Bayern setzt auf Zukunftstechnologien – NRW träumt den grünen Traum

Stellaris-Fusionskraftwerk Bild: Proxima-Fusion

Dass Bayern heute zu den wirtschaftlich stärksten Bundesländern gehört, ist kein Zufall. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der Freistaat konsequent auf die Ansiedlung und Förderung von Technologieunternehmen und auf den Ausbau der Wissenschaft. Dabei vermied Bayern den Fehler Baden-Württembergs, sich stark auf eine einzelne Branche wie die Automobilindustrie zu konzentrieren, und stellte sich breiter auf: Siemens neben BMW, Rüstungstechnik, Kernforschung und schon in den 1980er Jahren erste Programme zur Künstlichen Intelligenz.

Wie erfolgreich diese Strategie war, zeigt auch eine gerade veröffentlichte Statistik des Deutschen Patent- und Markenamts. Während Nordrhein-Westfalen lediglich auf rund 310 Patente pro eine Million Einwohner kommt, sind es in Bayern 940. Der Abstand ist enorm – und er ist kein Zufall. Nordrhein-Westfalen setzte lange vor allem auf den Erhalt vorhandener Industrien statt auf den Aufbau neuer technologischer Felder.

Bis heute hat sich daran wenig geändert. Bayern positioniert sich derzeit offensiv als Zentrum der Kernfusion. In München fand jüngst die Konferenz „FusionX“ mit rund 400 Teilnehmern aus Fusionsunternehmen, Investoren und Zulieferern statt. Gleichzeitig wurde eine Partnerschaft zwischen dem Freistaat, Proxima Fusion, RWE und dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik vereinbart.

In Nordrhein-Westfalen dagegen herrscht auffällige Zurückhaltung. Das Land leistet sich eine grüne Wirtschaftsministerin, während Ministerpräsident Hendrik Wüst bislang vor allem damit beschäftigt scheint, die durchwachsenen Bilanzen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes bei Wirtschaft und Bildung wegzulächeln.

Nachdem sich die Landesregierung bereits bei der Frage, wo eine der von der EU geplanten KI-Gigafabriken entstehen soll, auffallend zurückhielt, ist auch beim Thema Kernfusion kaum etwas zu hören. Die FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag will nun genauer wissen, wie die schwarz-grüne Landesregierung zu dieser Zukunftstechnologie steht. In einer Anfrage erkundigen sich die Liberalen unter anderem, welche Ziele die Landesregierung für Nordrhein-Westfalen im Bereich Kernfusion bis 2030 verfolgt, welche Maßnahmen sie ergriffen hat, um internationale Leitveranstaltungen wie die FusionX nach Nordrhein-Westfalen zu holen, und wie sich die Landesmittel für fusionsbezogene Forschung am Forschungszentrum Jülich zwischen 2020 und 2026 entwickelt haben.

Es wäre keine Überraschung, wenn die Antwort auf diese Anfrage einen weiteren Beleg für ein altes Problem liefern würde: das traditionelle Desinteresse der nordrhein-westfälischen Politik an neuen Technologien.

 

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