Ein Ex-Genosse zum SPD-Problemfall Gerhard Schröder

Gerhard Schröder Foto: Olaf Kosinsky Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Auch im Urlaub, wenn man eigentlich negative Dinge ausblenden möchte, ist der russische Angriffskrieg Thema für Gespräche und Diskussionen. Auf Mallorca ist das nicht anders: Die völkerrechtswidrige Annexionen in der Ukraine und das Pseudo-Referendum des russischen Despoten Wladimir Putin sorgen für Gesprächsstoff.

Nicht anders war das in den letzten Tagen in unserer mallorquinischen Stammbar Ute aus Duisburg, in der in erster Linie deutsches – speziell: duisburger – Publikum verkehrt.

Längere Gespräche zur aktuellen Lage – und zur Rolle des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder – hatte ich mit Hermann N., der früher als Finanzbeamter tätig und lange Zeit Mitglied der SPD war. Grund seines Austrittes nach der verlorenen Bundestagswahl 2005 und dem Rückzug von Gerhard Schröder aus der Bundespolitik: Sein Engagement für Gazprom und Wladimir Putin.

Ich hatte ein paar Fragen über seine Sicht – mit seiner kritischen Sicht auf das Wirken des Kanzlers,war und ist der ehemalige Genosse seiner Partei voraus – auf die Lobbyarbeit des Ex-Kanzlers für Russland.

Ruhrbarone: Wie lange warst du Mitglied in der SPD?

Hermann N.: Circa 20 Jahre

Ruhrbarone: Du warst also quasi alter Sozialdemokrat?

Hermann N.: So ist es. Ich komme aus einer ursozialdemokratischen Familie. Bis auf meinen Großvater väterlicherseits, der war Kommunist. Meine Mutter war sehr stark in der SPD engagiert. Ich bin sozialdemokratisch erzogen worden, will ich mal sagen. Die Werte der Sozialdemokratie haben mir sehr am Herzen gelegen.

Ruhrbarone: Du bist aus der SPD ausgetreten wegen des Engagements von Gerhard Schröder in Russland?

Hermann N.: Ich habe früher die Meinung vertreten, dass man lieber mit Russland im freundschaftlichen Verhältnis sein sollte, statt mit Amerika. Weil Russland auf unserem Kontinent liegt und später hat mit Trump gesehen, dass auf Amerika nicht immer Verlass ist. Dass Gerhard Schröder extrem nahe Bande mit Putin hatte, hat mich sehr gestört. Als er dann nicht mehr gewählt wurde, hat er sofort die politischen Mandate der SPD niedergelegt. Und hat sehr hochdotierte Posten – ob das Gazprom oder die anderen Firmen, an denen er beteiligt war – übernommen. Ich finde, das ist eine Unverschämtheit.

Ich bin mein Leben lang Beamter gewesen, mir ist es untersagt worden, dass ich nach Austritt aus meinem Berufsleben oder nebenher irgendwelche Nebentätigkeiten annehmen dürfte, die im Zusammenhang mit meinem früheren Beruf stehen könnten.

Und bei Gerhard Schröder spielt das alles keine Rolle mehr.

Kritischer Blick auf den Ex-Kanzler: Hermann N.; Foto: Peter Ansmann
Kritischer Blick auf den Ex-Kanzler: Hermann N.; Foto: Peter Ansmann

Ruhrbarone: Hast du das mal in der SPD thematisiert?

Hermann N.: Nein, habe ich nicht. Das ist eine persönliche Entscheidung, da muss ich nicht lange diskutieren. Meinen Austritt aus der SPD habe ich schriftlich formuliert. Soweit ich mich erinnere, war das ein handschriftlicher Brief über vier DINA4-Seiten, den ich an die SPD gerichtet habe. In dem ich meine Gründe dargelegt habe, dass ich mit dieser Partei, mit dieser Führung – ich war anfangs sehr zufrieden mit Gerhard Schröder, beim Oderbruch hat er z.B. sehr staatsmännisch agiert – nicht mehr einverstanden bin.

Ich hab dann, auf diese vierseitige Begründung, innerhalb kurzer Zeit Rückmeldung bekommen von der SPD. Ein maschinell geschriebener Brief, in dem mir mitgeteilt wurde, in dem dem Genossen Hermann N. mitgeteilt wurde, ich könnte jederzeit wieder eintreten.

Ruhrbarone: Was hat das in deinem Verhältnis zur SPD geändert?

Hermann N.: Ich gehöre zu den Menschen, die zu jeder Wahl gehen oder ich mache Briefwahl. Ob Bundestagswahl, Landtagswahl, Europawahl oder die Kommunalwahl in BieIefeld.
Ich habe bei jeder Wahl, das kann ich ruhig sagen, SPD gewählt. Weil ich die Politik der SPD zu 100% unterstützen kann.

Ruhrbarone: Es gab ein Ausschlussverfahren gegen Gerhard Schröder, mit dem Ergebnis, dass er nicht aus der SPD rausgeworfen wurde. Wie bewertest du dieses Verfahren und das Ergebnis?

Hermann N.: Ob es mit einem Parteiausschluss getan ist, weiß ich nicht. Gerhard Schröder ist mittlerweile 78 Jahre alt. Ich zweifle mittlerweile an seinen geistigen Fähigkeiten und weiß nicht, ob da nicht schon eine gewisse Senilität vorliegt. Ob er jetzt an der SPD rausgeschmissen wird oder nicht, ändert auch nichts an dieser Situation.

Ruhrbarone: Kennst du frühere Genossen, die das ähnlich sehen wie du?

Hermann N.: Genossen, die jetzt ausgetreten sind, kenne ich – ausgenommen von meiner Wenigkeit – überhaupt keine. Sicherlich teilen einige Genossen meine Ansicht, dass es absolut verkehrt war, dass Gerhard Schröder hochdotiert in die russische Maschinerie eingespannt wurde.

Ich keine aber, außer mir, keinen der konsequent ausgetreten ist.

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