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Duisburger Juso-Chef verlässt die SPD mit schillernder Begründung


Sebastian Ackermann wird auf der Seite der Duisburger-Jusos noch immer als ihr Vorsitzender geführt. Er ist es nicht mehr: Ackermann hat die SPD verlassen und ist den Grünen beigetreten. In einem ausführlichen Interview mit der Rheinischen-Post erklärt er die Gründe für seinen Wechsel. Ausschlaggebend waren für ihn die mangelnde Debattenfähigkeit der Partei und ihr Strukturkonservatismus. Das Fass zum Überlaufen brachte für den Jungfunktionär ein Treffen nach der Europawahl im Mai, als man dort nicht über die Verluste bei den Jungwählern diskutieren wollte.

Alles, was Ackermann der Rheinischen Post sagt ist nachvollziehbar. Die SPD hat, zumindest im Ruhrgebiet, keine  Debattenkultur, ist autoritär und hierarchisch. Politik ist hier „machen“ und nie  nachdenken. Jede Form der Intellektuellen Auseinandersetzung mit der eigenen Politik, der Geschichte und den gemachten Fehlern ist den meisten Sozialdemokraten im Ruhrgebiet so fremd wie einem streng gläubigen Ajatollah das  Bier.zum Bacon-Burger. Sicher, Parteien sind keine Uniseminare, aber ab und an einmal nachzudenken und ein Buch zu lesen, würde der Partei und vielen ihrer Mitgliedern sicher nicht schaden.

Bei allem richtigen was Ackermann sagt, kauf ich ihm seine plötzliche Erkenntnis nicht ab. „Ich hatte erst vor kurzem wieder das Gefühl, dass diese SPD nicht mehr meine SPD ist.“ Soll man diesen Satz  ernst nehmen?  Ich kann es nicht. Ackermann trat 2012 in die SPD ein als sie sich anschickte, die Macht in Duisburg zurück zu erobern. Er trat in eine SPD ein, die so war, wie sie heute ist.  Und Ackermanns beruflicher Werdegang ist der eines klassischen Sozis:

„Den Bachelor in der Tasche, die Übernahme leider nicht. Dann erstmal ab zur AWO und Familien in schwierigen Lebenssituationen und bei Behördengängen helfen.

Dann ist’s soweit. Die Bewerbung mit Studium in der Vita trägt Früchte: Fortan ist das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein mein Arbeitgeber. Jetzt kann ich sogar Haushaltspläne in aller Tiefe lesen.“

AWO, irgendein Arbeit im öffentlichen Dienst, Ackermann betont gegenüber der Rheinischen Post, er habe einen „sicheren Job im öffentlichen Dienst, in er alt werden könne,  und nebenbei wird an der politischen Karriere gewerkelt.

Was die SPD zur Zeit von Ackermanns Eintritt von der heute unterscheidet ist: 2012 war sie erfolgreicher. Jene, über die sich Ackermann heute beschwert, dass sie nicht debattieren wollen, waren vor 20 oder 30 Jahren wahrscheinlich wie er. Junge Menschen mit einem Job im öffentlichen Dienst, bei dessen Erlangung das SPD-Parteibuch sicherlich nicht hinderlich war mit dem Willen, in der Politik etwas zu werden. Den Grünen viel Vergnügen mit Herrn Ackermann.

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5 Kommentare zu “Duisburger Juso-Chef verlässt die SPD mit schillernder Begründung

  • #1
  • #2
    Achim

    Die Karrieremöglichkeiten bei der SPD werden vom "undankbaren" Wähler beschnitten. Bei der SPD mangelt es inzwischen sogar an "sicheren Wahlkreisen" und "sicheren Listenplätzen". In einem etablierten Vierparteiensystemgibt gibt es jeden Wahlkreis oder (Ober)Bürgermeister für einen Stimmenanteil von 20 Prozent oder 30 Prozent. Wenn die vier Parteien SPD/Grüne/CDU/AfD und die "Sonstigen" sich die Wählerstimmen teilen, dann sind eben 20 Prozent halt die Mehrheit.
    (Nach der jüngsten Wahlrechtsreform mitder Abschaffung der Stichwahl bei den Wahlen der Landräte /Oberbürgermeiser/Bürgermeister ist dies möglicherweise der Kandidat der Scheiss AfD mit 21 Prozent.
    Gleiches gilt für alle Wahlkreise.
    Auch der Listenplatz 1 schon lange kein sicherer Listenplatz mehr, da jede Partei locker mehr Wahlkreismandate erhalten kann, als ihr nach dem Stimmenanteil eigentlich zustehen würden.
    Dann ist der Listenplatz 1 eben die "Arschkarte". Da hilft dann nur noch der sofortige Rücktritt von im Wahlkreis gewählten Abgeordneten, damit der Listenpreis 1 wieder ein Erfolgsmodell wird.
    In NRW wurde vor ein paar Jahren mal bei der SPD ein Landtagsmandat gegen einen Job als beamteter Staatssekretär getauscht.
    Vor vielen Jahren wurde nach einer Kommunalwahl in Köln mal ein Ratsmandat "genoppelt".

    Achim

  • #3
    Achim

    Das Volk hat gewählt.
    Aber der Vorsitzende Landtagsfraktion der SPD muss doch unbedingt in den Landtag.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Krems

    Da gab es eine kölsche Lösung gegen den Wählerwillen.

    Achim

  • #4
  • #5

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