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“Das Anbringen der Israelfahnen war eine Solidaritätsbekundung”

Während einer antiisraelischen Demonstration am 10. Januar in Duisburg hatte der Student Michael P. zwei Israelfahnen am Balkon und dem Fenster seiner Wohnung an der Demostrecke angebracht. Die Polizei stürmte die Wohnung und entfernte die Fahnen. Ein Gutachten bestätigte das Vorgehen der Polizei. Bei den Ruhrbaronen nimmt P. zu diesem Gutachten Stellung.

Das Stürmen einer Wohnung durch die Polizei, um zwei Israelfahnen zu entfernen, die antiisraeilische Demonstranten erzürnten, die mit Fahnen der terroritischen und in Deutschland verbotenen Hamas durch Duisburg zogen sorgte international für Aufmerksamkeit. Michael P., der die Fahnen anbrachte, erklärte uns damals die Gründe für sein Handeln.

In der vergangenen Woche war die ganze Angelegenheit Thema im Landtag. Ein Gutachten eines FH-Juristen bestätigte das Vorgehen der Polizei und unterstellte P. den Sturm seiner Wohnung durch die Polizei beabsichtigt zu haben. Bei den Ruhrbaronen nimmt P. Stellung zu dem Gutachten:

Selbstverständlichkeit den Judenfeinden entgegenzuwirken

 

Das Rechtsgutachten, das dem Innenministerium NRW seit einer Woche vorliegt, attestiert der Polizei nun ein unverholendes Recht auf ihr Beleidigt sein, wurde doch insbesondere die Polizeiführung demnach im Januar zu unrecht kritisiert.

Das Eindringen in die beiden Wohnungen und die Sicherstellung der israelischen Fahnen war laut dem Gutachter Prof. Vahle rechtmäßig. Warum jedoch lediglich 280 Polizeibeamte für rund 10.000 Demonstrationsteilnehmer aus dem Spektrum von Milli Görüs einberäumt wurden, bleibt weiterhin Berufsgeheimnis. Zumal Duisburgs Polizeisprecher damals noch verlauten ließ, „wer die muslimischen Mitbürger kenne, wüsste, dass sie emotional oft schnell in Fahrt gerieten“.

Zur Entschuldigung verhalf diese Äußerung damals auch nicht mehr, jedoch vermittelte sie einen guten Eindruck über den Geisteszustand einiger Verantwortlicher. Auch die Beweggründe, während und nach der Demonstration von Festnahmen abzusehen, bleiben bisweilen unklar.

Ebenfalls wird der spätere Vorfall außer acht gelassen,

Während einer antiisraelischen Demonstration am 10. Januar in Duisburg hatte der Student Michael P. zwei Israelfahnen am Balkon und dem Fenster seiner Wohnung an der Demostrecke angebracht. Die Polizei stürmte die Wohnung und entfernte die Fahnen. Ein Gutachten bestätigte das Vorgehen der Polizei. Bei den Ruhrbaronen nimmt P. zu diesem Gutachten Stellung.

Das Stürmen einer Wohnung durch die Polizei, um zwei Israelfahnen zu entfernen, die antiisraeilische Demonstranten erzürnten, die mit Fahnen der terroritischen und in Deutschland verbotenen Hamas durch Duisburg zogen sorgte international für Aufmerksamkeit. Michael P., der die Fahnen anbrachte, erklärte uns damals die Gründe für sein Handeln.

In der vergangenen Woche war die ganze Angelegenheit Thema im Landtag. Ein Gutachten eines FH-Juristen bestätigte das Vorgehen der Polizei und unterstellte P. den Sturm seiner Wohnung durch die Polizei beabsichtigt zu haben. Bei den Ruhrbaronen nimmt P. Stellung zu dem Gutachten:

Selbstverständlichkeit den Judenfeinden entgegenzuwirken

 

Das Rechtsgutachten, das dem Innenministerium NRW seit einer Woche vorliegt, attestiert der Polizei nun ein unverholendes Recht auf ihr Beleidigt sein, wurde doch insbesondere die Polizeiführung demnach im Januar zu unrecht kritisiert.

Das Eindringen in die beiden Wohnungen und die Sicherstellung der israelischen Fahnen war laut dem Gutachter Prof. Vahle rechtmäßig. Warum jedoch lediglich 280 Polizeibeamte für rund 10.000 Demonstrationsteilnehmer aus dem Spektrum von Milli Görüs einberäumt wurden, bleibt weiterhin Berufsgeheimnis. Zumal Duisburgs Polizeisprecher damals noch verlauten ließ, „wer die muslimischen Mitbürger kenne, wüsste, dass sie emotional oft schnell in Fahrt gerieten“.

Zur Entschuldigung verhalf diese Äußerung damals auch nicht mehr, jedoch vermittelte sie einen guten Eindruck über den Geisteszustand einiger Verantwortlicher. Auch die Beweggründe, während und nach der Demonstration von Festnahmen abzusehen, bleiben bisweilen unklar.

Ebenfalls wird der spätere Vorfall außer acht gelassen, bei dem einige Demonstrationsteilnehmer eine weitere Person auf dem Balkon mit antisemitischen Hasstiraden beschimpften und die danebenstehende Polizei nichts gegen jene Demonstranten unternahm. Stattdessen erteilten sie der missliebigen Person, unmittelbar im Anschluss daran, einen Platzverweis für die Wohnung. 

Die Entschuldigung für den Einsatz meinte man schließlich im Motiv des Studenten gefunden zu haben, ginge es ihm doch weniger um ein Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Staate, als um eine gezielte, penibel ausgedachte Aktion, um der Duisburger Polizei und damit der Bundesrepublik nachhaltig Schaden zuzufügen.

Mit diesem Erklärungsansatz tat sich schon im Januar das Oberhaupt des hiesigen Verfassungsschutzes Hartwig Möller hervor, attestierte er mir doch eine solide antideutsche Gesinnung und verwies direkt auf die Gefährlichkeiten dieser Gruppierung, die beinahe 200 Mitglieder im bevölkerungsreichsten Bundesland auf die Beine zustellen vermag. Ein wahrhaftig immenses Bedrohungspotenzial für NRW…

Der Rechtswissenschaftler Prof. Vahle nahm diese Behauptung in seinem Rechtsgutachten willfährig auf und unter der Betrachtung von Verdachtsmomenten trumpfte er in seinem Rechtsgutachten dann auch so richtig auf: Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich einen rechtswidrigen Zugriff veranlassen und dieses Fehlverhalten anschließend publik machen wollen.

Ergo stamme das Video im Internet von mir und wurden auch die beiden Israelfahnen, nur Momente bevor der Mob an dem Wohnhaus entlang marschierte, herausgehangen, um einen Polizeieinsatz zu provozieren!

Argumentative Absicherung fand er bei diesem Phantasma, einmal durch meine staatlich geprüfte antideutsche Gesinnung und gleichzeitig durch Vermerke in sog. Merkblättern. Aus denen geht hervor, dass ich in den letzten Jahren „einschlägig in Erscheinung“ trat, beispielsweise durch politisch motivierte Sachbeschädigung (Beschädigung von Republikanerplakaten).

Jedoch handelte es sich dabei erstens allesamt um Vergehen, die mehr als vier Jahre zurückliegen und die zweitens für das Aufhängen jener blau-weißen Stofftücher keine Rolle zu spielen haben.

Kompliziert, ja nahezu absurd wird es, da ich mich schon seit Jahren dieser linken Szenerie entzogen, ich niemals ein Video von dem umstrittenen Polizeieinsatz gedreht habe und die Fahnen schon in der Nacht und am Morgen des zehnten Januars angebracht wurden.

Somit sollten die Verdachtsmomente gegen mich eventuell noch einmal überdacht werden.

Das Anbringen zweier Israelfahnen war eine, wenn auch bescheidene, Solidaritätsbekundung für den jüdischen Staat und es handelte sich dabei gleichzeitig um eine notwendige Selbstverständlichkeit den Judenfeinden entgegenzuwirken.

Das ein Stück Stoff einen 10.000 Menschen zählenden Mob zur Raserei bringen würde, hätte ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht erträumen lassen.

Eben so wenig das Grundgesetze so schnell außer Kraft gesetzt werden können, damit Sympathisanten des antisemitischen Terrors sich im Recht fühlen dürfen.

Sich jedoch Fehler einzugestehen, dazu fehlt den Verantwortlichen anscheinend der Mut.

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25 Kommentare zu ““Das Anbringen der Israelfahnen war eine Solidaritätsbekundung”

  • #1
    Jens Kobler

    Wer so eine Linke hat, braucht tatsächlich keine Rechte mehr. Der Typ findet Israel anscheinend ähnlich gut wie er eine bestimmte Sorte Bier mag. ABER UND VOR ALLEM: Das hat weder den Landtag noch den Gutachter zu interessieren. Die haben keine Hobby-Tiefenpsychologie im Nachhinein zu betreiben und sich Opfer zu suchen, sondern Grundrechte zu sichern und entsprechende Signale gen Exekutive zu senden. Denn es fragt in Deutschland auch sonst nie einer danach, welcher Qualität die jeweilige Meinung im Rahmen der Meinungsfreiheit ist, solange die “richtigen” Fähnchen geschwenkt werden (oder genug “falsche”? Bitte was?).
    Und: Wenn das Gutachten so reflektiert (und bestätigt), wie Polizisten vor Ort denken – und dass das so richtig ist…? Das ist/wäre ja fatal, wenn die Polizei in so einer Situation so Stasi-mäßig denkt/dächte!!
    Das vordergründig Beruhigende: Es geht ja nur um symbolische Dorfpolitik. Im Landtag. Internationale Konflikte auf Stammtischniveau (Sorry, genau: Stati statt Stasi! Wir sind im Westen!) in der Landesvertretung.
    Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten! Die Sau ist durch’s globale Dorf: Deutschland ist tatsächlich überall wie in Bayern! Und die Amis haben’s schon immer gewusst. Bin ich jetzt antideutsch? Ich geh sofort zur Selbstanzeige, Herr Kommissar.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jens: Quatsch. Die Polizei hat zugesehen, wie Fahnen von verbotenen Organisationen geschwenkt wurden, hat zuhehört, als antisemitische Parolen gebrüllt wurden und dann Israelfahnen runtergerissen, um den Mob zu beruhigen. In dem Gutachten wurde P. dann denunziert. Es wurden Dinge die nicht stimmen unterstellt. Die Polizei hat eine abwägung getroffen und diese Abwägung war falsch. Das Gutachten sagt nur dass die rechtlich nicht zu beanstanden war. Die Alternative – die Meinungsfreiheit von P. zu gewährleisten und kriminelle Aktionen gegen das Haus zu verhindern – wäre natürlich rechtlich absolut unangreifbar gewesen. Die Polizei hat vor dem Mob klein beigegeben. Punkt.

  • #3
    Jens Kobler

    @ Stefan: Quatsch. Denn das seh ich in der Sache doch genau so. Lies nochmal in Ruhe (und vielleicht ohne die ersten beiden Sätze). Ich glaube nicht, dass “Denunziation” das richtige Wort ist, “Stasi-mäßig” fand ich halt besser, aber auch nur weil äh VoPo … egal. Ich finde, man kann z.B. die Ausdrucksweise des Michael P. (Der sollte sich vielleicht PR-mäßig etwas besser beraten lassen) sowohl nicht schätzen als auch gleichzeitig von Gutachtern und Landtag ein höheres Niveau erwarten als von M.P. Ausrufezeichen! P.S.: Die Frage ist ja vor allem, was das jetzt für die polizeiliche Praxis auf und neben Demos bedeutet.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jens: Eine Woche später hat die Polizei nicht mehr zugesehen als der Mob sich Demonstranten grefen wollte, die eine Israelfahne gezeigt haben. Die Duibsurger Polizei musste sich bewegen – und hat es eine Woche später unter Druck auch getan. Was P. braucht ist Anwalt, der ihm hilft, gegen di Behauptungen in dem Gutachten vorzugehen.

  • #5
    Arnold Voß

    Ich denke das Gutachten ist letztlich nur dazu da , dass die Verantwortlichen bei der Duisburger Polizei aus diesem Fall ohne großen (medialen) Gesichtsverlust (wieder)rauskommen. Allerdings auf Kosten von P. und das gibt dem ganzen dann doch eine politisch brisante Note.

  • #6
    Andreas Scholz

    Schon in der Nacht zum 10.05.2009 also. Na hallo, ganz ohne jeden Zusammenhang zur Demo am 10.05.2009. Warum laßt ihr den armen Kerl sich hier um Kopf und Kragen reden? Welcher Anwalt soll ihm da noch helfen den offensichtlich begründeten Vorhalt zu entkräften?
    Michael P. wollte provozieren und hat provoziert.
    Die Polizei hat sich nicht nur vor diesem Hintergrund rechtmäßig verhalten.
    Alles könnte so schön sein, wenn nicht … ja wenn es einfach nicht sein kann, dass Türken frech ihre Meinung äußern. Dann auch noch solche von IGMG; igitt.

  • #7
  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Scholz: Er wollte seine Solidarität mit Israel zeigen. Warum sind die Demonstranten vor seinem Haus so ausgerastet? ich war eine Woche später auf der Pro-Israel Demo. In einem der Häuser am dellplatz hing ein Plakat gegen Israel und eine palästinensische Fahne. Beides hat niemand beachtet. Am selben Tag als später auf der Hamas-Demo wieder eine Israelische Fahne gezeigt wurde diskutierte die Demonstranten mit der Polizei: Wieso denn eine Judenfahne geziegt werden darf? was Juden denn überhaupt in Duisburg zu suchen hätten und dass die eh bald alle tot sein werden. Sorry, ihre Freunde haben im Prozess der Zivilisation , wir wissen seit Norbert Elias dass der viel mit Selbskontrolle zu tun hat, noch einen weiter weg vor sich.

  • #9
    Andreas Scholz

    @ Stefan Laurin
    mal locker bleiben. Meine Freunde werfen keine Steine und vertreiben auch niemanden aus Deutschland.
    Es war nicht die Wohnung von Michael P. sondern er hat sich Zutritt zu einer Wohnung an der Demonstrationsroute verschafft. Bischen sorgfältiger recherchieren dürfte schon sein.
    Ich rechtfertige es absolut nicht, dass die Demonstranten sich teilweise von den Israelfahnen haben provozieren lassen.
    Ich verurteile es allerdings, wenn 10.000 Teilnehmer an einer durchaus aus nachvollziehbaren Gründen stattfindenden Demonstration als Mob diskreditiert werden.
    Wenn ich mich recht erinnere war Anlaß der Demosntration der völkerrechtswidrige Angriff auf palästinensische Zivilisten mithunderten Toten.
    Das soll ohne Emotionen gehen?

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Scholz: Lesen hilft – P. wohnte in der Wohnung, der junge Mann der der den Platzverweis erhietlt und P. sind nicht identeísch. Zum Thema Mob: Wer sich wie ein Mob aufführt muß damit leben so genannt zu werden. Menschen die ihren Gegnern den Tod wünschen und Fahnen von Terrorgruppen schwenken sollten nicht zu sensibel sein. Es gilt der alte Satz: Wer austeilt, muß auch einstecken können.

  • #11
    David Schraven

    @ Andreas Scholz

    Was soll das heißen: “Es war nicht die Wohnung von Michael P. sondern er hat sich Zutritt zu einer Wohnung an der Demonstrationsroute verschafft.”

    Können Sie das erklären? Wer ist “er”

    Behaupten Sie, Michael P. sei in einer fremden Wohnung am Demozug eingebrochen, um da eine Israel-Fahne aufzuhängen?

    Den Unsinn behauptet ja nicht mal die Polizei.

  • #12
    Ulrich Häpke

    Die Palästinenser und andere Bewohner des Gazastreifens haben verdammt viel, zu viel “einstecken” müssen.

  • #13
    Arnold Voß

    @ Ulrich Häpke
    Die Israelis die von der Hamas beschossen wurden auch. Und die Palästinenser im Gazasstreifen die nicht die Meinung der Hamas vertreten auch. Und die Israelis die bei den Selbstmordattentaten zerfetzt und getötet wurden auch.Und die Palästinenser die die Hamas als menschliche Schutzschilde benutzt haben auch.

  • #14
    Arnold Voß

    @ Andreas Scholz 6
    Sind sie schon wieder in Sachen Platt-Dämagogie unterwegs? Na, wie wäre es, wenn sie mal selber so ganz “frech ihre Meinung” bei den Türken demonstrieren. Sagen wir mal mit so einem “richtig frechen” Spruch wie den hier: Schwule und Lesben Seite an Seite mit der Hamas!

    Oder vielleicht nicht ganz so frech für das Recht der Kurden auf eine eigene Kultur und ihre unzensierte Ausübung. Oder für die Rechte der Christen in der Türkei. Oder für das Recht der Armenier auf Entschuldigung wegen des Völkermordes an ihnen.

    Müssen sie gar nicht für in die Türkei fahren. Machen sie es einfach hier in einem türkischen Viertel. Zweisprachig natürlich. Wenn sie wollen, begleite ich sie auch gerne und besorge ihnen einen Dollmetscher. Und danach diskutieren wie hier weiter.

  • #15
    Andreas Scholz

    Muß ich mich dann wohl wegen meines Missverständnisses betr. den Wohnungsinhaber entschuldigen.
    Warum hat sich P. dem Platzverweis für seinen Freund nicht widersetzt? Was hat der denn zur Straße hinuntergerufen?

    @ Arnold Voss

    Was soll jamand, der sich von den durch israelisches Militär Getöteten berührt fühlt, mit ihrem Einwand anfangen.
    Die jetzigen Toten waren nicht die Täter der von Ihnen genannten Taten.

  • #16
    Andreas Scholz

    Dann ist ja jetzt eigentlich alles gut. Wer austeilt muß also auch einstecken können. Dann dürfen Türken in Deutschland eigentlich rufen, was sie wollen. Einstecken, was andere ausgeteilt haben, mußten sie bereits jeden Tag.

  • #17
    David Schraven

    @Andreas Scholz,

    Da muss ich Ihnen leider recht geben. Türken werden in Deutschland zu oft diskriminiert. Das geht gar nicht. Ich denke, die Gesellschaft muss sich bemühen gerade junge Türken zu integrieren. Da hilft ausgrenzen nichts.

  • #18
    Mit-Leser

    @Voss: Manchmal frage ich mich, welche Erfahrungen Sie da immer mit ihren türkischen Nachbarn machen… 😉 Ihre Postings zu diesem Thema klingen, als wären sie schon mehrmals aufgrund eines rosaroten, homoerotisch bedruckten T-Shirts von türkischen Gangs überfallen worden.

    Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich möchte mich nicht lustig machen. Ich befürworte auch, dass sich ihre Generation endlich vom Ballast einer falsch verstandenen politischen Korrektheit befreit hat. Wurde ja auch höchste Zeit… 😉 Aber: man sollte den Bogen nicht überspannen. Ihre Postings klingen oftmals sehr “Schwarz-Weiß2 und lesen sich, als ob die Quartiere der türkische Community Berlins zu den gefährlichsten Parallelwelten der nördlichen Hemisphäre gehören.

    Außerdem wollte ich noch einmal nachfragen, wie lange es bei den Ruhrbaronen jetzt eigentlich noch darum geht, wer Israel und wer Palästina “cooler” findet? Ständig werden hier die immergleichen vereinfachenden Parolen zu diesem für einen spontanen Kurzkommentar viel zu komplexen Thema abgespult. Als interessierter Verfolger dieses Blogs muss ich sagen, dass ich mich für eine Vielzahl der Beiträge fremdschäme. Ständig fallen Begriffe wie “d-i-e Palästinenser”, “d-i-e Türken”, “d-i-e Israelis”… Muss doch nicht sein, oder?

  • #19
    Marcus Meier

    @Mit-Leser: Wenn ich das richtig verfolge, diskutieren wir hier nicht über den Nahen Osten, sondern über Deutschland. Ich habe mir außerdem erlaubt, Datenmaterial zum Thema Homophobie unter Migranten zu ergoogeln. Dabei stieß ich auf folgende Studienergebnisse:

    Homosexuellenfeindliche Einstellungen sind unter Schülern mit Migrationshintergrund wesentlich stärker verbreitet als in der deutschen Vergleichsgruppe. Besonders stark ausgeprägt sind sie bei männlichen Jugendlichen türkischer Herkunft.”

    Religiosität, die Akzeptanz traditioneller Männlichkeitsnormen, Diskriminierungswahrnehmung korrelieren positiv, der Bildungsgrad des Elternhauses, der gefühlte Grad der Integration und die Zahl der Kontakte zu Schwulen und Lesben korrelieren negativ mit homophoben Einstellungen. Das gilt allerdings, wenn auch nicht so stark, ebenfalls für Russlanddeutsche und autochthone Deutsche, die in der Regel keine Muslime sind. Zudem sind männliche Jugendliche generell häufiger homophob als weibliche.

    Manko der Studie: Es wurden nur Gymnasiasten befragt.

    Da lässt sich also in der Tat kein monokausales Erklärungsmuster ableiten. Aber: Das ist insgesamt immer noch beschissen genug für uns, die wir gegen Rassismus und gegen Homophobie sind, die wir also, um in Ihrem Jargon zu sprechen, vom “Ballast einer falsch verstandenen politischen Korrektheit” bedräut werden.

  • #20
    Arnold Voß

    @ Andreas
    Es gibt viele Gründe sich durch den Tod, vor allen durch den unschuldigen und erst recht durch den von Menschen die einem nahe stehen berührt zu sein. Es gibt ebenso viele Gründe provoziert zu sein von etwas, dass andere wiederum gleichgültig läßt.

    Es ist aber ein großer Unterschied ob man daraus eine öffentliche und politische Demonstration macht oder ob man es privat tut. Wenn man das erste tut dann gelten andere Regeln. Dann gibt es Grenzen des Verhaltens die die Gesetze ziemlich klar formulieren.Dann gibt es eine öffentiche Diskussion die man und frau sich in einem freien Land gefallen zu lassen haben. Die einen haben das recht auf die Demonstration und die anderen das Recht dazu ihre Meinung laut und deutlich zu sagen/zu schreiben.

    Wer dabei mit und unter der Fahne der Hamas maschiert muss sich dann allerdings auch die Fragen nach den Taten eben dieser Organisation gefallen lassen.

    @ Mit-Leser

    Nein Mit-Leser, meine Kommentare sind nicht schwarz weiß, wenn sie sie a l l e (nicht nur bei diesem Posting sondern auch bei den anderen mit ähnlicher Thematik) im Zusammenhang lesen. Ich habe auch nirgendwo etwas von einer “gefährlichen” Parallelwelt geschrieben sondern mich – soweit es in einem solchen Blog möglich ist – ausgesprochen differenziert zu der Siuation in der Mehrzahl der türkischen Migrantenvierteln geäußert.

    Sie bekommen allerdings wesentlich mehr von der Wirklichkeit mit, wenn sie jeden Tag, und das viele Jahre in einem solchen Viertel wohnen, als wenn sie da mal vorbeischauen, bzw. ab und zu über Besuche nur einen kleinen Ausschnitt mitbekommen.Sie bekommen auch mehr mit als die meisten Soziologen und sonstigen Experten die über solche Viertel ihre Studien machen.

    Obendrein bin ich Stadtplaner und durch meine langjährigen amerikanischen Erfahrungen in New York mit dem Thema Einwanderung und Migrantenghetto sowie eigener Studien zu diesem Thema auch mit dem gut vertraut was sich, wie es heute so schön heißt, der Subtext nennt, sprich was hinter den Kulissen geschieht.

    Wenn sie obendrein Menschen zu ihren engeren Freunden zählen, die die Sprache der Einwanderer perfekt verstehen und mit ihnen offen darüber reden, was diese “hinter ihrem Rücken” sprechen, dann eröffnet sich ihnen zwar keine absolut gefährliche aber sehrwohl eine nicht ganz ungefährliche Welt. Auf jeden Fall ist sie voller möglicher Missverständnisse die sehr schnell zu gewollten oder auch ungewollten Konflikten führen können.

    Es gibt eben doch etwas , das für die Mehrzahl einer bestimmten Einwanderergruppe typisch ist. Und umgekehrt sehen die Einwanderer auch die (bei uns) die Deutschen in bestimmten Klassifizierungen. Und sehr wohl gibt es eine Ablehnung ja partiell sogar einen Hass der damit unmittelbar zusammenhängt. Da nützt ihnen ihr Plädoyer für mehr Differenziertheit, was ich übrigens mit ihnen und auch mit Andreas Scholz teile, leider gar nichts.

    Wenn es ihnen in einem solchen Viertel gelingt, z.B. einem “Türken” oder eine “Türkin” auch persönlich und damit individuell näher zu kommen, dann werden sie auch diese Differenziertheit der Verhältnisse konkret erleben. Aber bei den meisten Einwanderern ist der Einfluß des Kollektivs über die Familie und die Verwandten und auch über die Community als Ganze weitaus größer als in der Mehrheitsgesellschaft. Hinzu kommte gerade bei den türkischen Einwanderern die hohe Selbstidentifikation mit der Türkei. Und es gibt viele Organisationen auch in den einzelnen Communitys die dieses Selbstverständnis systematisch verstärken.

    Es ist die Mehrzahl der Türken selbst (und zwar egal ob sie aus Istambul oder aus Anatolien stammen) die sich zuallererst als Türken verstehen. Ein Nationalismus der uns Deutschen in der Mehrzahl und aus gutem Grunde eher fremd geworden ist.

    Mit-Leser, sie wissen wie sehr ich ihre Meinung schätze und mich freue, dass sie hier mitmachen. Aber ich glaube, dass s i e in diesem Fall vereinfachen und nicht i c h. Das sie die zur Zeit politisch korrekte Meinung vertreten und nicht ich. Zumindest machen sie es sich zu einfach, wenn sie die Welt der Migranten nach ihren/unseren Maßstäben der Differnziertheit und Individualisierung beurteilen. Die Welt dieser Menschen, glauben sie mir, ist wirklich ein andere als die unsrige. Das ist ja das spannende, wenn man als “Deutscher” in einem solchen Viertel lebt. Und der allerallergrößte Teil dieser “fremden” Menschen ist, trotz berechtigter oder unberechtigter Ressentiments und Vorurteilen, sehr friedlich gesinnt und zu nachbarschaftlicher Kooperation bereit.

    Wenn sie allerdings mit einer nach gängigen Kriterien als emanzipiert geltenden “deutschen” Frau durch ein solches Viertel gehen, dann müssen sie der das immer wieder versichern. Die sieht nämlich in dert Regel, ein bestimmtes, vor allem männliches Verhalten der jüngeren “Türken” als “gefährlich”, genauer gesagt als für sie bedrohlich an, obwohl es real in den meisten Fällen nicht ist. Ich es selbst allerdings auch schon anders erlebt.

    Wenn sie mit türkischen Immigranten Tür an Tür leben und wie ich (auch) schwule und jüdische Freunde und dazu eine erwachsene Tochter regelmäßig zu Besuch haben, die sich von keinem Mann, egal aus welcher Kultur, die Butter vom Brot nehmen lässt, dann sind sie gezwungen sich abundzu auch einzumischen, ihre Meinung zu vetreten und Stellung zu beziehen. Dann erst wissen sie genauer , wer um sie herum wohnt, und die anderen wissen dann auch wer sie jenseits ihres Deutschseins sind. Das kann dann im Einzelfall richtig heftig werden. Aber eben auch sehr fruchtbar, wenn es letztlich friedlich bleibt.

    Im übrigen finde ich die strammen 68ger meiner Generation eher langweilig bis borniert. Mal abgesehen davon, dass sie bei beruflichem Erfolg eher in der Vorstadt und unter sich wohnen.

  • #21
  • #22
    Mit-Leser

    @Voss: Grundsätzlich geben ich Ihnen völlig Recht: Eigene Lebenserfahrungen zählen für mich ebenfalls mehr als irgendwelche akademischen Studien. Ich persönlich lebe auch lieber mittendrin als im vorstädtischen Elfenbeinturm. Hab? eine Zeit lang in Kreuzberg gewohnt ? inzwischen zwar am Prenzlauer Berg, doch auch nicht in irgendeiner Latte Macciato-Straße, sondern Nähe Greifswalder. Und in meiner Kölner Zweitwohnung hab ich mitten in einem traditionellen Gastarbeiter-Viertel Quartier bezogen. Aber es geht hier ja auch gar nicht um ?street credibility?. Ich glaube Ihnen, dass Sie davon genügend haben. Und Ihre Erfahrungen nehme ich Ihnen ab. 100%ig.

    Doch ich war in meinem Leben selbst schon mehrere Male ?Ausländer?. Die meisten Male davon in anderen europäischen Ländern, deren Wertesystem dem meinen sehr ähnlich war. Doch bei längeren Aufenthalte in ganz anderen Kulturkreisen habe ich am eigenen Leib gefühlt (gefühlt, nicht rational gedacht), wie schwierig es ist sich einer anderen ?Leitkultur? (böses Wort, ich weiß) anzupassen.

    In Japan zum Beispiel hatten sie keine europäischen Hausnummern ? und haben mich damit beinahe wahnsinnig gemacht. 😉 Und manchmal habe ich kein einziges Wort verstehen, geschweige denn lesen können. Fühlte mich da ziemlich verloren und sehnte mich geradezu nach meiner eigenen Kultur. Ich muss auch zugeben, dass ich manchmal richtig wütend auf die Japaner geworden bin ? obwohl sie gar nichts dafür konnten. Zumal ihr Gesellschaftssystem ja wirtschaftlich ähnlich erfolgreich ist wie das deutsche. Trotzdem habe ich immer unbewusst gedacht: Warum macht ihr das nicht wie ?wir??

    Mir ist bewusst, dass man rational sagen sollte: Die Migranten ?müssen? sich Deutschland anpassen. Doch ich weiß aus meiner eigenen Familie, die auch schon einmal zur Flucht gezwungen war, dass man in der Fremde das Eigene viel stärker fühlt als Zuhause. Beziehungsweise: Im ?Exil? lebt man bekanntermaßen in einer Art Zwischenzustand, weil in der Heimat die Zeit ja ebenfalls nicht stehen bleibt. Manche Mitglieder meiner Familie sind darüber nie wirklich hinweg gekommen und haben sich Zeit ihres Lebens wie Fremde gefühlt – überall. Die beiden letzten Generationen meiner Familie haben daher auch sehr eng zusammen gehalten ? und nur wenig Kontakte zur sogenannten Außenwelt gehabt.

    Aus meiner Lebenserfahrung und Familiengeschichte heraus kann ich daher schon Empathie für die Anpassungsschwierigkeiten der einzelnen Migrantengruppen aufbringen. Ich halte das für menschlich. Noch vor wenigen Jahrzehnten kamen die meisten unserer Spezies Zeit ihres Lebens noch nicht einmal aus der eigenen Region heraus. Die Regeln ihres Heimatdorfes waren ?gottgegeben? ? andere Regeln, welche die eigenen in Frage stellten, haben manchmal sogar zu Krieg geführt.

    Ich merke gerade, dass ich viel zu weit aushole. 😉 Dabei möchte ich nur folgendes sagen: ?Die Deutschen? sollten sich nicht immer so schrecklich überlegen fühlen. Derzeit wird hier oft von ?Homophobie? gesprochen. ?Die Türken? seien ja so rückständig homophob… Aber wieso wird dann in unseren Fußballstadien das Wort ?schwul? immer noch als Schimpfwort benutzt? Und wieso äußern sich viele so abfällig über Griechen, Spanier, Italiener oder “Ossis”?

    Was unter deutschen ?Intellektuellen? selbstverständlich ist, ist für den Großteil der Gesellschaft noch lange nicht ?normal?. Auch türkische Intellektuelle sind in der Regel nicht schwulen- oder christenfeindlich.
    Jedenfalls keine derjenigen, mit denen ich engen Kontakt habe. Das Gleiche gilt für viele andere Punkte, die hier öfters angesprochen werden. Heute, in Köln, habe ich zum Beispiel auch wieder einmal Deutsche kennen gelernt, deren Meinung ähnlich fürchterlich ist, wie die der Hamas. Ich meine den Anti-Islamisierungs-Kongress? Als ich dessen Teilnehmer heute sah, habe ich mich gefragt, wie radikal diese Leute wohl werden würden (und wie viele Anhänger mehr sie hätten), wenn sich Deutschland, ähnlich wie Palästina, in einem jahrzehntealten Krieg befinden würde? Und, wenn die wirtschaftlichen Chancen der Deutschen ähnlich schlecht wären? So sprach der ehemalige CDU-Politiker Jörg Uckermann, der zu Pro Köln gewechselt ist, in Bezug auf die angebliche Islamisierung in Deutschland von einer Krankheit. “Wir werden diesen Krankheitserregern keinen Platz machen.?

    Ich habe gar nichts gegen die rationale Ablehnung von Gewalt und Mob ? doch ich möchte nur dafür werben, die Gelegenheit wahrzunehmen, die Situation weiterhin differenziert zu betrachten. Wer, wenn nicht wir, sollte es denn sonst tun? Wir können doch gar nicht anders. 😉

    PS: Sollten Sie Ihr T-Shirt Experiment einmal wirklich durchführen wollen, wäre ich gern dabei. Wenn möglich mit versteckter Kamera ? und ohne Sprüche, die auf eine direkte Provokation aus sind, sondern viel mehr eine wirkliche Überzeugung transportieren.

  • #23
    Angelika

    “…Ich merke gerade, dass ich viel zu weit aushole…” (Mit-Leser)

    Nein, finde ich nicht. Für mich sind da noch ne Frage offen. Wat is ne “Latte Macciato-Straße”?? …

    Aber jetzt ernsthaft zu deinem Kommentar:

    “…Eigene Lebenserfahrungen zählen für mich ebenfalls mehr als irgendwelche akademischen Studien…” So in Bausch und Bogen stimmt das nicht, finde ich.

    “…Was unter deutschen ?Intellektuellen? selbstverständlich ist, ist für den Großteil der Gesellschaft noch lange nicht ?normal?. Auch türkische Intellektuelle sind in der Regel nicht schwulen- oder christenfeindlich…” Da ist schon was dran. Aber ‘die deutschen Intellektuellen’ (die türkischen Intellektuellen, die japanischen Intellektuellen …) als geschlossene Gruppe gibt es natürlich nicht. Und es gibt in letzter Zeit ja durchaus eine Tendenz dazu, dass sich Intellektuelle für die Politik der Rechtsaußen-Liga (um es mal allg. auszudrücken) interessieren, dieses Interesse offen zeigen und auf diesem Terrain aktiv werden.

  • #24
    Mit-Leser

    @Angelika: Eine Latte Macciato-Straße erkennt man sofort, wenn man auf ihr spazieren geht. 🙂

    Spaß beiseite: Damit, dass man nicht von “den Intellektuellen” sprechen kann, haben Sie Recht. Zumal mir das Wort “intellektuell” eigentlich auch gar nicht gefällt – und ich eine rein rationale Auseinandersetzung mit den “großen Fragen” des Lebens auch für mich ablehne.

    Zu den Studien: Ich habe das Handwerk, dass hinter solchen Studien steckt, mal lernen müssen. Daher bin ich – was die Art und Weise betrifft wie man zu Ergebnissen gelangt – meistens erst einmal skeptisch. Meine erste Frage lautet immer: Wer hat die Studie in Auftrag gegeben? Und dann muss man sich natürlich auch noch den Aufbau genau anschauen. Grundsätzlich sollte man Studienergebnisse natürlich nicht ignorieren. Aber sollte sie immer mit seinen eigenen Erfahrungen hinterfragen – finde ich jedenfalls. 😉

  • #25
    Arnold Voß

    @ Mitleser

    Es ist überhaupt keine Frage, dass auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft Frauen- und Schwulenverachtung, vor allem bei den weniger Gebildeten, aber nicht nur dort, vorkommt, ja in bestimmten Bereichen sogar grassiert.Das wird auch noch länger so bleiben.

    Aber es gibt eben gleichzeitig auch große und größer werdende gesellschaftliche Bereiche, in denen das nicht mehr oder nur noch ausnahmsweise passiert. Der entscheidende Unterschied zu den türkischen Communitys und auch zur Türkei selbst ist aber, dass alle wissen dass das politisch nicht korrekt ist,gesetztlich verboten ist und im Ernstfall auch bestraft werden kann.

    Und es gibt mittlerweile auch in Deutschland viele “Gallionsfiguren” aus den betroffenen gesellschaftlichen Gruppen die als Prominente Vorbild- und Identifikationrollen abgeben, an der sich auch die Normalbevölkerung orientiert oder zumindest orientieren kann. Berlin – ansonsten mit allen Facetten der Armut und Bildungsferne und deren bekannten kulturellen Folgen versehen – ist mit seinem sehr beliebten schwulen Bürgermeister für diese Form des gesellschaftlichen Fortschritts geradezu prototypisch geworden.

    Da hilft auch nichts, wie Andreas es gemacht hat, zu erwähnen dass die Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland auch erst vor sehr kurzer Zeit unter Strafe gestellt worden ist. Gesetze gehen der gesellschaftlichen Entwicklung selten voran sondern laufen ihr hinterher. Sie sind in diesem Fall Ausdruck der Tatsache, dass das auch geschlechtlich gleichberechtigte Verhalten innerhalb der Ehe zu diesem Zeitpunkt in Deutschland schon länger die Regel und nicht die Ausnahme war.

    Der muslimische Glaube und die Türkische Nation als Hauptidentifikationspunkt für viele Einwanderer aus diesem Kulturkreis sowie das dort mehrheitlich patriarchale Männerselbst- und Vorbild, verknüpft mit einem rückwärtsgewandten persönlichen und kollektiven Ehrbegriff ist diesbezüglich eine große und sehr ernst zu nehmende Barriere bei der Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Ich selber bin auf keine Fall scharf darauf, dass wir per Zuwanderer diesbezüglich wohlmöglich einen kulturellen Backlash in Deutschland bekommen.

    Das alles ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Migranten – wie alle anderen Menschen auch – es aus gutem Grunde schwer haben sich von den diesebzüglich tiefen gesellschaftliche Prägungen ihrer Kultur zu emanzipieren. Dass die Mehrheitsgesellschaft es sich ihrerseits viel zu einfach macht und für ihre Einwanderer – gerade in Deutschland – kaum eine echte Belohnung wie z.B. ökonomischer Aufstieg und soziale Anerkennung für integratives Verhalten bietet.

    Zum Teil wird auch zuviel an Anpassung verlangt, erst recht wenn man bedenkt, wie wenig sich Deutsche z.B. in Spanien, selbst als Dauerresidenten, an die dortige Mehrheitskultur anzupassen bereit sind und genau die Parallelgesellschaften bilden die sie in ihrem Herkunftsland so heftig kritisieren.

    Es reicht völlig, wenn die Einwanderer die hiesigen Gesetze nicht nur kennen sondern auch bereit sind, sie einzuhalten. Und toll wäre es, wenn sie alle so gut Deutsch sprechen würden, dass die unausweichlichen Konflikte in der Regel per Dialog und nicht per Gewalt ausgetragen werden können. Aber wer selbst mal eine fremde Sprache zu lernen gezwungen war, der sollte auch hier vorsichtiger mit seinem Urteil sein. So mancher Immigrant und so manche Immigrantin sprechen mittlerweile besser Deutsch als viele Deutsche. Da braucht es nicht noch zusätzlich die Anpassung an eine “Leitkultur” von der selbst die Mehrheit der Deutschen nicht mehr genau weiß, was das sein soll.

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