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Die Regierung – heute so wichtig wie immer

Copyright: Die Regierung

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Essen ist keine Hochburg der Popmusikgeschichte. Martin Kippenbergers GRUGAS haben einen Platz in der Historie, Klaus Nomi hieß noch Sperber mit Nachnamen als er bei seiner Großmutter in Altenessen wohnte, lange bevor er in New York zur außerirdischen New-Wave-Ikone wurde, am bekanntesten und prestigeträchtigsten sind noch Mille Petrozza und Kreator. Und dann ist da natürlich Die Regierung. Jene Band um Sänger Tilmann Rossmy, die zwischen 1984 und 1994 nur vier Alben veröffentlichte und nun am Samstag im Essener Grend wieder auf der Bühne stehen wird.

Der Legende nach beginnt die Geschichte bereits 1982. Tilmann Rossmy startete Die Regierung als Soloprojekt, mit Rhythmusmaschine, Korg-Syntheziser und Gesang nahm er Stücke auf Kassette auf. Alleine ging es aber nicht weiter und Rossmy suchte sich Mitstreiter. 1984 erschien das erste Album „Supermüll“. Kommerziell völlig erfolglos, aber von Michael Ruff in der Spex als beste Platte der 80er Jahre bezeichnet. Sechs Jahre später kam das von Alfred Hilsberg produzierte Album „So allein“ heraus. Die beiden weiteren Alben, die auf dem Hamburger Label L’age d’or erschienen, begründeten dann den Ruf der Band. 1992 kam „So drauf“ und 1994 „Unten“. Bereits vor der Veröffentlichung des letzten Albums hatte Die Regierung beschlossen, sich aufzulösen. Musikalisch kam man gemeinsam nicht mehr weiter. Tilmann Rossmy gründete sein eigenes Quartett, Gitarrist Robert Lipinski wollte Rock machen und Thomas Geier hatte keine Lust mehr Schlagzeug zu spielen, sondern wollte DJ sein. Dennoch ist es ausgerechnet das „Unten“-Album und die dazugehörige Tour, die den legendären Ruf der Essener Band begründete. Beim Hamburger Konzert, das vom NDR komplett mitgeschnitten wurde, zerbrach Rossmys Plektrum. Er fragte ins Publikum nach Ersatz und der junge Mann, der ihm eines reichte war Dirk von Lowtzow – Sänger und Kopf von Tocotronic. Später bekannte er in einem Interview, dass Die Regierung die wesentliche Inspiration für ihn gewesen sei, Tocotronic zu gründen. Dieser Geschichte und der Aussage von Michael Ruff ist es zu verdanken, dass Die Regierung heute als das heimliche Bindeglied zwischen Neuer Deutscher Welle und Hamburger Schule angesehen werden kann. Also die Brücke zwischen den zwei wichtigsten Phänomenen der deutschen Popgeschichte der vergangenen fast vierzig Jahre.

Das Reunion-Konzert von Die Regierung am 21.3. im Rahmen des 8. Steeler Musikfestivals im Grend ist zunächst einem Zufall geschuldet. Eigentlich hatten die Band-Mitglieder gar keine Ambitionen zur Wiedervereinigung. Die Veranstalter wollten das Tilmann Rossmy Quartett buchen, was aber aufgrund von Reise- und Hotelkosten nicht realisierbar war. Dass dieser Umstand nun allerdings zur Reunion der legendären Band führt, ist ein Glücksfall. Und die Wiederentdeckung geht noch weiter, denn gerade plant das Label Play Loud die Wiederveröffentlichung des „Supermüll“-Albums. Erscheinen soll es als Doppel-Vinyl zusammen mit einem Tribut-Album auf dem Bands und Künstler wie Doc Schoko, Dirk von Lowtzow & Schneider TM, Gebrüder Teichmann, Die Sterne und OMO fest. Herman Herrmann die Songs des Albums bearbeiten. Von den Originalaufnahmen neu gemastert wurde das Supermüll-Album von Hans Joachim Irmler von der Krautrock-Legende Faust. 100 Vorbestellungen zum Preis von 25 Euro braucht das Label, um die Vinyl-Edition veröffentlichen zu können. Sollte es nicht zustande kommen, erhalten die Besteller ihr Geld bis auf 5 Euro zurück und dafür die Download-Version. Und das Label denkt bereits weiter: Auch die Veröffentlichung des Hamburger Konzertes ist als Doppel-Vinyl angedacht. Des Weiteren soll eine Filmaufnahme des Essener Konzertes vom 21.3. erstellt werden und über das Archiv von Play Loud zugänglich gemacht werden. Und dann könnte es auch noch eine Wiederveröffentlichung des „Unten“-Albums geben, was sich Fans sehnlichst wünschen, auf Vinyl, denn das Original ist nur auf CD erschienen.

Die Regierung stellt derweil in Aussicht, dass das Reunion-Konzert im Grend möglicherweise kein Einzelfall bleiben könnte. Bei den Proben wurde klar, dass die Songs durchaus auch heute – wenn auch in einem leicht modernisierten und bereinigten Sound – funktionieren. Die Zusammenarbeit zwischen Tilman Rossmy, Robert Lipinsky und Thomas Geier funktioniert immer noch. Und eine Tour durch deutsche Metropolen hält Die Regierung durchaus für vorstellbar. An der Zeit wäre es auf jeden Fall.

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2 Kommentare zu “Die Regierung – heute so wichtig wie immer

  • #1
    Peter Aleweld

    Lieber Honke Rambow,
    danke für diesen schönen Artikel zum 8.Steeler Musikfestival. Leider ist die Darstellung, dass „der Veranstalter“ versucht hat „Die Regierung“ zu buchen, nicht ganz richtig. Das Steeler Musikfestival wird von Jürgen Belgrano und der Band „6 aus 49“ veranstaltet. Das Grend hilft uns dabei und stellt die Räumlichkeiten sowie Anlage usw. zur Verfügung, wofür wir sehr dankbar sind. Mit Hilfe unseres Freundes Robert Lipinski, der immer noch den Kontakt hatte zu seinem ehemaligen Bandkollegen Tilman Rossmy, ist es uns gemeinsam gelungen die Reunion von „Die Regierung“ auf die Beine zu stellen. Das ausverkaufte Konzert mit „Die Regierung“, „Andas“ + „6 aus 49“ hat uns als Veranstalter gezeigt, dass wir mit diesem kleinen aber feinen Festival auf einem guten Weg sind die hiesige Musikszene zu beleben.

    Keep on rockin‘ – Peter von 6 aus 49

  • #2
    Honke Rambow Beitragsautor

    Lieber Peter,
    danke für den Hinweis. Allerdings ist es im Text durchaus so, dass „der Veranstalter“ den Veranstalter des Steeler Musikfestes meint (nicht das Grend). Aber dennoch schön, wenn nun alle Unklarheiten beseitigt sind.

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