Eierschalen­sollbruchstellenverursacher

Sonntag Punkt zehn. Sie saßen am Frühstückstisch.
Er aß ein Brot mit Aufschnitt, der nach Salami aussah.
Sie aß immer süß, weil sie mal ein Jahr in Frankreich
gelebt hatte. Croissant mit Konfitüre oder Honig,
abgesehen davon, dass sie sich immer ein Ei gönnte.
Darin war sie typisch deutsch. Die Marmelade
tropfte ihr auf die Beine und sie starrte stumpf
nach draußen in den Garten mit Pool und Hollywood-
schaukel und einem großen dicken Holzzaun, der
der Berliner Mauer Konkurrenz hätte machen können.
Die Eier lagen ruhig in den Eierbechern. Er aß seins hart,
ihres war immer weich und während er so zwischen
Wurst und Käse, Konfitüre und Brot, Honig und Kaffee
nach einem Löffel suchte, erblickte er ein stählernes
Ding und er fragte, was zum Teufel das sei.
Und sie antwortete ruhig und wie selbstverständlich:
— Ein Eierschalensollbruchstellenverursacher.
Daraufhin aßen sie stumm ihre Eier und er schaute nach
draußen zur hölzernen Mauer und dachte sich: Scheiß
drauf. Heute Abend steig ich darüber und wenn die Sirenen
ertönen, die Flutlichter mich erfassen oder sie von ihrem
Wachturm aus ihre Kalaschnikow auf mich richtet, der
ich da hilflos in Unterhose im nassen Gras liegen werde.
Ich muss hier raus: Ob tot, ob lebendig, ob querschnittsgelähmt.
Ein Leben im Rollstuhl oder ein Tod im Sarg. Alles besser als
ein Eierschalensollbruchstellenverursacher.

aus: „Notizen über das Pellen einer Mandarine”
Text: Julian Gauda, Bild: Stefan Lüdemann
Release mit Lesung & Ausstellung: 7.4.2017 im Rekorder, Dortmund
Infos & Facebook-Event: bit.ly/nein10000

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Der Sofa-Hunne
Der Sofa-Hunne
7 Jahre zuvor

Seit ich Geräte zum Kaffeekochen für über 1000 Euro kenne, erschüttert mich so ein Eierschalensollbruchverursacher auch nicht mehr.
Ich schlage auch nicht mit einem kleinen Löffel Eier oben auf, sondern schlage ihnen, ohne lange darüber nachzudenken, mit dem Frühstücksmesser den "Kopf" ab. Ich weiß natürlich, daß man das nicht macht.

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