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BDS: Erfolgreich nur bei der Diffamierung Israels


Seit 15 Jahren gibt es die BDS-Kampagne. Alex Feuerherdt und Florian Markl haben sie nun in einem Buch analysiert.

Von ihrem Ziel, Israel wirtschaftlich zu isolieren und zu vernichten, ist die 2005 offiziell gegründete BDS-Kampagne, BDS steht für Boycott, Divestment and Sanctions,  weiter denn je entfernt. Israels Wirtschaft boomt, das Verhältnis zu immer mehr arabischen Staaten normalisiert sich und der Widerstand gegen ihre antisemitische Hetze wächst, ob im Kulturbereich oder an Hochschulen fast weltweit. Feuerherdt und Markl zeichnen die Geschichte des Boykotts nach, die lange vor BDS begann. Schon in den 20er Jahren riefen arabische Politiker und Geistliche, darunter auch Mohammed Amin al-Husseini, der Hitler besuchte und bewunderte, dazu auf, nicht in jüdischen Geschäften zu kaufen. Nach dem zweiten Weltkrieg richtete dann die Arabische Liga ein Boykottbüro in Damaskus mit Außenstellen in allen Mitgliedsstaaten ein, mit dem Ziel ein, den damals jungen jüdischen Staat wirtschaftlich zu ruinieren. Das gelang nicht. Unternehmen wie Pepsi allerdings mieden lange den israelischen Markt, andere zahlten eine Art Schutzgeld und bestachen Boykottfunktionäre. Unternehmen mussten angeben, ob sie mit Israel Geschäfte machten und ob Juden bei ihnen in Leitungsfunktionen beschäftigt waren. Der antisemitische Charakter des Boykotts war damals so offensichtlich wie heute. Lag es aber im Interesse eines arabischen Staates, mit einem Konzern Geschäfte zu machen, der auch in Israel aktiv war, interessierten die Regeln nicht. So konnte es passieren, beschreiben die beiden Autoren, dass ein Rüstungsunternehmen mit beiden Seiten Geld verdiente, aber ein anderes, das mit Frauenkleidern handelte, sanktioniert wurde.

All diese Maßnahmen waren für Israel lästig. Seine Existenz gefährdeten sie nie, seinen Aufstieg zu einer High-Tech-Supermacht konnten sie nicht verhindern. 2001, auf einer UNO-Konferenz zum Thema Rassismus, bei der eine der Veranstaltungen auch in der iranischen Hauptstadt Teheran stattfand, brach sich dann offener Antisemitismus Bahn. Vor allem NGOs lebten ihre Judenhass ungezügelt aus. Diese Konferenz sehen Feuerherdt und Markl als die eigentliche Geburtsstunde der BDS-Kampagne. Der Konferenz folgten Boykottaufrufe von Akademikern in den USA und Großbritannien und so wurde die Legende der BDS-Kampagne, sie sei 2005 als friedliches Mittel der palästinensischen Zivilgesellschaft im Kampf gegen den angebliche Unterdrückung durch die Israelis gegründet worden, vorbereitet. Zur palästinensischen Zivilgesellschaft zählten allerdings auch Terrororganisationen wie die Hamas und die PFLP.

Das Ziel der BDS-Kampagne, das arbeiten die beiden Autoren klar heraus, ist die Vernichtung Israels. Es geht nicht darum, das Leben von Palästinensern zu verbessern, Probleme, die sie als Minderheit in Israel in dem Maße haben, in dem Minderheiten auch in anderen Staaten Probleme haben, zu lösen, sondern den einzigen jüdischen Staat der Welt zu zerstören. Der Hebel dazu ist die Forderung nach einem Rückkehrrecht für die Araber, die bei der Gründung Israels den Staat zum größten Teil freiwillig oder aus Sorge, in Kampfhandlungen verwickelt zu werden, verließen. Die meisten von ihnen gingen davon aus, dass die arabischen Staaten innerhalb kürzeste Zeit Israel besiegen und ausradieren würden. Es kam bekanntlich anders. Von den gut 600.000 Arabern, die 1949 Israel verließen, eine ungefähr gleich große Zahl an Juden verließen damals, oft unfreiwillig, die arabischen Staaten, in denen sie seit Jahrhunderten wohnten, leben heute noch 30.000. Aber um deren Recht auf Rückkehr geht es nicht, denn der Flüchtlingsstatus der Palästinenser wird vererbt. Eine auf der Welt einzigartige Regel. Gut sechs Millionen Palästinenser wollen heute „zurück“ nach Israel, in ein Land, in dem sie noch nie waren. Würden sie nach Israel einwandern, würde das nicht nur das Ende Israels als jüdischer Staat bedeuten, es wäre, erklären Feuerherdt und Markl, das Ende des Judentums. In Europa wurde es von den Nazis vernichtet, in den USA sei es dabei, sich durch Assimilation aufzulösen – nur in Israel gäbe es die Chance, dass das Judentum längerfristigen Bestand hat.

Und im Gegenteil zu vielen BDS-Unterstützern im Westen sind BDS-Führer wie Omar Barghouti auch so ehrlich, das auch zuzugeben, dass sie Israel vernichten wollen: „Definitiv, äußerst definitiv lehnen wir einen jüdischen Staat in irgendeinem Teil Palästinas ab. Kein Palästinenser […] wird je einen jüdischen Staat in Palästina akzeptieren.“

Wirtschaftlich ist die BDS-Kampagne ein Flop. Der Schaden, den sie anrichtet, ist minimal. Erfolgreich ist sie bei der Verbreitung von Antisemitismus: Die Dämonisierung Israels, die, auch von Achille Mbembe betriebene, Verhinderung von Auftritten jüdischer Wissenschaftler, das Schüren von Hass gegen Juden.

Aber weltweit steht die Kampagne unter Druck: In den USA konnte sie sich nur an wenigen Hochschulen durchsetzen, viele Staaten haben sich, wie die Bundesrepublik, vom BDS distanziert, ihn als antisemitische bezeichnet. Die Räume werden enger für die Kampagne.

In Deutschland spielt sie ohnehin keine große Rolle. Nur ein paar antisemitische Kirchengreise, Islamisten und Antiimperialisten stehen auf ihrer Seite. Auftritte von BDS-Anhängern auf der Ruhrtriennale konnten verhindert werden, Versuche, auf das Pop-Kultur-Festival in Berlin Einfluss zu nehmen, scheiterten.

Trotzdem bleibt BDS ein Thema auch in Deutschland, wenn auch bislang kein ganz großes. Postkolonialismus und Postmoderne, häufig nicht weit weg vom Antisemitismus, haben das Potential, immer wieder für ein Aufflackern von Debatten, um BDS zu sorgen. Nach der Lektüre des Buchs von Alex Feuerherdt und Florian Markl ist es kein Problem, sie zu bestehen.

Alex Feuerherdt/Florian Markl, Die Israel-Boykottbewegung. Alter Hass in neuem Gewand, Leipzig 2020 (Hentrich & Hentrich-Verlag), 196 S

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