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Ende des Ölzeitalters: Geht den Islamisten das Geld aus?

Tanker in Yanbu, Saudi Arabien Foto: Abdullah Imran (Pakistan) Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die großen Raffinerie-Betreiber wollen aus dem Öl aussteigen.  Shell, BP, Total, ExxonMobil, Rosneft und Lukoil, sie alle setzen nach einem Bericht der Welt für die Zukunft auf Biosprit und synthetischer Kraftstoffe auf Wasserstoffbasis. Bis 2050 soll der Umstieg erledigt. Die Welt steht wieder einmal vor einem großen Technologiesprung. Bislang hat jeder Welle großer, technologischer Innovationen auch politische und kulturelle Veränderungen gehabt und unter dem Strich waren sie für die allermeisten Menschen positiv. In den vergangenen 200 Jahren, vor allem in den Jahrzehnten seit der Globalisierung nach dem Niedergang der sozialistischen Diktaturen, haben sich die Lebensverhältnisse der Menschen deutlich verbessert. Und sie haben dies auch getan, weil sich Machtverhältnisse änderten, weil zum Beispiel die Macht der Religionen in weiten Teilen der Welt gebrochen wurde, weil alte Herrschaftsstrukturen durch die Mixtur von Aufklärung, Kapitalismus, Technologie und Demokratie, wenn nicht zerstört, so doch massiv zurückgedrängt wurden.

Wenn nun die Ära des Öls endet und neue Energieträger an seine Stelle rücken, wird das politisch die Welt verändern. Vor allem einer Region und die in ihrem Bereich dominierende Religion, der Islam, stehen stürmische Zeiten bevor.

Die Verbreitung des Islamismus könnte beendet werden, denn die Staaten und islamischen Stiftungen aus den arabischen Ölstaaten und dem Iran stehen durch diese Entwicklung weg vom Öl vor gewaltigen Finanzierungsproblemen: Sie können weiterhin Terrorgruppen, die Muslim Brüder und salafistische Moscheen auf der ganzen Welt finanzieren oder sie beginnen nun sehr, sehr schnell ihre Gesellschaften und vor allem ihr Bildungssystem so umzubauen, dass sie im technologischen Bereich den Anschluss finden und Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die auf dem Weltmarkt nachgefragt werden. Also ungefähr das Gegenteil von dem, was Erdogan in der Türkei mit den Ausbau der İmam-Hatip-Schule gemacht hat.

Die Ölstaaten sind Rentiersgesellschaften. Viele Bürger leben vom Staat, die Herrscherkaste entscheidet über das Einkommen und es ist lohnend, sich mit ihr  gut zu stellen. Auch so manche Moschee im Westen wird entweder von den Ölstaaten oder dort ansässigen frommen und oft radikalen Stiftungen finanziert. Doch dieses Geld wird zu einem sehr großen Teil durch den Verkauf von Öl erwirtschaftet. Auch wenn die Herrscherhäuser längst breit in Aktien investiert haben, wird dieses Geld nicht reichen, um die Menschen weiterhin in staatlichen Jobs durchzufüttern. Hat der Staat kein Geld mehr, weil die Öleinnahmen wegbrechen, ist nicht nur die Stabilität all dieser Diktaturen und Monarchien in der Region gefährdet, es geht schlicht um die Existenz der Menschen. Ihre Qualifikationen sind nicht wettbewerbsfähig, die Staaten des Mittleren Ostens (MENA) und ihre Bildungssysteme haben die falschen Anreize gesetzt:

„Erstens sind die Bildungswerte zwar formal gestiegen, die Bildungsqualität entspricht aber selten den Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Schulkinder erlangen zu wenig Mathematik-, Lese- oder Problemlösungskompetenzen. Naturwissenschaftliche Fächer und Fremdsprachen, die international wettbewerbsfähig machen würden, spielen eine untergeordnete Rolle. Berufliche Bildung hat außerhalb von Israel und Iran kaum eine Bedeutung. Trotz steigender Akademikerquoten fehlen Fachkräfte mit wirtschaftsrelevanten Qualifikationen, weil sich die meisten Studierenden für Fächer entscheiden, die ihnen den Eintritt in den Staatsdienst ermöglichen. Zweitens ist das innovative, private Unternehmertum in den Mena-Ländern kaum verbreitet. Es fehlt an erfolgreichen, kleinen und mittelständischen Firmen, die weltweit die Job- und Wachstumsmotoren der Volkswirtschaften sind. Dagegen gibt es zahllose Kleinstunternehmen mit wenigen Beschäftigten und geringer Produktivität, die nur einfache Waren und Dienstleistungen anbieten. Die Gründungsrate in Mena liegt niedriger als in jeder anderen Weltregion mit Ausnahme Subsahara-Afrikas. Neugründungen haben es zudem schwer, sich gegen Staatsbetriebe und die wenigen privaten Großunternehmen mit engen Staatskontakten durchzusetzen.“

Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Berlin-Instituts. Wollen die Gesellschaften in irgendeiner Form in Zukunft wirtschaftlich bestehen, werden sie sich ändern müssen. Sie werden ihre gesamten Wirtschaft- und Bildungssystem umbauen. Religion, vor allem radikal ausgelegt, ist dabei nichts anderes als ein Störfaktor. Wie heißt es doch schon bei Victor Hugo? „In jedem Dorf gibt es eine Fackel, den Lehrer, und jemanden, der dieses Licht löscht, den Pfarrer.“ Wer Erfolg haben will, braucht weniger Pfarrer – und weniger Imame.

Und der Umbau von Wirtschafts- und Bildungssystemen kostet Geld. Die arabischen Staaten müssen sich entscheiden, wie sie ihre ab nun immer begrenzter werdenden Mittel ausgeben: Für irgendwelche Nichtsnutze, die im Ausland predigen und Anschläge verüben oder für Naturwissenschaftler, Ingenieure und Mathematiker, die als Einzige die Grundlage für einen neuen Wohlstand legen können. Für uns im Westen könnte das den Vorteil haben, dass die islamistische Propaganda und die von ihr verursachten Integrationsprobleme mit ihren hohen Transaktionskosten geringer wird. Doch noch ist der Mittlere-Osten von Wohlstand durch Technik weit entfernt. In seinen Ländern wird zu wenig erfunden und zu viel gebetet:

Die Menschen dort sind nicht dümmer, sie müssen nur von der intellektuellen Begrenztheit befreit werden, die mit Religion einher geht. Als Europa fromm war, war es arm und unterentwickelt. Dann wurde der Pfarrer entmachtet und der Lehrer gewann an Bedeutung. Es ist die Aufklärung, die erst den Wohlstand und dann das Menschenrecht erkämpft.

Mit etwas Glück fahren wir bald in wunderbaren, schnellen Autos, die von synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, durch die Welt und trinken mit unseren klugen und witzigen Freundinnen und Freunden aus Saudi-Arabien Dosenbier am Strand des Roten Meers.

 

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3 Kommentare zu “Ende des Ölzeitalters: Geht den Islamisten das Geld aus?

  • #1
    thomas weigle

    "Die Menschen dort sind nicht dümmer." Einige beweisen dies überzeugend in westlichen Ländern. Aber viele schleppen auch im Westen ihre religiösen und traditionellen Halseisen und Ketten mit sich herum. Deshalb sind sie auch im Westen nicht wirklich angekommen, obwohl sie hier schon seit Jahrzehnten leben, tw. schon in der 3.Generation.
    Und wie erwartet: Russland unter ferner liefen. Was nicht wirklich wundert. Putins Gangsterbande plündert das Land aus und die Bevölkerung lebt von den Brosamen,die von den Tischen der Oligarchenbande und ihrer Knechte fallen.

  • #2
    Walter Stach

    "Sie müssen befreit werden"…….. (sh.vorletzter Absatz)

    Durch wen? Durch die USA, durch die Europäer?
    Befreit von……, weil die "christliche abendländische Welt" für sich in Anspruch zu nehmen scheint, stets und gegenüber allen Völker dieser Welt zu wissen, was deren Bestes ist einhergehend mit der Überzeugung,, legitimiert zu sein, ggfls. auch mit Gewalt -wirtschaftlich, militärisch- alle Völker dieser Welt zu ihrem vermeintlichen Glück zwingen zu können, ja zwingen zu müssen? Das wäre jedenfalls ganz im Sinne der Ideologie eines "christlich-abendländischen" Kolonialismus, die ja nie gänzlich verschwunden war bzw. bis heute nicht verschwunden ist,

    "Sie sollten sich befreien",
    die Mensch in den vom Islamismus dominierten Gesellschaften und Staaten, und das nicht deshalb, weil es "die christlich-abendländische Welt" so von ihnen erwartet oder gar verlangt, sondern "aus eigener Kraft , aus eigenem Antrieb" und in ihrer festen Überzeugung , daß eine säkulare Gesellschaft, ein säkularer Staat, ein demokratisch-rechtstaatliches verfaßtes Gemeinwesen für sie "besser sind" als……; das, so scheint mir, kann "man" sich wünschen.

    Ich gebe allerdings zu bedenken, daß die Menschen in der "islamistischen Welt" auf der Suche nach einer für sie anderen, einer "besseren Ordnung von Gesellschaft und Staat z.B.im "chinesischem Modell" ein Vorbild für sich ausmachen könnten, sie also nicht zwangsläufig auf der Suche nach einer anderen, nach einer besseren Welt bei der Ideologie und der Gesellschafts- und Staatsordnung der sog. westlichen Welt fündig werden müssen, nebst deren Autowahn , Alkoholismus, Drogenkonsum,, Sexismus, ihrem grenzenloser Reichtum einerseits und grenzenloser Armut andererseits und, und, und…..

  • #3
    Berti

    Mein lieber Weigle, mit Ihrem Kommentar (Auszug: "Putins Gangsterbande plündert das Land aus und die Bevölkerung lebt von den Brosamen,die von den Tischen der Oligarchenbande und ihrer Knechte fallen.") sind Sie auf dem Holzweg. Möglicherweise sind Ihre Zeilen einer gewissen jugendlichen Unerfahrenheit geschuldet. Würden Sie jedoch einen Blick zurück werfen (können), so offenbarte sich für die Jahre 1985 bis 1999 ein regelrechter Alptraum, was Russland anbelangt: Niedergang unter Gorbatschow, völliges Chaos und wirtschaftliche Zerrüttung in der Ära des vom sog. Westen so verehrten Jelzin. Seit 1999 – Putins Amtsantritt – hat Russland enorme Fortschritte gemacht, eine Mittelschicht bildete sich heran. Wohlstand in vielen Bereichen, allerdings nach wie vor Defizite. Mit den besten Grüßen von jemandem, der älter sein dürfte als Sie und die Zustände in Russland-GUS aus eigener Erfahrung kennt. Berti. (Ölnachfrage steigt übrigens weltweit bis 2040, und dann schau mer mal)

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