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Corona-Maßnahmen: Drei Szenarien – wird das schlechteste kommen?

Corona in einer Bearbeitung von K. Gercek

In Deutschland herrscht ein Impfdebakel. Darüber wurde und wird in den Medien, auch in diesem Blog, ausführlich berichtet. Weil es schlicht stimmt. Ein großflächiges Versagen bei der Durchimpfung der Bevölkerung ist augenscheinlich – das Versagen ist dabei ganzheitlich, es betrifft Kommunen, Bundesländer, den Bund und die EU. Dabei kann man durchaus festhalten, dass der Fisch immer vom Kopf her stinkt, und dieser Kopf ist zutiefst deutsch, er handelt in bürokratischen Akten, Ordnungsorgien, Kirchturmdenken und einem Mangel an Pragmatismus. Eine schnelle Impfung der Bevölkerung ist nicht in Sicht. Das wird noch dauern.

Umso wichtiger ist, wie es mit dem Lockdown weitergehen soll, der so viele, auch den Autor dieser Zeilen, mürbe und müde werden lässt, der Hoffnung nimmt, und zu dem es kaum eine Alternative zu geben scheint. Wie soll es also weiter gehen?

Was ist heute vom Bund-Länder-Treffen zu erwarten, jener Gesprächsrunde, die als de-facto-Regierung in den letzten Monaten die Kontrolle über die Corona-Maßnahmen übernommen hat, und an dieser Verantwortung ein ums andere mal scheiterte?

Drei Szenarien erscheinen denkbar, die ersten beiden davon sinnhaft.

Szenario 1.
Die dritte Welle ist da. Die Mutanten breiten sich aus. Die Impfungen finden nicht hinreichend statt. Die Zahlen steigen wieder. Deswegen wird der Lockdown verlängert. Bis Ostern. Mindestens. Ziel ist es weiterhin, Kontakte zu reduzieren bzw. reduziert zu halten. Einen anderen sicheren Weg gibt es nicht.

Szenario 2.
Die Bevölkerung ist mürbe. Die Bereitschaft sich an die Maßnahmen zu halten sinkt. Hier und da macht sich Gleichgültigkeit breit. Gleichzeitig gibt es sinnvolle Hygienekonzepte in einigen Branchen. Deswegen wird es Teilöffnungen geben, dort wo Sicherheit weitestgehend gewährleistet ist. Auf die Durchsetzung der Hygienemaßnahmen wird gepocht. Schwarze Schafe werden aussortiert, mit Hilfe der Ordnungsämter, und wo nötig, mit Hilfe der Polizei. Eine massive Unterstützung bei der Digitalisierung, gerade auch von Schulen wird ebenso beschlossen, wie infrastrukturelle Verbesserungen – kein Fenster in einer Schule bleibt mehr unöffenbar.

Szenario 3.
Irgendwas muss sich ändern. Und zwar schnell. Die Bedeutung von Inzidenzen von 35 oder 50 wird umdefiniert. Schöne Umschreibungen, wieso das sinnhaft sein soll werden gefunden. Die überzeugen zwar keinen der Wissenschaftler, aber die Politiker reden sich das Ganze schön. Die Öffnungen von Betriebungen und Geschäften erfolgen gewissermaßen zufällig, je nachdem wer am lautesten schreit und wer die größte Lobby hat.

…und wie man die Verantwortlichen kennt, läuft es wohl auf Szenario 3 hinaus.

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11 Kommentare zu “Corona-Maßnahmen: Drei Szenarien – wird das schlechteste kommen?

  • #1
    Emscher-Lippizianer

    Natürlich kommt es so. Die Inzidenz von 35 unterschreiten wollen, die 50 nicht schaffen und bei den augenblicklichen Zahlen (64,4 lt. RKI) dann die 100 zur neuen 50 erklären. Mein Gott, wie erbärmlich schlecht kann Politik sein.

    https://www.n-tv.de/politik/Die-Notbremse-liegt-kuenftig-bei-100-article22398536.html

  • #2
    Berthold Grabe

    Im übrigen kann die technologische und gesellschaftliche Rückständigkeit auch nicht wirklich verwundern in einem Land das von alten Menschen dominiert wird und zu wenige junge Menschen hat.
    Innovation ist eine Sache der Jugend, ist es immer gewesen. Und die sind einfach zu Wenige um Innovation in Deutschland voran zu bringen gegen die Träge Selbstzufriedenheit der Wohlständigen alten und gegen zu viele rückständige Zuwanderer, die jahrzehntelang mit Anpassungsproblemen beschäftigt sind und entsprechende Ressourcen benötigen.

  • #3
    Berthold Grabe

    ich habe keine Ahnung wie es kommt, wahrscheinlicher sind die ersten beiden Szenarien, wenn die Wirtschaft kollabiert das zweite Szenario, wobei ich davon ausgehe das das Umschwenken auf das zweite Szenario zu spät kommen wird um noch was zu retten..
    Die Politik ist zu sehr damit beschäftigt das ihren Protagonisten keine Vorwürfe gemacht werden können unddie medien damit jede winzige Unsicherheit ebengenau dafür zu nutzen.
    Unsere Gesellschaft ist im Prinzip handlungsunfähig geworden!
    Das Dritte wäre dämlich, weil für die beschriebe Kontrolle die Ordnungsorgane gar nicht in der Lage wären nach den jahrzehntelangen Personalabbau.

  • #4
    ccarlton

    „Verglichen mit den Vorjahren verlief die Übersterblichkeit im Frühjahr etwa auf dem Niveau der Influenzawelle 2019 und war im Herbst ähnlich wie in den Influenzawellen 2017/2018.“ ,sagt das RKI. Es sagt auch, dass 2020 nicht mehr an Corona gestorben sind, als sonst an der Grippe.

  • #5
    Björn Wilmsmann

    Ich stimme zu. Leider wird es auf Szenario 3 hinauslaufen. Zu Szenario 2 ist Deutschland technisch und organisatorisch nicht in der Lage.

    Szenario 1 wäre sinnlos, weil Lockdowns nur einen kurzfristigen Nutzen bzw. einen abnehmenden Grenznutzen haben. Leider im aktuellen politischen und gesellschaftlichen Klima dennoch recht wahrscheinlich.

    Ansonsten stimme ich den vorgehenden Kommentaren zu: Deutschland ist weitestgehend handlungsunfähig und innovationsunfähig.

    Nicht weil entsprechende Lösungen und Konzepte nicht vorhanden wären, sondern weil sie konsequent ignoriert und zerredet werden.

  • #6
    Jürgen

    @#4 Also die Zahl der Grippetoten wurde nun durch die Zahl der Coronatoten ersetzt. Das heißt für mich, hätte man einfache Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken nicht verordnet, einen nicht unerheblichen Teil der Bürobelegschaften in die Heimarbeit geschickt, und zwischenzeitlich Kindergärten, Schulen und Universitäten geschlossen, wären auf diese Coronatoten noch die Grippetoten gekommen. Meines Wissens nach sind ja auch die Verkäufe von Grippemitteln in Apotheken deutlich zurück gegangen (siehe auch hier:https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/erkaeltungsmarkt-die-letzte-starke-saison-atemwegserkrankungen-otc/, oder aktueller hier: https://www.dnn.de/Region/Mitteldeutschland/Sachsen-Grippe-auf-dem-Rueckzug-Apotheken-verkaufen-kaum-noch-Hustensaft). Nur hätte man parallel zu diesen Maßnahmen als Verwaltung selber mal aktiv werden müssen. So hat man alle Verantwortung für die Verbreitung/Nichtverbreitung des Virus dem Bürger zugeschoben. Das sieht aber nicht mein Staatsvertrag vor, den ich freiwillig/unfreiwillig mit diesem Staat eingegangen bin.

    Das heißt für mich nicht, dass der Umgang mit dieser Pandemie durch Bundesregierung, Landesregierungen und die Verwaltungsbehörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gut war und ist (siehe zum Beispiel hier: https://truckonline.de/blog/2021/02/24/nix-halbes-und-nix-ganzes/; Berichterstattung letztes Jahr zum Thema Nichthandeln der Bundespolizei bei Einreise mit dem Flugzeug, auch in diesem Blog). Für mich besonders eklatant: Keine frühzeitige Beschränkung der Einreise aus China in die EU; Weigerung der Verwaltung, die Testung von Personen breiter aufzustellen; Weigerung der Verwaltungsbehörden, sich auf einheitliche Regeln zur Nachverfolgung von Kontakt, Zur Quarantäne und ihrer Überwachung einzulassen und diese konsequent umzusetzen. Oder jetzt die Organisation von Impfungen, statt auf eine wohnortnahe Impfung setzt man auf Massenimpfungen in Impfzentren.

    Dieses Virus ist trotzdem sehr ernst zu nehmen. Wer immer das abstreitet, kann das gerne machen, nur verkennt er die Realität. Er kann in dieser Hinsicht nicht ernst genommen werden.

    PS: Der Clou scheint ja zu sein, das Virus lässt sich durch ganz einfache Maßnahmen von einem fern halten (eben mittels simplen Mund-Nase-Masken, ganz anders als bei z.B. Ebola). Selbst das Spülen des Rachenraums mit antiviralen Spülungen (oder auch grünem Tee) scheint diesen Virus zumindest zu Beginn einer Übertragung etwas im Schach zu halten.

  • #7
    Bernhard

    Durch die Corona-Massnahmen wurden auch Querdenker wie "ccarlton" geschützt. Bei Querdenken hilft nur noch Intensivstation.

  • #8
    ccarlton

    @6:

    Dass die Grippetoten dann dazu gekommen wären, sehe ich nicht so. Die Schutzmaßnahmen in Deutschland waren mehr oder weniger unwirksam. Das kann man daran sehen, dass die zweite Welle in Schweden ähnlich viele Tote in Relation zur Gesamtbevölkerung gefordert hat. Und da gibt es bekanntlich nicht mal eine Maskenpflicht, geschweige denn einen Lockdown.

    Und dann sind da noch die ganzen nicht erkannten Fälle von Krebs usw, die 2020 wegen der Angst vor Corona nicht rechtzeitig erkannt wurden. Die werden wir allerdings erst in der Zukunft in der Statistik wiederfinden.

  • #9
    Jürgen

    @#8 ccarlton: Bitte, Sie können immer neue brennende Fässer auf die Straße rollen, das ist ihre Sache. Es ist nur so, man nimmt Sie irgendwann einfach nicht mehr ernst, selbst dann nicht, wenn von Ihnen angeführte Aspekte, Argumente oder Hinweise berechtigt sind.

  • #10
    Arnold Voss

    "Schweden verzeichnet zwar auch einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen in der zweiten Welle, aber gerade die Entwicklung zu Beginn von 2021 zeigt, dass das skandinavische Land seit Anfang Februar kontinuierlich unter den deutschen Todeszahlen liegt. Trotz des harten Lockdowns, der bei uns herrscht, verlaufen die Kurven sehr ähnlich. Lag der Wert pro eine Million Einwohner in Deutschland am 1. Februar noch bei 8,41 war er zu diesem Zeitpunkt schon in Schweden niedriger: nämlich bei 8,29."
    Weiteres hier:
    https://www.focus.de/gesundheit/news/todeszahlen-im-vergleich-ueber-70-000-tote-vergleich-mit-schweden-wirft-frage-auf-wie-wirksam-unser-lockdown-war_id_13037141.html

  • #11

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