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Bochum: Bei den Opel-Flächen von Berlin lernen?

opel_werk

Berlin, ein Konkurrent mit erheblichen Wettbewerbsvorteilen gegenüber dem  Ruhrgebiet, auch wegen der kommunalverfassungsrechtlichen Organisationstruktur eines Lebensraum von rd.4 Mio Einwohnern im Vergleich zum Lebensraum „Ruhrgebiet“ mit rd. 5 Mio Einwohnern? Dazu  scheint es zumindest  nach wie vor bedenkenswert , in Überlegungen einer kommunalen und regional neu zu verfassenden Ordnung im Ruhrgebiet auch das „Modell Berlin“ näher zu untersuchen. Von unserem Gastautor Walter Stach

Bis heute wird Berlin als Wirtschaftsstandort, vornehmlich als Industriestandort aus Sicht der Ruhrgebietler  als  zurückgeblieben, ja als „Armenhaus der Nation“ gesehen, nicht als Konkurrent für das Revier als Wirtschafts-, speziell als Industriestandort.

Das scheint sich grundlegend zu ändern.

Und das heißt, dass die Region Ruhrgebiet nicht nur  mit den bekannten nationalen   Wettbewerber, vor allem mit Regionen in Bayern Baden-W.  in Konkurrenz steht, sondern zunehmend auch  mit Berlin..

Insofern verdient der Artikel Berlin lernt das Geldverdienen in der FAS  besondere Aufmerksamkeit der Ruhrgebietler (FAS,17.11.2013, Nr.14 –S.30/31- von R.Bollmann u. I.Kloepfer-.)

Eine Graphik zum Artikel zeigt unter anderem für den Zeitraum von 2005 bis 2012 für Berlin einen höheren Anstieg an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten als in Hamburg, Bayern, Niedersachsen. Ähnliches gilt für das Wirtschaftswachstum und für den Zufluß von sog. Wagniskapital. Auch bei der Zunahme der Bruttogehälter liegt Berlin in diesem Vergleich hinter Bayern vor Niedersachsen und Hamburg.

Unstrittig ist, dass diese Anstiege zu Gunsten Berlin zu relativeren sind mit Blick auf die Ausgangslage Berlins und einem entsprechend hohen Nachholbedarf der Hauptstadt.

Bedauerlich, dass direkte Vergleichzahlen zum Ruhrgebiet in dem Artikel  fehlen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Artikel  nicht nur wegen der grundsätzlich positiven Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Berlin aus der Sicht des konkurrierenden Wettbewerbers „Ruhrgebiet“, sondern auch wegen der in dem Artikel aufgezählten industriellen(!) Produktionsbereiche, in denen Berlin bemerkenswert Positives aufzuweisen hat.

Das beziehe ich konkret auf die hier bei den Ruhrbaronens stets kontrovers und immer sehr heftig geführte Diskussion darüber,  ob die Energieerzeugung mittels Kohlekraftwerken, alten und neuen, als ein industrieller Schwerpunkt im Ruhrgebiet eine Voraussetzung für den Bestand und die Weiterentwicklung des Industriestandortes Ruhrgebiet ist oder ob damit unmittelbar oder mittelbar Gegenteiliges bewirkt wird.

Das bezieht sich konkret  zudem auf die hier bei den Ruhrbaronen mehrfach geführte Diskussion darüber, welche industriellen Produktionsbereiche ein besonderes Interesse verdienen, wenn über die Zukunft des bisherigen Opel-Standortes in Bochum nachzudenken und zu befinden ist.

In dem Artikel der FAS sind konkret vier Bereiche angesprochen, die dem Wirtschaftsstandort Berlin besonderes Profil verleihen, nämlich:

die IT-Branche,

die Verkehrstechnik,

die Energiebranche,

die Gesundheitswirtschaft.

In diesen vier Bereichen verdient   also bei der Reindustrialsierung der Opel-Fläche der Wettbewerber „Berlin“ besondere Beachtung, eine Beachtung, die bisher nicht geboten schien.

Wenn ich einleitend bemerkt habe, daß der betr. Artikel  m.E. die besondere Aufmerksamkeit der „Ruhrgebietler“ verdient, dann verbinde ich das mit der Annahme, dass dieser Artikel  Anlass liefern wird, über die  Gründe für das bemerkenswerte Wachstum des Wirtschaftsstandortes, speziell des Industriestandortes  Berlin nachzudenken und über sie zu diskutieren. Denn bis „vor Kurzem“ gab es für  Berlin als Wirtschaftsstandort, vor allem als Standort für industrielle Produktionsbereiche,  nur das Prädikat „hoffnungslos“; vergleichbar mit der Beschreibung des  Ist – Zustandes  im Ruhrgebiet und bestimmend bei allen  ruhrgebietsspezfischen Prognosen.

Und so nebenbei könnte darüber nachgedacht und hier bei den Ruhrbaronen darüber diskutiert werden, warum sich Berlin als Wirtschaftsstandort so positiv entwickelt, obwohl  die „Führung der Stadt“ politisch – admininsstrativ nicht in dem Rufe steht, besonders effektiv und effizient zu arbeiten und dafür neuerdings der „neue Flugplatz“ als Beispiel herhalten muss.

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9 Kommentare zu “Bochum: Bei den Opel-Flächen von Berlin lernen?

  • #1
    keineEigenverantwortung

    Ich habe den Artikel nicht gelesen. Für mich ist Berlin aber eine einzige große Geldvernichtungsmaschine für den Rest der Republik. Ein Notopfer Berlin 2.0 gibt es seit Jahren.

    Wie viele Gebäude, Bahnlinien etc wurden auf Kosten der Steuerzahler gebaut?
    Wie viele Beamte/Behörden sind von Bonn nach Berlin gezogen?
    Wie viele Unternehmen hängen an diesen Geldströmen?

    Das ist viel Geld das in anderen Bereichen fehlt. Ein Leuchtturm ist natürlich der Flughafen. Ich kann mich noch gut an Artikel erinnern, die die vielen anderen Alternativen (z.B. Ex Militärflughäfen) beschrieben, die alle als geeigneter eingestuft wurden. Aber Berlin und der Bund wollte Zeichen setzen, dass man auch nicht geeignete Standorte irgendwann entwickeln kann.

    Wie war das noch mit der Geister-U-Bahn zum Reichstag durch den Spreesand? Wer solche Summen sinnlos versenkt, schafft auch Arbeit.

    Natürlich erzeugen diese massiven Investitionen verbunden mit der Geschichte und dem Hauptstadtstatus natürlich auch Arbeitsplätze. Berlin liegt attraktiv, hat eine tolle Umgebung. Zur Ostsee ist es nicht weit. Dennoch halten sich die Preise im Vergleich zu anderen Metropolen im niedrigen Bereich. Das Umland ist ja wenig bebaut.

    Berlin zieht Menschen an, die ihre Projekte erledigen wollen. Beim Ruhrgebiet ist als Berufseinsteiger die Begeisterung für eine Stadt verflogen, wenn man den Bahnhof sieht (siehe Dortmund).

    Das Ruhrgebiet mit dem Großraum Köln/Ddorf hat viele attraktive Bereiche. Leider werden sie oft nur einzeln wahrgenommen und da verschwinden sie im Mittelmass. Wie viele Opern, Musikhallen, große Hallen, Stadien gibt es hier? Damit kann eigentlich keine andere Region konkurrieren. Leider wird die Region nicht also solche wahrgenommen, sondern nur als Duisburg, Essen oder Gelsenkirchen. Und in den einzelnen Städten ist Mittelmaß.

    In Berlin sind auch auf den Strassen viele Großveranstaltungen möglich, während das Ruhrgebiet immer gleich schreit, wenn mal ein paar kleinere Strassen bspw. für Radrennen etc. gesperrt werden sollen.

    Der Ruhri liebt geregelte Verhältnisse, die Berliner scheinen in Teilbereichen mutiger zu sein, werden aber gleichzeitig natürlich auch von vielen mit sehr sicheren Regierungsjobs versorgt.

    Wenn Papa Beamter ist, kann Mama ihre Projekte machen und das Risiko erhöhen.

    In irgendeinem Text wurde darauf hingewiesen, dass man in Berlin Projekte hat, während man in anderen Städten einfach nur als Arbeitsloser geführt wird. Dies ist natürlich auch eine Mentalitätssache. Wer hat hier ein Projekt, wenn gleichzeitig die Seifenoper läuft? Ein U-Turm als Leuchtturm der Kreativwirtschaft war ja wenig erfolgreich.

    Das Ruhrgebiet braucht Bildung und eine Gründerinitiative mit Selbständigen.
    Dafür ist aber eine Mentalitätsänderung erforderlich.

    Aber Berlin hat genug hässliche Viertel und sehr schlimme statistische Daten. Wie sähe es dort nur ohne den Hauptstadtstatus aus?

  • #2
    TuxDerPinguin

    selbst die Ruhrgebiets-SPD staunt, was die Berliner an Subventionen abgreifen konnten und können.
    Berlin hat einen Erfolgsgrund: Hauptstadt.

    Könnte man kopieren, wenn wir endlich die freie Republik Ruhrgebiet ausrufen. Sollten wir der EU beitreten dürfte ja von Rest-Deutschland mehr Gelder fließen als jetzt, weil die Haushaltslage ja Richtung Griechenland ginge.

  • #3
    Hank

    Am besten man hält hier die SPD von allem fern und erklärt das Ruhrgebiet zu einer Sonderwirtschaftszone.

  • #4
    Walter Stach

    -3-Hank
    Und wer regiert in Berlin, der Stadt, wo man lt.FAS das Geldverdienen lernt und jetzt für mich beeindruckende Daten als Wirtschafts-, konkret auch als Industriestandort vorweisen kann?

    So einfach, wie in den Beiträgen 1-3 kommentiert, sollten wir Ruhrgebietler es uns nicht machen, wenn es darum geht, sich mit dem „Wettbewerber Berlin“ als Wirtschafts-, konkret als Industriestandort auseinandersetzen.

    Ich hatte u.a. konkret bezogen auf die OPEL -Fläche in Bochum darauf hingewiesen, in welchen vier industriellen Produktbereichen sich Berlin nach dem FAS-Artikel erfolgreich zu positionieren scheint.
    Und von diesen 4 Produktbereichen ist immer dann die Rede, wenn im Ruhrgebiet eine größe Fläche gewerblich-industriell erschlossen werden soll. Deshalb müssen die Akteure, die in BO in Sachen „Zukunft des OPEL-Standortes“ aktiv sind, Berlin als Wettbewerber mehr als bisher beachten. Und auch deshalb schien mir der Hinweis auf den FAS-Artikel hier bei den Ruhrbaronen angebracht.

  • #5
    Hank

    Ich verstehe nicht ganz was der Vergleich soll, Berlin ist Hauptstadt und wird seit einigen Jahren medial extrem gehypt und bekommt erhebliche finanzielle Zuwendungen- die positive Entwicklung konnte nichtmals die SPD vermasseln-davon mal ab hat Berlin 3,4 millionen Einw. . Das Ruhrgebiet tut gut daran sich nicht an Berlin zu orientieren sondern eigene Wege zu suchen, was auch nur Sinn macht wenn das Revier als Einheit auftritt(vllt. sollte man sich lieber Städte wie Bilbao anschauen o.ä.).
    Wir bräuchten hier Leute.mit Eiern
    Menschen die etwas anpacken und Verantwortung übernehmen,
    die die Interessen des Reviers bundesweit vertreten
    Und die sich nicht klein machen lassen
    Es gibt ja noch Lichtblicke

  • #6
    der, der auszog

    @Henk @Walter

    Inwiefern man das Ruhrgebiet nun mit Berlin vergleichen kann, oder nicht, spielt doch eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Fakt ist, dass das Ruhrgebiet in verschiedenen Wirtschaftsbereichen mit anderen Metropolregionen in Deutschland (und Europa) im Wettbewerb steht und seit einiger Zeit auch das vor zwei Jahrzehnten noch als „unterentwickelt“ geltende Berlin nebst Umland ein ernst zu nehmender Konkurrent geworden ist.

    Ein wesentliches Hindernis für eine Gesundung unserer Region sehe ich in der Tatsache, dass die Entscheidungskompetenzen im Ruhrgebiet auf 53 Kirchtürme verteilt sind, denen sich selbst der eigene immer der nächste ist, von den drei Regierungspräsidenten, die darüber hinaus noch mitmischen dürfen, ganz zu schweigen. Dieser künstlich aufgeblähte Verwaltungsapparat, den übrigens nicht nur die SPD um jeden Preis aufrechterhalten will, sondern auch die wenigen CDU regierten Gemeinden, kostet nicht nur viel Geld, sondern er behindert auch den Aufbau neuer Strukturen. Wieso sollte beispielsweise ein Logistikunternehmen in Dorsten oder Marl investieren, wenn der Ausbau der für das Speditionswesen wichtigen Autobahninfrastruktur in Gladbeck zu Fall gebracht wird?

    Meiner Meinung nach muss das Ruhrgebiet dezentralisiert werden zu Gunsten einer für die gesamte Region zuständigen Verwaltungs- und Entscheidungsinstanz. Was wir in Berlin seit der Wiedervereinigung erleben, ist ein aus sich selbst heraus wachsendendes Gebilde mit zentralen Entscheidungsgremien für die Stadt und die sie umgebende Region. Das Ruhrgebiet ist hingegen verwaltungstechnisch immer noch so strukturiert, wie es die britische Militärregierung unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg aufbaute und zwar mit dem Ziel, durch möglichst viel Kontrolle jede Eigendynamik der Region zu verhindern. Hier war die bedrohliche Waffenschmiede des Reiches, dem man mit Versailles eigentlich verboten hatte, militärisch aufzurüsten und das Ruhrgebiet sollte damals – analog zu Berlin – ebenfalls durch ein Viermächtestatut verwaltet werden, was die Briten aus Angst vor einer Ausweitung des sowjetischen Machtbereichs und zu ungunsten Frankreichs zu verhindern wussten. Während Berlin sich mittlerweile frei entfalten und entwickeln kann, verharrt das Ruhrgebiet in den Verwaltungsstrukturen des kalten Krieges, die schon längst nicht mehr up to date sind und die eigentlich der Zeit angepasst werden müssen, will man wirklich national und international mithalten

  • #7
    Arnold Voss

    @ DDA # 6

    Grundsätzlich stimme ich dir zu. Aber im Falle der Opelflächen scheint es mittlerweile eine Zusammenarbeit (zumindest) mit den direkt umliegenden Ruhr-Gemeinden zu geben. Die Fläche ist so groß und liegt offensichtlich so zentral für die gesamte Stadtregion, dass sie selbst aus Bochumer Sicht bei näherer Betrachtung weder als lokale Fläche betrachtet noch vermarktet werden kann.

  • #8
    Walter Stach

    -6-DER, Der
    Im ersten Absatz stelltst Du das fest, was mein Anliegen war, als ich auf den Artikel in der FAS hingewiesen habe.

    Es gehört -eigentlich?-zu den Selbsverständlichkeiten strategischen Denkens von Unternehmen -und öffentlicher Verwaltung?-, sich permanent und weltweit darüber zu informieren, was potentielle Wettbewerber (be-)treiben, hier Berlin als Wettbewerber mit dem Revier. Wie man die dabei gewonnen Erkenntnisse für sein Unternehmen, für seine Verwaltung auswertet, ob und ggfls. welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, ist Sache des strategischen Managment eines Unternehmens und einer komm./regionalen Verwaltung.

    Wenn wir hier bei den Ruhrbaronen diskutieren, ist das ein ganz kleiner Beitrag in einem solchen Prozess -oder nur der Versuch eines solchen Beitrages-, völlig unabhängig davon, ob dieser Beitrag die politisch-adminstrativen Akteure im Revier interessiert oder nicht.

    Arnold:
    WIE „man“ OPEL-Bochum angehen sollte, scheint mir als Außenstehendem noch völlig offen zu sein. Wenn „man“ dazu eine Entwicklungsgesellschaft gründet, der auch Nachbarkommunen/Nachbarkreise angehören, mag das sinnvoll sein. Ich kann mir denken, daß über diese Idee noch heftig diskutiert werden wird und diskutiert werden muß.

    Mein Hinweis auf OPEL-Bochum im Zusammenhang mit dem FAS-Artikel bezog sich nicht auf dieses WIE der Entwicklung der OPEL-Fläche, sondern galt lediglich als Ergänzung zu den mir bekannt gewordenen ersten Überlegungen über die industriell-gewerblichen Produktionsbereiche, die für eine „Ansiedlung“ auf dem OPEL-Gelände anstehen könnten. Und insofern ist es schon beachtlich, daß die vier industriellen Schwerpunktbereiche in Berlin auch für das OPEL-Gelände relevant zu sein scheinen.

    Der,Der……
    Zu der von uns immer wieder diskutierten „besten“ Lösung für eine neue verfassungsrechtliche Ordnung für die Kommunen im Ruhrgebiet, für die Region Ruhrgebiet, gehört für mich selbstverständlich, sich weltweit nach den besten Lösungen umzusehen.
    Es gibt ja vielfach vergleichbare Regionen.

    Dazu zählt unter Vielen die kommunalverfassungsrechtliche Organisation von Berlin und London, die ich beide für bedenkenswert halte mit Blick auf das Ruhrgebiet -„das Rad muß nicht stets neu erfunden werden“.- Soweit ich mich erinnere, hat. Christoph Zöpel die „London-Lösung“ schon ‚mal ins Spiel gebracht.

  • #9
    der, der auszog

    @Walter @ Hank

    ich glaube auch, dass man sich im Ruhrgebiet eher an London oder Berlin orientieren kann, als an Bilbao (siehe #5). Bilbao wird bei uns immer dann ins Spiel gebracht, wenn man Kulturprojekte als entscheidende Antriebskraft für einen gelungenen Strukturwandel präsentieren möchte. Früher war Bilbao eine dreckige Industriestadt. Heute fällt einem beim Stichwort Bilbao als erstes das Guggenheim Museum ein, statt das man an rostige, stinkende Hochöfen denkt. Das nennen die Gornys und Fesels von ECCE aus dem Dortmunder U- Turm dann den Bilbao-Effekt, von dem sie sich einbilden, ihn 1 zu 1 auf das Ruhrgebiet übertragen zu können, weil wir ja mal Kulturhauptstadt waren und so tolle Sachen wie das Museum Folkwang und Zeche Zollverein haben.

    Was in Bilbao mittlerweile funktioniert, ist tatsächlich der (Kultur-)Tourismus. Impulsgeber ist hier sicherlich auch der Wahnsinnsbau von Frank O. Gehry, weshalb ich jedem eine Reise nach Bilbao nur wärmstens empfehlen kann. Aber Bilbao hat dem Touristen noch wesentlich mehr zu bieten und darin liegt ein wesentlicher Unterschied zum Ruhrgebiet. Bilbao hat eine über 700 Jahre alte intakte Altstadt mit gemütlichen Kneipen, Restaurants und Bars, in denen das Leben zu einer Zeit beginnt, in der in Gelsenkirchen, Duisburg und Dortmund bereits die ersten Bürgersteige hochgeklappt werden. Alles für den Touristen Interessante liegt schön am Ría, einer Art Fjord, umgeben von mittelalterlicher Kulisse oder von romantischen Jugendstilbauten. Das Hinterland der Kantabirschen Kordillere läd zum Klettern und Wandern ein und bis an die Strände der Biskaya, sind es vom Zentrum aus 15 Minuten mit dem Auto, bzw. 30 Minuten mit Metro/Bus. Vom anderen Klima und der wesentlich entspannteren Mentalität der Bevölkerung will ich gar nicht erst anfangen zu reden.

    Die Infratruktur in Bilbao ist sehr einfach, aber überaus effektiv gestrickt. Vom Zentrum aus führen zwei Verkehrsadern, eine rechts und eine links des Rías an die Küste. Die Metropolregion ist in diesem Punkt vergleichbar mit Wuppertal, denn ähnlich wie in Wuppertal liegen auch die Orte vor Bilbao wie an einer Perlenkette rechts und links des Flusses, nur dass es statt einer Schwebebahn zwei Metrolinien gibt. Das Ruhrgebiet hat nicht nur eine starke Ost-West, sondern auch eine beachtliche Nord-Süd Ausdehnung mit unzähligen Nahverkehrsgesellschaften, die eine effektive Zusammenarbeit einfach nicht gebacken bekommen. Ein wichtiger Baustein einer funktionierenden Metropole ist ein intaktes Personennahverkehrssystem. Das gab es im Ruhrgebiet noch nie, auch nicht durch das Kulturhauptstadtjahr.

    Darüber hinaus ist Bilbao nicht nur Produktionsstätte, sondern traditionell auch Handelsplatz und Finanzzentrum der Region gewesen. Bei uns wurde zwar immer gearbeitet, aber das Geld ging stets nach Düsseldorf, Frankfurt oder sonstwohin.
    Der Bilbao Effekt kann im Ruhrgebiet nicht ziehen.

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