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Der Meisterzwang ist ein Geschenk für Marktversager

Handwerker Foto: Johann Jaritz – Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über Holzspielzeug berichtet wird, das in deutschen Kinderzimmern für Massaker unter Neugeborenen sorgt, über Fliesen, an deren Kanten Gliedmaßen ganzer Städte verloren gehen und Orgeln, deren Luftzug Menschen einsaugt und kümmerlich verenden lässt.

Der Meisterzwang wird tausende von Leben retten, das ist sicher.

Rückblende:

Der Meisterzwang galt in Österreich bis ins Jahr 2000, in der nördlich von Österreich gelegenen, juristisch oft etwas rückständigen Republik bis ins Jahr 2004. Mit der Handwerksrechtsnovelle 2004 wurde der Meisterzwang für 53 Berufsbilder abgeschafft. Ziel war damals, Schwarzarbeit einzudämmen und den Marktzugang für Handwerker zu erleichtern. Gegner monieren seither, dass Kundinnen und Kunden der so legalisierten Handwerksarbeit ausgeliefert sein und dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstelle.

Und ja, Holzspielzeug kann Leben kosten, wenn es beispielsweise explodiert. Das passiert einfach nur ausgesprochen selten.

Erhalten blieb die Meisterpflicht bei zulassungspflichtigen Berufen, von deren Handwerk Gefahr für Leib und Leben ausgehen kann. Die Regelung ist sinnvoll, genau an dieser Stelle müssen Verbraucherinnen und Verbraucher geschützt werden. Welche Gefahr jedoch von Leuchtreklame und Innenausstattung, beides ab 2020 wieder meisterpflichtig, ausgeht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Bei allen sonstigen Berufen jedoch regelt der Markt die Nachfrage, das hat die damalige Bundesregierung gut erkannt. Meisterbetriebe können weiterhin Dienstleistungen anbieten und der Kunde kann frei wählen. Überzeugt die Qualität, so zahlt er oder sie den höheren Preis. Überzeugt sie nicht oder möchte man sparen, so wählt man irgendeinen Handwerker.

Ähnlich wie der Einzelhandel, der seit Jahren über die Konkurrenz aus dem Internet jammert und diese erst dadurch provoziert hat, von Kundinnen und Kunden völlig abgehobene Fantasiepreise verlangt zu haben, ist auch das deutsche Handwerk selbst für die Situation verantwortlich.

„Oh, oh, oh, das wird teuer…“ gilt als einer der ersten Sätze, die deutsche Handwerker in der Ausbildung lernen. Wer jemals mit Handwerkern gearbeitet hat weiß, je deutscher das Unternehmen, desto unbezahlbarer der Preis. Das Jammern über die Konkurrenz ist selbst verschuldet. Wer Protektionismus ausnutzt, wird dafür in einer freien Marktwirtschaft abgestraft.

Auch das Argument, dass Meister ausbilden dürften und man somit das Handwerk fördere, ist aus mehreren Gründen völlig unhaltbar. Im Jahr 2018 blieb nahezu jede zehnte Ausbildungsstelle unbesetzt (Spiegel), es kann also kaum von einem Ausbildungsplatzmangel gesprochen werden. Auch ist es völlig absurd anzunehmen, dass mit der Meisterpflicht die Bezahlung im Handwerk attraktiver würde.

Ich arbeite in der Baubranche, es ist aktuell nahezu unmöglich, überhaupt an Handwerker zu gelangen. Die Auftragsbücher sind voll, die aufgerufenen Preise verschlagen jedem Ökonom den Atem. An welcher Stelle hier ein staatlicher Eingriff notwendig ist, bleibt völlig unklar.

Die Einführung der Meisterpflicht ist nichts weiter, als ein Klientelgeschenk, das jeder rationalen Grundlage entbehrt. Auch das Handwerk muss marktwirtschaftlich handeln und das eigene Vorgehen rationalen Grundsätzen unterwerfen. Die aktuelle Marktlage zeigt, dass dies den meisten Betrieben auch gelingt. Der einzige Effekt der Meisterpflicht wird jener sein, dass die Schwarzarbeit erneut zunehmen und sich insbesondere Geringverdiener keine Handwerker mehr werden leisten können. Handwerkerinnen und Handwerker, die bei der aktuellen Marktlage staatlichen Protektionismus benötigen, sollten hingegen dringend ihre Eignung hinterfragen. Es ist völlig unanständig, dass Kundinnen und Kunden jeden Tag im Wettbewerb bestehen müssen, Handwerker jedoch vor diesem geschützt werden sollen.

 

 

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2 Kommentare zu “Der Meisterzwang ist ein Geschenk für Marktversager

  • #1
    Frank

    Meisterzwang ist in der heutigen Zeit verkehrt.
    Bei der Auftragslage und Wartezeit für Kunden undenkbar. Gerade bei Fliesemleger sind die Lehrlinge an der Hand abzuzählen, nur noch wenige wollen den Beruf noch Lernen. Das heißt, in ein paar Jahren gibt es keine Fliesemleger mehr.
    Aus Erfahrung, ein Meister gewährt schon lange keine saubere und gute Arbeit. Ich würde Schulungen anbieten auch bei Gas und Wasserinstallateure. Ich bin 50 Jahre alt und wollte mich Selbständig machen da eine große Wohngesellschaft mit meiner Arbeit sehr zufrieden war und mir die Chance zu geben auf eigene Beine zu stehen, leider stellte sich heraus das mein Arbeitgeber keine Sanitärarbeiten machen durfte und mir die Hndwerkskammer verwerten den Altgesellen Bonus zu bekommen. Aber gegen meine ex Firma haben sie nichts Unternommen obwohl es ilegal war. Es gibt auch Meisterfirmen die es nicht hinbekommen ein Bad zu planen. Mir machte das riesigen Spaß und wurde nicht gestattet, was ich damit jetzt meine ist das es auch unter Meisterfirmen schwarze Schafe gibt.

  • #2
    abraxsrgb

    Das "Handwerk" hat sich doch selbst in die missliche Lage gebracht keine zufrieden stellende Service-Qualität zu liefern.
    Wer gute Qualität liefert, der hat auch seinen Kundenstamm oder auch Stammkunden 😉

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