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„Definierter als“: Mbembe & Bang

Achille Mbembe Foto: Heike Huslage-Koch Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von unserem  Gastautor Thomas Wessel.

„Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“, die Zeile stammt von dem Rapper  Farid Bang, er hat viel Prügel eingesteckt dafür, im Feuilleton war er durch. Bis gestern dachte man, vollkommen zurecht, jetzt, zwei Jahre später, eilen Bang, diesem brillanten Musiker, mit renommierten Preisen überschüttet usw., Dutzende Wissenschaftler zu Hilfe, sie haben einen Aufruf gestartet: „Solidarität mit Farid Bang“, darin heißt es:

„Ohne die vergleichende Betrachtung wäre ein Erkenntnisgewinn grundsätzlich nicht möglich. Unseren Kollegen dafür der Verharmlosung der Shoa (…) zu bezichtigen, stellt eine fundamentale Grundlage der Wissenschaft in Frage und ist deshalb falsch. Historische Vergleiche, die ja dazu dienen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Ereignissen, Diskursen und Prozessen herauszuarbeiten, sind nötig und legitim.“

Na also, Farid, geht doch, „Aleida Assmann hält das ‚Instrument des Vergleichens‘ für unverzichtbar“, so erklärt uns das der Deutschlandfunk: „‚Wir müssen vergleichen können‘, sagt Assmann, ‚wir dürfen nicht gleichsetzen.'“

Machen wir, vergleichen wir Farid Bang mit Achille Mbembe – die Soli-Adresse der Wissenschaftler/innen gilt natürlich ihm, dem brillanten Denker usw. – und stellen sine ira fest:

Bang hat – Assmann gelesen? – hat keineswegs behauptet, sein Körper sei genau so definiert wie, sondern definierter als. Ein Vergleich ohne Gleichsetzung, wie er unverzichtbar ist und legitim, wie auch Mbembe weiß. Ihm wurde öffentlich vorgeworfen, er hätte die NS-Vernichtungspolitik mit dem südafrikanischen Apartheidstaat gleich gesetzt, wir haben nachgelesen: Nein, hat er nicht, er hat gesagt, Holocaust und Apartheid-Südafrika seien „zwei emblematische Manifestationen“ ein- und desselben Trennungswahns.

Und jetzt genau lesen, er hat „zwei“ gesagt, nicht „eins“, so geht Denken. Anderes Beispiel, Schauspielhaus Düsseldorf, Mai 2019, Mbembe klärt auf über Camps, Konzentrationslager:

„We thought we have dealt with it, with the Holocaust, that it was over, that we have burried the camp. No, we haven’t burried the camp, we have never had as many camps as we have today in the planet.” („Wir dachten, wir hätten uns damit befasst, mit dem Holocaust, dass er vorbei sei, dass wir das Lager begraben hätten. Nein, wir haben das Lager nicht begraben, wir hatten noch nie so viele Lager wie heute auf diesem Planeten.“)

Wieder genau lesen, Mbembe setzt nicht gleich: Die Nazis betrieben sieben Vernichtungslager, 980 KZ, 1150 Ghettos, 30 000 Arbeitslager zzgl weiterer Lager, insgesamt 42 500, Mbembe sagt: „There have never been as many camps in our world as today.“ Wo? “Most of them in Europe. There are here in Europe.” („Noch nie gab es so viele Lager in unserer Welt wie heute“. Wo? „Die meisten von ihnen in Europa. Es gibt sie hier in Europa.“)

Die Disziplin nennt sich Vergleichende Kolonialismusforschung, noch ein Beispiel: Die Ruhrbarone als erste haben behauptet, Mbembe setze das südafrikanische Apartheidregime, eben noch mit dem NS-Staat verglichen, im selben Gedankengang sehr wohl mit Israel gleich, stimmt das? Wieder der wissenschaftliche Blick, wir lesen zuerst, was er nicht schreibt, Mbembe schreibt nicht, „die Auswirkungen des israelischen Projekts auf den palästinensischen Körper“ seien genau so gewaltig wie die des südafrikanischen Apartheidregimes auf Nicht-Buren. Steht da nicht, jetzt stehen die Ruhrbarone blöd da, Mbembe schreibt, die Auswirkungen seien „viel gewaltiger“.

Bang würde sagen: definierter als.

Wenn Mbembe was mit was vergleicht, dann reflektiert wie Bang. Wissenschaftlich gesehen, dies das Fazit des Vergleichs, handelt es sich bei Mbembe und Bang um zwei emblematische Manifestationen in ein- und demselben Echo-Raum.

RuhrBarone-Logo

6 Kommentare zu “„Definierter als“: Mbembe & Bang

  • #1
    MARTIN MAHADEVAN

    Wenn sich der grosse Gelehrte Prof. Mbembe
    anscheinend nicht für sein blühendes Heimatland
    Kamerun zu interessieren scheint, sollte er
    sich doch wenigstens mit den Verhältnissen im seinem Gastland Südafrika beschäftigen : Die
    übliche grassierende Korruption, extreme Gewalt
    und eine hohe Geburtenrate, die die himmelschreiende Armut immer weiter verschärft.
    Aber das tut der mutige Wissenschaftler natürlich
    nicht, weil ihm sonst der Geldhahn zugedreht würde. Lieber Israel bashen, weil das in seinen
    Kreisen Volkssport ist. Dann gibt es auch wieder
    die nächste lukrative Einladung in die BRD.
    War der nach seinem Auftritt im Düsseldorfer
    Schauspielhaus noch richtig schick Shoppen
    auf der KÖ ? Würde haargenau zu so einem pseudolinken Heuchler passen !

  • #2
    defrob

    Was für ein erbärmlicher Beitrag, der insbesondere von der Unkenntnis von Mbembes Arbeiten und darin entwickelten Positionen zeugt. Die polemische Provokation, einen der gegenwärtig bedeutsamsten Schwarzen Intellektuellen vom afrikanischen Kontinent mit einem peinlichen, schlechten, antisemitischen Pseudo-G-Rapper zu vergleichen. Aber wenn es hilft, eindimensional Positionen auf der Basis von Unwissenheit zu stützen, wird es sicherlich seinen Sinn haben 😉

  • #3
    Stefan Laurin

    @defrob: Je mehr ich von Mbembe lese, umso mehr schließe ich mich Kaube von der FAZ an: "Achille Mbembe mag daherreden, wie er will. Es kommt auf einen törichten Intellektuellen mehr oder weniger nicht an. Aber es ist bedauerlich, dass Verlagslektoren, Stiftungskomitees, Festivalleiterinnen und womöglich sogar Kulturbeauftragte in Ministerien nicht lesen, was dasteht. Dass sie sich nicht die Zeit nehmen zu prüfen, wen sie zu einer großen Figur erklären. Gar zu einer moralischen Instanz. Wir haben schon bessere Beispiele dafür gesehen."

  • #4
    Thomas Wessel

    @defrob | Über Mbembes Positionen diskutieren? Gerne, am besten, Sie erklären mir, wo genau Sie hier einen Unterschied erkennen: Farid Bang (für den ich nichts übrig habe) und Achille Mbembe setzen beide die Leiden der Menschen in den Lagern der Nazis in Relation – der eine zu sich selbst, der andere zu … tja, irgendwas in Europa.

    Beide Vergleiche sind, vorsichtig gesagt, unangemessen. Beide relativieren sie den Holocaust.

    Der eine bezieht Prügel, der andere Verständnis. Warum? Was hat Bang falsch, was Mbembe richtig gemacht?

  • #5
    Jack T

    @ Martin Mahadevan

    Ich weiß nicht viel über Kamerun und es liegt mir fern dessen Probleme kleinzureden. Aber kommen wir mal zu den Basisdaten. Kamerun: ca 25 Mio Einwohner auf 475 000 km2 , Deutschland: 83 Mio Einwohner auf 357000 km. Alle Achtung, da kann sich Kamerun noch eine Scheibe abschneiden, haben sich also mal vermehrt wie die Karnikel, diese Deutschen. Korruption: In Deutschland heißt das zwar mitunter anders, wenn die Großen aus der Wirtschaft ihre Wünsche direkt der Politik mitteilen oder wenn sie sich Steuersparmodelle aufstellen lassen und ihr Geld auf irgendwelchen Karibikinseln parken, ohne das die Politik allzu viel dagegen unternommen hat ; ) Was den Gesamtwert dieser Gelder betrifft, recherchieren Sie den mal selbst nach. Aber ich bin sicher dass auch in dieser Konkurrenz Kamerun hier ehrfürchtig das Haupt beugend den Deutschen den Vortritt lassen muss. Aber jetzt mal zu Kamerun: Wenn es dort so läuft wie in den meisten afrikan. Staaten, dann gibt es da idealerweise ein paar Warlords oder einen Militärdiktator o. s. ä, ich bin jetzt mal zu faul das nachzuprüfen, aber Sie werden mir das verzeihen, denn Sie haben sich ja wahrscheinlich auch nicht besonders zu Kamerun belesen, und klar sind die wahnsinnig korrupt und gewalttätig, keine Frage. Aber raten Sie mal wo die ihre Waffen kaufen? Mensch, Sie haben es erraten. Das sind gute Kunden. Und mit den Waffen murksen Sie ihre Bevölkerung ab und lassen sie Diamanten, seltene Erden usw ausgraben. Für wen? Mensch, Sie haben es erraten. Mit denen bezahlen Sie ihre Waffen, und es bleibt auch noch was für den Hausstaat der lieben Herren Diktatoren übrig, mindestens ein paar Luxuskarrossen und den neuesten Schrei in der Wohnraumausstattung, Marke Trump- Tower, das Studium der Söhne in Paris, Oxford, Westpoint oder Sandhurst. Europäer u Amerikaner wissen eben was unseren afrikanischen Häuptlingen gefällt. Sicher, viele Klischees, aber leider viele davon sehr zutreffend. Merke: zu korrupten afrikan. Politikern gehören auch immer wieder Leute die sie korrumpieren. Apropos Deutschland: bevor ihr zu weit den Mund aufreißt, mir ist da zu Ohren gekommen, ihr wart auch mal in Kamerun zu Besuch, bevor euch Briten und Franzosen abgelöst haben, ihr seit da bestimmt noch in guter Erinnerung, habt ihr euch da eigentlich schon oft genug ( oder überhaupt) entschuldigt? und Wiedergutmachungszahlungen geleistet? Oder meint ihr die mit euren Entwicklungshilfegeldern und Heckler und Koch Gewehren für deren Diktatoren schon abgeleistet zu haben? Und habt ihr vielleicht noch ein paar Kunst – u Kulturgüter aus Kamerun in euren Museen stehen, die ihr in Kamerun "erworben" habt? Und nun hofft ihr also die Juden für euren Genozid, den ihr an ihnen begangen habt, zu entschädigen, eure Schuld zu kompensieren indem ihr Israel gegen jede Kritik am Landraub an den Palästinensern abschirmt (Glaubt ihr das wird euch wieder reinwaschen)? Solche Schuldgefühle hegt ihr ( Deutsche u Europäer insg) seltsamerweise Afrikanern gegenüber nicht. Warum nicht? Wir sind auch zu Millionen durch eure Gewehre gestorben und tun es noch heute. Und zum Dank bekommt ihr unsere Bodenschätze.

  • #6
    Jan Braunholz

    Angesichts der gravierenden rassistischen Gewaltexzesse in den Townships wird die Apartheitskeule Mbembes schnell zum Bumerang und ihn und seinesgleichen der WITS-Uni in Joburg !

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