Dortmunds Haushaltspläne

Heute hat uns Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer via Bild erklärt, es gibt kein Haushaltsloch in der Stadt – wie er und die Kämmerin dies direkt nach der Wahl noch gesagt haben. Dortmunds neuer OB Ulli Sierau spricht schon von einem Haushalts-Loch Ness. Ja, wenn die das sagen. Ich will auf die Trickser aus Dortmund mit einem Gleichnis eingehen:

Ich habe zwei Euro. Und einen Haushaltsplan.

Ich muss für zwei Euro ein Brot kaufen, damit meine Familie morgens UND abends satt wird.

Ich will aber auch noch eine Salami haben, damit das Brot auch schmeckt. Die Salami kostet drei Euro.

Ich mache einen neuen Haushaltsplan: Einen Euro setze ich im Wettbüro auf einen Auswärtssieg des BvB in Schalke. Gewinnen die Dortmunder, bekomme ich auf meinen Einsatz vier Euro zurück.

Das heißt: Wenn der BvB gewinnt, hätte ich laut Haushaltsplan jetzt fünf Euro. Ich könnte also Brot und Salami kaufen. Das erzähle ich meiner Familie. Die glauben mir und klatschen. Ich werde als Familienoberhaupt gewählt.

Einen Tag später kommt das Ergebnis aus Gelsenkirchen. Scheiße, Schalke gewinnt. (wie immer)

Jetzt hab ich nur noch einen Euro. Oder anders gesagt, ein Loch in meinem Haushaltsplan.

Jetzt muss ich sparen. Aber dann weint die Familie. Was mach ich?

Ich ändere den Plan. Ich kauf für den einen, letzten Euro jetzt zwei Vollkornbrötchen mir Rosinen und Schokostreuseln oben drauf.

Dann sag ich: was wollt ihr, ich habe den Haushaltsplan nur geändert. Es ist genug Geld für den Plan da und es gibt jetzt nicht nur Brot, sondern sogar Super-Luxusbrötchen. Mit anderen Worten: es gibt kein Loch im Haushaltsplan sondern nur ein Haushalts-Loch Ness.

Das glauben so ziemlich alle, die es glauben wollen. Nur abends, da wird meine Familie nicht satt.

Und das ist das Problem.

Auf Dortmund bezogen: Im Bild-Artikel steht genau drin, wie Langmeyer das Haushaltsloch zugeschaufelt hat:

a) Sparen: Das heißt, es wird weniger in Projekte investiert und viel weniger für den aktiven Betrieb der Stadt ausgegeben. Das werden die Leute bald spüren.

b) Mehreinnahmen: Die städtischen Töchter werden ausgepresst, müssen Schulden machen und Geld überweisen. Sie können dann weniger investieren. Die Folgen sieht man erst ein wenig später.

c) Mehrzuweisungen vom Land: Hoffnung, die sich erfüllen kann – oder auch nicht.

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7 Kommentare

  1. #1 | Simone sagt am 9. September 2009 um 11:29 Uhr

    Zugegebenermaßen habe ich nur die ersten Zeilen des Artikels gelesen, aber für mich steht fest, dass Herr Langemeyer sich dringend!! auf seinen Geisteszustand hin untersuchen lassen sollte.
    Eine frühere Auszeit täte ihm auf jeden Fall gut, und den Dortmundern sicherlich auch.

  2. #3 | Dortmunder sagt am 9. September 2009 um 13:44 Uhr

    Nochn herrliches Stück aus dem SPD-Tollhaus Dortmund:

    https://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/dortmund/2009/9/4/news-131872913/detail.html

  3. #4 | Arnold Voss sagt am 9. September 2009 um 13:50 Uhr

    Ich glaube ich muss meine Einschätzung von Sierau als radikalen Krisenbewältiger zurücknehmen. Schade. Er ist doch viel zu sehr Teil des „Systems Dortmund“ als dass er sich zu einer Art Ruhr-Gorbatschow aufschwingen könnte. Kann aber auch sein, dass der Vorwahldruck aus Berlin so stark ist, dass er diese Rolle erst nach den Bundestagswahlen antreten darf. Langemeyer allerdings stellts sich am Ende seiner Karriere gelinde gesagt als maßlos überschätzt heraus.

    Hoffentlich lassen sich wenigsten die Grünen nicht von dieser neuen Haushalts(luft)nummer von ihren Forderungen abbringen. Auf jeden Fall haben sie jetzt die entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer neuen Politik für Dortmund. Ob sie es wollen oder nicht.

  4. #5 | Mark sagt am 9. September 2009 um 18:52 Uhr

    Dortmund ist kein Einzelfall, sondern die Normalität. Alle Städte sind heillos überschuldet, oder haben keine Schulden haben dafür aber all ihr Tafelsilber verkauft, haben also keine Reserven mehr. Woran liegt das? Unser Geldsystem ist ein sogenanntes Ponzi Scheme oder System, das ist nichts anderes als ein Schneeballsystem. Es funktioniert so lange, wie Schulden gemacht werden und zwar exponentiell!! Hier spielt der Zinseszins eine Rolle, der einen Wachstumszwang erzwingt. Sind Privathaushalte und die Wirtschaft überschuldet, so bleibt nur noch der Staat, Kommunen und die ööfentliche Hand als Schuldenmacher übrig. Ist auch das ausgereizt so bricht das System zusammen. An diesem Punkt sind wir angekommen. Es dauert nicht mehr lange, bitte anschnallen ! Eine Entschuldung ist in unserem System nicht vorgesehen, also zurück auf Start, mit einer enormen Vernichtung unserer Gesellschaft. http://www.berndsenf.de, inwo.de siehe nach !

  5. #6 | Ulrich Häpke sagt am 10. September 2009 um 00:16 Uhr

    Hi, Arnold,
    unser alter Kollege Ulli Sierau als Ruhr-Gorbatschow – ein wunderschönes Bild. Etwas Besseres habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Glasnost und Perestroika, erst für Dortmund, dann für den Rest des Reviers – das würde uns wirklich gut tun. Nur, die Original-Geschichte endete mit der Auflösung der SU. Wohin wird eine Wiederholung der Geschichte im Ruhrgebiet führen? Wer könnte an Ruhr und Emscher den Boris Jelzin geben? Jemand aus Schalke?

  6. #7 | Arnold Voß sagt am 10. September 2009 um 08:52 Uhr

    Wenn die Auflösung der größenwahnsinnigen Metropolenträume in eine ganz real-normale, dafür aber demokratisch-vorbildlich und ökonomisch solide regierten Ruhr-Stadt enden würde, wäre mir egal wer den Jelzin macht.

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