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Der Westen: Kein Problem mit „Judennase Lafontaine“?

In einem Kommentar auf Der Westen wird Linken-Chef Oskar Lafontaine als Judennase beschimpft. Die Moderatoren handeln nicht - seit Stunden

Es sind nicht gerade die hellsten Köpfe, die sich in den Kommentarspalten bei Der Westen tummeln: Gerade in der Nacht sammeln sich dort Radikale, Verschwörungstheoretiker und andere Spinner. Irgendwann kommen dann die Moderatoren und räumen den ganzen Dreck weg. Heute ist das anders. Ein "Ludwig" schreibt dort unter einem Artikel über Lafontaine: "Es gibt Menschen, die sind einfach nur "ein schäbiger Lump". Nichts weiter. Lafontaine hat es vorgelebt. Er hat seine gesamte Kraft darin gesetzt, dem Deutschtum zu schaden. Seine spitze Judennase hat es gezeigt. Alles gegen Deutschland!"

Mittlerweile fordern mehrere Kommentatoren die Löschung des Beitrags von Ludwig, der seit zehn Stunden online ist. Einer droht mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung. Und Der Westen? Hat einen neuen Tiefpunkt in seiner Geschichte erreicht. Noch nie gelang es den Moderatoren, dort für eine Diskussionskultur zu sorgen, die einem Medium dieser Größe angemessen wäre. In der Niveaulosigkeit seiner Kommentare bleibt sich Der Westen treu.

Update: Dass der Westen erst nach zehn Stunden und unserer Aufforderung via Twitter den Kommentar löschte, macht die Sache nicht besser.

In einem Kommentar auf Der Westen wird Linken-Chef Oskar Lafontaine als Judennase beschimpft. Die Moderatoren handeln nicht – seit Stunden

Es sind nicht gerade die hellsten Köpfe, die sich in den Kommentarspalten bei Der Westen tummeln: Gerade in der Nacht sammeln sich dort Radikale, Verschwörungstheoretiker und andere Spinner. Irgendwann kommen dann die Moderatoren und räumen den ganzen Dreck weg. Heute ist das anders. Ein „Ludwig“ schreibt dort unter einem Artikel über Lafontaine: „Es gibt Menschen, die sind einfach nur „ein schäbiger Lump“. Nichts weiter. Lafontaine hat es vorgelebt. Er hat seine gesamte Kraft darin gesetzt, dem Deutschtum zu schaden. Seine spitze Judennase hat es gezeigt. Alles gegen Deutschland!“

Mittlerweile  fordern mehrere Kommentatoren die Löschung des Beitrags von Ludwig, der seit zehn Stunden online ist. Einer droht mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung. Und Der Westen? Hat einen neuen Tiefpunkt in seiner Geschichte erreicht. Noch nie gelang es den Moderatoren, dort für eine Diskussionskultur zu sorgen, die einem Medium dieser Größe angemessen wäre. In der Niveaulosigkeit seiner Kommentare bleibt sich Der Westen treu.

Update: Dass der Westen erst nach zehn Stunden und unserer Aufforderung via Twitter den Kommentar löschte, macht die Sache nicht besser.

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25 Kommentare zu “Der Westen: Kein Problem mit „Judennase Lafontaine“?

  • #1
    teekay

    Mal abgesehen vom Inhalt zeigt das natuerlich mal wieder wie Zeitungen und Internet zueinander stehen: Von, sagen wir mal, 22h bis morgens um 8h gibt’s halt keine Moderation-wer ist denn da auch auf?! Zeitungen hat man ja auch erst am fruehen Morgen im Briefkasten…Wer es ueber sich bringen kann mal einige Kommentare bei der WELT online zu ueberfliegen wird ein ganz aehnliches Problem sehen…tiefer im Niveau und brauner geht es legal kaum noch…Meinungsfreiheit? Legeres ’so sind unsere Leser halt‘? Oder sollte man solche Kommentare zum Anlass nehmen auf diese online Zeitungen nicht mehr zu zugreifen (mal abgesehen davon, dass ich kein Fan der WELT bin…)?

  • #2
    Franz Przechowski

    Das Niveau der Kommentare, soweit überhaupt meßbar, ist „weit unter Null“. Man möge sich nur die Beiträge, egal zu welchem Thema, im Lokalteil für Gelsenkirchen ansehen. Einfach schrecklich deprimierend für jeden positiv denkenden Menschen in dieser Stadt. Hatte auch schon darüber nachdedacht, der Redaktion ein Rebranding vorzuschlagen. Statt „Der Westen“ wird der offensichtliche Markenkern mit „Im Sumpf“ pointierter getroffen. Dort geht man auch ganz langsam unter, wenn man hineingerät.

  • #3
    ali

    Das Ganze ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass der ganze Anspruch von „der Westen“ ein Riesen-Popanz ist. Die haben ja am Anfang zu getan als würden sie den Internet-Journalismus neu erfinden. Und sind kläglich gescheitert. Selbst kleinere Zeitungen sind zehnmal besser und aktueller als „der Westen“, insbesondere im Lokalen. Hochmut kommt halt vor dem Fall. Und die unsäglichen Kommentare gehören dazu. Jeder hat halt die Kommentatoren, die er verdient. (Das ist zugleich ein verstecktes Lob für die Ruhrbarone. Denn dort zeigt sich, dass man auch niveauvoll meckern kann).

  • #4
    Detlef Obens

    Eigentlich ist „der westen“ ein ganz gut gemachtes Infoportal im Internet! Allein die Kommentare, welche wie dieser hier genannte, oftmals stunden-manches Mal-tagelang dort verbleiben, macht es mitunter unerträglich. Insbesondere, wenn es um Themen „rund um die Linke“ geht. Aber auf der anderen Seite zeigt es auch, welche Emotionen diese Partei auslöst. Sei es im Positiven, oder aber, wie meisstens, im Negativen.Viele Menschen hat diese Partei enttäuscht und sie nutzen daher solche Internetportale zur eigenen Abrechnung. Der heutige Kommentar(Judennase) ist sicher jeder weiteren Kommentierung unwert! Die Presse sollte sich endlich mal offen dieser Partei, gemeint ist die LINKE, annehmen. Offensiv, kritisch, ehrlich und informativ. Es gibt sicher viel zu berichten, sofern man denn will!

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Wie man richtig mit Kommentaren umgeht, kann man gerade in bei der Zeit beobachten: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-01/antisemitismus-bericht-israel

    Dort diskutieren die Autoren zwar nicht mit, aber die Ausfälle sind schnell weg und gelöscht wird mit einer vernünftigen Begründung. Wir löschen im Falle eines Falles vor der Freischaltung (insgsamt aber sehr selten), erklären nichts, aber schreiben zum Teil die Kommentaoren an, wenn wir glauben, dass es nur ein Ausrutscher war. Das kommt bei Beleidigungen etc. vor. Und ab und an wirkt es sogar: Wir haben heute noch ein paar Kommentatoren, denen wir einmal erklärt haben, dass wir ihre Meinung bei uns gerne sehen würden, aber ohne persönliche Angriffe. „Konrad“ hätten wir aber nur gelöscht.

  • #6
    Daniel Behmenburg

    Ja, schon traurig. Aber wehe man postet dort einen sachlichen Kommentar, der aber durchaus Kritik an der WAZ-Mediengruppe enthält. Der ist dann so etwas von schnell weg und man findet dort nur noch den kurzen Hinweis „editiert“ Dann sollte man doch so ehrlich sein und „zensiert“ sagen.

    Die WAZ Kommentarfunktion ist mE vollends aus dem Ruder gelaufen. Es sollten nur registrierte User kommentieren dürfen, die sich via Personalausweiskopie zweifelsfrei identifiziert haben.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Daniel Behmenburg: Ich kann bei vielen Kommentatoren verstehen, dass sie anonym bleiben wollen – zum Beispiel wenn sie eine Firma kritisieren bei der sie arbeiten. Das ist OK. Mann kann aber durch gezielte Löschungen und die Diskussion mit den Lesern ein gutes Niveau bei den Kommentaren hinbekommen. Das zieht dann auch Leser an die, die streitbar sind, aber niemanden beleidigen wollen. Und erst dann wird es richtig spannend auf einer Seite.

  • #8
    Daniel Behmenburg

    @Stefan Laurin : Vollkommen richtig, die sollen ruhig weiter unter einem alias schreiben können, aber der wirkliche Name soll dokumentiert sein. Natürlich mit allem was an Datenschutzbestimmungen dazu gehört.

  • #9
    Hans Czinzoll

    Niveauvoll und keimfrei zu kommentieren ist nicht jedermanns Sache. Meinungsfreiheit bietet auch die Chance der größtmöglichen Selbstentlarvung. Das Problem ist die Anonymität.

  • #10
    Thorsten

    Frau Borchert hat hier definitiv einen Scherbenhaufen hinterlassen. Im Dortmunder Lokalforum agitiert schon seit Beginn von derwesten.de der rechte Mob und beansprucht Meinungsführerschaft und Stammtischhochheit. Grauenvoll.

  • #11
    tom59

    Eigentlich gibt die Kommentarspalte nur das Niveau einiger Redakteure und des Internetportals – der Westen – wieder. Ich finde auch, dass Fr. Borchert nichts bewegt hat. Bei der Waz ist vieles aus dem Ruder gelaufen. Dieses Schiff dürfte bald untergehen.

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Tom59: Ich glaube das hat mit den Redakteuren nichts zu tun, sondern liegt eher am Konzept, dass extrem offen ist – und das geht nur auf Kosten der Diskussionskultur.

  • #13
  • #14
    JK

    DerWesten ist shcon unter aller sau, man kann dort wirklich beobachten wie die Redaktion hetzt. Dort wir auch immer nach einem Schema gearbeitet. Ausländer Artikel, Hartz4, Die Linke, dann so billige Auto tests, dann bisschen was Lokales, dann wieder von Vorne. Man kann es immer beobachten. Den Artikel muss man eh nich lesen, da steht nichts Informatives drin.

    Die Welt ist auch nich besser, aber wer Liest die schon 😀

    Sonst könnte ich den Rest so unterschreiben der hier so steht 🙂

  • #15
    Arnold Voß

    Ich glaube es gibt auch bei Bloggern soetwas wie ein Quotenproblem.Wer auf möglichst viele Besucher aus ist lässt einfach mehr Flach- und Dumpfheit zu bzw. ist er dazu gezwungen.

    Wenn alles obendrein micht viel kosten soll, dann wird bei der Moderation an Zeit und Qualität gespart.Und da es auch in der Bloggosphäre nur wenige besonnene, qualifizierte und zugleich streitbare ja wohlmöglich sogar noch amüsante Kommentatoren gibt, muss man sich dann über das Gesamtergebnis nicht wundern.

  • #16
    Jenner

    „Gerade in der Nacht sammeln sich dort Radikale, Verschwörungstheoretiker und andere Spinner.“

    Man kann doch wohl kaum eine 24/7 Moderation fordern ?

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jenner: Nö. Erst lesen – dann freischalten. Das kann einer locker in der Nachtschicht machen und wenn nicht wird eben tief in der Nacht nicht freigeschaltet. Über das Freischalten bekommt man die Spinner weg.

  • #18
    Michael Kolb

    „Welt“? Nö, die lese ich auch nicht, nur gelegentlich „Welt-kompakt“, ich bin eben bereit für eine neue Zeitung 😉 Aber mal am Rande, deaktiviert nicht gerade „Welt“ die Kommentarfunktion nach 22.00 Uhr oder verwechsel ich das gerade mit der „Zeit“? Bevor ich nicht berichtigt werde ist die „Welt“ für mich also eher ein positives Beispiel, wie man eine 24/7 Kommentarfunktion mit arbeitnehmerfreundlichen Moderatorenzeiten in Einklang bringen kann.

    Die Geschichte ist natürlich ziemlich unappetitlich… Ich bin ja gerne mal naiv, hält man sich die Vorgehensweise bei der straf- und zivilrechtlichen Verfolgung von filesharing vor Augen, so besteht immerhin die Möglichkeit, daß der unsägliche Krempel nur deshalb so lange online stand, bis Beweise gesichert werden konnten… aber wahrscheinlich ist das nur Wunschdenken

  • #19
    derHöpp

    Passend dazu fiel mir soeben folgender Artikel auf „derWesten“ ins Auge: http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/Saufen-beim-Laufen-finden-Jugendliche-cool-id2439196.html
    Wunderschön, wie die gute Dagmar von H. Ihre Aussagen „sagt“ und der Mann mit dem ausländisch-anmutenden Namen lediglich „behauptet“.

  • #20
    ali

    Noch ein Beispiel für die Aktualitätspflege beim Westen. Zur Zeit läuft dort eine Umfrage zum Thema Winter mit der Einleitung „Es taut überall an Rhein und Ruhr“. Und das direkt unter dem Wetterbericht, der aktuell -8 Grad verkündet.

  • #21
    Jens Kobler

    Viel schöner finde ich die im Technik-Teil versteckte Leserschaftsschelte: http://www.derwesten.de/kultur/Streitschrift-beklagt-scheussliche-Gemetzel-im-Netz-id2431522.html
    Den angesprochenen Spiegel-Artikel finde ich nicht im Netz, aber älteres wie das hier:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49533682.html
    Und das Ding aus der Süddeutschen hier:
    http://www.sueddeutsche.de/computer/783/501044/text/
    Da ist er wieder, der „Digitale Maoismus“! Komisch, dass er auch „Altlinke“ trifft. :))

  • #22
    Jens

    @Stefan (17):

    Erst lesen – dann freischalten. Das kann einer locker in der Nachtschicht machen und wenn nicht wird eben tief in der Nacht nicht freigeschaltet. Über das Freischalten bekommt man die Spinner weg.

    Naja, das diese Methode nicht unbedingt sinnvoll ist, habe ich ja schon einige Male erklärt.

  • #23
    Louis

    Da wird ein 13-jähriges Mädchen vermisst, ein Foto mit dazugestellt…

    …und den Kommentatoren zum Fraß vorgeworfen, wieder ohne dass ein Moderator einschreitet:

    http://www.derwesten.de/staedte/essen/13-jaehriges-Maedchen-seit-drei-Wochen-vermisst-id2651488.html

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