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Wie der postmoderne Antirassismus zum Hemmschuh der multikulturellen Gesellschaft wird

Mural on Jones Avenue, Toronto, Canada Foto: Beatrice Murch Lizenz: CC BY 2.0

 

Mural on Jones Avenue, Toronto, Canada Foto: Beatrice Murch Lizenz: CC BY 2.0

Oh ja Leute, es gibt Rassismus und das nicht zu knapp. Auch bei der Polizei. Es gibt ihn im Alltag auf den Straßen, in Schulen, Krankenhäusern und Universitäten. Es gibt ihn in der Politik, in der Kultur und in der Wirtschaft, in Familien, unter Freunden, ja sogar zwischen Menschen die sich lieben. Aber es gibt ihn auch als einen antirassistischen Popanz, der ausschließlich dazu dient, sich selbst von jedem Rassismus freizusprechen. Rassisten sind nämlich immer die anderen, und dazu gehören in der Regel die Menschen, die man sowieso schon scheiße findet. Mit Vorliebe Polizisten und Militärs oder anderes strukturell nervendes staatliches Ordnungspersonal. Aber auch gerne mal die, die weiß sind, oder ungebildet, oder zu reich, oder zur Unterschicht gehören, oder die sonst eine Eigenschaft haben, die man selbst nicht zu haben wünscht oder im geheimen gerne hätte, aber nie bekommen wird.

Wobei der Haken bei den Weißen ist, dass deren Hautfarbe genauso angeboren ist wie jede andere. Sie kann also nicht geändert werden wie die Zugehörigkeit zu einer Religionsgruppe, zu einer Nation oder zu einem wertebezogenen Kulturkreis. Sie kann auch immer noch nicht wegoperiert werden, wie mittlerweile – wenn auch mehr oder weniger notdürftig – das Geschlecht. So sehr man sich in eine andere Hautfarbe wünscht, oder sich in sie hinein zu fühlen versucht, man bekommt sie dadurch nicht selbst.

Stattdessen kann man sich in der eigenen unwohl oder sogar schlecht, ja sogar bedroht fühlen, weil andere sie einem zum Vorwurf, zum Nachteil, oder sogar zum Anlass für Schlimmeres machen. Oder ganz toll, weil man sie, obwohl sie ganz zufällig per nicht selbstbestimmter Geburt mit ihr zusammen geliefert wurde, als ultimative Auszeichnung gegenüber anderen Hautfarben, ja sogar als Beweis evolutionär genetischer oder irgendwie göttlich geschöpfter Überlegenheit empfindet.

Beim Rassismus geht es um das unveränderbar Angeborene

Wobei die einen ihren eigenen Stolz darauf als ganz normal, den der anderen aber auch gerne mal als Rassismus bezeichnen. Kommt ganz darauf an, wer und wo und zu welcher Zeit sich gerade in der schwächeren Position befindet. Ein auf beiden Seiten angeborene und unveränderbare Konfiguration von Körpermerkmalen ist so schon seit Menschengedenken Ausgangspunkt von ein- oder sogar gegenseitigem kollektiven Hass geworden, dem man weder durch kulturelle und soziale Anpassung noch durch perfekt gefälschte Papiere entgehen kann.

Die darauf projizierten Vor- oder Nachteile funktionieren dabei entweder als Generalverdacht oder als Generalamnestie, weil sie auf Grund eben dieser biologischen Unveränderbarkeit unausweichlich alle betreffen, die diese Art von Körpereigenschaften haben. So sorgen sie unvermeidlich für ein selbst produziertes und zugleich geschlossenes biophysiologisches Feindbild, das Zusammen mit der eigenen Höherbewertung die Erniedrigung, ja die zum Schutz der eigenen „Rasse“ notwendige Vernichtung der Minderwertigen rechtfertigt.

Die Zugehörigkeit zu Nationen, Religionen und Kulturkreisen hat nichts mit Rasse zu tun

Deswegen ist Jemand der Christen, Muslime oder welche Glaubensgruppe auch immer scheiße findet, ein Religionsverächter, aber kein Rassist. Deswegen hat das Geburtsland oder der Geburtsort genauso wenig was mit Rassismus zu tun wie der sogenannte Migrationshintergrund. Wer sich von Türken, Deutsche, Russen oder sonst welche Nationalitäten genervt fühlt, kann sowohl ein Nationalist aus einer anderen Nation als auch ein Internationalist sein. Aber er ist deswegen auf keinen Fall ein Rassist. Wer Ausländer generell hasst auch nicht. Er oder sie ist fremdenfeindlich oder vielleicht auch nur fremdenängstlich, aber nicht rassistisch.

Der Vorwurf des Rassismus verliert nämlich seinen konstituierenden Kern, wenn er auf Eigenschaften ausgedehnt wird, die durch eigene Entscheidungen veränderbar sind. Die so vorgenommene Relativierung nimmt ihm seine spezifische perfide biologistische Totalität und damit seinen eigentlichen Sinn. Man und frau kann sich nämlich von Tradition lösen, per Migration eine andere Nationalität annehmen, den Kulturkreis wechseln und aus einer Religion austreten, selbst wenn deren Regeln das verbieten und so schwer das im Einzelfall auch immer ist. Und sie tun es überall auf der Welt. Denn jeder Mensch kann und darf sich von seiner sozialen und kulturellen Umwelt emanzipieren. Das ist sein Menschenrecht.

Aber er muss das nicht, und das ist genauso sein Menschenrecht. Er kann und darf sogar in sich widersprüchlich sein oder Werte aus verschiedenen Kulturkreisen in seiner Individualität vereinigen. Und in einer multikulturellen Gesellschaft tut er es häufig auch. Ein Rassist kann deswegen zusätzlich ein Sexist, aber auch ein Feminist (gegenüber den Frauen seiner „Rasse“) sein, ein Atheist, aber auch ein tief religiöser Mensch. Er kann Homosexuelle oder welche andere Minderheitengruppe auch immer hassen, aber er kann ihnen auch selber angehören oder sogar beides.

Vor allem aber kann ein Opfer des Rassismus deswegen sehr wohl selbst ein Rassist oder eine Rassistin sein. Denn Opfer sind nicht per se die besseren Menschen, sondern die jeweils aktuell Geschädigten und Leidenden, denen genau deswegen und nur diesbezüglich unsere Solidarität und Hilfe zukommen sollte. Ein Opfer von Rassismus, das z.B. seinen Lebenspartner schlägt oder seine Kinder malträtiert, an Pogromen teilnimmt oder sonst wie als Feind der Menschenrechte und des friedlichen Zusammenlebens auffällt, hat diesbezüglich weder Unterstützung noch Wegschauen verdient.

Kulturen sind keine geschlossenen Systeme und selbst Religionen verändern sich.

Wer den Rassismus z.B. auf Religions- oder Kulturangehörigkeit oder auf den Migrationshintergrund ausdehnt nimmt ihm aber nicht nur seine Essenz. Er eröffnet obendrein Tür und Tor für antirassistische Verdächtigungen, die nur den Zweck haben, Kritik auch an den individuellen oder kollektiven Werten und Eigenschaften abzuwehren oder sogar zu verbieten, die prinzipiell änderbar sind und in der realen Welt auch permanent verändert werden. Die, obwohl sie kulturell in Traditionen und den damit verbundenen Normen und Gewohnheiten eingebunden sind, von den einzelnen Menschen mit bestimmt werden.

Kulturen wandeln sich. Sie stehen nirgendwo auf der Welt auf ewig fest, denn selbst die Sozialisation in derselben konservativen Familie führt zu unterschiedlichen individuellen Werdegängen, weil sie immer eine Wechselbeziehung zwischen Individuum und Gemeinschaft ist. Und weil sie nie herrschaftsfrei verläuft. Widerstand und Dissidenz sind deswegen Teil jeder Kultur und ändern über kurz oder lang ihre Traditionen und Regeln. Selbst Religionen ändern sich, wenn auch nur über längere Zeiträume.

Eltern müssen aber erst gar nicht die Religion eines Kindes durch Beschneidung oder Taufe schon zu einem Zeitpunkt bestimmen wo es nicht einmal das Wort Gott aussprechen kann, noch wissen kann was es bedeutet. Sie können auch warten, bis der eigene Nachwuchs geistig so weit ist, dass es sich selbst entscheiden kann und will. Kulturkreise müssen kein Zwangsgemeinschaft sein, wenn in Familie, Schule und Freundeskreis die gemeinsamen Werte nicht als unumstößlich und nicht über jede Kritik erhaben vermittelt werden. Ein Kulturwert und ein Erziehungsziel kann auch die Freiheit selbst sein.

Rassismus als kultureller Verdacht verhindert gesellschaftliche Lernprozesse

Ein Antirassismus der den wertebezogenen Meinungsstreit verbietet, weil er selbst rassistisch sein könnte, ist nicht nur antidemokratisch sondern behindert sich in seiner aufklärerischen Absicht auch selbst. Antirassismus ist ohne einen auf den Rassismus bezogenen gesellschaftlichen Lernprozess nämlich nicht erfolgreich. Der aber funktioniert nur im Dialog und der hat nur dann einen Sinn, wenn erste einmal alles gesagt werden kann. Sprechverbote sind dagegen genauso kontraproduktiv wie die Annahme, dass nur eine Seite zu kritisieren sei.

Ein solcher Dialog hat deswegen auch genau da sein Ende, wo der Rassismus sich individuell und kollektiv genau an dem festklammert, was ihn im Kern ausmacht: der „Objektivität“ des unveränderbaren körperlichen Unterschieds. Antirassismus sollte deswegen vor allem bei denen ansetzen, die dieses Stadium noch nicht erreicht haben. Bei denen, die gewöhnliche Fremdenangst noch nicht oder nur in Ansätzen rassistisch aufgeladen ist. Bei denen die Öffnung für ein multikulturelles Zusammenleben durch positive Eigenerfahrung noch möglich ist, bzw. diese nicht aggressiv entschlossen verweigert wird.

Wer dabei aber die Kritik an, ja selbst schon das Feststellen der Unterschieds zu andere Kulturen und ihren Werten selbst, unter Rassismusverdacht stellt, der macht eine solche Öffnung zur harmoniegezuckerten Folkloreveranstaltung statt zur Begegnung. Der macht aus Multi-Kulti eine Friede-Freude-Eierkuchen Veranstaltung die den potentiellen Rassismus auf beiden Seiten verstärkt statt verhindert. Der macht aus dem Dialog der Kulturen und Religionen ein gegenseitiges Schulterklopfen, dass sein gemeinsames Feindbild in denen sucht, die dieser Form des gesellschaftlichen Lebens skeptisch gegenüber stehen.

Rassismus als Popanz des Antirassismus

Aus der beliebigen Dehnung des Rassismus als Begriff wird so eine Einengung der gesellschaftlichen Diskussion, in dem alle die zu Rassisten gestempelt werden, die Multi-Kulti nicht wollen, die eingeschlossen, die es zwar wollen, aber nicht auf diese konfliktvermeidende und -verkleisternde Art. Dabei ist es ein gutes demokratisches Recht Multi-Kulti nicht zu wollen und hat erst einmal rein gar nichts mit Rassismus zu tun. Genauso wenig wie die Ablehnung von diesbezüglichen Diskussion, bei denen man von vorne herein die rassistische Arschkarte hat.

Es macht nämlich keinen Sinn mit Leute zu diskutieren, die den Rassismus schon als Begriff so konstruieren, dass er nur noch als Popanz taugt, auf den sie und nur sie einprügeln können. Der ihnen ermöglicht sich überlegen zu fühlen, obwohl sie in ihrer alltäglichen Lebenspraxis selbst diesbezüglich so gut wie nie auf die Probe gestellt werden. Entweder weil sie es sich leisten können nicht an den Orten zu leben, wo das passieren könnte, oder die als Berufsbetroffene genau damit ihr Geld und ihre Anerkennung verdienen, sich aber in ihrem Privatleben der täglichen multikulturellen Praxis entziehen.

Wer das jedoch nicht tut, weil er es weder will noch kann. Wer mit den anderen Hautfarben und/oder Ethnien Tür an Tür oder sogar in den gleichen Räumen, egal ob zuhause oder am Arbeitsplatz oder an beidem, lebt, der weiß wie tief in uns allen das Vorurteil gegenüber Menschen steckt, die ganz anders geprägt sind als wir. Die uns selbst nach Jahren der Freundschaft, ja der Liebe manchmal noch fremd erscheinen. Besonders in den Konflikten bei denen es um eigene Identität geht, die eben nie nur eine individuelle ist.

Zu viel Verdacht bedeutet zu wenig Optimismus

Aber auch bei einer rein materiellen Konkurrenzsituation kann der Verdacht des „Hinter der anderen Hautfarbe steckt das ultimative unveränderbare Andere“ in eine Feindschaft umschlagen, die in einer Weise eskaliert, wie man es sich gerade auf Grund der bisherigen positiven Erfahrungen nicht vorstellen konnte. Wird sie dann noch von außen geschürt, ist, wie viele historische Erfahrungen zeigen, bei vielen von uns , und das auf jeder Seiten der Konfliktlinien, ein Verhalten möglich, für das wir uns unter anderen Voraussetzung zutiefst schämen, ja verabscheuen würden.

Dagegen hilft aber nicht noch mehr und noch mehr generalisierter Rassismusverdacht, sondern seine lebenspraktische Reduktion. Sonst wird nämlich der kulturell ausgeweiteten Antirassismus vom selbst gebastelten Popanz schnell zur sogenannten sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Statt der realistischen Freude und Anerkennung der Tatsache, dass es trotz der Vorurteile einigermaßen klappt, stärkt der zunehmende Verdacht stattdessen das gegenseitige Misstrauen gegenüber dem Funktioniere. Ja es wir geradezu als Zeichen dafür genommen, dass dahinter im Unbewussten immer noch der Rassismus lauert, nach dessen Zeichen deswegen umso genauer bei sich selbst und vor allem bei anderen gesucht werden muss.

Dem Antirassismus gilt es deswegen genau da entgegenzutreten, wo er nicht die vom Rassismus Betroffenen schützt, sondern nur die selbst ernannten Antirassisten vor der Kritik der durch ihren Verdacht Betroffenen. Wo Antirassismus zum Selbstzweck wird, der den Rassismus nicht verhindert sondern für seine Ausdehnung sorgt, indem er ihn auch da zu demaskieren versucht, wo es das Gesicht hinter der Maske gar nicht gibt. Der den Antirassismus sich in sein eigenes Gegenteil verkehrt in dem er zur selbst ernannten Gedankenpolizei verkommt.

Vom antirassistischen Popanz zum antirassistischen Rassismus ist es nur ein kleiner Schritt

Was die neu Zugewanderten betrifft, kann man deswegen zwei Dinge nicht gleichzeitig tun, ohne dass sich die antirassistische Katze in den eigenen Schwanz beißt:

  1. Die Anpassungsschwierigkeiten und -grenzen von Menschen durch die kulturelle und religiöse Prägung ihrer Herkunftsländer und/oder ihres sogenannten Migrationshintergrundes als unaufhebbar definieren um die Zugewanderten zu schützen
  2. Von den anders geprägten Menschen die ihnen in den Ankunftsländern begegnen, bzw. mit ihnen mehr oder wenig gewollt zusammenleben, ein kulturelles Entgegenkommen verlangen, respektive eine kulturkritische Selbstreflektion einfordern.

Nicht nur, dass das Letzteres dann im Sinne des so erweiterten Rassismusbegriffs selbst rassistisch wäre. Auch das Erstere spricht den Zugewanderten genau das ab, was den Antirassismus im Kern ausmacht: Das jeder Mensch nicht nur biologisch sondern auch kulturell immer und überall als einzigartiges Wesen zu betrachten und anzunehmen ist, das trotz aller gesellschaftlichen und genetischen Einflüsse über einen eigenen Willen zur Gestaltung seines Lebens verfügt. Antirassismus bestreit so vielmehr – genau wie die Rassisten – die Individualität eines jeden Menschen und wird statt zur Förderung zur Bremse eines multikulturellen Zusammenlebens.

Auch und gerade in einer multikulturellen Gesellschaft ist nämlich jeder, egal wie er durch Familie und soziale Umwelt geprägt wurde, als Erwachsener für seine Taten verantwortlich. D.h. auch, dass ihn auch seine Hautfarbe nicht grundsätzlich vom kriminellen Täterverdacht ausschließen darf. Im Gegenteil, Antirassismus heißt in diesem Fall, dass es weder ein positive noch eine negative diesbezügliche Diskriminierung geben sollte. Jede andere Position wäre selbst rassistisch, weil sie einem Menschen gerade wegen seiner Hautfarbe das generelle Fehlen eines eigenen Willens, respektive einer Entscheidung für oder gegen eine Tat, unterstellt.

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11 Kommentare zu “Wie der postmoderne Antirassismus zum Hemmschuh der multikulturellen Gesellschaft wird

  • #1
    Helmut Junge

    @Autor, du hast eine riesige, sonst lautstarke gesellschaftliche Gruppe angegriffen, aber die wehrt sich nicht. Ist nun dein Text zu kompliziert, die Gruppe bereits im Koma, oder liest hier einfach nur niemand der Angesprochenen mit? Ich mag mich irren, aber ich denke, sie können das einfach nicht erklären, was sie denken, habens nie gelernt. Das würde auch erklären, warum sie so sehr dabei versagen, wenn es darum geht, Mitmenschen davon abzubringen, Rechts zu wählen. Sie haben sich geistig vor längerer Zeit selbst getötet, können aber immer noch mit dem Finger zeigen. Da,da,da.

  • #2
    Arnold Voss Beitragsautor

    Kann auch sein, dass das NPD Urteil und die unsägliche Rede von AFD Höcke alle Kräfte absorbiert. Was auch immer. Das Ding musste raus. Und ja, für einen Blog-Post ist es überkomplex. 🙂

  • #3
    Wolfram Obermanns

    Schon mal in Erwägung gezogen, daß die Rassismusinflation schlicht und einfach einem reduzierten Wortschatz und einer (nicht nur sprachlichen) Minderbegabung geschuldet sein könnte?
    Bis Leute aus dem Busch kommen, die Sätze mit zwei und mehr Kommata sinnhaft entschlüsseln können, muß dann notwendiger Weise ein wenig dauern.

    Es gibt allerdings eine Schiene den Rassismusbegriff zu weiten, die mir hier bisher nicht berücksichtigt zu sein scheint. Diese Leute überschreiten bewußt das semantische Feld über die eigentliche Bedeutung hinaus und verweisen auf die rassismustypische Denkstruktur dieser Chauvinisten, die eine kulturelle Zuschreibung in ihrer Darstellung zu einer Art unveränderlichem Rassemerkmal werden lassen. So eine z. B. Islamkritik dürfte jedem hier bekannt sein, der sich auch mal in Foren anderer Zeitungen tummelt.

  • #4
    abraxasrgb

    Arnold … Chapeau (und für Deinen Text zur Protodemokratie)
    Ich stimme Helmut (diesmal leider) zu … (sonst manchmal gerne, solange es nicht zu langweilig wird). Die reden doch gar nicht mehr mit uns, wir sind, alte, weiße, westliche Männer, die die Logik noch nicht zur Disposition gegeben haben 😉
    Man kann den DeriDaDa schätzen und den LaCanCan tanzen, aber sie für Handlungstheorien zu nehmen, fiele mir nicht im orthodoxesten Moment individueller Hybris ein 😉

  • #5
    KE

    Warum gibt es kaum Widerstand, wenn Gruppen aus dem rechten Spektrum für rechte Ideen demonstrieren, wenn die Teilnehmer einen Migrationshintergrund haben?

    Es geht nur darum zu zeigen, dass man selber in seine Community anti… ist und die anderen böse. Das alte :Wir sind gut, ihr böse

    Dabei wird vergessen , ein Ziel zu definieren oder zu denken. Das ist auch Kernproblem der Grünen und ähnlichen Gruppen, die einfach zu viele Meschen als Opfer von irgendwas betrachten und nicht damit fertig werden, dass die Opfer/Benachteiligten auch Täter sein können. Eigenverantwortung verdrängt man.

    Rassismus ist heute in der Umgangssprache sehr viel.
    Ich kann mit dem Begriff Anti-Rassismus nichts anfangen, weil mir die anerkannte Definition fehlt.

  • #6
    b

    Stelle ich "Denn jeder Mensch kann und darf sich von seiner sozialen und kulturellen Umwelt emanzipieren. Das ist sein Menschenrecht. […] Er kann und darf sogar in sich widersprüchlich sein oder Werte aus verschiedenen Kulturkreisen in seiner Individualität vereinigen. Und in einer multikulturellen Gesellschaft tut er es häufig auch." der Aussage "Dabei ist es ein gutes demokratisches Recht Multi-Kulti nicht zu wollen" gegenüber, frage ich mich, ob an dieser Stelle nun eine Abwägung zwischen demokratischen Rechten und Menschenrechten getroffen werden muss. Ich war eigentlich immer davon ausgegangen, erstere sollten letztere möglichst vollständig abdecken. Oder geht es nur um "Wollen" im Sinne einer Meinungsäusserung?

  • #7
    Arnold Voss Beitragsautor

    @ b # 6

    Gute Anmerkung. Danke, b. Eine bestimmte Gesellschaftsform nicht zu wollen ist erst mal eine Meinungsäußerung. Eine politische Position die man oder frau einnimmt und klar zu machen wogegen er oder sie ist. Ich kann genauso gegen eine sozialistische, oder eine kapitalistische oder eine patriarchalische Gesellschaft sein. Oder dagegen, dass in ihr nur eine bestimmte Religion zugelassen ist.

    Aber es gibt zugleich in den meisten demokratischen Ländern eine Verfassung die nicht erlaubt, Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihres Migrationshintergrundes des Landes zu verweisen. Die Multikulturelle Gesellschaft ist in Deutschland insofern nämlich durch unsere Verfassung geschützt. Aber diese Verfassung legt nicht fest wie wir jeneseits der Verfassungsrechte in einer solchen Gesellschaft miteinander umgehen. Genauso hat jedes Land das Recht die Zuwanderung auch kulturell zu steuern, wie es in den Einwanderungsgesetzen einiger Länder mehr oder weniger auch geschieht.

    Es geht in einer bestehenden freien Gesellschaft aber nicht um kulturelle oder religiöse Anpassung und sie ist, jenseits der universalen Menschenrechte, meines Wissens auch nirgendwo in den Verfassungen demokratischer Länder gefordert. Eine Leitkultur die die Werte freier Menschen jenseits der Grundrechte und Grundwerte der Verfassung harmonisiert ist vielmehr für eine multikulturelle Gesellschaft kontraproduktiv. Wenn überhaupt, bildet nur die Verfassung selbst die Leitkultur, in deren Rahmen über unterschiedliche kulturelle Orientierungen demokratisch gestritten werden kann und sollte.

    Eine multikulturelle Gesellschaft braucht eine Kultur des Streitens. Eine Kultur des ethischen und moralischen Verdachtes braucht sie dagegen nicht. Als Thema des Streitens ist nichts ausgenommen. Auch nicht welche Religion und Traditionen auch immer. Jeder darf auch diesbezüglich sagen was er für richtig hält, so lange er die Regeln dieser Streitkultur einhält. Und jeder hat mit Antworten zu rechnen die ihm nicht passen. Anpassen muss er sich deswegen daran aber nicht. Er darf sein Leben weiter nach seiner Fasson leben, solange er nicht die Gesetze verlässt und gegen die Verfassung verstößt, und darüber entscheidet nicht die Mehrheit sondern die Gerichte.

  • #8
    Helmut Junge

    Ich hatte die beiden Aussagen nicht als widerspüchlich empfunden, weil es in beiden Fällen um Rechte von individuen imRahmen des Grundgestzes und der von ihm abgeleiteten Gesetze geht. Aus der Beachtung dieser Gesetze ergeben sich etliche Einschränkungen der persönlichen Freiheiten.Auch daran darf es Kritik geben und solche Kritik gibt es auch. Auch darüber was wir unter dem Begriff Menschenrechte verstehen ist debattiert, gestritten und sind Vereinbarungen getroffen worden. Es gibt aber offenbar unterschiedliche Ansichten darüber, was alles zu den Menschenrechten zählt und was nicht . Ebenso ist es beim Begriff Multikulti.. wie weit darf das Recht auf anders sein gehen? Mindestens da, wo die Rechter Dritter berührt werden, sollte die Grenzen liegen. Aber ab wann werden die Rechter Dritter berührt? Das ist derzeit die Hauptdiskussion in der ganzen Welt. UND WER GLAUBT DIESE DISKUSSION MIT EINEM EINZIGEN WORT DER VERACHTUNG ENTSCHEIDEN ZU KÖNNEN, IST MINDESTENS WELTFREMD.Aber jeder kann es versuchen. Natürlich! Ich persönlich halte solche Versuche aber für wirkungslos. Und wer auf längere Zeit die gleiche wirkungslose Trumpfkarte zieht, ohne daraus zu lernen, kriegt meine Unterstützung nicht.

  • #9
    Walter Stach

    Arnold Voss
    nur zwei spontane Gedanken -unreflektiert-:

    Ist der Begriff "Rasse " ein wissenschaftlich haltbarer?

    1..
    Ich erinnere mich zumindest an eine Abhandlung ( -von…….??-,) in der ein …..Antropologe (?) oder…für mich überzeugend dargelegt hat, daß es abstammungsgeschichtlich nur die eine menschliche Rasse (die Rasse Mensch)gibt,ohne genetisch substantielle Unterschiede , so daß es sich nicht begründen läßt, von verschiedenen menschlichen Rassen zu sprechen.

    Wenn man dieser Erkenntnis zustimmt, wäre damit auch erklärt, daß es wegen des Fehlens verschiedener menschlicher Rassen keinen Rassismus geben kann -es sei denn, dieser richtige sich gegen "die Menschen als Rasse schlechthin" und damit wäre b.) auch erklärt, warum sich Rassismus gar nicht oder nur subjektiv, jedenfalls regelmäßig nur äußert strittig definieren läßt.

    2.

    2.1
    Ich wiederhole etwas, was ich hier bei den Ruhrbaronen schon mehrfach ‘angemerkt habe:
    Kultur(en), Religion(en), Ideologien sind als Produkte einer Gesellschaft -aus einer, in einer-, also insofern "variable Größen", entstanden und geprägt unter den Bedingungen von Zeit und Ort. Sie haben keinen ewigen Bestand , wohl aber sehr unterschiedliche lange Lebensdauern.

    Wenn "man" also meint, daß das , was der "christlich-abendländischer Kultur" , was der christliche Religion oder was substantiell der Ideen der Aufklärung immanent ist und wenn man diese für das Miteinander in der Gesellschaft für unverzichtbar hält, dann kann foglich auch nur die Gesellschaft selbst gewährleisten, daß dieses Existentielle in seiner Substanz möglichst lange Bestand hat, wohlwissend, daß "möglichst lange" nie "ewig" bedeutet. Und dieses "Gewährleisten-Wollen" setzt voraus, daß die Gesellschaft selbst -mehrheitlich- überzeugt ist von der Bedeutsamkeit, von der Wichtigkeit, von der Besonderheit "ihrer Kultur" (ihrer Religion, ihrer Ideen) , daß sie "fest daran glaubt " und so sehr von ihnen überzeugt ist, daß für diese Gesellschaft der Wettstreit mit anderen Kulturen (Religionen/Ideen) ihrem Selbstverständnis , ihrem Selbstbewußtsein innewohnt, das heißt dann eben auch, daß sie im Wettstreit mit anderen Kulturen/Religionen/Ideen einen permanenten und stets willkommenen Anlaß sieht, das eigene Selbstverständnis zu hinterfragen, um sich seiner immer wieder zu vergewissern. Und das alles in der Erkenntnis, daß diesbezüglich nichts ewig ist und daß es diesbezüglich keine absoluten Wahrheiten und kein "richtig oder falsch" geben kann.

    Simple Einsichten?

    Ich meine ja, es sei denn, man ist Dogmatiker -und davon scheint es zunehmend viele zu geben -kulturell, religiös, (ideen-)politisch, ua, nicht nur (!!), bei den völkisch-nationalistisch-antidemokratisch Bewegten und auf Seiten der von mir sog. radikal-fanatischen Islamisten.

    Erfolgreich Widerstand kann diesen Dogmatikern nur durch eine freie und pluralistische Gesellschaft geleistet werden, durch eine Gesellschaft, die nicht zuletzt im Kulturellen, im Religiösen und in ihren politischen Ideen voller Überzeugung ihre Eigenheiten, ihre Eigenarten, ihre Besonderheiten lebt und auf sie baut, zugleich offen für den Wettstreit mit Anderem und mit Anderen.

    2.2
    "Der Staat" mag versuchen, der Gesellschaft, den "gesellschaftlich relevanten Kräften" in diesem permanenten Prozess – die Kultur, die Religion, die Ideen/die Ideologien betreffend- beizustehen. Er mag sogar meinen, seinerseits Inhalte und Ziele vorgeben zu können -zu sollen, zu müssen oder ihm nicht "genehme" zu eliminieren versuchen.
    Ich halte das prinzipiell nicht nur für bedenklich und für gefährlich mit Blick auf den Bestand einer freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft , sondern auf Dauer und damit letztendlich für erfolglos.

    2.2.1
    Die die sog. westliche Welt prägende Kultur, die sie -bisher?- prägende christliche Religion, die sie tragenden Ideen der Aufklärung werden nicht deshalb im Wettstreit mit Anderen und Anderem noch lange Zeit überleben, weil der Staat, weil die Staaten das zu erzwingen suchen, sondern nur dann, wenn die Gesellschaft, die Gesellschaften der westlichen Welt das aus Überzeugung wollen und dafür in Freiheit, undogmatisch, im steten Bewußtsein der Relativität all dessen, für das "man steht", zu streiten (zu kämpfen)bereit sind.
    Und diesbezüglich "fehlt es mir derzeit so recht am Glauben" in die Fähigkeiten, in den Willen aller Gesellschaften in der sog. westlichen Welt, auch der sog. Zivilgesellschaft in Deutschland.

    2.2.2
    Kultur, Religion, Ideen/Ideologien -Produkte der Gesellschaft, Veränderungen unterworfen, nie von absoluten Wahrheiten ausgehen könnend, dem Wettbewerb ausgesetzt und nach meiner Auffassung am besten aufgehoben , behütet, gewährleistet in freien und pluralistischen Gesellschaften.

    Alle Gesellschaften -auch freiheitlich-pluralistische-unterliegen staatlicher Gewalt, staatlichen Zwängen -‘mal mehr, ‘mal weniger; mal gegen ihren Willen, ‘mal so von ihnen gewollt.

    In Deutschland -und anderen Staaten der sog. westlichen Welt- hat der demokratisch legitimierte Staat durch seine Verfassung und durch die verfassungskonformen Gesetze der Gesellschaft, dem gesellschaftlichem Tun und damit jedem Einzelnen Grenzen gesetzt. Und nur für die Einhalt dieser durch die Verfassung gesetzten Grenzen hat der Staat zu sorgen, eben auch dann, wenn es um Kultur/Religion/Ideen/Ideologien geht. Alles Andere ist "dem freien Spiel der Kräfte in einer freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft" überlassen. So und nur so kann sich eine "leitende Kulturidee" herausbilden, läßt sie sich über eine mehr oder weniger lange Zeit gewährleisten, wird sie irgend wann aufgehoben oder ergänzt werden, z.B. durch andere "Kulturideen" .
    Einem Staat -auch nicht den demokratisch legitimierten- kann das nicht gelingen, jedenfalls nicht mit Erfolg über lange Zeit, z.B. nicht seitens der "Staatspartei" CSU in Bayern, wenn diese versucht, einer staatlich verordneten sog. Leitkultur das Wort zu reden.

    Arnold Voss,
    mir scheint, wir sind uns "im Prinzip" einig.

    Ich komme nicht darum herum, z.B. auch nicht in dieser Diskussion, Grundsätzliches vorzutragen und das zu bedenken geben -auch wenn es den einen oder den anderen nervt-, denn immer wieder gewinne ich den Eindruck, daß "man" aneinander in vielen konkret strittigen Angelegenheiten aneinander vorbeiredet, weil "man" im Grundsätzlichen weit von einander entfernte Positionen inne zuhaben scheint.

  • #10
    Helmut Junge

    @Walter Stach, es wäre schön, wenn mit dem wissenschaftlichen Beweis,dasses heute keine Rassrn mehr gibt, was ich schon so häufig gelesen habe, dass ich selber annehme, dass der NEANDERTHALER eine andere Rasse war, und alle heutigen Menschen der gleiche Rasse angehören, wennalso mit dem verschwinden des Begriffs, auch das vers hwinden würde, was dieser Begriff bedeuten soll.
    Denn noch zur Zeit der Entdecker spielte die Hautfarbe in der Beurteilung anderer Menschen keine wichtige Rolle. Kolumbus schrieb ganz sachlich, dass die Hautfarbe seiner Ansicht nach dem jeweiligen Breitengrad angepasst sei. Gute 100 Jahre später schrieb Jakob Ultzheimer, von einem weissen Mohrenkönig in der Barbarei,also dem Landder Berber, das den kanarischen Inseln gegenüber lag. Die katholischen Spanier und Portugiesen interessierten sich ausschliesslich für Christen und wollten it dem äthiopischen Herrscher ein Bündnis gegen die die Moslems bilden. NOCH FÜR Ultzheimer, der mit den Holländern als Wundarzt segelte war der Glaube massgebend. Die Holländer waren calvinistische Christen. DAS WAR Ultzheimer DAMALS WICHTIG. Immer noch, obwohl es bereits afrikanische Sklaven in den westindischen Kolonien gab. DIE WAREN EBEN KEINE CHRISTEN. Und SCHON GAR KEINE Protestanten. Die Idee, dass die Hautfarbe wichtig war, kam später, als der christliche Glaube selber unwichtig wurde. UM ANDERE Menschen zu diffamieren gibt es immer Gründe genug. ES muss nicht die Hautfarbe sein, und eswar auch nicht immer die Hautfarbe. Auchfür die postmodernen Antirassisten muss es nicht die Hautfarbe sein. Ich bitte meine Fehler wegen unkorrekter SCHREIBWEISE ZU ENTSCHULDIGEN,DENN ICH VERFÜGE ZUR Zeit nur über eingeschränktes Gerät, und eine Korrektur ist zeitaufwendig.

  • #11
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    ja, so ist das wohl.

    Ich meine (!), daß es zumindest nachdenkenswert sein könnte, ob "man" nicht prinzipiell auf den Begriff "Rassismus" verzichten sollte, und stattdessen, wie angeregt, das "Kind beim konkreten Namen" nennt.
    Ganz allgemein sind doch sog. Rassisten alldiejenigen, die alle A n d e r e n und alles A n d e r e, alle Fremden und alles Fremde hassen!

    Diesbezüglich könnnte über eine neue Begrifflichkeit nachgedacht werden.

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