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Das drohende Kunstrasendesaster: Seid ihr denn alle irre geworden?

Kunstrasen wird verlegt. Quelle: Wikipedia, Foto: Andreas Faessler, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wer will, der kann hierzulande jede Woche Vorgänge beobachten, die wahlweise am eigenen, oder aber am Verstand anderer heftig zweifeln lassen. Jüngstes Beispiel: Das angedachte Verbot von Mikroplastik, das tausende frisch angelegte Kunstrasen-Sportplätze in diesem Lande bedroht.

So sinnvoll der Kampf gegen Mikroplastikrückstände in der Umwelt natürlich grundsätzlich ist, so sinnlos erscheint auf der anderen Seite die Vernichtung von Millionenwerten, die die Gemeinden und Vereine in diesem Lande vor wenigen Jahren erst neu geschaffen haben.

Es ist ja noch gar nicht lange her, da war man landauf, landab der Meinung die Umstellung von vorhandenen Rasen- und Asche-Plätzen auf Kunstrasenplätze wäre der absolute Hit. Alleine hier bei mir am Ort wurden im Verlaufe der vergangenen Jahre so tatsächlich alle relevanten Sportplätze auf diesen Belag umgestellt. Fördertöpfe und Eigenleistungen der Vereine machten es möglich.

Die Vorteile lagen scheinbar auf der Hand: Der moderne Belag ist vergleichsweise pflegeleicht, zudem bei jeder Witterung top bespielbar. Es wurde im Zuge der Umrüstungen stets der Eindruck vermittelt, die Umrüstung der Sportplätze wäre ein wahrer Segen für die Millionen von Hobbysportlern im Lande.

Umso größer jetzt der Schreck!

Das geplante Verbot von Mikroplastik könnte wahrhaftig die Kunstrasenplätze tausender Amateur- Fußballvereine bedrohen. Von 2022 an soll das Gummi-Granulat, das auf diesen Plätzen als Unterlage verwendet wird, nämlich den kolportierten Plänen nach nicht mehr zulässig sein.

Übereinstimmenden Berichten zufolge will sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nun für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Kunstrasenplätze einsetzen.

„Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports“, wird der CSU-Politiker der „Welt am Sonntag“ zitiert. „Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht.“

Auch der DFB will sich offenbar für eine solche sechsjährige Übergangsfrist einsetzen. In Deutschland gibt es inzwischen laut Verbandsangaben rund 6000 Kunstrasenplätze. In vielen Städten haben sie die Rasenplätze, die früher als erste Wahl galten, inzwischen komplett verdrängt.

Selbst wenn wir den Kunstrasenplätzen in Deutschland noch ein paar weitere Jahre geben, viele Vereine wird das in Existenznot bringen. Von den Städten, auch gerade hier im Ruhrgebiet, haben die betroffenen Klubs wohl keine finanzielle Unterstützung beim abermaligen Umbau zu erwarten. Diese sind bekanntlich völlig pleite. Und nun neue Fördertöpfe einzurichten um das gerade frisch geförderte wieder zu entfernen macht wahrhaft keinen Sinn.

Die Vereine selber haben es immer schwerer Leute zu finden, die sich in ihnen engagieren. Es steht somit zu befürchten, dass die erneute Umrüstung dieser Plätze in vielen Fällen nicht gelingen wird.

Da stellt man sich doch die Frage: Hat über die schlechte Umweltverträglichkeit dieses Belages vorher keiner nachgedacht?

Es erscheint doch völlig verrückt die Vereine erst in diesen Aktionismus pro Kunstrasenplätze ‚zu locken‘, indem man ihnen mit Fördergeldern neue Kunstrasenplätze wie eine erstrebenswerte Karotte vor die Nase hielt, nur um ihnen für das Ergreifen dieser jetzt im Nachhinein einen kräftigen Schlag auf den Kopf zu verpassen.

Schon irgendwie irre das Ganze, oder?

 

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10 Kommentare zu “Das drohende Kunstrasendesaster: Seid ihr denn alle irre geworden?

  • #1
    Ke

    Das Thema wird schon seit einiger Zeit diskutiert. Insbesondere in Überschwemmungszonen.
    Dann haben wir auch noch die Plastikkleidung mit ihren Rückständen. Baumwolle ist zu klimaschädlich, Pelz gegen den Tierschutz. Wolle beutet auch Tiere aus.
    Das grüne Leben ist hart.

    Da muss das Umweltministerium bestimmt noch oft von Berlin nach Bonn fliegen, um die Welt zu retten.

  • #2
    Thommy

    Der Artikel erzeugt ein wenig den Eindruck, dass die Vereine
    ihre (schönen aber pflegeintensiven) Rasenplätze zugunsten von Kunstrasenplätzen aufgegeben hätten.

    Das ist mitnichten der Fall.

    Die Kunstrasenplätze ersetzten nach und nach die unappetittlichen und von Spielern und Eltern verhassten Ascheplätze ( ständige Blessuren, total verdreckte Klamotten, die kancher Waschnaschine den Garaus machten
    und darüber hinaus je nach Beschaffenheit auch giftig).

    Es gibt nur wenige Vereine im Ruhrgebiet, die einen Rasenplatz gegen einen Kunstrasenplatz getauscht hätten.

    Aber -so praktisch diese Plätze -ausgenommen V
    erbrennungen nach Stürzen- sind -wenn Kinder und Jugendliche, aber natürlich auch Erwachsene, durch Mikroplastik beim Spielen gefährdet sind – in dem sie das beispielsweise Einatmen oder über die Haut absorbieren- und Spätfolgen zu befürchten sind, ist Schluss mit lustig.

    Dann muss gehandelt und nicht lamentiert werden.

  • #3
    Helmut Junge

    Ascheplätze können auch Schadstoffe enthalten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Aschenplatz

    Wikipedia …"In der Vergangenheit musste der Belag von Aschenplätzen vielfach wegen der nachgewiesenen Schadstoffbelastung ausgetauscht werden. "

    Satiremodus an:
    Eigentlich müßten die Sportler auf sportliche Betätigung jeder Art verzichten, oder zum Verzicht durch Gesetze gezwungen werden. Gesundheit geht schließlich vor.
    Satiremodus aus.

  • #4
    Ke

    Reinraumkleidung und Luftfilter für alle.
    Obwohl: Lösen sich Partikel von dieser Kleidung?

  • #5
    Giuseppe Bottazzi

    Das ist eine Verschwörung der Loser, die in der Schule bei der Mannschaftswahl immer übrig geblieben sind und jetzt als Umweltspackos den dicken Max machen können. Wann kommt endlich die dringend erwartete Verordnung gegen den Dreck auf der Straße? Ich will einfach nur noch zuhause im Bett bleiben und ewig leben – verbrauche auch kein CO2, versprochen ?

  • #6
    Klaus Lohmann

    Zumindest in Dortmund waren die vielen Kunstrasenplätze einfach nur Wahlgeschenke der SPD-Verwaltung an die Vereine und ihre Mitglieder. Viele "Bio"-Rasenplätze sind erst durch den neuen Kunstrasen bei den Vereinen so richtig in Vergessenheit geraten und gammeln vor sich hin, jetzt fehlt natürlich Kohle für eine Reaktivierung.

    Aber auch ohne einen erneuten Umstieg müssten die Vereine in den nächsten Jahren Geld zur Renovierung/Sanierung des Kunstrasens der frühen Produktversionen aufbringen, weil "Nachhaltigkeit" nicht auf dem damaligen Wahlgeschenk-Wunschzettel der Genossen stand – also bleibt sich’s gleich;-)

  • #7
    ke

    Im Dortmunder Norden wurden einige Plätze saniert und mit Kunstrasen ausgestattet. DAs soll angeblich auch günstiger sein.
    Damals hatten die Vereine mit dem Merkmal Kunstrasen Mitgliederzuwächse bei den Jugendlichen, da Asche nicht mehr aktuell war.

    Man muss nicht jeden Quatsch der EU mitmachen, und wir haben auch eine Regierung die ihren Einfluss zeigen kann. Ein Bestandsschutz für die Lebensdauer ist hierbei sinnvoll.

    Die Frage bleibt: Welcher Bereich des modernen Lebens kommt als nächstes auf den Opferstein?

    Final ist jeder Bereich des modernen Lebens umweltschädlich, und es kann überall einschlagen.

    Mal sehen, wie lange der Bürger das mitmacht. Aktuell verlieren sich unsere Ökos in Petitessen und bekommen die großen Felder nicht beackert. Dann muss man auch mit Fußballplätzen ablenken.

  • #8
    Klaus Lohmann

    @ke: Ich bin nicht bereit, solche Wahlkampfgeschenke zur reinen Bespaßung der in Dortmund wahrlich nicht notleidenden Fußballvereine mit meinen Gebühren zu finanzieren – und mit einer solchen Ökobilanz noch viel weniger. Für den nicht Vereins-gebundenen Breitensport als gesundheitliche Prävention besteht lt. Masterplan des Stadtsportbundes viel Nachfrage und viel Entwicklungsbedarf in Dortmund, da fehlt das Geld.

  • #9
    Volker

    Es ist doch schon lange bekannt und Kunstrasen kann auch ohne Mikroplastik gebaut werden (mit Sand oder Kork). Da wurde eher sehenden Auges So gehandelt. Sollte das belohnt werden? Ansonsten verstehe ich den Kunstrasen-Hype auch nicht. Pflege braucht der auch und irgendwann muss er komplett ersetzt werden. Das wird teuer und für viele eine interessante Überraschung werden, hält der Plastik-Platz doch vermeintlich ewig. Ich finde, es geht nix über Rasen, der natürlich gepflegt werden muss.

  • #10
    Robert Müser

    Im Deutschlandfunk kam in den Nachrichten gerade die Meldung, dass die EU-Kommission überhaupt nicht an einem Verbot von Kunstrasen arbeitet:

    https://www.deutschlandfunk.de/eu-kommission-sprecherin-keine-diskussion-ueber-generelles.1939.de.html?drn:news_id=1030876

    Als aufmerksamer Mediennutzer fragt sich der Schreiber dieser Zeilen nun, ob hier von interessierter Seite eine Thema gepusht wurde, um so einen Medienhype aufzulösen.

    Der Blick in das analoge, digitale und visuelle Medienrauschen zur Thematik spricht da Bände. Liest man sich durch diversen Einträge fällt doch auf, dass nirgendwo eine belastbare Quelle zu dieser Maßnahme auftaucht. Eher eine Verdrehung einer aktuell laufenden EU-Studie in Sachen Mikrogranulate auf Basis von Altreifen und möglicher Krebsbelastungen durch diese Granulate. Zu diesen Granulaten auf Altreifenbasis gibt es Alternativen, nur die sind aktuell teurer …

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