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Dortmund: Polizei zeigt nach Nazi-Überfall die Opfer an

Nazi-Demonstration in Dortmund

Die Dortmunder Polizei fiel in ihrem Kampf gegen das Unrecht erneut durch eine kriminalistische Großtat auf: Nachdem eine Gruppe Jugendlicher in der Nacht zum Freitag von Neonazis angegriffen wurde, zeigte sie  die Opfer an: Sie stehen im Verdacht, Anti-Nazi Plakate geklebt zu haben.

Sie stiegen aus einem VW Bulli und griffen sofort mit Baseballschlägern und Messern an: In der Nacht zum heutige Freitag wurden linker Jugendlicher in Dortmunder Stadtteil Wellinghofen von einer Gruppe Nazis überfallen.

Das Dortmunder Antifa-Bündnis (DAB) schildert den Überfall in einer Pressemitteilung:

 Gegen 2:45 Uhr bemerkte die Gruppe den Kleinbus der Dortmunder Nazis, einen VW Bulli, der mit Schrittgeschwindigkeit an ihnen vorbeifuhr. Als die Neonazis eine der Personen als Antifaschisten erkannten, wendeten sie und sprangen mit Sturmmasken vermummt und Hiebwaffen in der Hand aus dem VW-Bulli. Fünf Neonazis griffen die AntifaschistInnen mit Baseballschägern, Pfefferspray, mitgeführten Steinen und Flaschen sowie mindestens einem Messer an, wobei von den Neonazis unter anderem die Drohung “Jetzt bist du dran, ich stech dich ab!” ausgesprochen wurde. Während des etwa sechsminütigen Angriffs holten die Nazis immer wieder Flaschen und Steine aus dem Wagen, der für den Nachschub quer auf der Straße rangiert stand.

Täter aus dem Kreis der örtlichen “Kameradschaft” Beteiligt an dem Überfall waren bekannte Neonazis aus Dortmund, von denen einige von den Opfern wiedererkannt und namentlich identifiziert werden können. Mindestens einer der als Täter identifizierten Neonazis musste bereits wegen ähnlicher Überfälle eine Haftstrafe absitzen

Verletzt wurde bei dem Angriff niemand. Die Polizei kam wenige Minuten später und leitete eine bis jetzt erfolglose Fahndung nach dem VW-Bull ein. Das Kennzeichen ist der Polizei bekannt. Dann wurden die Beamten richtig aktiv, wie man der Pressemitteilung der Polizei entnehmen kann:

Im Verlauf der Ermittlungen vor Ort entdeckten die Beamten an dem östlich der Preinstraße gelegenen Unterstand der dortigen Bushaltestelle zwei frisch geklebte Plakate mit der Aufschrift „No Nazis“. Auf der gegenüberliegenden Seite (westliche Bushaltestelle) lag eine Gefriertasche mit Kleister und Farbrolle. Da der dringende Tatverdacht bestand, dass aus der Linksgruppierung heraus diese Sachbeschädigungen begangen wurden, sollten die Personalien festgestellt werden.

Gegen die Jugendlichen wurde nach Angaben der Polizei zudem Anzeige erstattet. Auch als die Mutter eines der Jugendlichen sich einmischte,  zeigte ihr die Polizei die Grenzen auf:

In dieser Phase erschien eine 54-jährige Dortmunderin, Mutter eines der Beteiligten, am Einsatzort und begann, massiv und anhaltend die Polizeibeamten bei deren Arbeit zu behindern. Die Frau wurde daraufhin mehrfach ermahnt, sich ruhig zu verhalten. Trotz dieser Ermahnung störte sie weiterhin die polizeilichen Maßnahmen. Daraufhin wurde ihr ein Platzverweis erteilt. Als auch der Platzverweis von ihr nicht beachtet wurde, nahmen die Beamten die Dortmunderin kurzfristig an Ort und Stelle in Gewahrsam und setzten sie bis zum Ende der Polizeimaßnahmen in einen Streifenwagen. Zur Verhinderung weiterer Störmöglichkeiten wurden ihr zudem Handfesseln angelegt.

In Dortmund hat die Polizei sich in den vergangenen Monaten drauf konzentriert Prostituierte und Biertrinker in der Nordstadt zu jagen. Der Verfolgung der in Dortmund äusserst militanten Nazi-Szene scheint sowohl bei der Stadt als auch bei der Polizei nur ein geringes Interesse zu finden.

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15 Kommentare zu “Dortmund: Polizei zeigt nach Nazi-Überfall die Opfer an

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  • #2
  • #3
    denk nach

    Es tut mir leid, aber dieses Thema geht mir sehr nah. Es gibt so viele Videos (youtube), auf denen dokumentiert ist, wie polizeiliche Deeskalation bei faschistischen Kundgebungen aussieht. Die Faschisten werden eskortiert, die Gegendemonstranten drangsaliert. Dies ist zu meiner tiefsten Betroffenheit keine Polemik, es ist erlebte Erfahrung.
    Und Entschuldigung, ich bin weder in der Pubertät noch Extremistin, eigentlich wohl völlig durchschnittlich demokratisch und humanistisch gebildet sowie parteilos und Mutter zweier Kinder, gehöre keinem schwarzen Block an, noch sympathisiere ich damit, nehme keine Drogen, trinke keinen Alkohol und glaube im Besitz meiner geistigen Kräfte zu sein.

    Mir kommt es vor, als wären die Linken das Übungsfutter für die kommenden Straßenkämpfe. Warum geht eigentlich keiner gucken, der sich immer so schön eine Meinung meint bilden zu dürfen, dass die Chaoten (Linke) sich ja nur mit der Polizei prügeln möchten???!!! Vielleicht haben die Linken im Religionsunterricht einfach nicht aufgepasst: „Und wer Dich schlägt, dem halte auch die andere Wange hin…..“ !!

    Unglaublich……………

  • #4
    Andi

    Äh, mal ganz langsam: Die Polizei wird gerufen, weil Gruppe A von Gruppe B bedroht wird. Beim Eintreffen ist Gruppe B schon weg. Die Polizei leitet eine Fahndung nach Gruppe B ein und versucht herauszufinden, was genau passiert ist. Dabei bemerkt sie Anzeichen für ein Vergehen von Gruppe A. Als sie dem ebenfalls nachgehen will, wird ihre Arbeit von einer mit Gruppe A in Beziehung stehenden Person nachhaltig behindert, bis diese Störung erst durch unmittelbaren Zwang beendet werden kann.

    Ich wäre dankbar, wenn mir jemand das anscheinend existierende Problem mit dem Vorgehen der Polizei erklären könnte. Für mich liest sich das so, als ob die Opfer des Überfalls angezeigt wurden, weil sie mutmassliche Täter einer Sachbeschädigung waren. Und das würde ich für normale Polizeiarbeit halten.

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  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andi: ich denke, es wäre der Job der Polizei gewesen, die Gewalttäter zu verfolgen. Das hätte Vorrang vor allem anderen haben müssen. Die Plakate sind eine Lappalie.

  • #7
    Ben

    @Stefan: Lappalie hin oder her – auch sowas muss verfolgt werden. Hier ist einfach kein Fehlverhalten der Polizei zu erkennen. Auch nicht im Bezug auf den Umgang mit der Mutter. Und was die Verfolgung der Gewalttäter angeht: „Trotz sofort eingeleiteter, intensiver Fahndung konnte das Fahrzeug und die Personen nicht angetroffen werden.“ Hast Du bei der Polizei nachgefragt, wie „intensiv“ diese Suche war, sodass Du daraus ableiten kannst, dass es „der Job der Polizei gewesen, die Gewalttäter zu verfolgen“?

    Das jetzt hier völlig unnötig aufzukochen, macht ein bisschen den Eindruck einer Interpretation der Realität zugunsten der Bestätigung eines bestimmten Bildes. Passend dazu auch die Nichtübernahme eines weiteren Zitats aus der Polizeipressemeldung, nämlich: „Die weiteren Ermittlungen wurden noch in der Nacht vom Staatsschutz der Dortmunder Polizei übernommen, der ersten konkreten Täterhinweisen nachgeht.“ Dieser Eintrag nämlich suggeriert, dass trotz bekannten Kennzeichens die Polizei nur Däumchen dreht.

  • #8
    Bibi

    Also mich wundert in diesem RECHTSstaat gar nichts mehr. Und da hat der Rassist Sarazzin Recht: Deutschland schafft sich ab !

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Ben: Ein Wagen mehr im Einsatz hätte vielleicht zu mehr Erfolg geführt – und Erfolge gegen Nazis könnte die Dortmunder Polizei gebrauchen. Aber klar, Biertrinker und Nutten in der Nordstadt zu jagen, ist natürlich des lässigere Job.

  • #10
    Jan

    Die Polizei muss Hinweisen auf Straftaten nachgehen – und zwar auf beiden Seiten. Und sicherlich ist eine Lappalie auch schnell polizeilich aufgenommen, wenn man sich nicht parallel noch mit Störern auseinandersetzen muss, dann ist auch ein Einsatzwagen sofort wieder bereit, andere Straftäter zu jagen.

    Was Demos angeht: die werden geschützt, wenn sie ordnungsgemäß angemeldet worden sind und der angemeldete Weg eingehalten wird. Wer bewusst an einem Ort zu einer Zeit anmeldet, der schon von einer anderen Demo genutzt wird, kann nicht mit einer positiven Antwort rechnen.
    Es gibt ein Versammlungsrecht im Grundgesetz, es gibt aber kein Versammlungsverhinderungsrecht.
    Ich glaube, wenn die ursprüngliche Demo aus dem linken Lager, die Gegendemo aber von rechtsaußen angemeldet wäre, würde die Polizei hier nach gleichen Grundsätzen handeln – nämlich alles dafür tun, dass die ursprüngliche Versammlung gemäß Anmeldung stattfinden kann.
    Analog zu #4 Andi gelten hier meiner Meinung nach Grundsätze, die ohne ansehen von Person oder Gesinnung umgesetzt werden.

  • #11
    Antifa Medienzentrum Dortmund

    Also mal ehrlich: da wurden Leute mit den Worten „abgestochen“ zu werden mit einem Messer bedroht, mit Steinen beschmissen, mit Pfefferspray eingegast und die Täter sind flüchtig. Die Polizei hat dann nix besseres zu tun als eine – übrigens nicht Straftat – sondern vermeintliche Ordnungswidrigkeit aufzunehmen? Da stimmt wohl offensichtlich etwas an der Verhältnismässigkeit nicht. Was ist der Grund?

    Wer sich die Verfolgung von rechtsextremen Straftaten in Dortmund anschaut sieht sich in solchen Vorgängen bestätigt. Erinnert sei an

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,768415,00.html

    Nun, was ist seit dem daraus geworden? Nichts.

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  • #13
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