Corona: „Das Ende krönt das Werk”

Carl von Clausewitz nach einem Gemälde von Karl Wilhelm Wach (um 1818) Lizenz: Gemeinfrei

Die Politik und die Verwaltungen sind mit der Coronapandemie ebenso überfordert wie die meisten von uns. Und sie machen Fehler. Das ist in extremen Zeiten normal. Bis wir wirklich wissen, wie gut oder schlecht das Handeln  der Verantwortlichen war, wird noch einige Zeit vergehen. 

Wer sich mit Militärgeschichte ein wenig auskennt, wird die Parallelen zwischen der Coronapandemie und einem Krieg schnell erkennen, auch wenn der Gegner sehr klein ist und keinen Stahlhelm trägt: Menschen sterben, die Lagen verändern sich schnell, es kommt zu unangenehmen Überraschungen, Pläne haben keine lange Gültigkeit.  “Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus. Nur der Laie glaubt in dem Verlauf eines Feldzuges die konsequente Durchführung eines im Voraus gefassten, in allen Einzelheiten überlegten und bis ans Ende festgehaltenen, ursprünglichen Gedankens zu erblicken”   sagte einmal der preußische Generalfeldmarschall  Helmuth von Moltke und diese Aussage  passt auch gut zur Kampf gegen die Pandemie.  Schon im April zitierte ich in einem Artikel über die Parallelen zwischen Krieg und Corona Moltke und Carl von Clausewitz, dessen Satz “Es gibt nur einen Erfolg, nämlich den Enderfolg. Bis dahin ist nichts entschieden: nichts gewonnen, nichts verloren. Hier muss man sich beständig sagen: Das Ende krönt das Werk.” ebenso gut in die Zeit passt. Seit April hat sich viele geändert und das zum Besseren. Wir haben zwei Impfstoffe, dass Ende der Pandemie ist absehbar und es liegt auch in unseren Händen zu verhindern, dass die Zahl ihrer Opfer massiv weiter steigt.

Klar ist aber auch, und auch darin sind sich Kriegshandeln und Pandemiebekämpfung ähnlich, dass wir nicht nur auf eine lange Linie der Fehlentscheidungen zurückblicken, sondern auch weitere Fehlentscheidungen vor uns haben. Das liegt in der Natur der Sache. Dass die Coronappp besser funktionieren würde, gäbe es in Europa und Deutschland keine Datenschutzparanoia, zeigt der Blick nach Südkorea und Singapur. Auch das eher große Teile der hier lebenden Menschen der Regierung kein Vertrauen entgegen bringen oder die hiesige Gesellschaft ganz ablehnt, macht es nicht einfacher. Doch auch wenn es anders wäre, würden Fehler gemacht. Schaut man sich die Geschichte eines beliebigen Krieges an, so sieht man, dass sein Verlauf vor allem eine Kette von zum Teil im Nachhinein unvorstellbaren Fehlentscheidungen war – und das auch auf Seiten der späteren Sieger. Die haben in der Regel nur ein paar Fehler weniger gemacht und verfügten über bessere Ressourcen. In Pandemien ist das nicht anders. Der Fehler ist der Normalfall und im Augenblick des Handelns meist nicht als solcher zu erkennen. Das geht erst im Nachhinein und dann muss daraus gelernt werden. Ein Eindrucksvolles Beispiel für solches Lernen war Bernard Montgomery, der Oberbefehlshaber der britischen Bodentruppen. Im ersten Weltkrieg hatte er erlebt, wie menschenverachtend die britischen Offiziere die Truppen verheizten und in deutsches MG-Feuer schickten. Er machte es als Kommandant später anders. Als ein Soldat ihm auf die Frage, was das wichtigste  für einen Soldaten sei antwortete „Das Gewehr“, widersprach ihm Montgomery. Es sei das Leben und er würde alles tun, damit er es behält. Montgomery schickte seine Truppen in der Regel erst gegen die deutschen Stellungen, nachdem er sie hatte zusammenschießen lassen.

In Zukunft wird es ebenso Lager für Masken und Schutzkleidung geben, wie wir sie seit langem für Verbandszeug und Lebensmittel haben. Und bei der nächsten Pandemie, wir sollten uns heute schon Gedanken machen, wie wir unsere Erfahrungen an kommenden Generationen weiter geben, denn das kann wieder hundert Jahre dauern, werden die dann Verantwortlichen aus unseren Fehlern lerne – und neue machen. Aber eine Pandemie ist wie ein Krieg eine chaotische Zeit. Natürlich ist es wichtig, die Regierung und  Verwaltungen zu kritisieren. Aber wenn man sich klar macht, in welcher Situation wir stecken, müssen wir auch annehmen, dass es Opfer geben wird und das Fehler dazu gehören. Langfristige Pläne kann es nicht geben, sie wären nur ohnehin nur  PR. Das ist alles nicht schön, aber das haben Kriege und Pandemien so an sich.  Am Ende werden wir wissen, wie es gelaufen ist. Und wir entscheiden mit, wie es ausgehen wird.

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. #1 | Ruhr Reisen sagt am 18. November 2020 um 16:54 Uhr

    Nee. Corona mit einem Krieg – womöglich mit einem neuzeitlichen Krieg zu vergleichen, halte ich für absurd. Niemand der Generationen, die ohne Krieg aufwuchsen, kann sich dieses Schlachten und Töten vorstellen, außer der seit 2014 zugezogenen Kriegsflüchtlinge. Die Vergleiche mit der spanischen Grippe wurden längst gezogen. Das reicht auch an Schrecklichkeiten.

  2. #2 | thomas weigle sagt am 18. November 2020 um 21:51 Uhr

    Guter Artikel, nur eine Aussage bezweifele ich. Es wird sicher nicht 100 Jahre dauern bis zur nächsten Pandemie.

  3. #3 | Susanne Scheidle sagt am 18. November 2020 um 22:18 Uhr

    @ Ruhr Reisen
    Mir gefällt die Metapher vom Krieg auch nicht so richtig.
    Allerdings: Christian Drosten hat in einem seiner letzten Pod-cast Beiträge einen bemerkenswerten Satz gesprochen: "Das Virus lässt nicht mit sich verhandeln."

    Und was ist das, wenn man gegen etwas kämpft das nicht zu Verhandlungen bereit ist?
    Genau…

    Und was die "Spanische Grippe" betrifft: Die hat seriösen Quellen zufolge mehr Opfer gefordert als der ganze Erste Weltkrieg.
    Das hat man nicht so auf dem Radar, weil darüber keine weltberühmten Romane (außer vielleicht "Junge Frau von 1014" von Arnold Zweig) geschrieben oder Filme gedreht wurden und deshalb die damalige Pandemie nicht so ins Bewusstsein eingesunken ist, bzw. etwas verwaschen unter "Kriegsfolgen" subsummiert wurde.

  4. #4 | Ruhr Reisen sagt am 19. November 2020 um 11:24 Uhr

    @Susanne Scheidle
    Danke für die Antwort. Es geht ja hier nicht darum, dass das Virus auch Menschen tötet. Aber ein Krieg hat definitiv noch andere "Begleiterscheinungen", die mit diesem "schleichenden" Tod wenig gemein hat.

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