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Corona: Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren

Foto: R. v. Cube Bei dem Wetter muss man doch raus. Nicht im Bild: die Menschenmassen weiter links.

Ist das nicht ein herrlicher Frühling? Mir kommt er dieses Jahr besonders früh und besonders warm vor. Dafür kam mir der Winter besonders lang und besonders dunkel und besonders kalt vor. Ich bin da immer etwas empfindlich, wenn es so wenig Tageslicht gibt, aber dieses Jahr schien es noch dunkler. Da war die Kälte mit dem Schnee ja noch der Höhepunkt. Wenn man Glück hatte, fand man einen einsamen Hügel zum Schlittenfahren oder einen menschenleeren Feldweg zum Spazierengehen. Hatte man Pech, so fand man sich auf dem überfüllten Parkplatz eines lokalen Rodelbergs wieder, wo vor einem die Autos auf dem Glatteis festhingen und hinter einem Menschenmassen nachdrängten. Man wollte einfach nur mal in die Natur und war plötzlich von Hunderten umgeben, die auch nur das wollten. Am nächsten Tag wurde man dann sogar noch in den (sozialen wie asozialen) Medien beschimpft, weil man in Corona-Zeiten auf Massenveranstaltungen geht.

Die Nerven liegen blank. Man spürt das überall. Selbst Sascha Lobo bezeichnet sich nun als „Grollbürger“. Es scheint etwas zu brodeln, egal wo man schaut. Die Menschen sind zermürbt. Als der erste Lockdown begann, war ich überrascht, dass nicht wenige der von mir psychiatrisch betreuten Menschen gar nicht so belastet waren. Sicher, es gab einige, die sich ohnehin viele Sorgen um Krankheiten machen und dies nun erst recht taten. Aber unter denen, die eher zurückgezogen und ängstlich sind, haben mir einige erzählt, dass sie den Lockdown ganz entlastend fänden. Jetzt würde endlich niemand mehr von ihnen erwarten, unter Leute zu gehen. Jetzt wäre ihr Lebensstil – viel zuhause, gerne mit Abstand zu Menschen – sogar geboten. Aber wenn es eine gute Strategie im Umgang mit Angst vor Menschen wäre, den Kontakt mit ihnen zu vermeiden, dann wären diese Patienten nicht in meiner Behandlung. Und so habe ich in letzter Zeit von den gleichen Personen oft das Gegenteil gehört: Mittlerweile ist es keine Entlastung mehr, mittlerweile merken sie umso deutlicher, wie sehr ihnen die wenigen Kontakte, die sie früher hatten, fehlen. Eine Umarmung durch einen Freund oder Verwandten. Ein Lächeln im Supermarkt, das nun hinter einer Maske verschwindet.

Ähnliches höre ich im privaten Umfeld zum Home Office. Anfangs waren alle Feuer und Flamme und spotteten darüber, wie lange es im digital rückständigen Deutschland gedauert habe, bis so etwas möglich wird. Da braucht es erst eine Pandemie und plötzlich geht es. Endlich etwas mehr Freiheit, endlich nicht mehr pendeln. Und mittlerweile höre ich das Gegenteil. Die Leute fühlen sich in der eigenen Wohnung eingesperrt. Sie vermissen den Kontakt zu Kollegen. Sie vermissen es, einfach mal was anderes zu sehen. Sie spüren, wie sich die eigentlich gesunde Trennung zwischen Beruf und Privatleben auflöst. Wie soll man nach der Arbeit abschalten, wenn man an genau dem gleichen Ort ist wie vorher?

Und dann kommt natürlich hinzu, dass die anfängliche Zufriedenheit mit der Politik schwindet. Es gab so viel Zustimmung, in der Anfangszeit. Sieht man von den Verschwörungstheoretikern ab, gab es, denke ich, durchaus so etwas wie Zusammenhalt. Man war beeindruckt, wieviel Geld die Regierung locker macht. Man hoffte regelrecht auf die nächste Bund-Länder-Konferenz, damit schnell etwas passiert, um uns vor dieser Krankheit zu schützen. Und jetzt? Gibt es, verständlicherweise, viel Kritik, Unmut, Grollbürgertum.

Die Einschränkungen, die uns seit Monaten zermürben und nicht wenige nicht nur privat nerven, sondern sogar die berufliche Existenz bedrohen, diese Einschränkungen scheinen nur schlecht zu wirken. Wieso sind die Zahlen denn jetzt erst gesunken, wo wir doch schon seit November so viel geschlossen haben? Wieso steigen sie schon wieder, obwohl wir doch immer noch in der Bude hocken? Sind Schulen nun ein Problem oder nicht? Warum sind Lebensmittelgeschäfte geöffnet, andere aber nicht? Wieso gehen immer noch so viele Menschen zu ihren Arbeitsstellen und stecken sich dort an?

Vor allem natürlich: Wieso sind nicht schon viel mehr Menschen geimpft? Ich habe an dieser Stelle das Vorgehen der EU und der Bundesregierung verteidigt und ich bin immer noch der Ansicht, dass „Versagen“ der völlig falsche Begriff ist, denn täglich werden tausende geimpft, es gibt funktionierende Impfzentren und Terminvergabesysteme und ich habe selbst gesehen, wie perfekt organisiert es da vor sich gehen kann. Aber natürlich ist die Quote nicht ausreichend. Angesichts der sterbenden Menschen auf der einen Seite und der gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Katastrophe auf der anderen Seite kann es eigentlich keine andere Priorität geben als die sofortige Impfung aller Menschen. Und dies ist der Politik nicht gelungen.

Es zeigt sich, meines Erachtens, anhand der Pandemie Politik im Zeitraffer. Denn Politik funktioniert viel unkoordinierter, schwerfälliger, zielloser als sich das mancher Bürger vielleicht vorstellt. Es gibt ein über Jahrzehnte, teils Jahrhunderte gewachsenes Gebilde, das zunächst mal funktioniert. Und wenn etwas verändert werden soll, dann wird dieses Gebilde in kleinen Schritten umgebaut. Vielleicht wird eine Brandschutzverordnung aktualisiert. Oder ein Beitrag um 0,3% angehoben. Und dann guckt man acht Jahre, wie sich die Rücklagen verändern und hebt notfalls noch mal um 0,1% an. Irgendeine Technologie wird subventioniert und zehn Jahre später sieht man, ob sie sich am Markt durchgesetzt hat. Steuersätze werden angepasst, Baugenehmigungen erteilt, in einem Gesetz wird ein „oder“ durch ein „und“ ersetzt und somit zukünftig irgendeine Gruppe stärker berücksichtigt. Aber alles andere läuft, auch nach einem Regierungswechsel, genauso weiter wie es vor zehn Jahren auch schon lief.

Genauso geht die Politik nun auch in der Krise vor. Es wird nicht präventiv gehandelt. Es wird kein Konzept für eine etwaige zweite Welle entwickelt. Es wird keine Impfstrategie ausgearbeitet, bevor klar ist, ob es Impfstoff geben wird. Es werden keine Szenarien entwickelt, aus denen dann gewählt werden könnte. Ich vermute, ein solches Vorgehen kennt die Politik gar nicht, es ist weder in den Personen noch in den Strukturen überhaupt angelegt. Jede Entscheidung, die ein Politiker fällt, muss einen unglaublich langen Weg gehen, bis sie in der Realität ankommt. Verglichen mit normalem politischen Timing werden die Corona-Beschlüsse sogar in atemberaubenden Tempo umgesetzt.

Hinzukommt, dass die Politik im Dunkeln stochern muss, dass sich das Wissen um die Erkrankung gerade erst herausbildet und sich die Grundlage für Entscheidungen quasi stündlich ändern kann. Wir sollten es als gutes Zeichen sehen, wenn sich Kriterien wie Inzidenzwerte ändern, anstatt der Politik Inkonsequenz vorzuwerfen.

Ich will hier überhaupt nicht die Rolle des Verteidigers der Regierung einnehmen. Ich würde mir noch nicht einmal anmaßen, zu beurteilen, ob ihre Arbeit gut oder schlecht ist. Vermutlich ist es irgendetwas dazwischen. Ich will nur dazu aufrufen, im Hinterkopf zu behalten, dass ein demokratischer Staat eigentlich überhaupt nicht die Flexibilität besitzt, die in diesen Zeiten notwendig wäre. Eine Diktatur könnte Maßnahmen ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen und einen eingeschlagenen Weg weitergehen, selbst wenn eine Bevölkerungsgruppe dadurch benachteiligt wird, selbst wenn Wissenschaftler Zweifel anmelden, selbst wenn es sich als unbezahlbar herausstellt etc. Die könnte auf Leute schießen lassen, wenn alles eskaliert.

Robert Habeck hat heute Morgen im Deutschlandfunk in einem Tiefpunkt konstruktiver Kritik gesagt, die Regierung solle “einfach mal machen” und nicht versuchen “immer alles gut zu machen”. Wie, hat er natürlich nicht gesagt. Wenn das die neue Leitlinie ist, gute Nacht.

Die Regierung muss kritisiert und kritisch beobachtet werden und zwar insbesondere von Menschen, die Ahnung haben. Der Bürger muss versuchen, sich zu informieren, sich ein Bild zu machen und eine Meinung zu bilden. Die Regierung muss besser kommunizieren, warum sie tut, was sie tut. So ist meinem Eindruck nach noch nicht bei jedem angekommen, dass eine Maßnahme nicht nur darin begründet ist, wie wirksam sie ist, sondern auch darin, ob sie gesellschaftlich vertretbar und durchsetzbar ist. Die Frage “Wieso kann ich mich im Supermarkt nicht anstecken aber im Bekleidungsgeschäft schon?” zeigt dies. Natürlich ist ein Supermarkt genauso gefährlich, aber er ist unverzichtbar. Wenn wir wenigstens einen Teil der Ansteckungen verhindern können (den, der in Bekleidungsgeschäften geschieht), ist etwas gewonnen. Was wir für unverzichtbar halten ist keine wissenschaftliche sondern eine gesellschaftspolitische Frage.

Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren. Es ist verständlich und menschlich, dass alle die Schnauze voll haben. Dass sie, bei sinkenden Zahlen, bei strahlendem Sonnenschein, bei zunehmendem Vertrauensverlust in die Politik, nicht mehr mitmachen wollen.
Es ist verständlich, dass sie jetzt einen Schuldigen suchen wollen, die Verantwortung abgeben und – statt sich selbst weiter einzuschränken – lieber auf einen Versager schimpfen wollen. Ich habe das Gefühl, dass die Stimmung im Moment brodelt, dass die Nerven blank liegen. Das ist verständlich, aber gefährlich. Wir müssen kritisch bleiben, müssen die Regierung kritisieren und dazu bringen, bessere Arbeit zu machen.

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Aber bitte mit kühlem Kopf.

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17 Kommentare zu “Corona: Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren

  • #1
    larsR

    Danke für den sachlichen, ruhigen Kommentar.
    Im Prinzip stehen die Bürger hinter den Maßnahmen, aber die Lösungen im Alltag (Stichwort Verweilverbote, Strafen für Essen&Trinken, 50m Regel) sorgen mittlerweile für großes Unverständis. Und das nach einem Jahr Pandemie immer noch nicht das Infektionsgeschehen genau analysiert wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. Und eine Lehre aus den letzten Monanten, Digitaliserung ist kein Allheilmittel! Auch wenn die Herrn Lobo&co es andauernd und lautstark fordern..

  • #2
    Helmut Junge

    Ich bin vollauf damit beschäftigt meine eigene Ruhe zu bewahren. Um mich auch noch um die Ruhe von Regierungsmitgliedern zu kümmern, habe ich leider nicht genügend freie Valenzen.
    Glücklicherweise habe ich ich aber auch nicht den Eindruck, daß ich helfend einspringen muß. Soweit ich es beurteilen kann, sind diese Politiker gar nicht von stärkerer Unruhe betroffen. Die kommen bestimmt auch nicht in deine Praxis, weil sie mit den Folgen ihrer Coronapolitik nicht klarkommen, Es wäre auch neu in der Politik, wenn Politiker infolge eigenen Versagens unruhig würden. Schuldgefühle wären das dann ja. Aber dagegen sind Politiker doch durch die Bank immun.

  • #3
    Angelika, die usw.

    "Ist das nicht ein herrlicher Frühling?…"

    Heute Morgen hier graue Wolken, leichter Regen. Und ich hoffe, dass es den ganzen Tag so bleibt – und nicht nur, weil die Natur den Regen braucht.

    Wenn es regnet, hasten alle zu ihren Autos, dann geht keiner auf den Spielplatz. Auf diesem Spielplatz gestern zwei junge Mütter, eine mit Kind im Kita-Alter, das im Sandkasten spielte, die andere mit einem Säugling in einer Tragetasche (Oberkörper, vorn). Abstand? Ach, Quatsch? Die hätten sich fast küssen können (Haben die keine Angst vor Ansteckung? Ach, so, die sind jung, ja dann…). Die Sonne lacht ("Ist das nicht ein herrlicher Frühling?…"), man will raus. Masken? Nein. Müssen sie aber eigentlich laut Stadtverwaltung. Zwei verschiedene Haushalte. Und so ging es dann weiter (mit anderen Erwachsenen auf diesem Spielplatz), und so war es davor, wenn die Sonne schien ("Ist das nicht ein herrlicher Frühling?…").

    Warum ist ein Supermarkt anders als ein Bekleidungsgeschäft (also das Ansteckungsrisiko erhöht)? Ernst gemeinte Frage?
    Weil es im Supermarkt keine Umkleidekabinen gibt (Lüftung? Schon mal im Bereich von Umkleidekabinen gewesen? Da riecht es nach Schweiß, wenn man Glück hat nach Deo, da wird ein Vorhang auf- und zugeschoben, da wird Kleidung, die man gerade noch trug an einen Haken gehängt bzw. auf einen Hocker gelegt). Weil man in einem Bekleidungsgeschäft auch schon mal zehn Hosen anprobiert (wer bleibt schon unnötig lange in einem Supermarkt), weil da Änderungsschneider*innen vorbeikommen, die Hosenbeine, Rocksäume mit Stecknadeln markieren usw.. Zum Überleben braucht man Lebensmittel (Vorsichtige gehen z.Z. viel auf Wochenmärkte – da bekommt man neben Gemüse und Obst, Fleisch, Geflügel, Fisch, Brot, Haushaltwaren, Kleidung), zum Überleben braucht man keine vierzehnte Hose in einer Modefarbe (viel von diesem Mode-Mist landet sowieso schnell da, wo er wegen der Qualität hingehört – auf dem Müll).

    Ist noch grau draußen. Gut so!

  • #4
    Björn Wilmsmann

    #1, @larsR: Ein Allheilmittel im eigentlichen Sinne sind vor allem die Impfungen.

    Im übertragenen Sinne ist Digitalisierung aber in der Tat das dringend nötige Allheilmittel:

    Kontaktverfolgung? Der Inzidenzwert von 50 ist allein darin begründet, dass die Verfolgung von Infektionsketten durch deutsche Gesundheitsämter bei höheren Werten nicht mehr gewährleistet ist, weil diese Gesundheitsämter mehrheitlich mit Papier und Fax arbeiten
    Kontaktnachweis in Gastronomie und Veranstaltungen? Hier wurde im vergangenen Sommer auch mehrheitlich mit unübersichtlicher, nicht datenschutzkonformer Zettelwirtschaft gearbeitet. Ein digitales Verfahren per App und direkter Verbindung zum Gesundheitsamt würde auch hier vieles vereinfachen und beschleunigen.
    Schnelltests? Funktionieren in der nötigen Größenordnung nur mit digitalem Nachweis
    Organisation des Impfprozesses? Auch hier stößt man mit papierhaften Prozessen schnell an Grenzen. Israel macht vor, wie’s besser geht, auch und insbesondere aufgrund eines digitalen Prozesses.

    Bei Logistik und Beschaffung von Impfstoff, Tests und Zubehör liegt in Deutschland und EU-Europa insgesamt sicherlich auch vieles im Argen und es ist schnelles Handeln und Pragmatismus geboten. Nur kommt man ohne Digitalisierung in diesen Bereichen auch nicht weit.

  • #5
    Ruhr Reisen

    Gerade bei Aldi. Vor mir drängte sich so ein Audi-Armleuchter-SUV fahrer auf den Parkplatz, auf den ich wartete mit meinem kleinen Peugeot. Er kam von der anderen Seite der Parkbox, um sich durchzumogeln dort, wo ich schon halb stand. Ich blieb stehen – hupte, entwickelte Aggressionen mit Gewaltfantasien. Er stieg aus und pöbelte mich an: Sowas würde er nicht noch mal mit sich machen lassen. Ich brüllte zurück: Asoziale Dreckschleuder! Schätze, in den USA wäre das anders ausgegangen. . Für so einen Scheiss.

  • #6
    Arnold Voss

    Der Istzustand ist gut beschrieben. Die Parole ist allerdings so richtig wie banal. Ja, in Krisenzeiten sollte man nie die Nerven verlieren. Aber die Menschen brauchen statt solcher Durchhalteparolen Maßnahmen die sie auch durchhalten können. Das ist nämlich das Grundproblem mit dem Lockdown. Die Menschen halten eine solche Maßnahme, nur dann durch, wenn eine Ende absehbar ist. Je länger sich das hinzieht, desto mehr sind sie geneigt, sie zu unterlaufen.

    Das wiederum führt in der Gesamtwirkung de fakto zur Verlängerung des Lockdowns, was wiederum dazu führt, dass die Betroffenen ihn immer weniger akzeptieren. Aus dieser Negativ Spirale des nicht endenden Lockdowns der gleichzeitig aus der Natur der Sache seine Kosten / Belastungen immer weiter in die Höhe treibt, führt nur die Impfung heraus. Wenn dann auch die – aus welchem Grunde auch immer- nicht, oder nicht schnell genug, kommt, ist das Desaster perfekt.

    Klar, in der Krise werden unvermeidlich Fehler gemacht. Aber, wie Konfuzius so weise formuliert hat: ,„Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen Zweiten“. Wir haben deswegen noch immer keine Schnellteststrategie, weil das RKI höchst selbst sich, trotz Kritik, zu lange dagegen gestemmt hat, um den hauseigenen PCR Test zu protegieren, bzw. als den einzig seriösen zu markieren. Wir haben deswegen noch immer keine differenzierten realen Daten über Infektionsverläufe, weil das RKI höchst selbst weitere und genauere lokale Untersuchungen Typ "Heinsberg" verhindert hat.

    Diese Regierung hat sich nie gefragt, wie lange Menschen einen Lockdown verschiedener Stärke unter welchen Bedingungen durchhalten können, obwohl das die zentrale Frage jeder längerfristigen Corona Strategie ist. Stattdessen hat sie die entsprechenden Wissenschaftler und Wissenschaften aus ihren Beratungsgremien systematisch fern gehalten. Sie hat auch nie eruieren lassen, welche Masken sowohl relativ unkompliziert tragbar als auch noch ausreichend sicher sind. Stattdessen hat sie sowohl den Maskentyp als auch die Maskenpflicht immer wieder, mehr oder weniger radikal, und im Nachhinein korrigiert.

    Der gröbste Fehler dieser Regierung war aber der wesentlichen Wissenschaftsregel nicht zu folgen, die da lautet: Follow the Science and not the Scientist. Sprich:
    1. Die Wissenschaft ist auch innerhalb eines Faches nicht ein einzelner Wissenschaftler sondern die Gesamtheit der Wissenschaftler, sprich also auch derer, die eine andere Position haben.
    2. Ein Maßnahme ist erst dann wissenschaftlich begründet, wenn aus allen Wissenschaftsgebieten, die etwas zu einem Problem zu sagen haben, Expertisen einbezogen worden sind.

    Beides hat diese Regierung bis heute nicht getan, obwohl sie von einer Wissenschaftlerin geleitet wird. Nicht nur, aber auch das hat dazu geführt, dass diese Regierung jetzt in der strategischen Sackgasse, sprich in der Lockdown Falle steckt. Die Mutation waren nämlich absehbar, bzw. kommen sie für Niemand überraschend, der auch nur einen Schimmer von Epidemiologie hat. Es werden weitere Folgen und damit ist für den Lockdown, nach der bisherigen Denkweise dieser Regierung und ihrer Berater kein ernst zu nehmendes Ende abzusehen. Und natürlich auch kein Ende solcher Durchhalteartikel.

  • #7
    Ali Mente

    "Man war beeindruckt, wieviel Geld die Regierung locker macht"

    Ja, das die Politiker die Hilfen aus ihrer eigenen Tasche bezahlt haben statt aus unserem Steuersack war schon sehr beeindruckend. Auch dass das 2%-BIP-Ziel für Rüstung sogar in der Pandemie erreicht werden konnte obwohl zusätzlich noch Kampfjets und Kampfdrohnen gekauft und Europa gerettet wurde, war eine Meisterleitung. Wir sollten auf jeden Fall noch mehr Bazookas anschaffen, damit der Geldstrom auch in Zukunft nicht versiegt.

  • #8
    thomas weigle

    Natürlich mache ich weiter mit, keine Frage. Nur diese Salamitaktik ist nervig, die Impfstrategie ein einziges Desaster. Da kann man schon mal grollig werden.

  • #9
    ccarlton

    Wenn Sie Rolle des Verteidigers der Regierung einnehmen wollen, dann machen Sie es doch einfach nicht.

    Selbstverständlich können Demokratien in der Krise schnell und gezielt handeln, das haben genug andere Länder gezeigt. Das ist aber nicht der Stil von Frau Merkel, die wartet ab wohin der Wind weht und setzt sich dann an die Spitze der Herde.

    Szenarien und Pläne sind entwickelt worden, im Großen wie im Kleinen. Schon seit 2013(oder 14) besitzt die Regierung einen Plan für das Auftreten eines hypothetischen SARS Virus. Statt da mal reinzugucken, hat sie ihn ignoriert.

    Ebenso das Impfen, Israel schafft das, Großbritannien schafft das und die USA schaffen das. Sind das keine Demokratien? Oder haben die nur Regierungen, die ihre Aufgaben verstehen und entschlossen ausführen?

  • #10
    Arnold Voss

    @ Thomas Weigle

    Dein Durchhaltewille in Ehren, aber für den Ausgang der Pandemie ist es völlig egal, ob zwei "alte weiße Männer" mit Rente/Pansion, wie wir beide, weitermachen. Entscheidend ist, ob die weiter mitgehen, die wirklich unter Druck stehen. Ob die Mehrheit derer, die noch mitten im (Berufs)Leben stehen,noch weiter Folge leistet, bzw. leisten kann.

    Die protestiert nämlich in Deutschland nicht öffentlich, sondern stimmt mit den Füßen ab, in dem sie mehr oder weniger heimlich einfach nicht mehr mitmacht, während die Regierung immer noch in geradezu satirischer Selbstgefälligkeit behauptet, dass bislang eigentlich alles gar nicht so schlecht gelaufen ist.

  • #11
    Stefan Laurin

    Demokratische Staaten wie die USA, Israel und Großbritannien sind beim Impfen sehr erfolgreich. Der einzige Begriff der zu den Verantwortlichen bei EU und Bund passt ist Versager.

  • #12
    Walter Stach

    "Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht",

    das ließ der preußische Minister Graf Schulenburg nach der verlorenen (Doppel-) Schlacht 18o6 bei Jena (und Auerstädt) in Berlin plakatieren.

    Was sagt mir das? Ich denke darüber nach.

    Arnold,
    ich frage mich, ob die politisch Verantwortlichen ihre Entscheidung primär davon abhängig zu machen haben, wie die Meinung in der Bevölkerung zu sein scheint – nach diversen Umfragen-, nach vermuteten Ergebnissen einer "Abstimmung mit den Füßen"- oder ob sich stattdessen das Tun oder das Unterlassen eine jeden Politikers -beginnend mit der Kanzlerin- primär danach zu richten hätte -nicht nur, aber vollem in der Zeit einer Katastrophe- was ihm sein Gewissen gebietet.. Mir scheint allerdings, daß ein solches Verständnis von politischer Verantwortung heutzutage außerhalb des Denkbaren liegt, insofern also selbst in der Zeit einer Katastrophe mit nach wie vor offenem Ausgang für den einzelnen Menschen und für Gesellschaft und Staat in Gänze nicht eines weiteren Bedenkens bedarf.

    Andernfalls könnte "man " fragen:
    Frau Merkle, Herr Spahn, Herr Laschet usw.:
    " Ist das , was sie bisher getan oder unterlassen haben, ihrem Gewissen geschuldet und primär diesem gegenüber verantwortlich so und nicht anders entschieden worden ?"

  • #13
    Angelika, die usw.

    #11 "…Der einzige Begriff der zu den Verantwortlichen bei EU und Bund passt ist Versager."

    Stimmt.

  • #14
    Helmut Junge

    Was droht?
    Im Frühsommer demonstrieren die Coronaleugner bzw. Impfgegner und die Nichtgeimpften, die keine Impfung bekommen haben, aber geimpft werden wollen, gleichzeitig, wenn auch getrennt.
    So merkwürdig sich das auch jetzt noch anhören mag.
    Dazu kommen noch diejenigen, in deren Augen die gesamte Regierung verspielt hat, weil die Menschen in etlichen Ländern sich dank erfolgter Impfung wieder frei bewegen können.
    Um das zu verhindern, wird unsere sparsame Regierung, der der Biontechimpfstoff m letzten Sommer zu teuer war, überall auf der Welt zu maßlos überteuerten Preisen jeden Tropfen Impfstoff aus jedem Land der Welt, aufkaufen. Koste es, was es wolle. Dann geht es nämlich um die Bundestagswahl und die eigenen Pfründe. Wenn der Staat nachher bankrott ist, werden die Bürger, und sogar die Bürger*innen gerupft. Sogar über alle Schmerzgrenzen hinaus. Dann wird das so erklärt, daß die Coronakrise keine Krise war, sondern eine Katastrophe, die den Staatshaushalt leergesaugt hat, und die Abgeordneten gehen wieder ihren Lieblingsbeschäftigungen nach. Personaldiskussionen. Ach, und die EU unter dieser adeligen Frau von der Leyen wird private Finanzberater ins Geschäft holen, weil das EU-eigene Personal leider nicht ausreicht.
    Mist! Jetzt ist es mir doch nicht gelungen, Ruhe zu bewahren.

  • #15
    Arnold Voss

    @ Walter Stach # 12

    Du hast meine Kommentare offensichtlich missverstanden. Es geht mir nicht darum, dass Frau Merkel sich der scheinbaren oder realen Meinung der Bevölkerung, bzw. den Umfragen zu fügen hätte, sondern dass ihr Handeln die zunehmenden Absetzungsbewegungen und Frustrationen bei der Bevölkerung erst erzeugt hat. Dass sie die Gutwilligen mürbe gemacht und die, die sowieso meinen, sich nicht dran halten zu müssen, wenn auch unabsichtlich, noch bestärkt hat.

  • #16
    ccarlton

    Schon von den neusten Reinfällen der Bundesregierung gehört?

    Das mit den Schnelltests wird baw wohl nix, weil jemand vergessen haben soll diese rechtzeitig zu bestellen. Das ist aber noch die weniger spektakuläre Fehlleistung.

    Wie gestern bekannt wurde haben bundesweit ca. 50% der Covid-Intensivpatienten einen Migrationshintergrund. In manchen Regionen sogar bis zu 90%. Was der Regierung schon länger bekannt ist, ohne das diese in irgend einer Weise aktiv geworden wäre. Selbst auf Anfragen von Migrantenorganisationen aus dem letzten Jahr, ob man helfen könne wurde nicht reagiert. Angeblich um eine Rassismusdebatte zu vermeiden. Die Blödheit der Regierung kann man immer seltener in Worte fassen!

  • #17
    Walter Stach

    Arnold,
    meine Bemerkungen habe ich nicht (!) gemacht, um Dir zu widersprechen.

    Das derzeitigen Tun/Nichttun "der Regierenden", allen voran Frau Merkel, war für mich lediglich aufgrund Deines Beitrages Anlass, grundsätzliches Unbehagen meinerseits zu formulieren, wenn es um die Frage geht, was letztendlich bzw, was dann, wenn es um "Wesentliches " geht, für politische Verantwortungsträger entscheidungsbestimmend ist bzw. sein sollte: Umfrageergebnisse, die gefühlte/gemessene/vermutete "Stimmung " in der Bevölkerung oder das Gewissen des einzelnen Entscheiders. Letzteres eben auch dann, wenn nicht auszuschießen ist, daß der Wähler darauf mit einem negativen Votum reagieren könnte.

    Mir wäre jedenfalls wohler, wenn z.B. Frau Merkel oder z.B. Herr Laschet nach den von ihnen getroffenen Entscheidungen nicht immer, nicht immer wieder sagen würde: "Wir " haben einen Kompromiss gefunden oder "es konnte ja so auch nicht weitergehen" oder "ich" wollte ja etwas Anderes aber….".

    Mir wäre jedenfalls wohler, wenn……:
    "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. (Amen)". So wie Luther sein Tun, sein Unterlassen, seine Worte und seine Taten ausgerichtet hat an dem, wozu er sich gegenüber seinem Gewissen verpflichtet sah, könnte so oder so ähnlich z.B. auch Frau Merkel gegenüber den Menschen in Deutschland ihre Entscheidung vertreten.
    Ich kann mir sogar denken, daß das höchsten Respekt, höchste Anerkennung bei vielen Menschen in Deutschland -bei einer Mehrheit?- finden könnte, nicht nur bei mir und vor allem auch dann, wenn ich inhaltlich nicht mi ihr übereinstimmen würde.

    Arnold,
    mir ist bewußt, daß mein Verständnis von Verantwortung in und gegenüber einer Gemeinschaft, nicht nur, aber besonders seitens "der Regierenden", von vor(vor-)gestern , nicht zeitgemäß und deshalb de facto müßig ist. Oder wird die Corona-Katastrophe dieserhalb etwas verändern könnrn? Verändern könnte diese Katastrophe bzw. der Umgang mit ihr in Deutschland noch Einiges mehr, z.B. "die Art und Weise" des Managens im gesamten öffentlichen Sektor bzw. des Managements des öffentlichen Sektors. Ich habe an anderer Stelle hier bei den Ruhrbaronen angemerkt, daß m.E. alle die vielen lMängel und Fehler bei der Bewältigung der Pandemie in Deutschland nicht zwingend den Schluß zu lassen, "wir" seien ein technologisch rückständiges Land, sondern daß es naheliegender wäre, sich kritisch mit dem Managen/ mit dem Managment im gesamten öffentlichen Sektor bzw. des gesamten öffentlichen Sektors in Deutschland intensiver als bisher zu befassen, jedenfalls radikaler und umfassender als das bisher der Fall war.

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