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Die B3E-Story – oder wie das Bochumer Szeneviertel namens Bermudadreieck entstanden ist

Es kommt selten vor, dass ein Kneipenviertel zum Aushängeschild einer ganzen Stadt avanciert. Die Frauenkirche in München ist bekannter als Schwabing, in Berlin sind Gedächtniskirche und der Kudamm nach wie vor größere Besuchermagnete, als die Szeneviertel in Mitte, Kreuzberg und am Prenzlauer Berg, und selbst Düsseldorf ist vor allem Landeshauptstadt und erst dann die vermeintlich größte Theke der Welt. In 20 Folgen  stellen wir die Geschichte des Quartiers vor.   

In Bochum sieht das anders aus: Hier ist das Bermudadreieck der wichtigste Besuchermagnet der Stadt. Das in den 80er Jahren entstandene Kneipenviertel ist, betrachtet man seine Kontinuität, erfolgreicher als der VfL-Bochum, zieht mehr Gäste in seinen Bann als die Rollschuhläufer des Starlight-Express und ist mit über 1600 Mitarbeitern ein wichtiger Faktor auf dem Bochumer Arbeitsmarkt.

Gelungen ist dies, weil das Bermudadreieck etwas metropolenhaftes ins Ruhrgebiet hinein gebracht hat, ja, im Sommer sogar etwas mediterranes. Der Grund: Das Bermudadreieck macht keine Pause. Hier kann man morgens um acht seinen ersten Kaffee trinken und nachts, kurz vor sechs, bekommt man das letzte Bier.

Es gibt Cafés mit einer exzellenten Auswahl an Tageszeitungen und Magazinen und Kneipen, in denen es erst ab zwei Uhr in der Nacht richtig voll wird. Das Bermudadreieck ist ein Mikrokosmos, offen, nicht nur um jede Uhrzeit, sondern auch beinahe für jeden. Dass es oft eher ein Nebeneinander als ein Miteinander ist, ist dabei kein Nachteil, sondern Zeichen einer Ehrlichkeit, der das fraternisierende Dauerschunkeln fremd ist.

Das Bermudadreieck liegt im Ruhrgebiet und wäre wohl an keinem anderen Ort Deutschlands möglich, als in dieser Region und in dieser Stadt: Bochum, wo der Strukturwandel begann, und ein Zeichen für seinen Erfolg ist auch diese Ballung gastronomischer Betriebe um den Konrad-Adenauer-Platz.Über 50 Kneipen und Restaurants, mehrere Kinos und Diskotheken liegen hier eng zusammen. Ein Kneipenviertel wie die Altstadt in Düsseldorf, Alt-Sachsenhausen in Frankfurt oder Schwabing in München – nur stärker verdichtet, jünger, und auch heute noch dynamischer.

In Bochum gehört es neben der Universität, dem Schauspielhaus, dem Bergbaumuseum und der Jahrhunderthalle  zu den wenigen Glanzpunkten, denn es ist mittlerweile zu einem  Szenequartier angewachsen, das sich mit internationalen Maßstäben messen lassen kann. In „normalen“ Metropolen gehören solche Quartiere allerdings zum Standard während im Ruhrgebiet allein das Vorhandensein einer solchen räumlichen Zusammenballung urbanen Lebens eher an ein kleines Wunder grenzt.

Zugleich ist das Bermudadreieck ein Spiegel der Umstrukturierung Bochums von der Industriestadt hin zum Dienstleistungszentrum des mittleren Ruhrgebietes und somit Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung der letzten 40 Jahre, in der es gerade auch im Ruhrgebiet nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer gab. Damit ist es aber auch ein Ausdruck der sozialen Bewegungen der Nachkriegszeit, zu deren einschneidensten die Studenten- und Jugendbewegungen der sechziger, siebziger und achtziger Jahre gehörten. Ohne deren Lebensgefühl und urbane Bedürfnisse hätte sich dieses Viertel nicht zu seiner heutigen Größe entfalten können.

Von deren Protagonisten wird es bis heute geprägt. Und so ist die Geschichte des Bermudadreiecks zu guter Letzt auch die ganz persönliche Lebensgeschichte einiger Männer und ihrer Freunde und Mitstreiter, die als junge und innovative Unternehmer zur Gründergeneration dieses im Ruhrgebiet bis heute einmaligen Szeneviertels gehörten, und die bis heute als Großgastronomen sein Schicksal mitbestimmen.

Meine B3E-Story ist der Versuch alle drei Aspekte zusammen zu bringen und sie zugleich mit der konkreten räumlichen und baulichen Entwicklung dieses Viertels zu verbinden. Insofern ist sie auch dokumentarischer Natur und, sofern unsere Leser diebszüglich per Kommentar Anregungen, Ergänzungen oder auch Korrekturen äußern möchten, sind sie hiermit ausdrücklich dazu eingeladen. Sofern es sich dabei um Fotos, Zeitungsartikel und andere Dokumente handeln sollte, bitten wir um die Zusendung an die Ruhrbarone, denn es wird in naher Zukunft von uns auch eine Dokumentensammlung zum B3E veröffentlicht werden.

Ich konnte natürlich in unserer B3E-Story weder aller Fakten noch alle Personen berücksichtigen, die zu der von mir beschriebenen Entwicklung beigetragen haben, bzw. haben ich mich auf die wesentlichen beschränkt. Ich habe jedoch versucht, der historischen Komplexität gerecht zu werden, die die Geschichte eines ganzen Stadtviertels nun mal mit sich bringt. Die wird vielen Lesern wohlmöglich schon zu groß erscheinen, aber sie war notwendig und spannend zugleich, denn das sogenannte B3E war nicht geplant sondern entstand von unten, quasi aus dem Nichts.

Meine Story wird auch nicht jedem gefallen, denn ich sah meine Aufgabe darin, so weit als möglich der Wahrheit gerecht zu werden. Aber davon gibt es bekanntlich bei einem solchen Thema nicht nur eine, und die Frage, wie und vor allem wo genau das B3E seinen Ursprung hatte, erregt bis heute die Gemüter der Betroffenen und der mehr oder weniger selbstberufener Experten. Aber die Entstehung oder Veränderung von Stadtvierteln ist nun mal nicht ganz so genau und unzweideutig zu erklären wie die einer technischen Erfindung. Ich habe mich trotzdem darum bemüht, und es ist letztlich die Aufgabe der Leser zu entscheiden, ob mir das gelungen ist oder nicht.

Teil 2: http://www.ruhrbarone.de/die-b3e-story-2-entstanden-aus-dem-nichts/

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5 Kommentare zu “Die B3E-Story – oder wie das Bochumer Szeneviertel namens Bermudadreieck entstanden ist

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