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Die wachsende Wut wird sich ihren Weg bahnen

Angela Merkel Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Elend hat viele Namen: Es heißt Angela Merkel, der nichts außer Beschränkungen einfällt und die versucht die Krise auszusitzen, die dafür sorgen wird, dass sie als gescheiterte Kanzlerin in die Geschichte eingehen wird. Es hört auf den Namen Jens Spahn, dessen hohle Reden niemand mehr hören kann und der an jeder Aufgabe scheitert, die ihm übertragen wird. Es nennt sich Anja Karliczek, die Forschungsministerin sein soll und im Interview mit der Welt sagte: “Ich halte nichts von einer Kriegswirtschaft, aber natürlich müssen wir auch die Produktionskapazitäten in den Blick nehmen. Wir müssen hier klar analysieren, wo wir stehen. Wir müssen Produktionsnetzwerke unter Unternehmen knüpfen und eventuell auch Anreize für den Aufbau von Produktionsstätten schaffen.” Genau das wäre auch ihre Aufgabe vor einem Jahr gewesen. Hätte Karliczek in den vergangenen zwölf Monaten nicht einmal ihr Büro betreten, niemand hätte es bemerkt.

Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission hat gemeinsam mit Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron den Impfstoffmangel zu verantworten, der zum Tod Zehntausender Bürger führt, die EU spaltet und ruiniert. Und dann ist da noch Thierry Breton, der Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen der „absolut keinen Bedarf“ für den russischen Impfstoff Sputnik V sieht und sich zu der Behauptung versteigt, bis Mitte Juli könne es eine EU-weite Immunisierung mit Vakzinen aus europäischer Produktion geben. Breton mein Juli 2021, nicht 2022, denn das ist ungefähr die Prognose der Berliner Morgenpost, die von einem Erreichen des Impfziels in 459 Tagen ausgeht: Dann könnten, wenn die Impfungen so laufen wie im Moment, 70 Prozent der Menschen in Deutschland geimpft sein.

Ursula von der Leyen, Foto: European Union 2019 Lizenz: CC BY 4.0

Die dritte Welle hat begonnen und heute Abend werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten wieder einmal weitere Einschränkungen beschließen. Zu denen gibt es aktuell tatsächlich keine Alternative, weil Deutschland und die Staaten der Europäischen Union auf das Niveau von Schwellenländern abgesackt sind: Es mangelt an Impfstoffen, in Deutschland hapert es auch im Bereich der Digitalisierung und Bürokraten und Ideologen lähmen die meisten Länder des Kontinents. Der Lockdown ist das einzige effektive Mittel zur Bekämpfung der Pandemie, das zur Verfügung steht – und auch das wird nur halbherzig angewandt. Das Land stolpert durch die größte Krise seit dem Ende des zweiten Weltkriegs und muss erkennen, dass es nicht in der Lage ist, schnell und effektiv zu handeln und seine Politiker ohne jede Ambition sind: Als die Zahlen im vergangenen Sommer noch gut aussahen, wurden die Schulen nicht auf den Betrieb im Herbst vorbereitet, den Impfstoffkauf überließ man einer gelernten Übersetzerin, über den Ablauf der Impfkampagne wird immer noch diskutiert.

Die Menschen verlieren aus guten Gründen das Vertrauen in die EU, den Staat und die Politiker. Der dritten Welle wird wahrscheinlich eine vierte folgen und immer erzählt die Politik den Bürgern, nun kämen die entscheidenden Wochen und noch ein paar harte Monate. Und denen folgen dann wieder entscheidende Wochen und ein paar harte Monate. Und so geht es immer weiter. Das IFO-Institut hat vor Monaten angeregt, Impfstoffhersteller, die früher und mehr liefern mit höheren Preisen zu belohnen, der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert Notzulassungen von Impfstoffen, in Asien sieht man, wie Apps nützlich eingesetzt werden können, die Unternehmen haben angeboten, ihre Betriebsärzte impfen zu lassen und in Israel, den USA und Großbritannien zeigen, dass es Sinn macht, beim Impfen jeden einzusetzen, der mit einer Spritze umgehen kann. Doch niemand in Deutschland oder in der EU will lernen. Man bleibt auf dem einmal eingeschlagenen Pfad, unfähig nachzusteuern, lebt in einer Blase und hat scheinbar den Kontakt zur realen Welt verloren. Dabei wäre es genau das, was man in einer Krise machen muss: Ständig die eigenen Verfahren in Frage stellen, offen sein, lernen von denen, die es besser machen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU (Foto: Olaf Kosinsky/Wikipedia, Lizenz CC BY-SA 3.0 DE)

Verachtung gegenüber der Politik macht sich breit, sie ist ein schleichendes Gift.  Sie wird der CDU, deren Parteibuch alle Großversager besitzen, den Status als Volkspartei kosten, sie zeigt den Bürger, dass sie sich nur auf sich selbst, aber nicht auf den Staat verlassen können und sie wird schon in wenigen Monaten die Gesellschaft spalten: Wer kann, wird sich im Ausland impfen lassen. Alle anderen werden ohnmächtig einem dysfunktionalen Staat ausgeliefert sein.  Die Wut wird wachsen: Wie fühlt sich der Wirt, der seit Monaten keinen Umsatz mehr macht, wenn er von der Korruption von CDU-Abgeordneten liest, wenn er mitbekommt, dass Spahn sich ein Haus für einen Preis von über vier Millionen Euro gekauft hat und mit Parteispendern Partys feiert?

Das RWI prognostiziert eine schwere Wirtschaftskrise für den Fall, dass die Pandemie nicht schnell eingedämmt werden kann. Viele werden ihre Jobs verlieren, ohne etwas falsch gemacht zu haben. Sie werden sich von Träumen und Plänen für ihr Leben verabschieden müssen und sehen diejenigen weiter in gut bezahlten Ämtern, die versagt haben. Diese reale Ungerechtigkeit werden die Menschen nicht akzeptieren, Merkel, Spahn und von der Leyen können es nicht wegreden oder weglächeln. Die wachsende Wut ist berechtigt und sie wird sich ihren Weg bahnen, auch wenn die Richtung, die sie nehmen wird, noch nicht klar ist.

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23 Kommentare zu “Die wachsende Wut wird sich ihren Weg bahnen

  • #1
  • #2
    Daniel

    Eigentlich hat man jetzt doch oft genug gehört, daß die Politiker praktisch alle korrupte Versager oder tatenlose Nieten sind: dann macht es doch alle besser und werdet tüchtige, tatkräftige, mutige und transparente Politiker, die das Land in die Zukunft führen!
    Ich höre hauptsächlich Gemecker und Gebrüll, aber niemand der sagt: "So, jetzt werde ich Politiker, weil ich das so viel besser kann als DIE, weil ich gar nicht so viel Geld verdienen möchte, und mir ausserdem ständige Kritik von allen Seiten egal ist! Und vollkommen transparent wäre ich auch – d.h. wenn ich mit meinem Mann mal ein Haus kaufen will, dann soll natürlich die ganze Welt wissen, was wir uns so leisten können".

  • #3
    Bernhard

    @daniel Wer PolitikerIn werden will, sollte sich darüber klar sein, das er/sie als EntscheidungsträgerIn beobachtet wird. Was soll das Gejammer über Kritik? Nur weil es Politikerinnen sind, ist Kritik und Analyse unanständig? Ich denke, die Menschen die seit einem Jahr um das Überleben ihres mühsam aufgebauten Betriebes kämpfen und nicht mal als Selbständige einen Zuschuss für private Kosten bekommen, sondern Hartz 4 beantragen oder einen privat Kredit aufnehmen müssen, haben jedes Recht dazu sehr kritisch und frustriert zu sein. Zumindest haben Politikerinnen keinerlei finanzielle Notlagen durch die corona Maßnahmen.

  • #4
    Lasner

    Auch ich habe die Schnauze gestrichen voll.Von einen Lock Down in den Anderen,impfen heißt das Zauberwort.Viel Bürokratie für Die Ärzte,Viele wollen nicht mitmachen!Ich finde Merkel ,Spahn und wie sie alle da rumsitzen sollen mal Impfstoff ran bringen und impfen,egal wo und Wenn’s im Supermarkt ist.Jeder Tag ist ein Toter mehr wenn NICHT geimpft wird..Bei der Regierung sterben noch Viele Wenn’s so weiter geht! .Wir haben die Schnauze voll von der Regierung,kein Wunder das die Leute auf die Strasse gehen!

  • #5
    Wutbürger

    Was erwarten Sie denn von diesen Quotenfrauen? SO ist das eben, wenn nicht Leistung und Fähigkeit maßgebend sind, sondern was ganz anderes entscheidet, wer den Job bekommt. Da werden uns noch ganz andere Katastrophen heimsuchen. Schauen Sie nur mal in Richtung Notenpresse: die Dame dort hat ja nicht mal eine Banklehre.

  • #6
    Helmut Junge

    Ja, das sehe ich auch so. Diese genannten Politiker haben keinerlei Bodenkontakt mehr, und ihre Umgebung auch nicht. Und das vermutlich schon lange. Aber früher ist das nicht aufgefallen.

  • #7
    Maxi

    hohl statt hol – wie wär’s mit fehlerfreiem Deutsch?
    Wie wär’s zu erwähnen, daß Karliczek vom Hotelfach ist und KEINE AHNUNG von Forschung hat. Das Unwissen des Gesundheitskaufmanns ist ja schon überall bekannt.

  • #8
    Richard Heller

    Leider hört man häufiger, was @Daniel gepostet hat: "Dann macht es doch besser". Damit werden aber zwei wesentliche Punkte weit verfehlt. Deshalb:

    1. Einer der Grundsätze der Meinungsfreiheit ist, dass ein Kritiker nicht verpflichtet ist, einen Gegenvorschlag zu machen. Wenn die Tätigkeit bzw. das Ergebnis nicht befriedigt, dann darf kritisiert werden.

    2. Keiner der Kritisierten wurde in sein Amt gezwungen. Im Gegensatz: Sie haben viel Mühe aufgewandt, um dort zu sein, wo sie jetzt sind. Und sie werden nicht schlecht bezahlt. Sie machen aber nicht den Job, für den sie bezahlt werden. Wer sich für einen Job meldet und sich gut dafür bezahlen lässt, ist verpflichtet, dass er den Job gut macht. Gute Ergebnisse sind verpflichtend, nicht freiwillig.

  • #9
    frzh

    @Wutbürger: Keine Sorge, unser rechtspopulistischer Wunderwuzzi Sebastian Kurz versagt in der Pandemiebekämpfung noch viel sagenhafter als Frau Merkel. Nur hat er die Chuzpe, die Schuld für sein Versagen offensiv anderen umzuhängen (böse EU, böse Opposition, böse Stadt Wien, böse Bevölkerung etc.)

  • #10
    Lehmbruck

    Der natürlichste, friedlichste und funktionalste Weg, auf dem sich die Wut ihren Weg in der Demokratie bahnen wird, ist der Regierungswechsel. Die Union ist strukturell und personell nach 16 Jahren Merkelismus verschlissen – noch mehr als am quälenden Ende der Ära Kohl. Die Grünen hingegen verfügen über unverbrauchtes Personal (Habeck, Baerbock, Katharina Schulze, Ludwig Hartmann, Sven Giegold, Gerhard Schick, Uwe Schneidewind, Felix Banaszak) sowie einige alte Hasen unterschiedlicher Ausrichtung (Kretschmann, Palmer, Al-Wazir, Hofreiter) und sind in ihren Debatten und Inhalten jetzt auf der Höhe der Zeit angekommen. Deshalb bin ich verhalten optimistisch und denke, wir müssen noch durch einen harten Sommer, dann ist die Tortur überstanden. Ich zähle schon die Tage rückwärts bis zur Bundestagswahl.

  • #11
    der, der auszog

    @Helmut Junge(#6)
    Du schreibst: „Diese genannten Politiker haben keinerlei Bodenkontakt mehr… Aber früher ist das nicht aufgefallen“.
    Den fehlenden Bodenkontakt wird mittlerweile kaum noch jemand in Abrede stellen, Helmut. Es lohnt daher darüber nachzudenken, warum das Bodenlose nicht früher aufgefallen ist.

    Ein Grund ist sicherlich die Bemerkenswerte Stille der Opposition. Von der AfD und ein paar wenigen Linken einmal abgesehen, kam im letzten Jahr so gut wie keine Kritik an den Maßnahmen der Regierung aus den Reihen des politischen Gegners. Die Grünen übten sich in Schweigen, weil sie sich den Bürgern gegenüber als potenzieller Bündnispartner für eine schwarzgrüne (Corona-)Regierung in einer staatstragenden Rolle präsentieren konnten und der FDP saß 2020 ewig lange die Wahl Kemmerichs als brauner Thüringer Kloß im Hals. Liberales Schweigen unter dem Motto: „lieber gar nichts sagen, als was falsches sagen.“

    Genauso versagt wie die Politik haben allerdings auch die Medien in Deutschland, was meiner Meinung nach viel zu wenig thematisiert wird, aber eine Krähe hackt bekanntlich einer anderen kein Auge aus. Statt den verantwortlichen Politikern auf die Finger zu schauen, hat es die schreibende Zunft vorgezogen, einen Schutzwall um sie zu bauen und zwar nicht nur die öffentlich-rechtlichen, sondern auch private Rundfunk- und Fernsehanstalten und auch die meisten Verlage. Besser kann man gar nicht die Polarisierung der Bevölkerung anfeuern. Es gab 2020 nur noch die Vernünftigen und die Unvernünftigen, die Gebildeten und die Dummen, die Aufgeklärten und die Leugner. Die Medien, von ganz großem Fernsehen bis hin in die relativ kleinen Internetblogs hinein sahen ihre Hauptaufgabe darin, die Regierenden gegen ihre Kritiker in Schutz zu nehmen. Dieses InSchutznehmen der politisch Verantwortlichen, was während der Flüchtlingskrise bereits in den öffentlich-rechtlichen und einigen Zeitungen zu beobachten war, vor allem, wenn es gegen die AfD ging, weitete sich in den ersten Monaten unter Corona nochmal um ein Vielfaches aus und durchdrang selbst die ansonsten sehr kritischen Ruhrbarone. Hier mal ein Beispiel:

    Stefan Laurin am 22. November 2020 zu 15 Jahre Kanzlerschaft: „Wahrscheinlich ist Angela Merkel die klügste Bundeskanzlerin die das Land jemals hatte. Eine promovierte Physikerin an der Spitze der Regierung ist zurzeit ein Glücksfall… Als Wissenschaftlerin versteht sie Wissenschaft. Sie erlebt die beste Phase ihre Kanzlerschaft, man merkt, dass sie weiß, worüber sie während der Coronakrise spricht und das schafft Vertrauen… Was aber bleibt ist, dass sie die Regierungschefin Europa war, die während der Pandemie am klügsten gehandelt hat.“

    Man kann an eine Physikerin als Wunderheilmittel genauso glauben wie an den Messias oder eine Tüte Globoli. Zwischen diesem Zitat und dem Text oben liegen gerade einmal vier Monate und sie können von ihrer Essenz gegensätzlicher nicht sein. Leider stehen sie exemplarisch für den Journalismus in der Bundesrepublik Deutschland während der Corona-Krise bis kurz vor Weihnachten.

    Eine der wenigen Ausnahmen ist Stefans Kollege, der Welt-Feuilletonist Andreas Rosenfelder, der diese Widersprüchlichkeiten in einem genialen Artikel mit dem Titel „Die Regierungssprecher“ thematisiert. (Wer die Welt abonniert sollte sich diesen Artikel, der sich zwar hinter der Paywall befindet, aber jeden Cent wert ist, einmal zu Gemüte führen). Rosenfelder macht sich darüber hinaus in einem Betrag, im Deutschlandradio Gedanken, wieso Jornalisten unter Corona so handzahm sind und den Regierenden aus der Hand fressen, bis der Spiegel kurz vor Weihnachten über das „Impfdrama“ informierte. Zum einen ist es die Angst vor der Seuche, welche die Journalisten als Teil der Gesellschaft genauso haben, wie die meisten anderen Menschen auch. Zum anderen ist es der Drang das System als eines Art Anwalt vor dem Mob (Aluhüte, Coronaleugner, Veganer Köche, Esoteriker und Homöopathen) auf der Straße zu verteidigen. Die Frage die sich unweigerlich stellt: ist es tatsächlich die Aufgabe von Journalisten gegen den Bürger zu schreiben und die Regierenden um jeden Preis in Schutz zu nehmen?

    Warum schreiben ich das? Weil ich den Frust auf die Politik, wie er in dem Artikel zum Ausdruck kommt, voll nachvollziehen kann. Die Politiker Spahn, Merkel und van der Leyen gefährden unser aller Gesundheit und bergen lebensbedrohliche Risiken und katastrophale Nebenwirkungen. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen dass sie darüber hinaus auch noch Europa kaputt machen, aber das ist ein anderes Thema… Die Politiker sind aber nur das eine. Journalisten, die es sich im Lockdown bequem machen und monatelang im Schönschreiben üben, statt kritische Fragen zu stellen, die machen genauso Angst, denn wohin wird die wachsende Wut führen, wenn den Verantwortlichen nicht von vorne herein auf die Finger geschaut wird?

    Hier geht es zu DeutschlandradioKultur:
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/andreas-rosenfelder-zur-corona-berichterstattung.2950.de.html?dram:article_id=490758

    Und hier zur Welt:
    https://www.welt.de/kultur/plus223694090/Corona-und-die-Medien-Die-Regierungssprecher.html

  • #12
    hape

    So sehr ich dem zustimme, dass diese Krise zeigt, wie die Politik versagt, wenn sie keine Herrschaft darüber hat, die Realität auszuhandeln – so ein Virus verhandelt nicht –, so ist das doch nur die eine Seite. Erinnert sich noch jemand, wie leer die Straßen waren beim ersten Lockdown im letzten Frühjahr? Da hatten die Leute noch Angst. Als es dann viel zu spät und unvorbereitet in den Herbstlockdown ging, hab ich keine Veränderungen im Straßenverkehr festgestellt. Die Läden mögen zugehabt haben, die Leute waren trotzdem unterwegs. Und da müssen sich doch viele an die eigene Nase packen. Braucht es wirklich Politiker, die einem vorschreiben müssen, sich vernünftig zu verhalten? Also Maßnahmen zum eigenen Schutz zu treffen, Kontakte so weit es geht zu vermeiden. Anscheinend ja, denn immer noch gehen Leute auf die Straße, um "gegen Corona" zu demonstrieren, immer noch müssen Feiern und sogenannte Gottesdienste aufgelöst werden. von den kleineren Verstößen gegen Maßnahmen, die ja tatsächlich nicht zu kontrollieren sind (wie viele Personen sich aus wie vielen Haushalten treffen), ganz zu schweigen. Also Versagen gibt es nicht nur bei denen da oben.

  • #13
    Andreas Flenker

    #11 @der, der auszog
    Tipp: DerArtikel “Wagenburg um´s Kanzleramt“ von Andreas Rosenfelder (und vieles mehr) ist auch unentgeltlich hier zu finden:

    http://dies-ist-meine-sicht.blogspot.com/2021/01/

  • #14
    Michael R. Koitzsch

    Das System begann nach der Kaiserzeit mit einer grundlegenden politischen Philosophie (schon damals als Idee nicht unbedingt neu) mit der Einführung des freien Wirtschaftsliberalismus, des Kapitalismus. Seit HAYEK und MISES , der Chicago School, dem Milton Friedman, der Genfer Schule und der heutigen Freiburger Schule…aus denen über die FDP und die anderen Libertären noch immer dieser Absolutheitsanspruch bis hin zum Weltdeutungssystem der Marktfundamentalismus wabert. Dieser Sonnenscheinliberalismus hat große Teile der Welt besoffen gemacht bis hin zu einer Lifestyle-Ideologie. Irgendwann in den letzten Jahren entstand aber in vielen Ländern eine deutlich spürbare Identitätsdiffusion ("Wer sind wir eigentlich?") – die der Philosoph ADORNO mal so beantwortete: "Kein richtiges Leben in einem FALSCHEN..") Richtig ist, daß für die größeren Teile der Bevölkerung dieses ökonomische System zu einer Überlebensakrobatik geworden ist. Dieses System folgt einer einfachen Logik: Es braucht, wen es braucht und lässt außen vor, wen es nicht braucht. Verstärkt wurde das System durch die libertären und autoritären Vulgärmärkte, die mit ihren restriktiven Strukturen bei den abhängig Beschäftigten nur noch die Nützlichkeit, die Effizienz, die Verwertbarkeit, die Profitabilität und die Disziplinierungsfähigkeit modellieren. Ich denke damit sind die Grenzen der Humanität, des Sozialwesens bis zur Kannibalisierung überschritten. Es wird Zeit der Veränderung !

  • #15
    thomas weigle

    @hape Richtig, mir muss niemand vorschreiben, wie ich mich in dieser Lage zu verhalten habe. Und die Fachleute/Medien haben nun oft genug auf die Gefahren hingewiesen. Richtig ist aber auch, dass die Politik in Sachen Vorsorge krachend versagt hat. Fehlende Tests, Impfchaos, keine Ausstattung der Schulen mit effizienter Lüftungstechnik bspw.
    Eine gefaährliche Mischung haben wir jetzt: die Unfähigkeit der Regierenden und die Unvernunft von immer mehr Bürgern. Da kommt was auf uns zu.

  • Pingback: Das Wutbürgertum in Zeiten von Corona | Ruhrbarone

  • #17
    Helmut Junge

    @der, der auszog (11),
    Menschen ändern oft ihre Ansicht über Politiker oder Vertragspartner. Ich zum Beispiel hatte Merkel kurzzeitig auch für eine gute Kanzlerin gehalten. Vorher nie und nachher auch nie. Da fragt man sich später wieso man jemals so gedacht hat.
    Ansonsten sind wir ja einer Meinung.

  • #18
    Pandel

    Es gibt ja auch überall solche CDU Mitläufer wie im 3. Reich ,das heute ist kein bisschen anders . Mitgegangen, mitgefangen . Keiner soll später wie damals sagen "Wir haben es nicht gewusst,wir haben es immer wieder gesagt und gepostet. Falls einmal später jemand mit dem Spruch kommt gibt es einen Holzschuh auf den Kopf !! & ich hoffe das die alle ohne Ausnahme eines Tages den Preis dafür bezahlen ,auch auf " andern Posten als CDU Mitglieder " !! Ebenso die Kirchlichen Propagandamitläufer !!Die CDU sollte sich umtaufen in KDU="Korrupte Deutsche Union" . Christlich ist die nicht, eher eine Beleidigung für jeden Christen !!

  • #19
    Arnold Voss

    @ der, der auszog # 11

    "Stefan Laurin am 22. November 2020 zu 15 Jahre Kanzlerschaft: „Wahrscheinlich ist Angela Merkel die klügste Bundeskanzlerin die das Land jemals hatte. Eine promovierte Physikerin an der Spitze der Regierung ist zurzeit ein Glücksfall… Als Wissenschaftlerin versteht sie Wissenschaft. Sie erlebt die beste Phase ihre Kanzlerschaft, man merkt, dass sie weiß, worüber sie während der Corona Krise spricht und das schafft Vertrauen… Was aber bleibt ist, dass sie die Regierungschefin Europa war, die während der Pandemie am klügsten gehandelt hat.“

    Man kann an eine Physikerin als Wunderheilmittel genauso glauben wie an den Messias oder eine Tüte Globoli. Zwischen diesem Zitat und dem Text oben liegen gerade einmal vier Monate und sie können von ihrer Essenz gegensätzlicher nicht sein. Leider stehen sie exemplarisch für den Journalismus in der Bundesrepublik Deutschland während der Corona-Krise bis kurz vor Weihnachten."

    Da kann ich auch als Ruhrbaron nur zustimmen. Allerdings wurde bei den Baronen Frau Merkel mehrheitlich schon viel, viel länger, ja eigentlich durchgängig über den Klee gelobt. Für alle ihre journalistischen Fans ist sie dann ganz plötzlich ganz unfähig geworden. Die Wut, mit der diese Enttäuschung herausbricht, zeigt dabei deutlich, dass sie auch eine wichtige emotionale Entlastungsfunktion gegen über dem Selbstbetrug hat, den man sich als Fan einfach nicht eingestehen kann oder will.

    Dabei scheitert diese Frau zu Zeit ganz offensichtlich genau an den Eigenschaften, die sie schon immer ausgezeichnet haben: Völlige Ideen- und Strategielosigkeit, Null emotionale Überzeugungskraft, systematisches Ausschalten von Kritikern und unvermittelte Kurswechsel. Wer das bislang als geradezu genialen Pragmatismus hoch gejazzt hat, hatte allerdings keine blasse Ahnung von den Erkenntnisgrundlagen dieser Handlungsphilosophie und ihrer Vordenker. Journalisten müssten die haben, Fans brauchen das nicht.

    Das, was Angela Merkel aber in Wirklichkeit über fast ihre ganze Regierungszeit gemacht hat, wird in unserer Alltagssprache sehr treffend als Durchwurschteln bezeichnet. Das konnte schon ihr Ziehvater Helmut Kohl sehr gut. Er verfügte dabei allerdings noch über etwas, dass man ansatzweise als politische Idee verstehen konnte. Die einzige tragen Idee von Angela Merkel war und ist jedoch, und da entscheidet sie sich nicht sonderlich von Trump, Putin oder Johnson, ihr unbedingter Wille zur Machteroberung und zu ihrem möglichst langen Erhalt.

    Im Gegensatz zu diesen beiden Politik Mafiosi hat sie dabei allerdings nicht die geringste Neigung zur persönlichen Korruption und zur habituellen Aufgeblasenheit entwickelt. Nur, dass dieser durchaus angenehme Charakterzug in Corona Zeiten keine Pluspunkte erwirtschaftet. Im Gegenteil scheint er sehr gut zu der geradezu biederen Uninspiriertheit zu passen, mit der sie die Corona Krise verwaltet, anstatt sie proaktiv zu gestalten.

  • #20
    paule t.

    Gesundheitsbehörden und die sie verantwortenden Politiker:innen geben im Moment in der Tat ein sehr schlechtes Bild ab. Allerdings sollte man dazu vielleicht sagen, dass dem auch ein Kaputtsparen von Verwaltungen (u.a. Gesundheitsämtern) inkl. völlig unzureichender technologischer und personeller Ausstattung, von öffentlicher Forschung und Entwicklung, von Gesundheitsinfrastruktur usw. zugrunde liegt und es dehalb nicht nur (wenn natürlich auch) an der erratischen Handlunsgweise der aktuell verantwortlichenen Politiker:innen liegt, dass so wenig klappt.

    Natürlich haben auch viele dieser Politiker:innen die zugrunde liegende Ideologie vom schlanken Staat und von der alles besser könnenden Privatwirtschaft vertreten und tragen insofern auch Verantwortung für die Misere. Welches privatwirtschaftliche Unternehmen würde wohl Gesundheitsämter zur Kontaktverwaltung, Intensivbetten über den regelmäßig anfallenden Bedarf hinaus, Vorratshaltung von Medizinprodukten wie Masken für einen Katastrophenfall usw.usf. finanzieren, und warum sollte es das tun? Dafür braucht man einen handlungsfähigen Staat. Und einen solchen handlungsfähigen Staat bekämpfen eben auch noch eine ganze Reihe anderer Ideologen, auch aus der derzeitigen Opposition und der Publizistik heraus.

    Ein Beispiel für Letzteres liegt sehr nahe:
    https://www.ruhrbarone.de/parteiprogramme-fetisch-staat/197325

  • #21
    Thomas Baader

    @ #10:
    "Die Grünen hingegen verfügen über unverbrauchtes Personal (Habeck, Baerbock"

    Ähm, ernsthaft?

  • #22
    Robin Patzwaldt

    @Thomas Baader: Auch ich stehe den Grünen aktuell wieder deutlich näher als in den vergangenen Jahren. Sooo viele akzeptable Alternativangebote gibt es ja aktuell nicht. 😉

  • #23
    Helmut Junge

    @Thomas Baader, @Robin Patzwaldt Habeck und Baerbock können umdenken. Merkel kann das offenbar überhaupt nicht und ihre Umgebung kann es auch nicht, oder traut sich nicht. Und der Rest ist ideologisch vermauert. Da erwarte ich nichts mehr. Also ganze neue Partei oder eine, die umdenken kann. Ob das klappt? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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