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Der zweite Weltkrieg: Griechenland gelingt der erste Sieg gegen eine Achsenmacht

Griechische Artillerie im griechisch-italienischen Krieg im November 1940 Foto: Unbekannt: Lizenz: Gemeinfrei

Heute vor 80 Jahren überfiel Italien Griechenland. Das Ergebnis was die erste Niederlage einer Achsenmacht im zweiten Weltkrieg.  Griechenland zerstörte den Nimbus der Unbesiegbarkeit der Achse.

Im Oktober 1940 galten Deutschland, Italien und Japan, die Achsenmächte, als unbesiegbar: Polen, Frankreich, die Niederlande und viele weitere europäische Staaten waren gefallen. In China marschierte Japan brutal vor. Die Luftschlacht um Großbritannien lief noch. Zwar war die Invasion verschoben worden, aber die Luftwaffe griff jede Nacht britische Städte an und deutsche U-Boote gefährdeten die Versorgung Großbritanniens durch ständige Angriffe auf Konvois im Atlantik.

Bereits im Jahr zuvor war Italien in Albanien einmarschiert. Nun war er zu seinem nächsten Schlag bereit um seinem Ziel, aus dem Mittelmeer das italienische „Mare Nostrum“ zu machen. Italien hatte Griechenland ein Ultimatum gestellt: Das Land sollte einen Einmarsch der italienischen Streitkräfte erlauben. Ioannis Metaxa, der autoritäre Staatschef Griechenlands lehnte das Ultimatum trocken mit einer Antwort auf französisch ab: „Alors, c’est la guerre“ („Nun, dann ist Krieg“). Die griechischen Tageszeitungen titelten „Ochi“, auf griechisch nein. Nun war Griechenland im Krieg und seine Niederlage schien wahrscheinlich. Griechenland hatte mit knapp neun Millionen Einwohnern nicht einmal ein Viertel der Bevölkerung Italiens. Seine Armee war technisch rückständig, fast einer halben Million italienischer Soldaten standen gerade einmal 300.000 griechische Truppen entgegen. Das Land verfügte nur über 127 moderne Flugzeuge und im Gegensatz zu Italien über keine Panzer. Großbritannien unterstützte Griechenland jedoch durch die Übersendung mehrerer Flugzeugstaffeln.

Hitler war von dem italienischen Angriff auf Griechenland überrascht worden. Mussolini, der von Hitler über seine Angriffe ebenfalls nicht vorher informiert wurde, wollte sich gegenüber seinem deutschen Partner profilieren und seinem Ansehensverlust entgegenwirken, den er im Laufe des Krieges immer deutlicher zu spüren bekam. Hitler war Mussolini verbunden, weil er ihm politisch beim Einmarsch in Österreich den Rücken gedeckt hatte. Die Leistungsfähigkeit der italienischen Armee schätzte er allerdings, wie die Wehrmachtsführung, als überschaubar ein. Dass Italien seinerzeit immer wieder betonte, noch mehrere Jahre der Aufrüstung zu benötigen, um massiv in den Krieg eingreifen zu können, bestätigte die Skepsis Deutschlands. An den Auseinandersetzungen mit Frankreich und Großbritannien hatte sich Italien nur spät und mit wenigen Truppen beteiligt. Seinen Einmarsch in Frankreich, wo es spät einen kleinen Streifen besetzte, hatte es mit vergleichsweise hohen Verlusten bezahlt.

Aber das kleine, militärisch schwache Griechenland, schien Mussolini eine einfache Beute zu sein. Er sollte sich irren.

Nachdem, Metaxa in einer Rede an das griechische Volk sagte: „Die Zeit ist für Griechenland gekommen, für seine Unabhängigkeit zu kämpfen. Griechen, nun müssen wir uns unserer Vorväter und der Freiheit, die sie uns hinterlassen haben, würdig erweisen. Griechen, nun kämpft für euer Vaterland, für eure Frauen, für eure Kinder und für die heiligen Traditionen. Nun, vor allen Dingen, kämpft!“ meldeten sich Tausende freiwillig. Das Land war bereit für den Krieg.

Auf einer Front von 150 Kilometer Breite marschierte Italien am 28. Oktober von Albanien kommend in Griechenland ein. Bis zum 1. November hatten die Italiener Teile der griechischen Provinz Epirus erobert. Nun standen sie vor der griechischen Hauptverteidigungslinie. Es gelang ihnen nicht, sie zu durchbrechen. Im Gegenteil: Griechische Truppen schafften es, verschiedene Orte zurückzuerobern.

Am 14. November traten die griechischen Truppen zur Gegenoffensive an. Bis Ende Dezember gelang es Griechenland nicht nur, die italienischen Truppen aus seinem Land zu vertreiben, sondern auch in Albanien einzumarschieren und dessen Süden zu besetzen. Alle Versuche Italiens, Griechenland zurückzuschlagen, scheiterten. Besonders bitter für Mussolini: Auch eine von ihm persönlich geführte Offensive war erfolglos. Deutsche Versuche, die Griechen zur Aufgabe zu bewegen blieben erfolglos, obwohl ihnen in Aussicht gestellt wurde, der eroberten Gebiete behalten zu können.

Griechische Soldaten in Albanien Foto: TheRamtzi Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das scheinbar Unmögliche war geschehen: Eine Achsenmacht war militärisch geschlagen worden. Der Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit war von Griechenland zerstört worden. Churchill sagte damals: “Until now we used to say that the Greeks fight like heroes. Now we shall say: Heroes fight like Greeks.”( “Bis jetzt haben wir immer gesagt, dass die Griechen wie Helden kämpfen. Jetzt werden wir sagen: Helden kämpfen wie Griechen.”)

Erst im April 1941 musste Griechenland, nachdem Deutschland einmarschiert war trotz der dann vorhandener britischer Unterstützung mit Bodentruppen, kapitulieren.

Die britischen Truppen wurden bei ihrem Rückzug, verfolgt von der Wehrmacht, die Wehr von den Griechen bejubelt: „Ein englischer Artillerieoffizier namens Waller weinte beim Anblick der Griechen, die in den Straßen Athens seiner Einheit nachwinkten: «Wir waren die letzten britischen Truppen, die sie sehen würden, und die Deutschen waren uns schon auf den Fersen. Und dennoch standen jubelnde, klatschende Menschenmengen an den Straßen, sie klopften auf unsere Fahrzeuge. Mädchen und Männer sprangen auf die Trittbretter, küssten die grimmigen, erschöpften Schützen oder schüttelten ihnen die Hände. Sie warfen uns Blumen zu, rannten am Konvoi entlang und riefen: Kommt zurück! Ihr müsst wiederkommen! Viel Glück! Goodbye!“ beschreibt Joachim Käppner in seinem Buch 1941 den Rückzug.
In „Der 2. Weltkrieg“ schrieb Churchill im Rückblick über die Niederlage Griechenlands, die „Ehre des griechischen Waffenrocks ist unbefleckt.“ In einer Rede im Unterhaus am 24 April sagte er: “The word heroism I am afraid does not render the least of those acts of self-sacrifice of the Greeks, which were the defining factor in the victorious outcome of the common struggle of the nations, during WWII, for the human freedom and dignity. If it were not for the bravery of the Greeks and their courage, the outcome of WWII would be undetermined.” (Das Wort Heldentum, fürchte ich, stellt nicht die geringste jener Taten der Selbstaufopferung der Griechen dar, die den siegreichen Ausgang des gemeinsamen Kampfes der Nationen während des Zweiten Weltkriegs für die Freiheit und Würde des Menschen bestimmt haben. Ohne die Tapferkeit der Griechen und ihren Mut wäre der Ausgang des Zweiten Weltkrieges unbestimmt” Übersetzt mit DeepL).

Wie recht Churchill hatte, konnte er im April noch nicht wissen. Die Besetzung des Balkans, ausgelöst durch einen Putsch in Jugoslawien, dass sich gegen Deutschland stellte und von der Wehrmacht besetzt wurde, band Truppen, die bei dem großen Vorhaben Hitlers im Jahr 1941 fehlten: Den Angriff auf die Sowjetunion. Ob der Krieg und die Besetzung gegen Jugoslawiens und Griechenlands dazu führte, dass Deutschland den Angriff auf die Sowjetunion, das Unternehmen Barbarossa, verschieben musste, was dann ein Grund für die spätere Niederlage in der Schlacht von Moskau war, ist unter Militärhistorikern umstritten. Klar ist jedoch, dass das Deutsche Reich an einer weiteren Front kämpfen mussten, die es nicht eingeplant hatte – und dieser Kampf hielt an: Partisanen griffen die Besatzer während des gesamten Krieges an. Der Balkan war für die Wehrmacht keine ruhige Front wie Frankreich, er war eine schwelende Wunde.

Der 28. Oktober, der Ochi-Tag, ist Feiertag in Griechenland

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Ein Kommentar zu “Der zweite Weltkrieg: Griechenland gelingt der erste Sieg gegen eine Achsenmacht

  • #1
    Thomas Baader

    "Griechenland zerstörte den Nimbus der Unbesiegbarkeit der Achse."

    Diesen Nimbus hatte Italien aber niemals, Achsenmacht hin oder her. Zweifellos war der griechische Widerstandswille bewundernswert. Churchills Lob geschieht zu Recht. Dennoch: Niemand betrachtete die italienische Armee damals als "unbesiegbar".

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