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Bio-Lebensmittel: Die feinen Unterschiede

Nicht die Linke, die Bionade-Bourgeoise dominiert.

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Ob Bio, vegan und vegetarisch: Essen ist längst mehr als Genuss und Sättigung. Es wurde zu einer Religion und ihre Anhänger erfreuen sich an dem Gefühl der eigenen Überlegenheit.

Essen war immer eine wunderbare Möglichkeit, sich von anderen abzusetzen. Während beim mittelalterlich Grundherren oft ein großes Stück Fleisch auf dem Tisch lag, steckten die Bauern ihre Holzlöffel in einen Topf voller Brei. Der französische König Ludwig der XIV schätze Geflügel und frisches Gemüse, das in einer großen Auswahl von seinem Gärtner Jean de La Quintinie eigens für die Küchen Versailles angebaut wurde. Währenddessen kamen bei den meisten anderen Franzosen Bohnen und Brot auf den Tisch. Später dann sorgten die Industrialisierung und der wachsende Wohlstand dafür, dass Hunger immer seltener und die Auswahl an Lebensmitteln für fast alle größer wurde: Immer häufiger lag nun auch auf den Tischen von Arbeiterfamilien ein Braten, es gab Kuchen und Torte und Obst und irgendwann auch exotische Leckereien wie Miracoli, Salami-Pizza von Dr. Oetker und Ravioli. Aber lange ging es mit der lukullischen Demokratie nicht gut. In dem Maße, in dem ökologisches Denken um sich griff, geriet auch das Essen immer stärker in den Blick.
Das ökologische Denken verdrängte zu Anfang zwei Aspekte des Essens, die bis dahin im Vordergrund standen: Genuss und Sättigung. Wer in den späten siebziger Jahren einen der damals noch wenigen Bio-Läden betrat, hatte unter den Augen eines verhärmten Langhaarigen mit Latzhose eine magere Auswahl an verschrumpelten Äpfeln, rachitischen Kohlrabi und mittleiderregenden Kartoffeln. Um Spaß ging es hier nicht, sondern um das richtige, bessere Bewusstsein und für das musste man auch bereit sein zu leiden. Essen sollte nicht mehr in erste Linie lecker sein, es sollte gesund sein und zu einer anderen, vermeintlich besseren Welt beitragen.

Für den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer sorgt der Kult um Bio-Lebensmittel weder dafür, die Welt besser zu machen, noch ist er der Gesundheit förderlich. Für ihn ist klar, warum dieser Bereich boomt: „Das hat vor allem den Grund, sich von anderen Menschen abzuheben. Andere Gründe sind vorgeschoben. Das Bio-Lebensmittel gesünder sein sollen, ist eine religiöse Überzeugung. Wer heute eine Diät macht, sagt „Ich lebe vegan“. Bei Einladungen kann man sagen: „Ich kann Fleisch aus ethischen Gründen nicht essen. Dahinter steht Vanitas, der leere Schein.“

In seinen Büchern weist Pollmer, der nach seinem Erstlingswerk „Iß und stirb. Chemie in unserer Nahrung“ zu einem Liebling der Ökoszene avancierte, nach, dass es viele Mythen um Bionahrung gibt. Dem Handelsblatt gilt er als „Antichrist der Esskultur.“ Pollmer sieht mit Befriedigung, dass der zu sorglose Umgang mit Chemikalien in der Landwirtschaft, den er einst aufdeckte, der Vergangenheit angehört. Heute glaubt er nicht mehr daran, dass biologisch erzeugte Produkte gesünder sind die aus der konventionellen Landwirtschaft. In einem im Magazin Focus erschienenen Essay weist Pollmer auf den Denkfehler vieler Konsumenten hin: „Weil Biolebensmittel ohne chemische Pflanzenschutzmittel erzeugt werden, erscheinen sie in den Augen vieler Verbraucher als besonders sicher. Gegen alle Fakten glauben viele Menschen, Lebensmittel seien dann besonders gesund, wenn sie naturbelassen sind. Das Gegenteil ist der Fall. Historisch betrachtet machten erst Züchtung und Verarbeitung aus nährwertlosen Gräsern Brotgetreide und aus unverdaulichen Wildfrüchten schmackhaftes Obst. Ohne die modernen Methoden der Konservierung wurden in früheren Zeiten ganze Dörfer durch verdorbene Nahrungsmittel dahingerafft.“

Vieles, was in der Ökoszene als Wahrheit gilt, hält einer näheren Überprüfung kaum stand. Thomas Jorberg, der Vorstandvorsitzende der in Öko-Kreisen beliebten Bochumer GLS-Bank, sieht die Ernährung der Menschheit nur gewährleistet, wenn global nach den Maßstäben der Bio-Landwirtschaft gearbeitet wird. Im Bankenspiegel, dem Kundenmagazin der Bank, prangert er die industrielle Nahrungsproduktion an: „…die Lebensmittelindustrie wirkt nicht nur zerstörerisch auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen, sondern befindet sich auch in einem wirtschaftlich ruinösen Wettbewerb, da immer geringere Margen zum Qualitätsverfall und letztlich in den Ruin führen.“

Daran stimmt nichts. Nach Statistiken der Welthungerhilfe geht der Hunger seit mehr als zwei Jahrzehnten zurück und das hat nichts damit zu tun, dass Landwirte weltweit teilweise auf Bio-Produktion umgestellt haben, um die besonderen Bedürfnisse einer überschaubaren ökologisch korrekten Oberschicht in den USA und Westeuropa zu befriedigen. Die Experten geben besseres Saatgut und Fortschritte bei der Agrarchemie und der Logistik als Hauptgründe an: Die Pflanzen sind widerstandsfähiger geworden, die Erträge sind gestiegen und effektivere Pflanzenschutzmittel werden verwendet. Eine Ernährung von bald neun Milliarden Menschen ist nur durch eine industrielle Landwirtschaft denkbar. Würden die Vorstellungen westlicher Bio-Bürger Wirklichkeit werden, Milliarden Menschen würden verhungern.

Wenn die vernünftigen Gründe fehlen, sich für Biolebensmittel zu entscheiden, bleibt, wie Pollmer sagt, die Abgrenzung das wohl wichtigste Element. Nicht ganz zufällig überschreibt das Greenpeace-Magazin einen Artikel über Vegetarier mit dem Begriff „Besseresser“ und Thomas Schönberger, der Vorsitzende des Vegetarierbundes „Vebu“, weiß der WAZ zu erzählen, wer die typischen Vegetarier sind: „Weiblich, jung, gebildet, städtisch und im Westen lebend – das ist die Speerspitze der vegetarischen Bewegung.“

Der von Pollmer mit Religion verglichene Kult um die Gesundheit, der große Wert, der auf Bio, Veganismus und Vegetarismus gelegt wird, markiert Milieu- wenn nicht Klassengrenzen. „Der einzige Arbeiter, der in diesem Viertel je gesehen wurde, ist der Sozialarbeiter“ ist ein beliebter Scherz im Französischen Viertel Tübingens, das von Markus Feldenkirchen im Spiegel trefflich als „Die grüne Hölle“ beschrieben wurde. Gesundheit ersetzt langsam aber sicher das Geld, das ökologisch bewusste Leben das gottgefällige. Der von Max Weber beschriebene protestantische Arbeitsethos, der seinen Anhängern nach Webers Überzeugung zu mehr Wohlstand verhalf, wird ersetzt durch einen Ökologischen-Ethos, der zu einem längeren Leben führt. Es ist auch eine Ideologie all jener, die sich in den bequem ausgestatteten Nischen des Öffentlichen Dienstes, dem natürlichen Habitat der Anhänger der Grünen, niedergelassen haben, denn Statistiken zeigen, dass Manager und Arbeiter, die viel leisten, beispielsweise im selben Maße zur ungesunden Zecherei neigen und so kamen die Daten der National Longitudinal Mortality Study aus den USA gut an, die zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit gab, der unabhängig vom Einkommen war: Während die Lebenserwartung der gut Ausgebildeten in den 90ern um 1,6 Jahre stieg, wurden Menschen ohne Ausbildung nicht älter. Während die US-Studie schon ganz im Zeitgeist eines ökologischen-Puritanismus feststellte, dass Gebildete sich besser ernähren und weniger rauchen und daher die Armen und Dummen durch ihr Verhalten selbst an ihrem früheren Tod Schuld sind, kam zeitgleich eine Schweizer Studie zu demselben Ergebnis, was die Lebenserwartung betraf, zog allerdings andere Schlüsse: Wer die Voraussetzungen und Chancen hat, eine höhere Ausbildung zu erlangen, wird in vielen Bereichen des Lebens bevorteilt – und lebt schließlich länger. Menschen mit niedrigerer Bildung, die oft unter härteren Bedingungen arbeiten würden, sollte man zum Ausgleich die Möglichkeit geben, früher in Rente zu gehen.

Von solchen Ideen ist schon längst nicht mehr die Rede. Das Bionade-Bürgertum sonnt sich in seiner Überlegenheit und genießt es, sich von den niedrigeren Ständen abzusetzen, Besseresser und Besserleber zu sein. Doch ein Ende des Glücks ist in Sicht: Die Discounter Aldi-Süd und Lidl bauen ihre Filialen zu kleinen Bio-Paradiesen um. Spätestens, wenn die Putzfrau im Waldorfkindergarten in ihrer Pause an ihrem Biobrot mümmelt, taugt all das kaum noch, um sich abzusetzen. Dann muss etwas anderes her – es wird spannend zu sehen, was das sein wird. Nur eins ist klar: Der Abstand zwischen der Putzfrau im Waldorfkindergarten und den Eltern der dort untergebrachten Kinder wird am Ende wieder gewahrt sein.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in dem Kulturmagazin K.West

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26 Kommentare zu “Bio-Lebensmittel: Die feinen Unterschiede

  • #1
    Matr

    Der Fakt dass Biogemüse (nicht Fleisch) keinen höheren Nährwert oder Qualität hat als konventionell erzeugtes Gemüse wird hier hergenommen um mal eben einen Rundumschlag gegen Veganismus, Vegetarier und Biobrot und Latzhosenträger zu führen. Das ist kein Journalismus sondern genau die Art von Inquisition für die gerade Veganer bekannt sind.
    Warum ich nichts tierisches esse aber trotzdem Lederjacke trage? – Ist meine Sache. Genauso ist es deine Sache wenn du dich von Currywurst ernährst. Nur sollte die Ernährungsgewohnheit dazu beitragen dass sich das Klima erwärmt, die Umwelt versaut, die Krankenkassenbeiträge steigen und Menschen in nicht so fetten Gegenden der Existenzgrundlage beraubt dann ist es ein Problem. Und wenn Menschen in unserer Überflussgesellschaft langsam dahinterkommen dass es auch in unserer Verantwortung liegt das zu ändern dann kann ich nichts schlechtes daran finden. Ist mir doch egal was die Putzfrau isst.
    Solche Texte kommen meiner Erfahrung nach von Menschen die sich in ihrem eigenen Lebenswandel kritisiert fühlen und zwar durch die bloße Anwesenheit von Veganern und ähnlich elitär verdrehten Mitmenschen. Und nein, ich werde ganz sicher auch nicht gerne mit dem ‚Bionade-Bürgertum‘ in einen Topf geschmissen. Ich will einfach nur essen und genießen und das auf eine Weise die möglichst niemandem Schadet, am wenigsten mir selbst.
    Aber Essen wird halt als Religion wahrgenommen, und zwar viel zu sehr. Sonst würde sich auch kein Journalist zu so einem dummen und einseitigem Artikel hinreißen lassen.

  • #2
    Cthülhü

    Der Artikel belegt: Mittlerweile sind Missionierungsgehabe und Besserwisserei auf der Gegenseite noch stärker als bei den Bios und Veganern. Ein Hoch auf unsere Diskussionskultur 😉

  • #3
    Felix

    danke für den Kommentar!
    Mein Gefühl beim Lesen des Artikels hat sich von Zustimmung zu der meiner Meinung nach berechtigen Kritik an selbstgefälligem ‚Bionade Bürgertum‘ zu Abneigung gegen den selbstgefälligen Rundumschlag gewandelt.

    Hier wird der GLS Vorstand einfach mal als völliger Idiot dargestellt. Obwohl meiner Meinung nach der Autor und er von unterschiedlichen Grundannahmen ausgehen. Niemand bezweifelt das es mittels industrieller Landwirtschaft besser gelingt 9 Milliarden Menschen zu ernähren. Die Frage ist allerdings wie lange das nachhaltig gelingen kann. Der radikale Wechsel auf 100% Bio wird nicht sofort funktionieren, die aktuelle Lösung aber auch nicht ewig.

  • #4
    Andreas Marko

    Beim Lesen dieses Artikels kommt tief in mir sofort die Frage auf, wer den Hern bezahlt hat, um seine Meinung zu ändern. Ich gebe ihm durchaus Recht, dass der Einsatz von Pestiziden und sonstigen Chemikalien schon gut reduziert wurde, dennoch erachte ich es als falsch, biologisch erzeugte Lebensmittel denen, die konventionell erzeugt wurden, gleichzusetzen. Die biologische und gesundheitliche Wertigkeit biologisch erzeugter Lebensmittel ist nachweisbar und nicht von der Hand zu weisen. Noch dazu, wo auch die Qualität und der Geschmack mich eines Besseren belehrt. Einziger WEhrmutstropfen der Geschichte ist, dass nicht überall, wo BIO drauf steht, auch BIO drin ist.

  • #5
    Helmut Junge

    Bio entwickelt sich zum Statussymbol, weil es teuer ist.
    Und falls es wirklich giftig sein sollte, etwas anderes als Bio zu essen, wird die derzeitige schlechtverdienende Unterschicht bald vergiftet und verschwunden sein. Dann werden zwangsläufig, weil Unterschichten nun mal notwendig sind, viele Bioanhänger in ihrem Lebensstandart so sehr gerupft, daß ihnen der Kauf biosauberer Lebensmittel bald auch nicht mehr möglich sein wird. Ob sie dann verstehen, wie das so kommen konnte?
    Zur Zeit fehlt ihnen dieses Verständnis offenbar noch und sie nicken mit dem Kopf wenn sie lesen, daß Ludwig 16 sagte, "wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen". Eben, warum machen das blöde Volk das nicht? Wollen die damit signalisieren, daß von den Ratschlägen der oberen Klassen nichts halten?

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andreas Marko: Niemand hat den "Herrn" bezahlt – man kann zu anderen Schlüsseln als Sie durch reines lesen und nachdenken kommen. https://www.welt.de/debatte/kommentare/article157552478/Wer-bio-kauft-fuehlt-sich-besser-Gutes-tut-er-nicht.html
    Und erinnern wir uns bitte auch einmal daran, dass der tödlichste Lebensmittelskandal der vergangenen Jahre von Bio-Lebensmittel verursacht wurde:
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/ehec-epidemie-bio-ist-nicht-gesuender-und-manchmal-gefaehrlich/4258052.html

  • #7
    Helmut Junge

    Der Biomarkt ist mittlerweile so groß geworden, daß auch diese Branche durchaus in der Lage wäre, Leute zu "bezahlen". Einseitige Bezahlvorwürfe dieser Art sind längst nicht mehr mit dem wirtschaftlichen Marktanteil verknüpft. Das war vielleicht mal so. Also @Andreas Marko, so einfach geht das nicht mehr. Lerne andere Strategien um Gegner zu verunsichern. Zu Zeiten meiner Großeltern war "Hungerleider" so ein diskriminierendes Schimpfwort. Das würde heute natürlich nicht mehr den gleichen Zweck erfüllen. Aber "Dreckfresser"? Das könnte hinhauen. Einfach mal probieren.

  • #8
    thomasweigle

    Ich lese und höre immer wieder, dass unser Fleisch, so lange es lebt, heftig zur Klimaveränderung beiträgt. Auch angesichts der unsäglichen Massentierhaltung sollte man doch zumindest beim Fleischkonsum ein wenig Zurückhaltung üben, statt generell den Kastenspringteufel zu geben, wenn so eklige Wörter wie BIO oder Nachhaltigkeit in Sachen Ernährung in die Debatte geworfen werden. Und Kaffeesatzleserei in Sachen zukünftiger Abgrenzung der "Bioeliten" von der "Putzfrau", wenn Aldi in Bio macht, ist einfach nur dumm und überflüssig.

  • #9
    Michael

    "Die biologische und gesundheitliche Wertigkeit biologisch erzeugter Lebensmittel ist nachweisbar und nicht von der Hand zu weisen. "

    Wie kommen Sie denn auf diese schräge Idee? Nennen Sie doch bitte ein paar belastbare Studien, die Ihre Behauptung stützen. Was heißt schon Wertigkeit? Teuer?

    " … Pestiziden und sonstigen Chemikalien …"

    Wann hört dieser Unfug endlich auf? Alle Stoffe – sei es das esoterische Bio-Zeugs oder die Produkt der wissenschaftliche Landwirtschaft – sind selbstverständlich "Chemie". Also Schluss mit dem Unfug.

  • #10
    Klaus Lohmann

    "biologisch erzeugte Lebensmittel" – und "konventionell erzeugt" ist dagegen mittels gemahlenem Schlehenkraut, Kieselsteinen, Rabenaugen, Ziegenfüßlein und Schnellzement zusammengerührt, oder wie?

    Eins scheint das grüne Biomarketing aus Prenzlberg gründlich erreicht zu haben: Begriffswirrwar, Definitions-Gagaismus und religiöse Bekloppheit. Kurz: Hirnf.ck.

  • #11
    Walter Stach

    Selbst wenn es lediglich um die Frage BIO-Ja/nein geht, sind Unterstellungen, Verunglimpfungen, ja sogar Hass und Verachtung des jeweils Andersdenken zu Selbstverständlichkeiten geworden bis hin zu den für mich zumindest "hochnot"- peinlichen Bemühungen beiderseits, sogar gewaltige gesellschaftliche Verwerfungen bezüglich ihrer Ursachen, ihrer Folgen an dieser Frage festzumachen.
    Ich frage mich -und das , so scheint mir, ist gesellschaftspolitisch höchst relevant, warum so -nur noch so?- in der Gesellschaft Meinungen egal zu welchem Frage, egal zu welchem Problem vorgetragen -nicht ausgetauscht– werden. Hier von einem Diskurs so reden, wäre wohl eine mißbräuliche Verwendung dieses Begriffes.

    ThomasWeigle -8-
    gelassen, ironisch – "Kastenspringteufel, Kaffeesatzleserei, Bio-Eliten und Putzfrau-";
    hat mir gefallen!

    i

  • #12
    Gerd

    EHEC wurde ja bereits angesprochen. Nun zur Chemie. Auch Biobauern dürfen Chemikalien(Pflanzenstärkungsmittel) einsetzen, vorausgesetzt es sind "natürliche" Wirkstoffe und keine künstlich hergestellten. U.a. biologisch nicht abbaubares Kupfer. Biologisch voll und schnell abbaubares Glyphosat ist da künstlich, verboten.

    Rate mal was der Umwelt weniger schadet.

  • #13
    TuxDerPinguin

    Immer diese konservativen Missionare wenns um Essen geht. Warum wollen die Essen unbedingt zur Religion machen und BIO-Käufer verteufeln und Vegetarier steinigen?

  • #14
    Klaus Lohmann

    @#12: Da ich Menschen selbstverständlich auch zu unserer Umwelt dazuzähle, können wir ja darüber quasseln, ob wir schneller durch falsche Ernährung oder durch krebserregendes Glyphosat krepieren. Ein "Pflanzenstärkungsmittel" ist Glyphosat allerdings nicht, höchstens in Monsantos Werbeprospekten.

  • #15
    Ingo

    Am 18.11.2016 eröffnete ein "BIO-Markt" in Duisburg-Neudorf.
    Am 19.11.2016 habe ich mich dort umgeschaut und festgestellt, dass die Kunden fast alle irgendwie psychisch krank ausgeschaut haben, teils in Grüppchen standen und über ihre diversen Krankheiten diskutierten.

  • #16
    Arnold Voss

    Warum sollte sich beim Essen nicht Jemand besser fühlen dürfen? Was ist dagegen zu sagen, dass Jemand auch beim Essen anders sein will als Andere. Niemand ist gezwungen es ihm oder ihr gleich zu tun. Im Gegenteil, Freiheit lebt vom Unterschied. Auch beim Essen & Trinken.Und was den Glauben betrifft, dabei das Richtige zu tun, ist es wie mit jedem Glauben:dem/der einen hilft er, dem/der anderen ist er egal.

  • #17
    Klaus Lohmann

    @Ingo: 1.) Das können Sie in nahezu jedem Discounter beobachten und 2.) ja, solche Menschen gibt es und manche kaufen auch woanders ein, welch Überraschung.

  • #18
    Helmut Junge

    Arnold, klar darf sich jemand beim Essen besser fühlen. Er darf es auch wenn er dadurch anders sein will als Andere. Wenn es das allein wäre, würde auch keine breite öffentliche Diskussion entstehen, die so erregt abläuft wie wir es hier sehen. Daß das aber so abläuft muß tieferliegende Gründe haben. Die zu erforschen wird sich lohnen, weil die Antwort möglicherweise aufdeckt, wie unsere Gesellschaft beschaffen ist. Ich glaube, daß sich dahinter versteckt, daß sich viel mehr Menschen gerne gesundheitsbewußt ernähren wollen, dies aber nicht bezahlen können. Einfach zu sagen,"hallo Leute ich kann das nicht bezahlen", bedeutet aber sich selber als sozial schwach einzustufen. Und das weiß ich genau, daß dieser Schritt sehr, sehr vielen Leuten in den Arbeitervorstädten niemals in den Sinn käme. Ich wohne in einem solchen Stadtteil und kenne die Regeln ganz gut. Hier protzt man mit neuen Autos, Neuanschaffeungen jeder Art. Und umgekehrt gilt es als ansehensmindernd, wenn man "passen" muß. Hier in meiner Wohnumgebung hängt das gesamte Ansehen eines Menschen in erster Linie vom Auto das vor dem Haus steht ab.
    Kurz, man könnte nicht zugeben, daß man das nicht bezahlen kann. Und deshalb sieht man diese offen propagierte Bioesserei als Angriff an, die man aber irgendwie anders argumentiert ablehnen muß. Wenn das so stimmen sollte, wie ich das beschreibe, handelt es soch um eine soziale Auseinandersetzung, die argumentativ nicht als solche zu erkennen ist.

  • #19
    gp

    @15/17: ach kommen sie, das ist doch einfach: die Menschen im Discounter haben *wirkliche* Probleme, während die Menschen im Bio-Supermarkt *eingebildete* Probleme haben.

    Aber, der Anteil von Bio-Lebensmitteln ist schon bei 5%, wir werden also wahrlich überschwemmt, Grund genug da ordentlich Angst vor zu haben!

    g.
    – tritt kopfschüttelnd ab

  • #20
  • #21
    Gerd

    Im Biolandbau werden Pestizide usw als Pflanzenstärkungsmittel bezeichnet und Glyphosat ist lediglich dann gesundheitlich bedenklich, wenn man es in absurd hohen Konzentrationen zu sich nimmt, was aus zwei Gründen nicht vorkommt.

    Erstens nimmt kein Bauer so viel(kostet ja Geld) und zweitens wird es sehr schnell abgebaut.

  • #22
    Klaus Lohmann

    Richtig, Gerd. Dafür, dass langfristig nix passiert und die Forschungsergebnisse dementsprechend "angepasst" werden, sorgt ja jetzt schließlich das teutsche Bayer-Kreuz.

  • #23
    Skeptiker

    So ein einseitiger Artikel, der 1:1 und unreflektiert die Meinung Pollmers weitergibt.
    Der Weltargrarbericht sagt, dass die Welt sehr wohl ökologisch ernährt werden könnte – bei geringerem Fleischverzehr. Der hohe Fleischkonsum verbraucht deutlich zu viele Flächen und Kalorien. Die konventionelle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen laugt die Böden aus. Das kann nur durch immer mehr Dünger ausgeglichen werden. Das wiederum freut die Chemiekonzerne, die inzwischen Saatgut (das sich nicht mehr von allen fortpflanzt), Pestizide und Dünger aus einer Hand verkauft.
    Hinzu kommt die massive Belastung des Grundwassers und die Schäden an Ökosystemen und an der Tier- und Insektenwelt.
    All diese Folgen werden einfach ignoriert, die Kosten zahlt die Allgemeinheit und meistens die Menschen vor Ort in ärmeren Ländern.

    Aber Pollmer provoziert ja gerne. Für ihn sind auch Vollkonprodukte Unsinn oder sogar schädlich (1). Er behauptet entgegen wissenschaftlicher Ergebnisse, Vollwertköstler würden häufig an Zinkmangel leiden (2) und zur Ernährungsberatung sagt er: "Die Ernährungsberatung wird von Frauen ausgeübt und dient dazu, namentlich Frauen zu destabilisieren, ja sie fertigzumachen. Es ist Gewalt von Frauen gegen Frauen. .. " (3).

    Ich nenne das pseudowissenschaftliche und populistische Statements, um Geld zu verdienen. Ist das euer Niveau, liebe Ruhrbarone?

    Quellen:
    (1) http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/ernaehrung/id_16164858/sterben-schlanke-menschen-frueher-these-von-pollmer-im-expertencheck.html
    (2) https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/sk0204e3.html
    (3) http://www.tellerrandblog.de/udo-pollmer-neue-geschichten-vom-bosen-alten-onkel/

  • #24
    Gerd

    1. Glyphosat ist seit über 40 Jahren weltweit im Einsatz und wurde von zig nationalen und internationalen Behörden untersucht, für unbedenklich befunden und zugelassen.

    2. Ein Forscher hält Glyphosat für sehr gefährlich, weil es bei Mäusen, die er über einen längeren Zeitraum mit sehr großen Mengen Glyphosat gefüttert hat Krebs ausgelöst hat.

    Schlußfolgerung: Eine weltweite Verschwörung der Chemiekonzerne vertuscht seit vier Jahrzehnten erfolgreich alle Beweise für die Gefährlichkeit von Glyphosat(dessen Patentschutz in den meisten Ländern schon lange abgelaufen ist).

  • #25
    Arnold Voss

    @ 23

    Klar, wenn jeder weniger von was auch immer ist, können insgesamt mehr ernährt werden. Wo aber ist das Ende dieser Logik, wenn die Anzahl der Esser immer größer wird? Von was müssen wir dann,früher oder später, noch weniger essen, ausser vom Fleisch?

  • #26
    Torsten

    Ziemlich indifferenter Artikel und pauschal. Wer sich heute mit Bio-Lebensmitteln absetzen will, greift nicht mehr zur Bionade. Die ist längst böse. Bionade-Fraktion ist so 2007…

    Wenn ich die Wahl habe, ein Stück Fleisch zu kaufen, bei dem das Tier mit Hormonen und Antibiotika vollgepumpt wurde, oder eins, das "Bio" diese Behandlung nicht bekommen hat, dann kaufe ich das Biofleisch nicht, um mich von anderen abzusetzen. Da geht es vor allem darum, dass diese Stoffe a) nicht ins Tier gehören, b) der Einsatz von Antibiotika gesamtgesellschaftliche Konsequenzen hat und c) hochgezüchtetes Fleisch geschmacklich tatsächlich minderwertiger ist.

    Dass für viele Bio-Leute, Veganer und Vegetarier oder Flexitarier bis Fruttarier das Essen eine Religion ist, mit der man sich absetzen will, ist unbestritten. Früher- als es noch Subkultur gab – hat man sowas z.B. durch Musik gemacht. Aber so undifferenziert und pauschal abkanzelnd wie in dem Beitrag oben kann man mit dem Thema nicht umgehen.

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