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Das wissenschaftliche Waterloo des Duisburger Uni-Profs Karl-Rudolf Korte

Vor ein paar Tagen hat der Wir-in-NRW-Blog einen Email-Austausch zwischen dem Duisburger Politikwissenschaftler Duisburger Politikwissenschaftler und dem engsten Vertrauen von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), Boris Berger, gebracht. Die Schriftsätze haben es in sich. Sie sind geeignet, den wissenschaftlichen Ruf des Professors zu zerschmettern und ihn zu einem Gefälligkeits-Schönredner zu degradieren. Wie der Pottblog berichtet, will auch das ZDF die Rolle des Wissenschaftlers untersuchen, denn Korte trötet ab und an als „Polit-Experte“ seine Thesen in die Kameras des Senders. Dann beweisen die Emails noch etwas anderes. Sie zeigen erneut, was in der moralschwachen Rüttgers-Regierung mit Geld möglich gemacht wird.

Auf den ersten Blick handelt es sich bei dem Email-Wechsel um kalten Kaffee. Die Schriften sind mehrere Jahre alt. Es geht um kleines Geld. Und die mit Asche unterfütterte enge Verbindung zwischen Korte und Rüttgers ist auch seit langem bekannt. Und dass sich ein Professor und Institutsleiter für eine wichtige Studie eines Mitarbeiters beim Regierungschef einsetzt, kommt bestimmt öfter vor, als man denkt.

Trotzdem ist die Korte-Sache hier besonders. Mir ist folgende Passage aufgestoßen. Korte erklärt da, wie ein Untergebener finanziert werden soll, der eine Studie über Rüttgers ersten Regierungsjahre machen soll. Damit der Mitarbeiter seine Dissertation über die „Startphase“ des Ministers schreiben kann, soll eine Drittmittel-Konstruktion geschaffen werden. Der Mitarbeiter soll demnach nach BAT IIa über die Uni von einem Unternehmen bezahlt werden. Miet-Mich-Rüttgers-Kumpel Berger soll sich mit bemühen, eine Firma zu finden. Mit dem Unternehmen soll dann ein Deal eingestilt werden, und zwar so, dass Korte und Mitarbeiter einen Projektantrag an das Unternehmen stellen, den dieses dann genehmigt, und so die Finanzierung als Sponsor sicherstellt. Korte sagt:

Im Hinblick auf die wissenschaftliche Wirkung ist so eine Konstruktion optimal.“

Es sollte also wissenschaftliche Unabhängigkeit vorgespielt werden, obwohl von Anfang an klar war, dass es die Staatskanzlei eng in die Finanzierung eingebunden war. Es ging dem Wissenschaftler nur um den Anschein von Freiheit.

Jedem, der von diesem Kontakt wusste, war klar, Korte ist ein Gefälligkeitsagent. Ein Wissenschaftler, der parteipolitisch gewickelt ist. Niemand, den man ernst nehmen muss. Ein Lobbyist im Gewand des sauberen Akademikers.

Das ist sicher nicht so selten. Ich kann mir vorstellen, dass es viele so Deals gibt. Gerade bei der Finanzierung von Studien.

Aber die Käuflichkeit eines Professors so dargestellt zu finden, ist schon eher selten.

Rüttgers-Kumpel Berger sagte zu, bei der Sponsorsuche zu helfen, wie man weiter lesen kann.

Trotzdem kam es anders. Der Korte-Mitarbeiter bekam für 50.000 Euro einen Werkvertrag beim Rüttgers-Dienst und wurde direkt in der Staatskanzlei beschäftigt. Vielleicht konnte kein Unternehmen gefunden werden, dass bereit war, bei diesem Schmuh mitzutun. Oder vielleicht war Berger sogar die anscheinende Restunabhängigkeit des bezahlten Gutachters egal.

Die Studie kam am Ende zum Schluss, dass Rüttgers ein Landespapi in der Tradition von Johannes Rau werden müsse. Toll.

Kortes Leute kommen irgendwie immer zu diesem Ergebnis. Und Berger irgendwie auch.

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22 Kommentare zu “Das wissenschaftliche Waterloo des Duisburger Uni-Profs Karl-Rudolf Korte

  • #1
    so, so

    ja, so wird das gemacht. Man nehme zum Beispiel den Herrn Miegel der aus Biedenkopfs Dunstkreis entschwindet, in Sachsen zum Professor ernannt wird und dann als Experte für Vieles wieder auftaucht. Bei der SPD ist es dann ein Herr Rürup. Die geneigte Presse berichtet dann viel, allmählich wird der Herr zum „Experten“, tritt in Talkshows auf. Bei soviel Berühmtheit braucht es dann ein Institut (irgendein „Zukunft“ im Namen ist gut) und damit hat man einen „Top-“ „Deutschlands anerkanntester-“ usw. Experten kreiiert, der die Wissenschaftsgläubigkeit des Volkes in die richtigen Bahnen lenkt.

  • #2
    Dr. Morian

    Eine unglaubliche Geschichte. Die Bewertung „kleines Geld“ war hoffentlich ironisch gemeint. 50.000 EURO für 1 Jahr für das Ergebnis für einen „eben noch Studenten“ von Mitte Zwanzig! Das sind 4.000 EURO im Monat. Und er arbeitet ja nicht, sonder schreibt dafür an „seiner“ Doktorarbeit. Zur Erinnerung: Der Bafög-Höchstsatz betrug 2005 585 EURO (Durchschittsbezug 380 EURO je Student), Hartz IV für Singles, die nicht arbeiten konnten, ca. 330 EURO zzgl. Miete.

    Hoffnungsvolle (!!!) Jungwissenschaftler in der Promotionsphase erhalten in der Regel an den Unis Kurzzeitverträge mit einer Vergütung zwischen 1.000 und 2000 EURO. Aber das sind dann auch angehende Physiker, Ärzte, Informatiker, Juristen. Politologen sind natürlich genau so wichtig, aber es dürfte einmalig sein, dass man von dem „Studienobjekt“ dann bezahlt – nein, aus dem Füllhorn überreich bedient – wird. Das ähnelt den Essenern Verhältnissen: Lebenswichtige Transplantationen wurden da ja gegen Geld beschleunigt und verbessert angeboten. Die Studie „Rüttgers ist Rau“ wäre in diesem Sinne eine Transplantation. Dann wäre das Honorar ggf. doch berechtigt!

  • #3
    Helmut Junge

    Was mcht ihr nur? Ihr bösen, bösen Blogger!
    Die Meinung von Professor Korte über die Blogger wird sich durch diesen Artikel
    bestimmt nicht verbessern, wo er doch vor 4 Wochen noch prophetisch über die Blogger gesagt hat:
    „Es ist eine Schmutzkampagne im Gange, die in der politischen Kooperationskultur von NRW neu ist, und da wird noch einiges kommen.“
    Ich weiß aber jetzt endlich, was er mit „politischer Kooperationskultur“ meinen könnte. Allerdings wäre dann nur die Skandalisierung dieser „politischen Kooperationskultur“ neu, zumindest in Deutschland.
    Ich tipp mal drauf, daß er jetzt erst richtig sauer sein wird. Übrigens werden auch
    viele andere, die auch „politische Kooperationskultur“ gestalten, sauer sein.

  • #4
    mao

    Hallo Hr. Schraven,

    ich bin schon ein wenig erstaunt, dass dieser Vorgang, so bedauerlich er auch ist, so eine Überraschung hervorruft.
    Wie hätten Sie gedacht, läuft es denn sonst? Es gibt vielleicht ein paar bekannte und renomierte, finanzielle unabhängige Institute in jedem Fachbereich. Die meisten aber müssen um jeden Euro kämpfen und machen Forschung nach Auftrag, um ihre Mitarbeiter zu finanzieren. So weit ist es mit der Unabhängigkeit von Wissenschaft und Forschung.
    Gib mir Geld, dann mach ich Dir Forschung. Dass das dann ein Gefälligkeitsgutachten ist, wäre nachzuweisen. Tendenziell wird aber häufig ein Gutachten/Studie erstellt, die dem Geldgeber genehm ist. Oder er behält sich vor, die Inhalte nicht zu veröffentlichen, was auch nicht ungewöhnlich.

    Meine Frage ist eher, woher kommt das Geld, wenn es öffentliche Gelder sind?
    Wieso hat die Staatskanzlei dafür Geld?

  • #5
    Tom

    Und da stellen sich noch weitergehende Fragen: Welche wissenschaftliche Arbeiten Porfessor Kortes oder welche Dissertationen seiner Doktoranden sind noch auf Bestellung geschrieben worden und spiegeln Wissenschaftlichkeit nur vor?

    In welchen Ruf geraten diejenigen, die im Umkreis von Prof. Korte seriöse wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht haben? Hat der ehrenwerte Professor mal an diejenigen gedacht, die jetzt dem Verdacht bestellter Auftragsarbeiten ausgesetzt sind?

    Ich würde am Lehrstuhl von Prof. Korte weder eine Magisterarbeit (oder Masterdingens, wie das jetzt heißt) noch eine Doktorarbeit schreiben. Für den wissenschaftlichen Betrieb ist dieser Lehrstuhl für die Uni Duisburg verbrannt!

  • #6
    Aktenhorter

    Die Finanzierung der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften in Deutschland ist sicherlich inzwischen mehr als grenzwertig. Wer heute einen gut dotierten Lehrstuhl samt Forschungsprojekte und Mitarbeiter haben will, der fokussiert sich lieber auf Naturwissenschaften – und verdingt sich als wissenschaftlicher Zulieferer für Unternehmen sein Ding. Da gibt es ja an der Uni Duisburg-Essen ja genug beispiele. Bei den Gesellschaftswissenschaften ist das ein Problem. Das große Denken spielt weniger eine Rolle, weil man es nicht in bare Münze umrechnen kann. Das Korte nun diesen CDU-Weg wählt, ist allerdings völlig inakzeptabel. Mir ist das Nutella-Brot aus der Hand gefallen, als ich gelesen habe, dass auch die Möglichkeit erörtert wurde, das Projekt aus „Fraktionsgeldern“ zu finanzieren. Offenbarer hätte ein Interessenkonflikt nicht sein können. Die SPD täte gut daran, diese Finanzierungspraxis mal unter die Lupe zu nehmen. Oder vielleicht dann doch besser die Grünen, denn die SPD hat ja mit der WestLB Erfahrung in der Quersubventionierung von Parteianliegen.
    Kortes Stellung in der Uni ist ohnehin nicht die beste. Gerade die linken Professoren beäugen Korte schon seit längerem, vor allem, weil sein vermeintlicher Forschungsschwerpunkt Regierungsstile nicht wirklich als theoretisches Unterfangen angsehen wird. Das ist der zweite Skandal, dem sich der Herr Univ.-Professor (allein schon die Hervorhebung des Univ-Professors sagt doch vieles über ihn aus) stellen muss….

  • #7
    mao

    @ Dr. Morian

    Sie verwechseln Brutto mit Netto. Außerdem sind Jungwissenschaftler nicht angehende Physiker …, die haben einen Abschluss und können auch zu gutem Geld sonstwo anfangen zu arbeiten. Und natürlich arbeiten sie und schreiben nebenbei „ihre“ Dissertation. In einem Jahr ist man aber mit seiner Promotion eh nicht fertig. Wenn das Thema des Geldgebers und das eigene Thema viel miteinander zu tun haben, kommt das einem schon gelegen. Aber was glauben Sie, was der Jungwissenschaftler im nächsten Jahr an der Uni macht, das wofür dann ein Geldgeber gefunden wurde.

    zum Geld:
    BATIIa entsprach 2005, Alter 27 ca. 40.000 € Arbeitnehmer-Brutto mit einem Monatsnetto von 1840 €. Arbeitsgeberbrutto und sonstige Kosten (Reise, Biobliotek, Telefon, Computer, …) führen dann zu ca. 50.000 € im Jahr, das kommt ungefähr hin.
    Als wiss. Angestellter hat man dann auch andere Verpflichtungen, gegenüber dem Geldgeber (Bericht, Vortrag), Lehrverpflichtung und vieles mehr.
    Wie im Arbeitsvertrag dann heißt, die Möglichkeit zur Promotion ist gegeben.

  • #8
    himynameis

    Das irgendwie Ekelerregende ist nicht die drittmittelfinanzierte Forschung/Wissenschaft, sondern die Bezahlung einer Arbeit, in der herausgestellt wird, dass der (quasi-)Auftraggeber (der nebenbei auch noch unser Ministerpräsident ist) einfach nur der Tollste ist.

    Und Brutto hin, Netto her… von BATIIa kann jeder Promovierende (dann auch noch Geisteswissenschaftler) nur träumen. Dafür würd ich vielleicht sogar auch so einen Quatsch schreiben.

  • #9
    Sicher

    Jeder der einen 8-semestrigen Uni-Abschluss hat und an einer Uni als Mitarbeiter beschäftigt ist erhält TVL-13, was brutto auch ca. 37.000€ pro Jahr sind.

    so what?

  • #10
    Aktenhorter

    Ich frage mich nur, warum der Asta der Universität Duisburg-Essen sich des Falls nicht annimmt. Offenbar ist auch die politische Vertretung der Studenten mittlerweile vom RCDS unterwandert und hüllt sich in dem, was Konservative immer gerne tun: im Aussitzen. Das Image der Uni Duisburg-Essen als einer der größten politikwissenschaftlichen Fakultäten Deutschlands steht auf dem Spiel, Studierende werden für parteipolitische Alibi-Studien instrumentalisiert – und der Asta kümmert sich höchstens um das alljährliche Studentenfest im Innenhafen.

  • #11
    emden09

    Was einem viel mehr aufstoßen sollte, ist dass Herr Korte Herrn Berger hier bewusst zu einem Verstoß gegen das Parteiengesetz auffordert. Schließlich sollen mit der angedachten zweckgebundenen Spende eines UNternehmens an die Uni-Duisburg Fraktionsgelder der CDU eingespart werden. Was bitte sind illegale verdeckte Parteispenden wenn nicht das? Schade, dass das Parteiengesetz keine strafrechtlichen Vorschriften beinhaltet sonst hätt eich schon eine Strafanzeige gegen Korte wg. „Aufforderung zu Begehung einer Straftat“ geschrieben.

  • #12
    beate

    Sind die Wissenschaftler die dies geschrieben haben gekauft worden?

    Gesamtwirtschaftlich gibt es kein Sparen. Es wird nur Einkommen umverteilt.

    Niemand weiss ob es durch die Umverteilungen zu mehr technischem Fortschritt kommt.

    Nur der technischem Fortschritt macht Wachstum möglich. Ihm verdanken wir unseren Wohlstand.

    Ist es wünschenswert dass Einkommen vom Bergarbeiter zum Geschäftsführer des Steuerzahlerbundes umverteilt wird?

    Es ist nun mal so, Politikwissenschaftler tragen nicht zum Wohlstand dieses Landes bei.

    Herr Clement ist kläglich als Innovator in Nrw gescheitertund hat Multimillionenschulden angehäuft.

    Die tatsächliche Arbeitslosenrate dürfte in Duisburg und Essen mittlerweile die 20% weit überschritten haben.

    Wir hatten uns in Duisburg soviel von der Universität erhofft.

  • #13
    Carsten

    @Aktenhorter: Studentenfest im Innenhafen? Ist mir neu, davon hätte ich was mitbekommen (müssen). So als Student der UDE. Politikwissenschaften, übrigens. Weswegen mir grad ein wenig übel ist.

  • #14
    himynameis

    @sicher: Ah ok, wusste ich gar nicht. Muss mir irgendwie entgangen sein bei den ganzen doch ziemlich prekären Beschäftigungsverhältnissen bei uns am Lehrstuhl, an die man auch noch nicht gerade einfach kommt. Da ist nicht _einer_ dabei, der eine volle Stelle hat, und da sind die wissenschaftlichen Mitarbeiter anderer Institute nun wirklich nicht großartig besser dran.

  • #15
    Bert

    „Erst mit der Veröffentlichung der Dissertation sind alle Leistungsbestandteile des Promotionsverfahrens erbracht.“

    Kann man diese o.g. Dissertation irgendwo einsehen ?

  • #16
    Michael Krüger

    „Kompetenz Garantiert“ heißt es auf Rüttgers‘ Wahlplakat. „Kumpanei Garantiert“ wäre zutreffender.

  • #17
    Dr. Morian

    @mao

    erst einmal ging es mir nicht um brutto und netto, sondern um Dimensionen. Und die sind hier aus den Fugen geraten. Die genauen Daten zu dem Vertrag sind ja noch nicht auf dem Tisch. Aber sei es drum: 4000 brutto sind waren 2005/6 sicherlich ca. 2.300 netto bei Pflichtversicherung, Steuerkl. I. In der Staatskanzlei wird auch auch sonst noch gut versorgt, nur mal so nebenbei! UNd auch, wenn es nur 1.900 gewesen sein sollten,ich frage mich, für was?????

    Das „Korte-Paket“ ist ist im Bereich des wiss. Nachwuchs garantiert nicht der Standard. Es ist ein „rundum-sorglos-Paket“ ohne Beispiel. Jemand der promoviert kann sich ja schon glücklich schätzen, eine Teilzeitstelle zu haben. Zumindest im Bereich der Politik- und Sozialwissenschaften ist das so.

    Da es hier aber ja um eine Gefälligkeitsstudie ging, die ja für 2010 auch intensiv im Wahlkampf mit großem Erfolg genutzt wurde (lesen Sie z.B. die RP oder WAZ), wurde die Vergütung halt auch sehr komfortabel gestaltet. Dazu folgte ja dann auch eine Anschlussfinanzierung, weil das gelieferte Ergebnis ja die Erwartungen von Rüttgers auch erfüllt hat.

    Lassen Sie uns nicht über brutto und netto „streiten“. Das tut hier nichts zur Sache. Die Sache ist unanständig, und zwar moralisch, politisch und wissenschaftlich.

    Wie schrieb doch hier jemand im Blog: Was der rote Filz in 39 Jahren mühsam aufgebaut hatte, wurde in der Ära Rüttgers locker in den ersten Amtsjahren übertroffen. Skrupel gibt es da keine mehr. Aber so lange die meinungsbildende (klass.) Medien still halten, wird das auch keine große Aufregung geben. Wir können gegen diese Korruption leider viel zu wenig ausrichten. Fürchte ich.

    Wäre Korte der SPD nahe, stünde dieser Skandal seit Tagen auf den ersten Seiten der NRW-Tagespresse. Aber wo RP und WAZ walten………..

  • #18
    Bert

    @#17 | Dr. Morian:

    „Wie schrieb doch hier jemand im Blog: Was der rote Filz in 39 Jahren mühsam aufgebaut hatte, wurde in der Ära Rüttgers locker in den ersten Amtsjahren übertroffen.“

    Vielleicht wusste Rüttgers, dass es am 9.Mai 2010 schon wieder vorbei sein wird ? 🙂

  • #19
  • #20
    Anti-Bertelsmann

    Karl Rudolf Korte kommt aus dem Medienmanipulations- und Politikbeeinflussungssumpf des Bertelsmann-Komplexes. Egal welche Parteien gerade an der Regierung sind – Bertelsmann regiert irgendwie immer mit. Korte ist ein Gewächs von Prof. Werner Weidenfeld, heute wohl einflussreichster politik“wissenschaftlicher“ Politikberater Deutschlands, ehemals deutsch-amerikanischer Koordinator unter Helmut Kohl (1987-1999) und seither im Sold von Bertelsmann (ein Unternehmenssponsoring für eine Politikerberatung – dank Gemeinnützigkeitsstatus der Bertelsmann Stiftung auch noch steuerfrei). Weidenfeld fungierte als Mitglied des Vorstands (1992-2007) und des Kuratoriums (1990-2004) der Bertelsmann Stiftung und ist heute Direktor des überwiegend mit Drittmitteln von Bertelsmann finanzierten „Centrum für angewandte Politikforschung“ (CAP) an der LMU München. Korte arbeitete schon seit den 80er Jahren mit Weidenfeld am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz zusammen und war dann an der Gründung des CAP beteiligt, wo er von 1995 bis 2000 die Forschungsgruppe Deutschland leitete. Das CAP und Bertelsmann haben übrigens auch traditionell beste Beziehungen zum ZDF. Schon der damalige ZDF-Intendant Dieter Stolte verhinderte 1999 eine kritische Reportage zur NS-Vergangenheit von Bertelsmann bei 3Sat. Gleichzeitig war er Mitglied im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung und in der Jury des Carl-Bertelsmann-Preises.
    Heute hat Bertelsmann mindestens zwei personelle Verbindungen ins ZDF: Peter Frey, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, gehört gemeinsam mit Prof. Korte zu den „CAP-Fellows“, eine Ehrung, die „das jahrelange und tatkräftige Engagement dieser Persönlichkeiten im Rahmen der Projekte des C·A·P“ auszeichnet. Klaus-Peter Siegloch, Leiter des ZDF Büros in New York, ist Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung.
    Und die Beziehungen zwischen Rüttgers und Bertelsmann funktionieren natürlich auch prächtig: „Soeben hat Rüttgers einen weiteren einflussreichen Medienmann ins Boot geholt: Hartmut Ostrowski, den Vorstandschef der Bertelmann AG, zu der unter anderem die RTL-Sendergruppe, Buchverlage und die Mehrheit an Gruner + Jahr gehören. Er darf in zwei Wochen zur Bundesversammlung fahren, um als von der CDU-Landesregierung nominierter Wahlmann den Bundespräsidenten zu wählen.“ (taz, 09.05.2009).
    Auch Martin Florack, für dessen Studie Boris Berger und Korte einen Sponsor suchten, forschte schon für Bertelsmann: „…engagierte er sich von 2000 bis 2003 in der „Bertelsmann Forschungsgruppe Politik“ in dem Projektbereich: Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union.“
    http://www.karl-rudolf-korte.de/xd/public/content/index.html?pid=222

    Die Empfehlungen der Bertelsmann Forschungsgruppe Politik nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits auf Veranstaltungen der Bertelsmann Stiftung zur Kenntnis. Merkel präsentiert sich offen als Freundin von Bertelsmann-Erbin Liz Mohn. Die Milliardärsfamilie Mohn kontrolliert sowohl die Bertelsmann Stiftung als auch den Bertelsmann-Medien-Konzern (RTL, Gruner+Jahr, Spiegel, Stern, FTD….). Und 2002 lobte bereits Bundeskanzler Gerhard Schröder „die gewachsene Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und dem Bundeskanzleramt“. Damit spielte er wohl auf die Tatsache an, dass schon Helmut Kohls Kanzleramts-Vize-Chef Horst Teltschik sich von der Bertelsmann Stiftung beraten ließ, deren Geschäftsführung er dann 1991 übernahm.

  • #21
    lebowski

    „Vor ein paar Tagen hat der Wir-in-NRW-Blog einen Email-Austausch zwischen dem Duisburger Politikwissenschaftler Duisburger Politikwissenschaftler und dem engsten Vertrauen von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), Boris Berger, gebracht.“

    Hä?

  • #22
    Kritikaster

    Niemand, der die Entwicklung der deutschen Universitäten und die der Politikwissenschaft im Besonderen beobachtet, wird über die damit einhergehende Eliten-Verflechtung zwischen Politik, Wissenschaft, Ökonomie und Medien überrascht sein. Im Gegenteil, gerade der „Aufbau von Governance-Schulen“ (Karl-Rudolf Korte), welcher einen neuen Typus von Führungsnachwuchs produzieren soll, hat doch gerade zum Ziel diese Interessenverflechtung weiter zu forcieren. Damit einher geht eine substanzlose Politikwissenschaft, die sich jeglicher kritischen Inhalte enthält und eben lediglich noch Politikmanagement ist. Damit lassen sich dann auch hohe Summen an Drittmitteln für eben diese Projekte und ihre smarten Protagonisten einwerben. Und dann wundern sich dieselben Personen über die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung.

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