insofern ist der Rassismusvorwurf ja eben nicht so eindeutig. Richtig ist, dass eine Diskriminierung nach Aufenthaltsstatus bzw. in der Folge nach Passzugehörigkeit vorliegt.

    Das ist angesichts der Tatsache, dass viele Zuwanderer inzwischen eingebürgert sind, somit auf den ersten Blick auch keine offensichtliche Form des Rassimus, sondern eben der Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen nach Staatsangehörigkeit bzw. Aufenthaltsstatus..

    Ich halte den Versuch der Essener Tafel, die entstandenen Konflikte zu lösen, aber dennoch für hochproblematisch, weil er Personen mit dem Merkmal "kein deutscher Pass" ausgrenzt und somit diesen auch die Verantwortung für die entstandenen Probleme zuschiebt.

    Dass die wirtschaftlich miserable Situation eines größer werdenden Teil der Bevölkerung hierfür verantwortlich ist, ist eine Binse, aber muss dennoch nochmalig festgehalten werden.

    Da Sie- wie Sie ja selbst sagen, das ist auch kein Vorwurf- über die Integrationsarbeit mit Flüchtlingen nicht im Detail nicht informiert sind, möchte ich Ihnen sagen, dass Flüchtlingsarbeit ob in Groß-, Kleinstädten oder auch im ländlichen Raum in der Regel aus einem Mix aus professioneller öffentlicher, professioneller verbandlicher und ehrenamtlicher Unterstützung funktioniert.

    Die Tafel in Essen hätte sich bspw. mit der Stadt und/oder auch mit Flüchtlingshilfsorganisationen an einen Tisch setzen können und entsprechende Maßnahmen beraten können. Da Flüchtlinge nach ihrer Ankunft und auch darüber hinaus in der Regel mit mehreren Betreuungssystemen im Kontakt stehen- Sozialämter, Wohlfahrtsverbände, Migrantenorganisationen, ehrenamtliche Helferkreise , bei Unterbringung in Übergangseinrichtungen mit den dortigen Sozialberatern – bestünden dem Grunde nach genügend Möglichkeiten, diese Dinge mit den Flüchtlingen gemeinsam zu thematisieren und nach Lösungen zu suchen. In nahezu allen anderen Städten in diesem Lande gelingt dies auch – nur in Essen wird dieser Weg gegangen. Und- das- wirft- mit Verlaub- dann doch Fragen auf.

    Und- um es klar zu sagen- es geht überhaupt nicht an, dass eine alte Frau oder ein alter Mann mit oder ohne Rollator den Gang zur Tafel scheut, weil sie dort abgedrängt werden.

    Das ist inakzeptabel – und, das ist auch in Syrien, Afghanistan, Irak oder sonstwo im übrigen vollkommen inakteptabel.

    insofern haben wir es hier auch nicht mit dem Konflikt unterschiedlicher kultureller Werte zu tun, sondern eher mit offensichtlich einigen ungehobelten jungen Männer- ob sie sich das in ihrem Herkunftsländern trauen würden, darf definitiv bezweifelt werden.

    Und- ja, ich habe sehr viele Jahre in der Flüchtlingsarbeit gewirkt und weiß sehr genau, dass man bei vielen -auch bei jungen Männern- mit der entsprechenden Ansprache etwas bewirkt – natürlich nicht bei allen und wenn dann nach entsprechenden Verwarnungen immer noch gegen die Regeln verstoßen wird, sind Sanktionen auch vollkommen legitim.

    Aber- der pauschale Ausschluss von Personengruppen aufgrund des Verhaltens einiger geht nicht, ist Diskriminierung und- wenn man ehrlich ist- durchaus in diesem Zusammenhang auch rassistisch.

  6. #6 | thomas weigle sagt am 9. März 2018 um 21:32 Uhr

    Rassistisch wäre es, wenn die Essener Tafel alle Migranten, ob mit deutschen Pass oder nicht, ausschließen würde, denn für den Rassisten definiert sich Rasse nicht nach dem Pass, sondern nach der Herkunft oder dem Blut. Also ist der Rassismusvorwurf Unfug.
    Natürlich ist das Verhalten einiger muslimischer Jungmänner durchaus herkunftsbedingt, denn dort wo sie herkommen, geht eine Muslima nicht ohne männliche Begleitung auf die Straße. Eine, die es dennoch tut, hat keine Ehre und wird entsprechend behandelt, schubsen darf man diese Frau auf jeden Fall.

  7. #7 | nussknacker56 sagt am 9. März 2018 um 22:34 Uhr

    „Wer unter diesen Bedingungen aus sicherer soziale Entfernung Rassismus ruft, liegt zwar sachlich meistens richtig, hat aber deswegen noch lange nicht das Recht, sich moralisch überlegen zu fühlen. Eigentlich stände es ihm oder ihr sogar besser zu Gesicht, einfach die Klappe zu halten …“

    Ein wunderbar gelungener Artikel von Arnold Voss, der die verzwickten Beziehungen nachvollziehbar offenlegt. Für alle, die Widersprüche aushalten. Danke dafür.

  8. #8 | Helmut Junge sagt am 9. März 2018 um 22:59 Uhr

    Klaus W. wir kommen in dieser Sache nicht zusammen. Ich bin schon vielen alltäglichen Situationen begegnet in denen der Personalausweis die Behandlung von Menschen, auch mich eingeschlossen, ganz entscheidend beeinflußt hat, ohne daß jemand auf die Idee gekommen wäre, daß das eine Form von Rassismus sein könnte.
    Wissen Sie was? Eigentlich hat der Vorwurf Rassist zu sein, gar nicht mehr die negative Kraft wie früher, vermutlich weil er zu lange inflationär angewandt worden ist und noch wird.
    In diesem Fall geht es m.E. lediglich um eine intellektuelle Spitzfindigkeit. So weit sind wir ja mittlerweile, daß wir uns streiten, ohne daß es während dieses Streit gelingt, eine allgemeinverständliche Definition zu finden.
    Ich will ja in dieser Angelegenheit niemanden etwas beweisen, also überlasse ich Ihnen großzügig das Feld. Die Mitarbeiter der Tafel kommen wohl auch damit klar und ich habe all mein Pulver für andere Themen zu sparen, stimme aber immer noch im Kern mit den Gedanken von Arnold Voß überein.
    Wir können gerne über andere Themen diskutieren.

  9. #9 | KlausW sagt am 10. März 2018 um 01:31 Uhr

    Q HerrWeigle,

    Sie machen es sich da etwas zu einfach.

    Bei anderen Themen sind Sie mit Zuschreibungen – z.B. Antisemitismus- schneller bei der Hand und akzeptieren auch keine Differenzierungen. Warum nun bei diesem Thema.?

    Formal korrekt würde man dies ( die Vorgänge in Essen) als Diskriminierung bezeichnen. Das habe ich ja auch gesagt. Nur- dass sich hinter Formalismen oft auch Rassismus verbirgt, ist ja nun mal keine neue weltbewegende Erkenntnis.

    Da der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit – wenn nicht durch Geburt- hat übrigens auch zur Grundlage hat, dass der Lebensunterhalt für die gesamte Familie aus eigenen Mitteln bestritten wird, müssen wir davon ausgehen, dass der Anteil der Zuwanderer mit deutschem Pass bei der Tafel eher unterdurchschnittlich ist.

    Ansonsten weiß ich nicht, wie Sie sich zu der vollkommen unsinnigen Behauptung veranlasst sehen, dass "das Verhalten einiger muslimischer Jungmänner durchaus herkunftsbedingt (sei), denn dort wo sie herkommen, geht eine Muslima(natürlich) nicht ohne männliche Begleitung auf die Straße. "

    Da wir kaum Zuwanderung aus den Golfstaaten haben – und nicht einmal hier trifft Ihre Aussage auf alle dieser Staaten zu – und wenn, dann gehen diese eher auf der Kö oder in Bad Godesberg shoppen und gehören ausgesprochen selten zu den Nutzern der Tafeln -, frage ich mich, ob Ihre Aussage entweder als Dummheit oder als rassistisch – oder dann sicherlich beides zusammen-zu bewerten ist.

    Weder in Syrien, noch in Jordanien, noch im Libanon, noch im im Irak und nicht einmal im Iran ist es Frauen verboten, ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen. Das ist absoluter Blödsinn, den Sie hier verzapfen.

    Es ist allerdings schon so- da haben Sie recht -, dass das Verhalten zu vieler muslimischer Männer aus dem arabischen Raum -und hier meine ich nicht nur die jetzt gekommenen Flüchtlinge- gegenüber Frauen hierzulande viel zu oft respektlos bis unverschämt und absolut inakzeptabel ist.

    Grundsätzlich gebührt aber den Alten seitens der Jüngeren in muslimischen Gesellschaften- so sie denn nicht durch Kriege zerfallen sind- durchaus Respekt. Ein Verhalten, wie es einige
    sexuell frustrierte Möchtegerntestosteronis hierzulande glauben, an den Tag legen zu müssen, würde in ihren Herkunftsländern überhaupt nicht akzeptiert.

    Sie würden es schlicht und ergreifend nicht wagen, sich so zu verhalten und würden mit scharfer Missachtung gestraft werden..

    @ Herr Junge– Sie haben mir eine Frage gestellt , die habe ich beantwortet. Dazu haben Sie einige Thesen aufgestellt, die aus zusammenhangslos zusammengewürfelten Fragmenten bestanden und bei mir den Eindruck erweckten, dass Ihnen das Berufsfeld der Integrationsarbeit im weitesten Sinne nicht im Entferntesten bekannt ist. Dies habe ich versucht- offensichtlich vergeblich, weil es Sie anscheinend nicht interessiert- Ihnen zu erklären.

    .

  10. #10 | thomas weigle sagt am 10. März 2018 um 02:24 Uhr

    @ KlausW Abgesehen davon, dass ich absolut respektlosen Verhaltensweisen muslimischer Jugendlicher gegenüber weiblichen Lehrkräften oder auch ihren Müttern als Lehrer fast täglich selbst miterleben durfte, gibt es mittlerweile ein reichhaltiges Angebot an entsprechender Literatur von muslimischen Frauen, die unter diesen Verhaltensweisen zu leiden hatten. Eine Frau, die sich nicht an die rigiden Ehrevorschriften hält, ist Freiwild und zu beschämender Behandlung freigegeben. Nicht überall, aber noch viel zu oft. Respektvolles Verhalten in den muslimischen Staaten dürfen nur die Frauen erwarten, die sich an die rigiden Moralvorstellungen halten.
    Und ich kann in dem Essener Tafelverhalten keine gewollte Diskriminierung erkennen, schließlich sind ja immer noch mehr als zweidrittel der Besucher Migranten. Wenn überhaupt ist es ein verzweifeltes Bemühen, mit einer Situation fertig zu werden, für die ganz andere verantwortlich sind, die sich aber merkellich die Hände in Unschuld waschen. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis!!

  11. #11 | Helmut Junge sagt am 10. März 2018 um 08:58 Uhr

    Klaus W. Sie lassen ja nicht locker, darum noch mal: "Residentes" zahlen in Spanien bei verschiedenen Gelegenheiten nur den halben Preis gegenüber Touristen. Rassismus?
    Zumindest rein theoretisch kommen Menschen ohne Schengen-Ausweis gar nicht nach Deutschland rein, die mit Schengenausweis aber doch. Rassismus? Wenn das Rassismus ist, dann bestehen alle Regierungen der Welt ausschließlich aus Rassisten, und zwar schon immer, seit es Pässe gibt.
    Wenn ich noch länger nachdenke, fallen mir noch mehr Beispiele ein.
    Ach doch, noch eins. Die Füchtlingsobergrenze ist sogar Thema bei den Koalitionsverhandlungen gewesen und wird auch umgesetzt, wenn auch unter einer anderen Bezeichnung. Dabei ist das das beste Beispiel, weil es dem Beschluß der Essener Tafel gleicht. Und wenn sie mal nachdenken, wie die gleichen Politiker, die in den nächsten Wochen dieses Thema umzusetzen gedenken, über die Essener Tafel reden, obwohl sie das Gleiche in einem viel größeren Rahmen, mit viel stärkeren Konsequenzen, abziehen werden, sehen sie ein gewaltiges Maß an Heuchelei, obwohl die Frage ob das Rassismus ist, noch gar nicht endgültig beantwortet ist. Denn versuchen Sie mal ohne Paß in irgendein afrikanisches Land einzureisen. Oder sonstwo auf der Welt in Asien, Süd und Nordamerika. Alles Rassismus? So einfach läßt sich Ihre Welt erklären? Vermutlich nicht, denn Sie sind ja ein intelligenter Mensch. Aber Ihre Filter lassen nur Schlußfolgerungen in eine Richtung zu, und wenn Sie lange genug nachdenken, finden Sie auch eine passende Erklärung für Ihre Argumentation. Das ist immer so. Auch bei mir und meinen Filtern. Nur kommen wir genau deshalb in dieser Frage nicht zusammen. Bei anderen Fragen klappt es vielleicht besser.

  12. #12 | Klaus W. sagt am 10. März 2018 um 09:10 Uhr

    @T Weigle

    Als ehemaligen Lehrer – ich gehöre nicht zu denjenigen, die pauschal über Lehrer herziehen, sondern habe großen Respekt vor dieser Berufsgruppe- müssen Sie abwr schon wissen, dass respektloses Verhalten gerade männlicher Jugendlicher – und von denen sprachen Sie gerade – mit Religion in dwr Regel rein gar nichts zu tun hat – die sind nämlich un den seltensten Fällen religiös und haben keine Ahnung, was in der Bibel oder im Koran steht.

    Respektlose Verhalten von Jugendlichen hst etwas mit der Pubertät zu tun- egal ob christlich, muslimisch oder sonst was- und ist eine entwicklungsbedingte Normalität. Es steht auch weder im Koran noch in der Bibel, dass man seine Lehrer respektlos behandeln solle.

    Die Art der Respektlosigkeit kann aber durchaus etwas mit autoritären und patriarchalischen Erziehungsmethoden- auch nicht immer gewaltfrei – zu tun haben. Solche Schüler erfahren für Fehlverhalten zu Hause rigide Strafen, die ihnen in der Schule nicht drohen. Selbst wenn diese Eltern ihre Kinder beim Elternsprechtag mit Hsut und Haaren verteidugen, gibts zu Hause gewaltig auf den Allerwertesten.Schuld ist dann aus Sicht des Jugendlichen natürlich der blöde Lehrer.

    Aber- machen Sie uns nichts vor – Respektlosigkeit von Jugendlichen hat mit Religion in den allermeisten Fällen nichts zu tun und es gibt auch keine religiösen Normen, die so etwas fordern. Da spielen Betonung von angeblicher Stärke und Männlichkeit im Klassenverbund eine Rolle, nicht aber die Religion. Da Sie anscheinend schon länger nicht mehr in Schuldienst sind, fragen Sie mal bei Ihren früheren Berufskollegen nach und Sie werden erfahren, dass inzwischen auch die Mädchen quer durch alle Schichten in der Schule gehörig aufdrehen.
    .Zur Tafel hsbe ich alles gesagt. Das Verhalten der Essener Tafel war ungeschickt. Die Probleme vor Ort kann man anders lösen, das habr ich obrn dargelegt. Anderen Tafeln gelingt dies auch.

  13. #13 | Arnold Voss sagt am 10. März 2018 um 09:19 Uhr

    Zum Rassismus nochmal eine vertiefende Anmerkung:

    https://www.ruhrbarone.de/wie-der-postmoderne-antirassismus-zum-hemmschuh-der-multikulturellen-gesellschaft-wird/137996

    Ach ja, und Danke für die interessante Diskussion hier. 🙂

  14. #14 | thomas weigle sagt am 10. März 2018 um 10:33 Uhr

    @ KlausW Sie wollen einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass die muslimische Kultur einen anderen Umgang mit Frauen hat. Beispiel: auch unter Biodeutschen gibt es Tötungsdelikte und Morde an Frauen aus gekränkter Eitelkeit oder Eifersucht. Es ist aber eher unüblich, dass solche Taten im Familienkreis besprochen und oftmals der jüngste "Mann" diese Tat ausführt, weil er die geringste Strafe zu erwarten hat. Hinzu kommt, dass solche Taten("Ehrenmorde) oftmals zumindest von Teilen der betreffenden Community gut geheißen werden.
    Wir werden da nicht zusammen kommen, deshalb mache ich für mich den Deckel drauf, auch wenn zu Ihren weiteren Anmerkungen noch einiges zu sagen wäre.

  15. #15 | Heiner, OekoAndina sagt am 10. März 2018 um 14:00 Uhr

    Artikel Armut, Rassismus und Essener Tafel

    guter Artikel, kann man nichts hinzufügen ausser: was folgt daraus nun für die Praxis….????

  16. #16 | Klaus W. sagt am 10. März 2018 um 15:22 Uhr

    @weigle
    Von der Tafel zum Ehrenmord ..na gut, Herr Weigle.
    Was dem Türken sein Ehrenmord ist dem Deutschen seine Familientragödie – gut, ist nicht zu hundert Prozent vergleichbar, aber ohne nun die Kriminalststatistik zur Hand zu haben, glaube ich nicht, dass die Zahl der Opfer der sog. "Ehrenmorde" die Zahl der Opfer der deutschen Familientragödie überportional übersteigt. Und dem Opfer und seinen Angehötigen ist es in Zwrifelsgalle wurdcht, ob Sie es nun "Ehrenmord" oder abdere "Familirntragödie" nennen.

    Und- wenn Sie das muslimische Frauenbild sicherlich zu Recht und in viel zu vielen Ländern als steinzeitlich kritisieren, ist das eine Sache. Aber Sie werden mir zustimmen, dass de aktuelle Me-too- Debatte relativ wenig bzw. Hst nichts mit dem Islam, sondern viel mehr mit Machtausübung und vor allem Machtmissbrauch von Männern in dich selbst als hochzivilisiert bezeichnenden Gesellschaften gegenüber Frauen zu tun hat.

    Dass in der aktuellen Debatte mehrheitlich im christlichen Sinne geprägte Männer stehen, würde man nun trotz allem nicht zu Verallgemeinerungen über das Frauenbild des Christentums heranziehen, auch wenn man dies in Bezug auf die Aussage, dass die Frau dem Manne Untertan sein solle, sicherlich tun könnte-ganz zu schweigen von der Rolle der Frau bspw. in der katholischen Kirche, die dazu auch noch vom Staat subventioniert wird.

    Im Endeffekt ist es mir völlig wurscht, wie ein Mann sein frauenfeindliches Verhalten begründet und welcher Religionsgemeinschaft er angehört.

    Allerdings finde ich den Themensprung vom Drängeln einiger Rüpel in einer Schlange vor einer Tafel zur Rwligiondjritik nit dem "all -inklusive- Kritikpsket " zum Ehrenmord schon etwas weit hergeholt und mir Verlaub etwas überdramatisiert.

    @Herr Junge in aller Kürze- die administrativen Maßnahmen/Erlasse/ Gesetze sind natürlich Formen des strukturellen Rassismus . So ist die Einführung der Obergrenze natürlich m Fehlen bestimmter Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Integrationspolitik erforderlich sind, aber eben vor allem auch dem Druck der sich immer offener zeigenden rassistischen Fratze in diesem Land geschuldet.

  17. #17 | Helmut Junge sagt am 10. März 2018 um 17:33 Uhr

    Klaus W.. "…die administrativen Maßnahmen/Erlasse/ Gesetze sind natürlich Formen des strukturellen Rassismus . So ist die Einführung der Obergrenze natürlich m Fehlen bestimmter Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Integrationspolitik erforderlich sind,…
    Endlich sind wir mal einer Meinung!
    Der "Druck der sich immer offener zeigenden rassistischen Fratze in diesem Land" hat aber m.E. heutzutage überhaupt nur dadurch leichtes Spiel, weil die Regierung nicht daran gedacht hat, dieses "Fehlen bestimmter Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Integrationspolitik erforderlich sind,…" zu berücksichtigen, bzw. diese zu schaffen. Die sind allzusehr mit sich selber und ihren Karrieren beschäftigt. Dazu kommt noch eines, und das betrifft Menschen ganz allgemein. Man kann sich offenbar nur in solche Situationen hineinfühlen und-denken, die man selber erlebt hat, oder direkt beobachten kann, wie es bei @Thomas Weigle der Fall ist.

  18. #18 | thomas weigle sagt am 10. März 2018 um 17:40 Uhr

    KlausW Da mach ich den Deckel noch einmal kurz auf. Ich habe in den letzten 25 Jahren meiner Berufstätigkeit Tag für Tag ein Ausmaß an Frauen-und Fremdenfeindlichkeit sowie Rassismus und Antisemitismus der ungesündesten Art erlebt, wie ich es zuvor nie für möglich gehalten hätte: bei Russen und Muslimen. Weil ich aus diesen Erlebnissen kein Hehl machte, galt ich schon in der bündnisgrünen LWL-Fraktion so ein wenig als Hausfaschist. Aber für die wie für Sie zählt(e) dieser Rassismus nicht. Die Essener Tafel jedenfalls ist von meinen jahrelangen Rassismuserfahrungen meilenweit entfernt, hat damit nix zu schaffen.
    Wenn Sie die deutsche rassistische Fratze erleben wollen, dürfen Sie nicht zur Essener Tafel blicken, sondern zur AfD und deren Anhängern in diversen Foren, bspw.Michael Mannheimer oder Opposition24.

  19. #19 | Klaus W. sagt am 10. März 2018 um 18:57 Uhr

    @t Weigle
    Sie haben bei "Russen und Mudlinen" Frauenfeinflichkeit erlebt.Merken Sie was ? Warum schreiben Sie nicht; "Bei (christlichen) Russisch- Orthodoxen und Arabern/Türken/Libanesen/Marrokanern"?.

    Warum sprechen Sie bei den einen von Nationalitäten, bei den anderen von Religion?

    Zumal es ja im Islam auch die unterschiedlichen Strömungen gibt, die sie mit einer solchen Pauschaliering negieren.- und das ist der Punkt, der mich an Ihrer Argumentation sehr stört, js, mir missfällt und mich srurzig macht – Sie verallgemeinern, pauschalieren und reduzieren Nenschen auf ein Merkmal. Als ob Mebschen sich durch ein einziges Merkmal determinieren ließen – unsbhängig davon, ob überhsupt ein kausaler Zusammenhang zu einem kritisierten Umstand herstellbar ist. Diese Vorgehensweise ist nicht haltba – weder wissenschaftlich noch ethisch.

  20. #20 | Helmut Junge sagt am 10. März 2018 um 20:13 Uhr

    "Diese Vorgehensweise ist nicht haltba – weder wissenschaftlich noch ethisch."
    wissenschaftlich ist es durchaus haltbar. Es waren halt Russen und Muslime. Er sagt ja nicht, daß es alle Russen und alle Mulime auf der Welt wären. Er sagt, es waren Russen und Muslime. Seine Aussage geht nicht darüber hinaus Ich als Mitleser verstehe es so, daß die beiden Gruppen leicht erkennbar waren. Dazu muß er nicht die Religion der einzelnen Russen oder das Herkunftsland jedes einzelnen Muslims kennen. Ich mach das auch, wenn ich vom Christentum spreche und vielleicht Evangelikale meine. Da kann jemand der sich interessiert, nachfragen. Dann bemühe ich mich konkreter zu werden.

  21. #21 | thomas weigle sagt am 10. März 2018 um 22:15 Uhr

    KlausW Ich verallgemeinere nicht, sondern schildere meine Erlebnisse, die mich zu Beginn zutiefst verstört haben, denn wie "Gurmenschen" heutzutage, war ich zuvor der Meinung, dass Ausländer per se gut sind und jeder Deutsche ein potentieller Ausländerfeind ist. Diese Meinung musste ich schmerzhaft korrigieren. Ich spreche nur von meinen langjährigen Erfahrungen, dies hat @ Helmut Junge, im Gegensatz zu Ihnen erkannt und auf den Punkt gebracht. Danke Helmut.

  22. #22 | Klaus W. sagt am 11. März 2018 um 02:54 Uhr

    T weigle- Nun, ich bin auch nicht mehr fünfzehn und blicke auf ein reichhaltiges Berufsleben, durchaus mit sehr konkretem Bezug zum Thema zurück.

    Ihre Erfahrungen sind bedauerlich und werden sicher von einer Vielzahl deutscher Pädagogen geteilt.

    Nur- die Tatsache, dass Frauenrechte in muslimisch geprägten Ländern nicht mit dem in Einklang stehen, was wir uns aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ist ein vollkommen anderes Thema als das Verhalten – oft hier geborener- Jugendlicher, deren Eltern aus einem mehrheitlich muslimisch geprägten Land nach Deutschland eingewandert sind.

    Das ist alles viel komplexer und hat mit Religion eher weniger, dafür aber sicherlich mit mitgebrachten Rollenbilkdern, gesellschaftlicher Prägung und entsprechenden Wertevorstellungen zu tun – diese müssen überhaupt nicht religiös bedingt sein.

    Und -gerade, wenn wir von arabisch-oder türkeistämmigen Jugendlichen sprechen, die häufig schon aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes (haut-und Haarfarbe) oder dem Auftreten ihrer Eltern in der Öffentlichkeit sehr schnell zum Opfer latenter Stigmatisierung oder offener Diskriminierung werden und bereits sehr früh – das kann auch schon im Kindergarten beginnen- erfahren, dass sie "irgendwie anders" sind und immer wieder auf bestimmte Merkmale reduziert werden "Ausländer, Araber, Türke, Muslim", für die sie nunmal gar nichts können, müssen wir bedenken, dass derartige Ausgrenzungserfahrung nicht ohne Eindruck bei jungen Menschen bleiben.

    Wie kann ich als junger Araber denn einen deutschen Pädagogen- der nunmal für diesen jungen Araber Repräsentant einer ausgrenzenden Gesellschaft ist, zumalo dann, wenn es in der Schule nicht erfolgreich läuft- denn idealerweise am besten provozieren.?

    Ich führe ihm seine Machtlosigkeit vor Augen, in dem ich mich bspw. auf meine Religion berufe- von der versteht er erstens nicht wirklich viel, zum zweiten darf er ja nichts dagegen sagen, weil er sonst als Rassist und Ausländerfeind gilt und außerdem Gefahr läuft, den Schüler auch noch zu beleidigen. Wahlweise kann ich ihm auch noch den Holocaust vorwerfen.

    Pubertät ist eine sehr schwierige Zeit- wem sag ich das, wer wüsste das besser als Sie als ehemaliger Lehrer-, der man als Erwachsener oftmals vollkommen ratlos gegenüber steht und manchmal das eigene Kind nicht mehr erkennt.

    Ich finde, dass es sich Lehrer oft zu einfach machen, in dem sie Probleme, die mit Jugendlichen aus muslimisch geprägten Familienstrukturen entstammen , auf die Religion reduzieren. Wie ich schon oben schrieb- den meisten pubertierenden Jugendlichen geht Religion am A… vorbei- egal, ob sie nun christlich oder muslimisch erzogen sind- die wollen was ganz anderes, was ihnen Schule aber nicht geben kann.

    Ich bin dennoch der Auffassung, das es vollkommen sinnlos ist, ein menschlichzes Verhalten gerade von Jugendlichen hierzulande auf die Religion zu schieben. "Muslime sind so, Christen, sind so, und Juden sind so und so"

    Das ist Schubladendenken und zeugt davon, dass es nicht gelungen ist, an bestimmte Menschen heranzukommen, um die hinter dem lautstark nach außen getragenen Protest liegende Ursache zu verstehen. Pädagogen fehlt oft die Zeit dafür, der Lehrplan muss erfüllt werden usw.- und letztlich ist auch die Schule kein gesellschaftlicher Reparaturbetrieb.

    All das ändert nichts daran, dass man konstatieren muss, dass Pädagogen häufig an der Beschulung von arabisch-und/oder türkeistämmigen Schülern – bei letzteren steigt die Anzahl der erfolreichen Schulabsolöventen aber inzwischen an – scheitern – weil auch diejenigen, die engagiert sind, einfach oft keine Zeit haben, um die schwierigen Schüler zu verstehen oder ggf. auch andere Wege zu beschreiten – egal, welcher Religion oder Kultur diese Schüler und Lehrer entstammen.

    Nur, Herr Weigle – ich kann nicht mehr hören, wie sich Muslime in Deutschland angeblich aufgrund ihrer Religion verhalten, wobei natürlich auch immer nur bestiommte Attitäden bedient werden- respektloisigkeitm Frauenunterdrückung, Ehrenmord.

    Das ist doch pauschalisierender Humbug, der der Wirklichkeit und Vielfalt der Menschen, die -nunmal durch Geburt – dem Islam als Religion zugehörig sind,- hierzulande nicht im entferntesten gerecht wird..

    In muslimischen Ländern leiden Frauen und andere Randgruppen stark, aber auch diejenigen Männer , die sich diesen Strukturen, speziell auch der Scharia nicht unterwerfen wollen, eben auch.

    Aber hierzulande sollten wir auf unangemessenes Verhalten reagieren – bei Pubertierenden muss man genau hinsehen, warum sie sich wie verhalten, für Erwachsene gelten die hier gültigen Regeln, egal welcher Religionsgemeinschaft sie angehören oder welchen Pass sie haben.

  23. #23 | ke sagt am 11. März 2018 um 07:34 Uhr

    Final gibt es Problemkids, wie sie auch immer bezeichnet werden. Es ist natürlich auch klar, dass Gruppenbezeichnungen nie den Einzelfall berücksichtigen.
    Ich habe bspw. schon oft Frauen in Führungspositionen im arabischen Raum erlebt. Das geht. Die Frauen wissen, wie sie sich durchsetzen. Sie sind aber eine Ausnahme.

    Ein Basisbenehmen muss erwartet werden. Hierfür sind aber nicht die Lehrer, sondern in erster Linie die Eltern verantwortlich. Das muss auch so klar kommuniziert werden. Der Staat ist aus meiner Sicht nur für Extremfälle in Erziehungsfragen zuständig.

    Von einem Lehrer/Erzieher erwarte ich aber auch, dass er pädagogisch in der Lage ist, mit jungen Menschen umzugehen.
    Dafür wird er bezahlt und hat als Lehrer studiert bzw. als Erzieher eine umfangreiche Ausbildung erhalten.
    Beim Lehrer sollte nicht das Fachliche im Mittelpunkt stehen, da er selbst bis zur Oberstufe den Schulstoff schon in der Schule erlebt haben sollte. Er ist pädagogisch ausgebildet.

    Ich sehe auch nicht, dass die Schule jeden zum Mega-Akademiker ausbilden muss. Motivation muss auch von innen kommen. Kinder haben eine hohe intrinsische Motivation, die dann nachlässt, insbesondere, wenn man in Umgebunden aufwächst, in denen es Schick ist, nichts zu wissen. In diesen Fällen haben Lehrer einfach einen schweren Stand.
    Die hohe intrinsische Motivation von Kindern lässt sich übrigens gut in den Museen der Gegend beobachten, wenn Angebote für Kleine Entdecker etc. angeboten werden. Leider nehmen zu oft nur die Kids mit Eislaufmamis an den Veranstaltungen teil.

    Wenn es bei den Grundlagen des Sozialverhaltens Probleme gibt, ist das nur begrenzt gesellschaftlich zu kompensieren. Irgendwann ist dann auch die Integrationsfähigkeit begrenzt, wenn es zu viele Problemschüler, Problemjugendliche, Problemerwachsene etc. gibt. Woher und aus welchen Milieus diese auch kommen. Die meisten Jugendlichen haben irgendwelche Probleme und müssen dies managen. Das klappt im Regelfall auch gut, denn das macht der Mensch schon seit Jahrtausenden.
    Hier müssen auch die Schulen gemischt werden, damit versch. Lebenswirklichkeiten erfahren werden. Der Bund als Zusammenführungsmechanismus von Männern aus versch. Regionen und Schichten hat in diesem Bereich sicherlich auch geholfen.

  24. #24 | Helmut Junge sagt am 11. März 2018 um 09:18 Uhr

    @Klaus W. So macht diese Diskussion wenig Sinn. Sie kennen die von Thomas Weigle angesprochenen Probleme, hauen ihm trotzdem quasi eine runter, nur weil Sie andere Gründe als Ursachen vermuten. Die nennen Sie dann erst später, aber nur weil Sie beim mitlesenden Publikum kein Recht bekommen.
    Merken Sie eigentlich nicht, daß durch dieses Verhalten unser Diskurs giftiger wird? Das genau ist die Situation im ganzen Land. Erst mal draufhauen, bis kein Dialog mehr möglich ist.
    Unsere gesamte Gesellschaft ist in diesem Zustand dieser künstlich erzeugten Sprachlosigkeit, weil sehr viele Diskussionen so ablaufen. So kommen wir aber nie weiter. Dabei gäbe es genügend Gesprächstoff.
    Wenn wir vor 10 Jahren angefangen hätten, sachlich über Probleme zu sprechen, deren Existenz heute immer noch erst beim Nachhaken zugegeben werden, hätten wir damals schon über die Ursachen streiten können. Diese Diskussion wäre schwierig genug. Aber wir streiten uns zur Zeit noch darüber, ob es solche Probleme überhaupt gibt. So weit sind wir ja schon. Klasse.
    Da haben rechte Populisten leicht Lachen, Herr Klaus W.

  25. #25 | Klaus W. sagt am 11. März 2018 um 09:22 Uhr

    @ke
    Wirklich selten, dass ich einem Ihrer Beiträge so weitgehend zustimme- mit einer Ausnahme: Erzieher genießen hierzulande im Vergleich zu anderen Ländern leider gerade keine umfangreiche Ausbildung.

  26. #26 | Wolfram Obermanns sagt am 11. März 2018 um 12:40 Uhr

    Was mich an dem Thema immer noch wundert ist, daß Tafeln, die Heute-nur-Weiße-Tage eingeführt haben, frei von jedem Rassismusvorwurf bleiben.
    Wie clever in der konkretenSituation die Quotierung ist, kann ich nicht beurteilen. Ehrenamtliche sind frei in der Einschätzung darin, welche Kompetenz sie einbringen wollen und können, welche Kompetenzen sie von dritten Einwerben wollen und können. Wer sich darüber aufregt, hat noch nie verantwortlich ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeführt, oder neigt dazu die Schwerkraft dafür verantworlich zu machen, warum er morgens so schlecht aus dem Bett kommt. Bei ehrenamtlicher Arbeit gilt in ganz großem Maße, wer macht hat recht. Diese Freiheit ehrenamtlicher Arbeit ist ein wesentlicher Vorteil, aber natürlich auch ein Risiko.

    Interessant finde ich außerdem immernoch die Reduktion des Armen auf arm. Der Klientel der Tafel wird keinerlei weitere soziale Attitüde zugebilligt. Das Argument der Integration durch Kontakt wird ignoriert und negiert.

    Drittens ärgert mich die Verflachung einer wahnhaft, geradezu pegidisierenden Linken, die von "Essen nur noch für Deutsche" redete. Dies übrigens auch in einem Artikel Welt zu einer Geschwätzsendung. Glatt wahrheitswidrige Verleumdung ehrenamtlicher Hilfe, die persönlichen Reinheitsgeboten widerspricht, ist offensichtlich salonfähig. Auch das zeigt und ebnet der AfD den Weg.

  27. #27 | ke sagt am 14. März 2018 um 09:07 Uhr

    @26 W. Obermanns:
    Der Focus hat einen Bericht über ein Wochentagssystem der Tafel Chemnitz.
    https://www.focus.de/politik/deutschland/tafeln-in-deutschland-essen-schliesst-migranten-aus-chemnitz-bietet-stattdessen-einen-ganzen-tag-fuer-sie-an_id_8606869.html

    Dass solche Systeme als Problemlösung verkauft werden, ist für mich nicht nachvollziehbar.

  28. #28 | H.-J. Baranowski sagt am 17. März 2018 um 13:40 Uhr

    Lieber Klaus W.,
    nachdem ich den Artikel von Arnold Voss und alle Kommentare aufmerksam gelesen habe, komme ich zu der Erkenntnis, dass Sie unbedingt Erbsen zählen und Linsen stapeln wollen. Dass hier etwas, mit unseren sich der Integration verweigernden Muslimen, nicht in Ordnung ist, werden und wollen Sie auch in Zukunft wohl nicht wahr haben. Ihren Ausführungen zu folgen fällt nicht leicht. Sie sind ein Gutmensch. Mit Gutmenschen kann man nicht rational diskutieren. Gutmenschen schaden letztendlich dem Gemeinwesen mehr als sie ihm nutzen. Und gerade die Gutmenschen sind es, die der AfD und den Rechten die Wähler zutreiben. Der Artikel von Arnold Voss ist mit scharfem Verstand geschrieben durch und durch stimmig und schlüssig, wofür ich mich an dieser Stelle bedanke.

  29. #29 | Walter Stach sagt am 17. März 2018 um 19:09 Uhr

    Nachdenklichkeit in gesellschaftlich problematischen Situationen statt dogmatischer Besserwisserei und diese unverdrossen, ja immer radikaler vorgetragen in einer Welt, in der "liebgewonne" Gewissheiten sich in nichts aufzulösen beginnen?

    Akzeptieren, daß es in jedem zu führende Diskurs unmöglich ist, übereinstimmend zu der "einzig richtigen Problem- Lösung" zu kommen und damit definitiv alle anderen Lösungen als falsch etikettieren zu können?.

    Mir scheint, daß es daran "hier und da" in so mancher Meinungsäußerung zu mangeln scheint, die hier zu Problemen der sog. der sog. Tafeln und über deren Lösungen und damit über das alltägliche Miteinander hier lebender Menschen zu registrieren ist.

    H.J. Baranowsky hat in seinem Beitrag -28- diejenigen, die anderer Meinung sind als er, mit der unsinnigen Begrifflichkeit "Gutmenschen" zu charakterisieren versucht -oder zu diffamieren? und diese Begrifflichkeit begleitet mit Sätzen wie: " Mit Gutmenschen kann man nicht rational diskutieren" oder "Gutmenschen schaden letztendlich dem Gemeinwesen" oder " Gutmenschen sind es , die der AFD und den Rechten die Wähler zu treiben", dann……??

    Dann sehe ich unter anderem in diesem Beitrag einen weiteren Grund für meine einleitend formulierten Fragen.

    Diskurs "Schauplatz rationaler Kommunikation"?

    Der funktioniert nur, wenn es den Willen gibt, zur selbstkritischen Reflektion der eigenen Meinung und die Bereitschaft, andere Meinungen als solche zu akzeptieren, denn nur dann kann man sich mit ihnen rational auseinandersetzen.
    Und davon , so scheint mir, entfernt sich die Gesellschaft immer mehr, nicht nur, aber u.a. wahrnehmbar, wenn es um Menschen geht, die nach Deutschland geflüchtet sind und das gilt auch für einschlägige Meinungsbekundungen hier bei den Ruhrbaronen.

  30. #30 | H.-J. Baranowski sagt am 22. März 2018 um 10:43 Uhr

    Gut, Mensch selbst Guter Mensch haben nichts diffamierendes. Zugegeben wird Gutmensch im Sprachgebrauch nicht unbedingt positiv empfunden. Diffamieren war nicht meine Absicht, obwohl mein Kommentar nicht schmeicheln sollte.
    Warum Sie Herr Stach den Beitrag 1 von Klaus W. nicht in ähnlicher Weise kommentiert haben wie meinen, erschließt sich mir nicht. Bleibt die Vermutung, dass Sie ihn nicht aufmerksam gelesen haben. Klaus W. geht in ähnlicher Weise auf den Artikel von Arnold Voss ein, auch er gebraucht diffamierende Vokabeln und Formulierungen. Sachlichkeit ist in seinem Kommentar auch nicht an jeder Stelle gegeben. Die Betonung liegt auf "Schauplatz rationaler Kommunikation" wie Sie so treffend schreiben.
    Ich gestehe ein, dass meine Wortwahl nicht sehr glücklich war. Zu der inhaltlichen Aussage stehe ich nach wie vor.

  31. #31 | Walter Stach sagt am 22. März 2018 um 13:59 Uhr

    -3o-
    H.J. Baranwoski

    O.K.!

  32. #32 | Laubeiter sagt am 6. April 2018 um 11:11 Uhr

    Ich verstehe die Logik nicht, gemäß derer nicht die Entscheidung der Essener Tafel, Armen Nichtdeutschen erstmal keine weitere Mitgliedschaft zu gewähren, rechte Parteien wie die AfD stärkt, sondern dies die täten, die diese Entscheidung der Essener Tafel kritisieren. Was stärkt die AfD? Wenn ich der Argumentation der AfD folge, dass Deutschland kein Geld hätte für Geflüchtete, oder wenn ich die Argumentation kritisiere als fremdenfeindlich und gleiche Rechte für Deutsche und Nichtdeutsche beim Zugang zur Armenspeisung reklamiere?

  33. #33 | Helmut Junge sagt am 6. April 2018 um 12:08 Uhr

    @Laubeiter, reiche Leute, bzw. deren Kinder die mal alles erben werden, halten sich häufig für politisch links stehend.
    Damit glauben sie das Recht zu haben, zu definieren, was rechts und was links ist. Sie haben zwar nicht gesagt, daß die arme Oma rechts ist, weil sie sich nicht traut zur Tafel zu gehen, (da sind sie noch nicht drauf gekommen) aber ersatzweise müssen die ehrenamtlichen Helfer, die diese Omas unterstützen, die Leviten gelesen kriegen. Von wem? Natürlich von denen, die genau wissen, was links und was rechts ist. Ich habe mich mit der Beurteilung des Falls schwerer getan, aber ich bin nicht reich, und meine Eltern waren sogar arm.

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