The Toasters, Sonntag, 23. Mai, 20.30 Uhr, MTC, Köln
Der Ruhrpilot
Ruhr2010: Das größte Kunstwerk der Welt…Dattelner Morgenpost
NRW: Hannelore Krafts “hidden agenda”…Sprengsatz
NRW II: Kraft startet Plan B…Spiegel
NRW III: Und was jetzt?…Welt
Ruhr2010: Urbanatix in Bochum…Pottblog
Bochum: Neuer Intendant Anselm Weber stellte Spielplan vor…Ruhr Nachrichten
Essen: Bürger kommen vom Sparkurs ab…Der Westen
NRW IV: Senioren Union hat Bedenken gegen Kitas in Wohngebieten…Der Westen
Medien: Gesprächskreis Netzpolitik der SPD positioniert sich gegen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag…Pottblog
Internet: Politische Polarisierung der Blogs…Weissgarnix
Internet II: Gelsenkirchen unterstützt Bürger gegen Google Street View
Foto: Panorama vom Tippelsberg (Fotomontage), Bochum, Copyright: ujesko/Michael Moos
Was machen wir zu Pfingsten?
Der Ostzonenpop war nicht immer wegweisend…
Mohnstrietzel und Mutantentaschen
Mitten in der Neustadt im Gelsenkirchener Süden liegt die Backstube von Ägidius Krause – hier wird seit über 100 Jahren nicht nur Brot gebacken. Berühmtheit über die Stadtgrenzen hinaus haben die Apfeltaschen des 66jährigen erlangt, die von den zufriedenen Kunden auch schon mal als „Mutantentaschen“ oder „Apfelkoffer“ bezeichnet werden. Die Teilchen sind nicht nur besonders groß, sondern sie schmecken auch besonders gut.
Wer das Ladenlokal an der Ecke Wiehagen/Mühlenbruchstraße betritt, fühlt sich in einen Tante-Emma-Laden der 50er Jahre zurückversetzt. Die Ladeneinrichtung entstammt nämlich dieser Zeit. An der Wand hängen die Meisterbriefe der Mitglieder des Familienbetriebs, der älteste stammt aus dem 19. Jahrhundert. Bereits am frühen Morgen ist hier schon viel los: Jugendliche einer nahegelegenen Ausbildungseinrichtung holen sich ihr Frühstück, ältere Stammkunden warten auf das frisch gebackene Brot, und Pendler kaufen Teilchen für die Pause, um im Büro mit den Riesen-Apfeltaschen für Aufsehen zu sorgen.
Das eigentliche Geheimnis findet sich allerdings in den hinteren Räumen des Hauses. Hier steht der Steinofen der Firma Mohr von 1938, der heute noch im Einsatz ist. „90 Brote werden hier in der Woche gemacht – vor ein paar Jahren waren es noch 270“, sagt der 66jährige. „Morgens beginnen wir mit 12 Sorten Hefegebäck, dann kommen Weizenmischbrot, Stuten, Schweineohren und am Ende das Feingebäck.“ Seit etwa 1 Uhr nachts steht Ägidius Krause in der Backstube, und erst gegen 9 Uhr morgens ist Feierabend. Nach einem kleinen Schläfchen geht die Arbeit am Nachmittag dann im Verkaufsraum weiter. Viele Jahre lang hat der Bäcker alleine gearbeitet, seit einiger Zeit hat er Mitarbeiter für die Backstube und den Verkauf.
Die Bäckerei Krause gibt es seit 1897 in der Neustadt, sie wurde damals vom Großvater des heutigen Inhabers gegründet. Ganz am Anfang stand hier noch ein sogenannter Königswinterofen, der direkt mit Kohle beheizt wurde. Inzwischen sorgt eine Öl-Anlage für die entsprechende Energie. „Ich kann nur hoffen, dass der Ofen noch eine Zeitlang durchhält und nichts kaputt geht“, wünscht sich Ägidius Krause. „Wahrscheinlich gibt es heute keine Ofenbauer mehr, die so etwas reparieren können.“
Eine lange Zukunft hat die Bäckerei in der Neustadt wohl nicht, denn die beiden Söhne haben kein Interesse daran, die Tradition fortzusetzen. „Ich habe dann mit meiner Frau beschlossen, weiterzumachen, bis wir aufhören und auf Modernisierungen zu verzichten“, erklärt Ägidius Krause. So hat sich der Charme des Ladenlokals bis heute erhalten – und die handgemachte Qualität hat sich herumgesprochen. Seine Kunden stammen nicht nur aus der Neustadt und nicht nur aus Gelsenkirchen. Und wenn am Ende des Tages etwas übrig bleibt, dann bekommt die Gelsenkirchener Tafel die Backwaren. In der Neuzeit ist die Bäckerei inzwischen dennoch angekommen: Auf der Internetseite der Gelsenkirchener Geschichten diskutieren die Forumsteilnehmer angeregt über die geschmacklichen Vorzüge von Mohnstrietzel und Streuselplätzchen mit Puddingfüllung.
Fotos von Andreas Weiss
Kulturhauptstadt App
Fast fünf Monate nach dem Start der Kulturhauptstadt Ruhr2010 ist es soweit: Es gibt ein Ruhr2010 App.
Das App ist kostenlos und auf dem üblichen Weg via iTunes zu beziehen.
Nach dem Start findet man drei Bereiche: Zum Beispiel eine Liste mit allen Städten des Ruhrgebiets. Klickt man sie an, bekommt man einen Überblick über die Veranstaltungen vor Ort.
Dann kann man noch nach Kategorien suchen: Was findet zum Thema Architektur statt oder welche Festival gibt es? Da stellt man das fest, das bei dem Festivals Bochum Total zum Beispiel Bochum Total fehlt. Ist ja egal, kommen ja sowieso nur 800.000 Leute hin.
Schließlich werden auch noch Local Based Services geboten: Da sieht man, was alles so in der Nähe des eigene Standortes stattfindet. Schön: Über Karten wird einem der Weg zum Veranstaltungsort gewiesen.
Katastrophal wie immer bei Ruhr2010: Es gibt keinen vernünftigen Kalender. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und auch gar nicht so schwer: Die Frage, was an einem bestimmten Tag passiert ist ja nicht allzu exotisch. Aber das werden sie jetzt auch nicht mehr lernen.
148.000.000.000
Der Bundestag wird heute den deutschen Anteil am Euro-Rettungspaket diskutieren. Es geht laut ZDF-Morgenmagazin um bis zu 148.000.000.000 Euro.
Das ist eine Menge Geld – mehr als man sich vorstellen kann. Ich habe mal nachgeschaut was man mit 148.000.000.000 Euro so alles machen kann:
– 7400 große Gymnasien oder Gesamtschulen bauen
– 94 Jahre lang die Fraunhofergesellschaft finanzieren
– 1,5 Jahre lang sämtliche Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden finanzieren
– 3148 Jugendkliniken bauen
– Fast zehn Jahre die Haushalte aller Städte und Gemeinden ausgleichen
– etwas weniger als zehn Prozent der Staatsschulden tilgen
– 64.347.826.089 Biere im Intershop trinken
148.000.000.000 Euro sind also wirklich viel Geld. Richtig viel Geld. Und wenn wir Pech haben werden wir in ein paar Jahren glücklich sein, wenn wir für 148.000.000.000 eine Packung Zigaretten bekommen. Denn wenn die Rettung des Euros scheitert, wenn nicht gespart wird, ist eine hohe Inflation nicht unwahrscheinlich. Und aus der könnte eine Hyperinflation werden.
Klatsche für Ingo Wolf
Ingo Wolf war ein unauffälliger Innenminister. Eine Leerstelle im Kabinett Rüttgers. Kurz vor seinem Ende bekam „Superingo“ nun noch vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eine Klatsche.
Wolf wollte dem Regionalverband Ruhr (RVR) zwingen, sich von einer Beteiligung an einem Windrad auf der Halde Hoppenbruch in Herten zu trennen. Das war eines der Symbole für neue Energie im Ruhrgebiet und das gefiel dem Hinterbänkler auf der Regierungsbank nicht.
Der RVR klagte und bekam nun vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen weitgehend Recht. Das Gericht erkannte an, dass die Änderungen im neuen RVR-Gesetz nicht ausreichen um einen sofortigen Ausstieg aus der Windradbetreibergesellschaft zu verlangen. Der RVR darf nun bis 2014 weiter auf der Halde für Windenergie im Revier werben. Die Grünen im RVR wollen an der Beteiligung festhalten. Martin Tönnes: „Innenminister Wolf ist mit seiner Anordnung vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in der Luft zerrissen worden. Wir werden in der nächsten Sitzung des Verbandsausschuss beantragen, dass der RVR an der Beteiligung festhalten soll. Das Innenministerium ist nunmehr aufgefordert seine offenkundig willkürliche Anordnung zurück zu nehmen. Wir wollen dass die Erträge aus der Beteiligung durch den RVR in die Region reinvestiert werden. Gescheitert dagegen sind die Pläne des FDP-Innenministers die Gewinne in die private Tasche wandern zu lassen.“
NRW: Dead Man Talking – Jetzt muss Rüttgers weg
Auch wenn sich ihre Machtchancen verringert haben: Hannelore Kraft hat gestern gezeigt, dass sie das Zeug zur Ministerpräsidentin hat. Wenn die CDU nicht bereit ist, sie zur Ministerpräsidentin zu wählen, sollten die Bürger erneut entscheiden können.
Mit der Absage an eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei haben Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann gestern für eine Sternstunde der Landespolitik gesorgt: Beide stellten die Verantwortung dem Land gegenüber über den eigenen Machtwillen. Von solchen Menschen regiert zu werden ist nicht das Schlechteste was einem passieren kann.
Hätten Grüne und SPD, wie es die FDP forderte, erst gar nicht mit der Linkspartei reden sollen? Nein, es war gut dass es das gestrige Sondierungsgespräch gab. Löhrmann und Kraft haben die Linkspartei als Betonköpfe und Dilletanten entlarvt. Beispiel gefällig? In einer Schreiben an die Mitglieder zitiert Parteisprecher Ral Michalowski Wolfgang Zimmermann: „…die beiden Parteien (SPD und Grüne. d. Red) waren interessiert, entgegen ihren Programmen, die West LB zu privatisieren.“ Schade nur, dass die Privatisierung der WestLB von der EU vorgeschrieben wurde – die neuen Bank des Landes ist die NRWBank. Sowas sollte man schon wissen, wenn man mitregieren will.
Über das Verhältnis zur SED-Diktatur wurde hier schon an anderen Stellen diskutiert – das will ich alles gar nicht wiederholen.
Auch die Parteizentrale der Linken in Berlin war wohl nicht so erpicht auf ein Gelingen der Verhandlungen. Sie kannte ihre Pappenheimer in NRW und schickte mit Ulrich Maurer als Nanny jemanden aus der dritten, bestenfalls zweiten Reihe. Seine Beschädigung durch die gestrige Pleite wirkt sich auf die Partei nicht weiter aus.
Nun wird die SPD mit der CDU reden. Rüttgers gab gestern noch den Ministerpräsidenten. Dead Man Talking. Seine Zeit ist vorbei. Seine ohnehin nicht hohe Akzeptanz in der Bevölkerung dürfte sich mittlerweile dem Nullpunkt genähert haben. Er sollte seinen Platz räumen. Wenn es zu einer großen Koalition kommen sollte, kann die Ministerpräsidentin nur Hannelore Kraft heißen. Sie verfügt über die breiteste Basis im Parlament und wäre jederzeit in der Lage mit den Stimmen der Grünen eine relative Mehrheit zu erhalten.
Union und SPD sollten in diesem Fall auf die Grünen zugehen, die Minderheitenrechte der „kleinen“ Parteien stärken und so die Nachteile einer großen Koalition abfedern. Und wenn die Union das nicht will und an Rüttgers festhält, bleiben nur Neuwahlen. Rot-Grün könnte mit einer stabilen Mehrheit rechnen.
Slime
Slime und viele andere Bands, Samstag, 22. Mai, Ganztägig auf dem Festival Ruhrpott-Rodeo – geht auch am Sonntag weiter, Nähe Flugplatz Schwarze Heide, Hünxe
Der Ruhrpilot
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NRW IV: “Weder koalitions- noch regierungsfähig“…Süddeutsche
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NRW VI: Sondierungsgespräche mit der Linkspartei gescheitert…FAZ
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