12

E-Zigarette: Dem süßen Dampf eine Chance geben

E-Zigarette Foto: Lindsay Fox Lizenz: CC BY 2.0


E-Zigaretten und „Heat-not-burn“-Produkte erlauben weniger schädliche Wege Nikotin zu konsumieren, geraten allerdings zunehmend unter politischen Druck. Von unserem Gastautor Bill Wirtz.

Sie sehen aus wie USB-Sticks oder Feuerzeugasbehälter, riechen oft süß und stoßen manchmal große weiße Wolken aus. Viele Ex-Raucher machten den Sprung weg vom Glimmstängel zu E-Zigaretten. Dieses dampfende Produkt profitiert von motivierten Befürwortern und leidet unter uninformierten Politikern. Die Frage im Vordergrund bleibt, ob diese Alternative besser für Raucher ist.

Die Aussage, dass E-Zigaretten 95% weniger gesundheitsschädlich als konventionelle Zigaretten sind, stammt nicht aus einer Werbung von den Produzenten selbst, sondern von Public Health England (PHE). PHE ist Teil des britischen Gesundheitsministeriums und beschäftigt sich täglich mit den Gesundheitsfolgen von Konsumgütern.

Neuere Ergebnisse, die in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurden, zeigen, dass langfristige E-Zigaretten-Nutzer, umgangssprachlich auch gerne Dampfer genannt, einen zwanzigmal niedrigeren Wert an krebserregenden Bestandteilen aufweisen. Dampfer zeigen auch viel niedrigere Werte für weitere tabakspezifische Giftstoffe, die zwei bis fünfmal unter denen der konventioneller Raucher liegen. Wer als Raucher Angst vor den möglichen Risiken einer Zigarette hat, kann E-Zigaretten-Flüssigkeiten (“e-liquids”) kaufen die lediglich Nikotin enthalten.

Doch wissenschaftliche Fakten schaffen es nicht immer in die öffentliche und politische Debatte. Für viele Gesundheitsaktivisten ist klar, dass auch bei diesen risikomindernden Produkten ein starkes Zeichen gesetzt werden muss. Resultat: Obwohl E-Zigaretten gänzlich andere Produkte sind, werden sie zunehmend wie Tabak reguliert. Der Kabinettschef des EU-Gesundheitskommissars Vytenis Andriukaitis, meint die Regulierung für E-Zigaretten in der Europäischen Union sollte gleich sein, wie die gewöhnlichen Tabaks. Er sagt dazu:

„Wir werden mit Fragen über gesündere Möglichkeiten etwas in die Lunge zu inhalieren bombardiert. Eine fremde Substanz in die Lunge zu bekommen, ist einfach nicht gesund.“

Oft wird bei Menge und Einnahmemedium kein Unterschied gemacht. So fallen ironischerweise auch die tabakfreien elektronischen Zigaretten unter die EU Tabakdirektive.

Bei der UN Welttabakkonferenz, die letztes Jahr in Genf stattfand, wurden E-Zigaretten explizit nicht als Alternative gepriesen. Ganz im Gegenteil, Anne Bucher, EU-Generaldirektorin für Gesundheit, sagte dort ebenfalls, dass es keinen Unterschied zwischen E-Zigaretten und konventionellen Zigaretten gibt.

Aus dem Nanny State Index on Nicotine des Institute of Economic Affairs geht hervor, dass Schweden, Großbritannien, Tschechien, Deutschland und die Niederlande die liberalste Politik gegenüber E-Zigaretten betreiben. Die Schweiz hingegen schneidet sehr schlecht ab, vor allem durch das Verbot gegen nikotinhaltige E-Zigaretten. Der Verkauf ist nicht erlaubt – importiert werden dürfen nur 150 ml alle 60 Tage. Norwegen wird diese Produkte demnächst erlauben (die Gesetzgebung ist hier bereits in Arbeit) und damit wird die Schweiz das einzige europäische Land sein, das ein komplettes Verbot pflegt.

Natürlich kann man sagen, dass man am Besten einfach ganz mit dem Rauchen aufhört. Doch komplette Abstinenz ist für viele Raucher einfach nicht möglich. Entweder weil sie es nicht wollen, oder weil die Aufgabe von Nikotin zu schwierig ist. Sogar in extremen Situationen, wie die erzwungene Einstellung des Rauchens im Gefängnis, zeigt sich, dass Inhaftierte auch nach mehreren Monaten in Haft, in der Freiheit wieder mit dem Rauchen anfangen. Wenn man „einfach aufhören“ könnte, würde die Empfehlung einen Arzt zur Rauchentwöhnung zu befragen (so wie es heute auf vielen Zigarettenschachteln steht), nicht sonderlich viel Sinn ergeben. Wir wissen inzwischen ebenfalls, dass das “vaping” bei der Rauchentwöhnung besser abschneidet als konventionelle Methoden wie z.B. Nikotin-Pflaster.

Wer nikotinhaltige E-Zigaretten verbietet, muss damit rechnen, dass Raucher wieder auf die normale Zigarette umsteigen. Und das kann ja nicht das Ziel moderner Gesundheitspolitik sein. Verbote von E-Zigaretten führen dazu, dass viele Verbraucher sich wieder dem altbewährten Glimmstängel zuwenden. Gerade Großbritannien zeigt, dass eine liberale Dampfpolitik die klassische Zigarette besser abgewöhnt. Zwischen 2011 und 2017 ist die Raucherzahl in Großbritannien von 19,8% auf 14,9% gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der E-Zigaretten Nutzer: Fast die Hälfte dieser Verbraucher nutzen E-Zigaretten als Mittel zur Rauchentwöhnung.

Der Markt bietet Rauchern nun eine Alternative, die bezahlbar und angenehm ist und zudem noch weitaus geringere Risiken mit sich bringt. Anstatt alles zu tun, um diese Alternative mit Überregulierung zu überschütten, sollte die Politik Verbrauchern erlauben Zugang zu diesen innovativen Nikotinprodukten zu haben.

Bill Wirtz arbeitet als Senior Policy Analyst für das Consumer Choice Center. Twitter: @wirtzbill

RuhrBarone-Logo

12 Kommentare zu “E-Zigarette: Dem süßen Dampf eine Chance geben

  • #1
    Simon Tobia

    Herzlichen Dank für diesen sehr guten Artikel über E-Zigaretten. Es beweist wiederum, die Politik nimmt immer den leichtesten Weg und kümmert sich überhaupt nicht um den Schutz eines Menschenlebens. Anstatt mit dieser historischen einzigartigen Chance, dank E-Zigaretten, viele, viele Menschenleben zu retten, attackieren sie sinnlos und ohne erdenklichen Gründe die beste Alternative zum Rauchen. Darum zahlen wir steuern und so viel, unglaublich viel Geld in die Gesundheitspolitik. Im Gesundheitswesen sitzen die Mächtigen und wir glauben an Sie, Ärzte in Weiß, Götter. In der Vorbeugung kommt kein Geld rein, nur in der Heilung. Geht es nach der Politik sollen doch alle weiterrauchen und die goldige Kuh gefälligst 2 x bezahlen. 1 x mit Steuern, dass 2. mal mit Heilung. Dass 3. mal gibt es nicht, da nur an lebendigen Menschen Geld verdient werden kann. PS. In der Schweiz ist der Handel mit nikotinhaltigen E-Liquids seit April 2018 erlaubt. www.einfach-rauch-frei.ch wünscht Ihnen eine gute Zeit.

  • #2
    Susanne Scheidle

    Tja, warum soll man denn Rauchern das Leben angenehmer machen, wenn man sie ganz einfach ausgrenzen und diffamieren kann? Bestes Beispiel ist die Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen, die jetzt der erste "rauchfreie" Zoo in Deutschland ist (gilt ausdrücklich auch für E-Zigaretten)! Nicht nur zum Schutze der anderen Besucher und Mitarbeiter (im Freien, wohlgemerkt!), nein, auch weil Raucher einfach "nicht in die naturnahe Gestaltung des Parks passen" – im Gegensatz zu den Werbetafeln an jeder Ecke, die sich selbstverständlich total harmonisch ins naturnah gestaltete Grün schmiegen, nehme ich an…
    Ich bin gerade dabei, einen knackigen Brief an die Geschäftsleitung zu formulieren.

  • #3
  • #4
    ke

    Die Dampfwolken von E-Zigaretten sind für die Nichtraucher der Umgebung oft deutlich ekliger und unangenehmer als normaler Zigarettenrauch.
    Nach meinem STand sind E-Zigaretten natürlich schädlich. Es stellt sich dann die Frage, womit man sie vergleicht und welche Art von Dampf man untersucht. Er unterscheidet sich in den versch. Weltmärkten.
    Raucher könnten nicht mehr rauchen. Das wäre natürlich gut für sie und die direkte Umgebung sowie für die Umwelt. Die Kippen in der Umwelt nerven einfach nur. Aschenbecher werden offensichtlich nicht mehr genutzt.
    Wer beide Arten von Zigaretten raucht, hat nach meinem STand ein höheres Risiko, da er einen richtigen Cocktail raucht. Ebenso wird der Einstieg erreicht, wenn auf weniger Risiko verwiesen wird.

    Ja, die Verbotspolitik des Zooms schreit danach, dass es nun gar keinen Grund mehr gibt, GE zu besuchen.

  • #5
    Nina

    @#2: Die Raucher sind selbst Schuld. Die wenigsten entsorgen ihren Müll anständig. Ja, eine ausgetretene Kippe ist Müll. Ja, den Müll kann man auch mitnehmen. Das Verhalten der meisten Raucher im öffentlichen Raum passt tatsächlich nicht zu einem Park oder ähnlichem. Von daher haben sie es selbst in der Hand. Da muss man hinterher nicht krähen, wenn immer weitere Einschränkungen folgen.

  • #6
    Susanne Scheidle

    @Nina
    Mit dem gleichen Argument könnte man auch Chips- und Schokoriegelesser aus dem Park entfernen, die werfen ihren Müll nämlich auch des öfteren in die Büsche – obwohl drei Meter weiter ein Mülleimer steht.
    Und E-Zigaretten machen überhaupt keinen Müll.

    Ich bin sehr dafür, Leuten, die Müll (Kippen oder sonstwas) auf die Straße oder in den Park werfen, eine Strafe aufzubrummen.
    Ich bin nicht dafür, Raucher abzusondern.

  • #7
    Astrid Schröter

    Hallo Ruhrbarone,
    ein großes Dankeschön für diesen korrekten, faktenorientierten Artikel zur E-Zigarette! Ich finde es klasse, dass es noch Medien gibt, die nicht der Versuchung erliegen, mit Panikmache und Horrormeldungen Quote zu machen. Großes Lob!
    Ich habe nur eine kleine Korrektur: Der Verkauf nikotinhaltiger e-Liquids sind auch in der Schweiz seit Mai 2018 erlaubt, soweit sie in der Europäischen Union zugelassen sind. Entsprechende Rahmenabkommen ermöglichten dies.

  • #8
    Ralf

    Das der Staat mit Tabakprodukten und Alkohol so einen Steuerreibach macht, wird sich an der Wegregulierung der E-Zigarette nichts ändern.
    Unterstützt wird der Staat in diesem Bestreben noch von der Pharma-Lobby, die mit Ihren Tabak-Ersatzprodukten (Nikotin-Sprays, – Pflaster, Kaummis) Milliarden machen und der Tabakinstustrie selbst.
    Ganz toll finde ich dann die uninformierten Kommentare, die der E-Zigarette ihr lebensrettendes Potenzial für Raucher absprechen.
    Wer keine Ahung hat oder seine Infos aus der Zeitung mit den grossen Lettern bezieht, einfach mal die Finger in die Nase oder sonstwohin stecken.

  • #9
    Achim

    @Hannes: Nee, ist Fakt
    @KE: besser informieren, Dampfen -> Nebelfluid,
    Rauchen->Verbrennung von Pflanzenresten
    Guter Artikel

  • #10
    Nina

    @#8Ralf: Du meinst nicht Pharma-"Lobby" sondern einfach die Industrie. Ich finde es gut, dass es diese Produkte gibt und wer sie nicht braucht der muss sie nicht kaufen.

  • #11
    Daira Bär

    Hallo Ruhrbarone,
    Schön, das sich neben dem Spiegel Online (mehr dazu habe ich auf https://einfachmalgedacht.blogspot.com/2019/10/lob-den-spiegel-online.htm geschriebenl) noch mal andere Journalisten um ein realistischen Weltbild zur E-Zigarette bemühen. Vielen Dank dafür das ich diesen Artikel lesen durfte.

    @Nina
    Nein. Die Pharmalobby ist schon die richtige Adresse. Das beweist schon die Arbeit der WHO die ja zum Großteil von der Pharmaindustrie "gesponsort" wird, (Siehe https://einfachmalgedacht.blogspot.com/2019/09/was-haben-die-geraucht-kann-man-das.html).

  • #12

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.