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Das große Sterben – eine Impfpflicht für Pflegeberufe ist unumgänglich

Impfung Foto: Ada McVean Lizenz: CC0

89 % aller Corona-Toten sind 70 Jahre oder älter. Das Risiko, an einer Corona-Erkrankung zu versterben, liegt in der Altersgruppe ü80 bei 17 %. Zum Vergleich, das Sterberisiko an der Grippe liegt in der gleichen Altersgruppe bei 0.8 – 3 %, je nach Jahr. Ein erheblicher Anteil an Todesfällen tritt in Pflegeeinrichtungen auf, das ist anhand der Zahlen logisch und wird, mit einem Blick in die täglichen Nachrichten, schnell bestätigt. Das Sterben kann nur in Pflegeheimen und deren Mitarbeitern beendet werden.

Vor ungefähr vier Wochen haben in Deutschland die Impfungen gegen COVID-19 angefangen. Die Impfquote innerhalb des Pflegepersonals liegt, je nach Quelle, bei 20-30%. Es ist gänzlich egal, wie weit das tägliche Leben heruntergefahren wird, die Pflege wird sicherlich niemals eingestellt. Und entsprechend wird auch das Sterben in Seniorenheimen nicht enden, bis dort Herdenimmunität erreicht ist. Wer sich ernsthaft um das Wohlergehen der Gepflegten kümmert, lässt sich impfen.

Keine mangelnde Aufklärung

Zuletzt hieß es häufiger, über die Impfungen gäbe es zu wenig Aufklärung, was zu geringen Impfquoten führe. Dem gilt es, ganz entschieden zu widersprechen. Über die Funktionsweise von mRNA-Impfungen wurde mehr geschrieben und mehr diskutiert als über jede andere medizinische Entwicklung in der Geschichte der Menschheit. Wer sachliche Informationen zur Impfung haben möchte, bekommt diese im Internet ähnlich schnell, wie den Wetterbericht. Skepsis vor Fehlschlägen ist, angesichts des Schweinegrippen-Impfdesasters, absolut verständlich. Es entbehrt aber jeder Logik anzunehmen, dass man aktuell einen Impfstoff auf 7 Milliarden Menschen loslässt, der am Ende große Teile davon tötet, unfruchtbar macht oder anderweitig vorsätzlich schädigt. Auch ist es völlig irrig, dass die mRNA-Methode unerprobt sei. Die erste erfolgreiche Impfung an Mäusen geschah 1994. Dass Impfstoffe heute schneller entwickelt werden, als noch vor 10 oder 20 Jahren, ist nicht bedenklich, sondern Ausdruck des Fortschritts. Vor 100 Jahren wäre jeder belächelt worden, der am Morgen in Frankfurt am Main erklärt hätte, er wolle am Abend in Los Angeles sein.

Seit Beginn der Krise war klar, dass erst Impfungen diese beenden werden. Es war ein Jahr Zeit, sich hiermit zu beschäftigen. Wer Informationen möchte, bekommt diese. Angefangen vom einfachen Sachtext bis zur komplexen, akademischen Diskussion des Wirkprinzips.

Keine Ausreden.

Wer in der Pflege arbeiten will, muss sich impfen lassen

Ein persönliches Wort: Ich habe, wenn auch nur neun Monate, Zivildienst im Krankenhaus hinter mit. Ich habe täglich gesehen, wie hoch die Belastung und wie anstrengend die Arbeit ist. Davor habe ich höchsten Respekt. Wer hier für faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen streitet, hat mich an seiner Seite. Wer sich aber nicht impfen lässt, kann bis zum Ende der Pandemie nicht mehr in der Pflege arbeiten. Der Gesetzgeber muss hier zeitnah die Grundlage schaffen. Wer in der Pflege arbeitet, hat sich zeitnah impfen zu lassen. Verpflichtend. Alternativ sind Beschäftigungsverbote auszusprechen. Ob Pflegekräfte dann unbezahlt freigestellt werden oder sich einen anderen Beruf suchen, muss jede und jeder frei entscheiden.

Ausnahmen, beispielsweise bei Schwangerschaften, sind natürlich zu berücksichtigen. Wobei auch hier klar gesagt sein muss: Evidenz ist wichtiger, als es Meinungen sind.

Die Universität von Harvard und das CDC haben die Auswirkungen einer COVID-19 Infektion in der Schwangerschaft untersucht:

  • Schwangere Frauen haben ein höheres Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken oder zu versterben;
  • Das Risiko eine Frühgeburt ist deutlich gesteigert.

Die Menschheit hat endlich eine Waffe gegen das Virus. Es ist nicht zu argumentieren, dass die gesamte Menschheit ihr Aktivitätsniveau nahezu auf null absenkt, extreme wirtschaftliche und persönliche Einbußen in Kauf nimmt und am Ende jene, die an vorderster Front stehen, ebendiese Waffe nicht nutzen. Kommende Woche will die Bundeskanzlerin über einen totalen Lockdown beraten, um auf die neue Coronavirus-Mutation B117 zu reagieren. Ausgangssperren, Einstellung des ÖPNV, totales Arbeitsverbot im Handwerk und der Produktion, die Vorschläge sind vielfältig und extrem. Nichts davon wird einen Effekt haben, wenn Angehörige der Pflegeberufe weiterhin das Virus verbreiten. Wer sich nicht impfen lässt, handelt unsolidarisch gegenüber den Opfern, die die restliche Gesellschaft aktuell bringt.

Die Welt ist aktuell im Krieg, das kann und muss so bezeichnet werden. Krieg ist nicht fair. Es ist nicht fair, dass einer ganzen Generation gerade Jugendjahre genommen werden, es ist nicht fair, dass Menschen unverschuldet ihre Existenz verlieren, es ist nicht fair, dass gerade weltweit Menschen leiden und noch weniger ist es fair, dass noch vor Kurzem kerngesunde Menschen an einem neuartigen Virus sterben.

Nicht alles zu tun, was in der Macht jedes Einzelnen steht, um dieses unfaire Ungleichgewicht zu beheben, ist indiskutabel. Wer pflegt, übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Wer gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, muss diese auch bis zu Ende denken.

Im Endeffekt gibt es nur zwei Optionen, das Sterben zu beenden. Impfungen oder warten, bis niemand mehr da ist, der noch sterben könnte. Das ist keine Horrorvision. Angesichts von 1.200 Todesfällen am Tag, Tendenz steigend, ist dies die nüchterne Realität.

Eine Demokratie muss sich immer für das Leben entscheiden. Und wenn dies bedeutet, Menschen ein Arbeitsverbot auszusprechen, damit besonders gefährdete Gruppen geschützt werden können, dann ist das so.

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10 Kommentare zu “Das große Sterben – eine Impfpflicht für Pflegeberufe ist unumgänglich

  • #1
    Jürgen

    Ich halte die Diskussion bezüglich der (aus meiner Sicht angeblichen) Zurückhaltung des Pflegepersonals gegenüber einer Impfung für eine Chimäre. Wo gibt es dazu belastbare Daten?

    Abgesehen davon, der Impfstoff steht seit knapp zwei Wochen zur Verfügung und wird verimpft. Die Zahl der verfügbaren Impfdosen steigt nur langsam. Wenn tatsächlich das Pflegepersonal geimpft wird, wird sich da ganz schnell die Spreu vom Weizen trennen, sprich die Zahl der Personen, die sich tatsächlich nicht impfen lassen wollen, wird sehr schnell schrumpfen.

    Wenn sich Pflegepersonal von Leasingfirmen impfen lassen will, das aber nicht geht, weil ein Zahlencode fehlt (https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/berliner-intensivpfleger-an-der-corona-front-leasingkraefte-werden-noch-nicht-geimpft-dabei-sind-wir-auf-ein-und-derselben-covid-station/26784656.html), wird hier wieder von anderen Problemen abgelenkt.

    Das ist übrigens ein Grund, weshalb ich als examinierter Krankenpfleger, der lange nicht mehr im Beruf gearbeitet hat, letztlich davon abgehalten hat, meine Bewerbung an ein Krankenhaus oder Personaldienstleister zu schicken. Ich habe keine Lust, als Karl Arsch behandelt zu werden. Dazu passt auch dieser Artikel aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-impfung-die-folgen-der-fuehrungsschwaeche-17142776.html

  • #2
    Ali Mente

    Was passiert denn, wenn sich die Pflegekräfte trotzdem nicht impfen lassen wollen und stattdessen kündigen? Lassen sich dann die Ruhrbarone zu Pflegekräften umschulen? Oder warten wir bis sich genug linientreue Pfleger finden?

  • #3
    DAVBUB

    @ Autor: "Wer pflegt, übernimmt gesellschaftliche Verantwortung."
    Wer Verantwortung übernimmt, sollte auch dementsprechend honoriert werden.
    Wenn die deutsche Medienmacher mit der gleichen Leidenschaft, mit der jetzt der Impfpflicht für das Pflegepersonal das Wort geredet wird (warum nicht für Journalisten? Die treiben sich doch auch in verschiedensten Mileus rum und tragen das Virus quer durch die Gesellschaft…) in der Vergangenheit für faire Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung derselben gekämpft hätten, wären sie glaubwürdiger. So ist dies nur ein weiterer -sehr deutscher- Artikel, in dem die Verantwortung für das Debakel auf die MA in den untersten Stufen der Hierarchie abgewälzt wird. Entweder eine Impfpflicht für alle oder keine.

  • #4
    Beaver

    Wer sich nicht impfen lässt handelt unsolidarisch.
    Die schlauen genialen mRNA -Impfstoffe (Wirksamkeit 94/95 %) von Biontech/Pfizer oder von Moderna schützen uns vor dem Virus, sogar vor seinen Varianten, befreien uns von den verordneten Shutdowns der Regierung.
    Warum lassen sich In Israel auch die Pflegekräfte impfen? Weil alle Israelis nach der 2. Impfung einen grünen Ausweis erhalten. Er berechtigt zur Rückkehr ins “normale” Leben.(Flugreisen, Kinobesuche, Fußballstadien, Restaurants, usw.) Erst wenn 80% geimpft sind erreichen wir “Gemeinschaftsimmunität”.

  • #5
    Peter Mohr

    Der Artikel ist eine nicht ernst zu nehmende Meinungsäußerug. Auf welche Quellen bezieht sich die 20-30 % Impfbereitschaft des Pflegepersonals. Mir ist keine ernst zu nehmende repräsentative Umfrage bekannt. Die weiteren Äußerungen sind sehr unüberlegte Gedanken. Ich hoffe für den Autor, dass in seinem Freundeskreis oder seiner Verwandtschaft keine Pflegekräfte sind.

  • #6
    ingenhorst

    "noch weniger ist es fair, dass noch vor Kurzem kerngesunde Menschen an einem neuartigen Virus sterben."

    ein nebensatz, zwei fehler:
    1. coronaviren sind nicht neuartig, es giebt sie seit jahrmillionen
    2. kerngesunde sterben so gut wie nie an coronainfektionen, die opfer haben fast alle z.t. schwere vorerkrankungen

  • #7
    Alubehüteter

    Wenn Informationen über die Impfstoffe über das Internet ähnlich schnell zu erlangen sind wie der Wetterbericht, dann ist für mich nicht einzusehen, warum der Autor nicht begründet, wie die Impfung des Pflegepersonals den alten Menschen helfen soll.

    Die gegenwärtig erhältlichen Impfstoffe schützen den Geimpften vor einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Sie schützen nicht davor, mit Corona infiziert zu werden und die Corona-Infektion, selber symptomlos, an andere weiterzureichen. Geimpfte sind bis zum noch nicht erbrachten Beweis des Gegenteils weiterhin als Infektionsträger anzusehen und haben dementsprechend z.B. auch weiterhin Schutzmasken zu tragen.

    Nach gegenwärtigem Stand der Forschung hilft eine Impfung niemandem ausser dem zu Impfenden selbst. Insofern hat er jedes Recht auf körperliche Unversehrtheit der Welt, eine Impfung (vorläufig) abzulehnen. Anderes wird vor keinem Gericht Bestand haben. Indem der Autor das verantwortungslose Söder-Gequatsche aufnimmt trägt er dazu bei, das Pflegepersonal ein weiteres mal auf die Palme zu bringen, das sowieso am Rand vom Burnout tanzt.

  • #8
  • #9
    Patrick M.

    "Nach gegenwärtigem Stand der Forschung hilft eine Impfung niemandem ausser dem zu Impfenden selbst. Insofern hat er jedes Recht auf körperliche Unversehrtheit der Welt, eine Impfung (vorläufig) abzulehnen."
    Ich greife mal nur diesen Gedanken eines Kommentars auf: warum MUSS eine Pflegekraft impfen lassen?
    Impfung sind wie Versicherungen für die eigene Person ! Sie schützen einen selbst!
    Es gilt immer noch das Recht auf körperliche Unversehrheit. Auch wenn es ein bestimmtes Parteienspektrum gerne anders sehen würde.
    Über die Spätefolgen und wir reden hier über Spätfolgen ( in Jahren gemessen darum dauert auch die Impfstoffentwicklung JAHRE und nicht Monate) nicht sponante Nebenwirkungen haben wir noch gar nicht geredet.
    Jeder, der die Impfplicht beführwortet, kann ja gern sich für die Erstattung der Folgekosten melden und so persönliche Verantwortung wahrnehmen.

  • #10
    Stefan Laurin

    @Patrick M.: Das ist so nicht ganz richtig. Wer nicht teileise erkrankt, sondern nur infiziert, hat eine deutlich geringere Virenlast und ist somit auch weniger infektiös.

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