Dortmund: Greift Schwarz-Grün nach der Krone?

Das Dortmunder U – Foto: Ulrike Märkel

In Dortmund suchen CDU und Grüne nach einem gemeinsamen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr. Die einstige rote Hochburg Dortmund könnte endgültig  fallen.

Er war der bislang letzte Oberbürger ohne SPD-Parteibuch und er war es nicht lange: Vom 16. April bis zum 28. Oktober 1946 hatte der Christdemokrat Herbert Scholtissek das höchste Amt der Stadt inne. Alle seine Nachfolger waren Sozialdemokraten. Das könnte sich im kommenden Jahr ändern. In Dortmund suchen nach einem Bericht der Ruhr Nachrichten CDU und Grüne nach einem gemeinsamen OB-Kandidaten. Noch gäbe es keinen Beschluss, teilen die Grünen in einer Presseerklärung und am Ende entscheide ohnehin die Basis. Dortmunds CDU-Chef Steffen Kanitz bestätigte der Zeitung jedoch erste Gespräche. Für einen ebenso aussichtsreichen wie qualifizierten Bewerber reicht aus den eigenen Reihen reicht es bei beiden Parteien offenbar nicht.

Einigen sich die beiden Parteien auf einen vorzeigbaren Bewerber oder eine vorzeigbare Bewerberin, haben sie gemeinsam gute Chancen, im kommenden Jahr gemeinsam die Oberbürgermeisterwahl zu gewinnen. Denn die Zeiten, in denen Dortmund als „Herzkammer der Sozialdemokratie“ galt, in der jeder Besenstiel gewählt wird, so lange er rot ist, sind lange vorbei. Schon 1999 setzte sich der damalige SPD-Oberbürgermeisterkandidat Gerhard Langemeyer gegen seinen CDU-Herausforderer, den Hörgeräte-Unternehmer Volker Geers, erst in einer Stichwahl durch. Langemeyers Nachfolger, der seit 2009 amtierende Oberbürgermeister Ullrich Sierau, musste 2014 in einer Stichwahl gegen seine CDU-Konkurrentin Annette Littmann antreten. Doch nach der Wahlreform der schwarz-gelben Landesregierung wird es bei der OB-Wahl 2020 keine Stichwahl mehr geben: Der Kandidat, der im ersten Wahlgang die meisten Stimmen bekommt, hat gewonnen.

Und das muss in Dortmund kein Sozialdemokrat sein: Bei der Europawahl im Mai wurden die Grünen mit 24,95 Prozent in der Stadt stärkste Partei. Sie ließen die SPD mit 22,88 Prozent und die Union mit 19,27 Prozent deutlich hinter sich.

Doch das Amtsinhaber Sierau, der allein durch seine Bekanntheit die größten Chancen haben dürfte, noch einmal antritt, hält Nadja Lüders, die Dortmunder SPD-Vorsitzende, für unwahrscheinlich. Lüders sagte den Ruhr Nachrichten: „Ich persönlich gehe aber davon aus, dass Ullrich Sierau nicht wieder antreten wird.“

Lüders setzt auf Thomas Westphal und glaubt, der Chef der örtlichen Wirtschaftsförderung könne es schaffen, die kommende Wahl zu gewinnen. Westphal wurde von seiner Partei in den vergangenen Jahren als Sierau-Nachfolger aufgebaut und im vergangenen Jahr in den Vorstand der Dortmunder-SPD gewählt.

Sierau hatte da wohl schon einen anderen Job im Blick: Schon längerer Zeit wurde er als Nachfolger von Reinhard Rauball als Präsident von Borussia Dortmund gehandelt. Ein Amt, für das sich Sierau in den vergangenen Jahren durch markige BVB-Sprüche zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu qualifizieren versuchte. Doch Rauball, vor 20 Jahren einmal Kurzeit-Justizminister in Nordrhein-Westfalen unter Wolfgang Clement und wie Sierau SPD-Mitglied, kündigte an, wieder als BVB-Präsident kandidieren zu wollen. Er nahm vergangene Woche seinen Ausstieg als Fußball-Funktionär zurück. Würde Sierau gegen ihn antreten, hätte er keine Chance. Und das könnte für ihn den Posten des Oberbürgermeisters wieder interessant machen. Er müsste nur Lüders-Favorit Westphal aus dem Weg räumen. Kampfkandidaturen haben in der Dortmunder SPD Tradition: 2009 traten Sierau und der heutige Stadtdirektor Jörg Stüdemann gegeneinander an, als es um die Frage ging, wer OB-Kandidat der Sozialdemokraten wird. Doch damals galt der SPD-Kandidat noch als der sichere Wahlsieger. Diese Zeiten sind auch in Dortmund längst Vergangenheit. CDU und Grüne könnten 2020 bei der OB-Wahl Geschichte schreiben. Und das wohl nicht nur in Dortmund.

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2 Kommentare

  1. #1 | ke sagt am 19. August 2019 um 17:52 Uhr

    Wo liegen die Qualifikationen der Kandidaten bzw. der Hauptakteure?
    Kanitz ist mir bisher überhaupt nicht aufgefallen, abgesehen davon, dass er in jungen Jahren durch ein überragendes CDU Ergebnis mit seinem eher schlechten Listenplatz in den Bundestag gerutscht ist. Die CDU war eigentlich immer besonders schlecht in Dortmund.
    Wer aktuell bei den Grünen aktiv ist, weiß ich nicht.
    Herr Sierau mach aus meiner Sicht einen guten Job, während mir zu Frau Lüders bisher überhaupt keine Aktion einfällt. Dass Herr Westphal aufgebaut wird, ist mir bisher auch nicht aufgefallen. Die Wirtschaftsförderung hat jetzt auch keine Spitzenbilanz.

    Geht es nur mir so, dass mir zu den genannten Dortmunder Politikern überhaupt nichts einfällt?

  2. #2 | Robert Müser sagt am 19. August 2019 um 18:53 Uhr

    Huch,
    da hat die Dortmunder CDU aber nun ein großes Problem:

    Der Wähler droht mit Liebesentzug für die rote Staats- (ups:) Stadtpartei und gibt dafür deutliche Zuneigung für die Schwarzen und bei der DO-CDU ist keiner da, der den Job machen könnte. In den letzten Wahlen hat man lustlos irgendwelche Kandidaten aufgestellt und war am Ende froh, dass man den OB-Posten in DO nicht bekommen hat. Im Nachgang wurden verdiente CDUler mit lukrativen Posten versorgt und alle waren froh mit diesem Zustand.

    Wenn die DO-CDU so weiter macht, dann haben die Dortmunder Grünen die besten Chancen in den Bierkasten am Friedensplatz einzuziehen. Die Dortmunder Grünen sind in den letzten Jahren in Sachen Sachpolitik auch nicht besonders aufgefallen, allerdings hatten sie die Machtoption immer im Blick.

    Bleibt spannend …

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