Die Regierung: Raus!

 

Die Regierung Foto: Christoph Voy Lizenz: Copyright

Mit „Raus“ hat „Die Regierung“ ihr fünftes Album veröffentlicht.

Ich versuch mal, ein Album zu besprechen und das ist etwas, mit dem ich mich eigentlich sehr schwer tue – weswegen ich in über 20 Jahren nur eine Hand voll Besprechungen geschrieben habe. Aber bei dem neuen Album von Die Regierung kann ich nicht anders.

Die Regierung habe ich erst durch einen Artikel von Honke Rambow auf den Ruhrbaronen kennen gelernt. Den Namen hatte ich schon mal gehört, mehr aber auch nicht. Dann suchte ich ein wenig rum, fand einzelne Stücke der Band und ihres Sängers Tilman Rossmy. Und ich war begeistert. Ich kann nicht zählen, wie oft ich mir „Willkommen Zuhause“ angehört, was ein wirklich sehr schönes Liebeslied ist: Sehr entspannt und doch von großer Klugheit und Tiefe.

Beides trifft auch auf „Raus“, das fünfte Album von Die Regierung. Die Platte im Frühling herauszubringen, ist nicht ohne eine gewissen Zynismus. Da hat man Monate der Kälte und Dunkelheit hinter sich gebracht und immer wieder Rilkes Herbsttag gelesen, ist froh, den Herbst und den Winter überstanden zu haben und voller Freude und Erwartung auf das, was kommt. Und dann klickt man bei Spotitfy auf „Raus“ und alle Bäume verlieren ihre Blätter. Raus ist ein melancholisch Album. Es ist sehr erwachsen, was nicht wundert, denn Tilman Rossmy wird im nächste Jahr 60 und in dem Alter ist es schon in Ordnung, sich langsam von der Pubertät zu verabschieden. Musikalisch zeigt Die Regierung, was musikalische bei Bands der Hamburger Schule wie Tocotronic, deren stilistischer Vorgänger Die Regierung war, möglich gewesen wäre, wenn sie ihren alten Stil weiterentwickelt hätten. Nicht, dass nicht die Texte, die Musik und die Stimme von Rosmy eine zu jedem Zeitpunkt beeindruckende Einheit bilden. Aber in fast jedem der elf Stücke gibt es einen Satz, der sich einem ins Gehirn einbrennt, weh tun, begeistert oder den ohnehin zu hohen Blutdruck weiter treibt:

„Dann ist ziemlich viel schief gegangen, ich glaub ich hab was missverstanden. Dann bin ich so tief gefallen, wie noch nie zuvor“
Wieder von vorn

„Ich kenn Dich schon so lange, Du veränderst Dich nicht, Du wirst nur immer mehr so, wie Du bist“
Immer mehr so wie Du bist

„Und es waren Mal 100 Meter, jetzt ist es ein Marathon und die neue Zukunft, heißt Erinnerung“
Der Weg nach draußen

Raus ist das perfekte Herbstalbum, würde als solches aber auch bei entsprechender Veranlagung oder Lebenssituation nicht ohne Risiken zu hören sein. Der Frühling hierzulande bietet gewöhnlich immer wieder herbstliche Phasen, die nach ein paar Tagen beendet sind. Ideal, um Raus zu hören, ohne sich der Gefahr auszusetzen, für Monate in Bekümmertheit zu versinken.

Tourdaten:
10.04 Dortmund, Subrosa
11.04 Köln, Gebäude 9
12.04 Darmstadt. Centralstation
13.04 Schorndorf, Manufaktur
18.04 Hamburg, Knust
19.04 Berlin, Kantine am Berghain
21.04 München, Unter Deck

Tickets unter:
https://love-your-artist.de/de/dqagency/

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