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Das Problem mit der Wirtschaftsförderung in Gelsenkirchen oder schlecht kopiert ist einfacher, als gut gemacht

Anfang Februar postet die Wirtschaftsförderung einen Beitrag auf facebook mit der Überschrift „Silicon Valley in Gelsenkirchen“. In einer Porträtreihe unter dem Titel „Menschen.Machen.Ückendorf“ werden Kreative und Start-ups vorgestellt.Das erste Unternehmen ist das Software-Unternehmen XingSys. Hier wird eine Technologie entwickelt, die schon in diesem Jahr die Authentifizierung von Behördengängen über das Smartphone möglich macht – ohne Passwörter und zusätzliche Hardware. Gleichzeitig werden in dem facebook-Beitrag die ehemaligen Räume des Start-ups über der Trinkhalle an der Bochumer Straße 139 angeboten: Die „Räumlichkeiten eignen sich ideal für ein Agentur- oder Medienbüro – oder für das nächste erfolgreiche IT-Startup“, heißt in der Veröffentlichung der Wirtschaftsförderung. Es geht also voran in Gelsenkirchen und das gilt für die Bochumer Straße, die Verwaltung und die kreative Szene – oder? Leider trübt meine persönliche Vorgeschichte mit der Wirtschaftsförderung das Bild. Hier wird von der Verwaltung für eigene Zwecke etwas kopiert, was Kreative im Stadtteil und Gelsenkirchen entwickelt haben.

Anfang November habe ich mit einem Partner aus der Medienbranche einen Termin im Wissenschaftspark mit der Wirtschaftsförderung vereinbart. Wir haben dort das Medienprojekt Emscherbote vorgestellt und nach Unterstützung bei der Entwicklung neuer Medienformate gefragt. Ein weiterer Punkt war die Vermittlung von Studio- und Büroräumen in Ückendorf. Bei dem Gespräch haben wir vorgeschlagen, für die Wirtschaftsförderung einen Podcast zu produzieren – inklusive Text, Foto und Bewegtbild, um Kreative und Start-ups in Ückendorf vorzustellen. Der Vorschlag wurde vom Abteilungsleiter Thomas Jablonski abgelehnt, da die Förderer der lokalen Wirtschaft bereits Formate „wie den Unternehmerstammtisch durchführen und das ausreichend sei“.

Mitte November habe ich auf eigene Rechnung den Podcast „Backup“ zu digitalen Themen und Startups in Gelsenkirchen entwickelt. Der erste Beitrag wurde in den Räumen von XingSys produziert und wir haben das Start-up und den Gründer Markus Hertlein vorgestellt.

Beim Termin mit der Wirtschaftsförderung haben die Mitarbeiter über die Schaffung eines Medienhauses an der Bochumer Straße gesprochen. Nach dem Treffen bekamen wir zwei Angebote für Räume, die weder von der Größe, der Lage oder Ausstattung geeignet waren. Das von uns aufgestellte Profil für Büroräume und ein kleines Studio wurde nicht berücksichtigt. Auf unsere konkrete Frage nach Räumen über der Trinkhalle an der Bochumer Straße 139 wurde uns mitgeteilt, dass die Wirtschaftsförderung hier nicht vermitteln kann und die Räume außerdem vermietet seien. Von dem Konzept eines Medienhauses oder einer Medienetage war zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr. Genau diese Räume werden jetzt öffentlich angeboten.

Da wäre noch das Motto der Kampagne der Verwaltung: „Menschen.Machen.Ückendorf“. Im Jahr 2010 habe ich gemeinsam mit einem Fotografen und einem Grafiker eine Ausstellung für das Programm „Soziale Stadt“ in Gelsenkirchen zusammengestellt. Dort wurden Akteure und Kreative im Süden der Stadt und in Ückendorf vorgestellt. Abgenommen wurde das Projekt damals von verschiedenen Referaten der Stadtverwaltung und das Grußwort kam vom damaligen Oberbürgermeister Frank Baranowski. Die Ausstellung hatte das Motto und den Leitspruch „Menschen.Machen.Stadt“. Auf Nachfrage hat die Verwaltung die bewusste Übernahme unseres Titels bestritten und darauf hingewiesen, dass die Ausstellung bei der aktuellen Kampagne „nicht präsent gewesen sei“.

Die meisten Dinge haben zwei Seiten, aber in diesem Fall liegt die fehlende Kompetenz und die Ignoranz der Wirtschaftsförderung auf der Hand. Das am Ende noch eine Idee von Kreativen – die man ja nach eigenem Bekunden fördern will – kopiert wird, ist dreist, aber wohl nur eine Randnotiz.

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6 Kommentare zu “Das Problem mit der Wirtschaftsförderung in Gelsenkirchen oder schlecht kopiert ist einfacher, als gut gemacht

  • #1
    Joachim Sombetzki

    Wer, zum Beispiel per Internet, nachweisen kann, dass er eine Idee zuerst verwirklicht hat, kann die laut Urheberrecht geltenden Ansprüche gegenüber dem Plagiator (Nachahmer) geltend machen. Das ist nicht nichts!

  • #2
    Stadtaffe

    Der Eindruck der sich mir aufrängt: Herr Voregger nörgelt herum, weil er sich nicht ins gemachte Nest mit tollen städtischen Räumen setzen kann und gönnt anderen den Erfolg nicht.

  • #3
    Stefan Laurin

    @Stadtaffe: Erfolg und Gelsenkirchen passen so wenig zusammen wie IT-Startup/Medienbüro und Gelsenkirchen.

  • #4
    Michael Voregger

    Mensch sollte Kritik nicht mit Nörgeln verwechseln. Es sind im übrigen keine tollen städtischen Räume, sondern normale Büroräume mit entsprechender Miete. Von dem Erfolg anderer ist in dem Beitrag nicht die Rede. Ein Problem in Gelsenkirchen ist eine behäbige Verwaltung, die immer erst das Problem sieht und nicht die Lösung. Außerdem herrscht nach Jahrzehnten sozialdemokratischer Dominanz immer noch eine Klientelwirtschaft vor. Gemachte Nester gibt es nur für die Verwaltung und für die Anhängerschaft der SPD.

  • #5
    HolleSonnenberg

    Ich kann diese Erfahrung nur bestätigten. Ich habe mich ebenfalls vor gar nicht allzu langer Zeit an die Wirtschaftsförderung in Gelsenkirchen gewandt. Ich musste zwei mal schriftlich nachfragen bevor ich eine Antwort bekam, die aus zwei Angeboten mit jeweils zwei PDF´s bestanden über Immobilen die ich bereits auf einschlägigen Seiten gefunden hatte, nur mit mehr Fotos und Infos, und welche eher sehr mäßig in unser Profil passten. Bei dem einen Angebot waren die PDF´s falsch eingescannt worden.
    @Herr Affe,
    Ich weiß das der Volksmund sagt getroffene Hunde bellen, aber vielleicht arbeiten Sie ja gar nicht bei der Wirtschaftsförderung in Gelsenkirchen sondern haben nur etwas gegen Herrn Voregger persönlich?

  • #6
    Ruhr Reisen

    #’4: Und Grüne im Ruhestand.
    Was tatsächlich Nachhaltiges bleibt, zeigt sich, wenn die Projektkohle ausläuft. Jedenfalls lässt sich aktuell nicht erkennen – was da wirtschaftlich langfristig die rottige Straße für immer aus dem Dornröschenschlaf erweckt – wenn die SEG in Rente geht. Die aktuellen Bochumer und Gelsenkirchener Lebenskünstler, inklusive dem gesponsorten Lammert-Bruder haben halt eine spaßige Zeit – ist doch auch schön – für eine Handvoll Leute.

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