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Es ist nicht mutig, über die AfD zu sprechen

Ich halte seit Jahren Vorträge, seit knapp 10 Jahren. Über Verschwörungstheorien, über die Psychologie dahinter, über Wahrnehmungsphänomene und darüber, wie diese Fake News den Weg bereiten. So auch in der letzten Woche, als wir noch nicht sicher wussten, dass ein weiterer Mord auf das Konto der Rechtsextremen und -radikalen dieses Landes ging. Ich denke heute viel über diesen Vortrag zu Fake News nach, oder genauer, darüber, dass diesmal etwas anders war.

Ich sprach vor etwas über 200 Zuhörern. Die Stimmung war gut, der Raum gut ausgeleuchtet und belüftet und mit toller Technik ausgestattet. Wir hatten zwei schöne Stunden miteinander, das Publikum und ich. Eine Stunde Vortrag und fast noch eine Stunde Diskussion. Soweit, so normal.

Nach dem Vortrag kamen dann noch einige Menschen zum Rednerpult. Auch das ist nicht ungewöhnlich. Meist sind es besondere Einzelfragen – im besten Falle – oder persönlich-skurrile Beschimpfungen – im lustigsten Falle. Doch diesmal kam etwas anderes. Übereinstimmend sagten mir mehrere Personen, sichtbar erfreut, sichtbar wertschätzend und fast schon bewundernd: „Dass sie sich das trauen, so offen gegen die AfD zu schießen. Das ist gut, dass sie das noch tun.“

Es waren Komplimente. Sie trafen mich unvermittelt. Ich hatte sie noch nie bekommen. Und ich denke seitdem über sie nach. War es nur ein ganz spezielles Publikum? Es unterschied sich äußerlich durch nichts, und auch die Fragen waren nicht anders als sonst. Ja, da war ein CDU-Mitglied, das wissen wollte, wie ich zur Klarnamenspflicht im Netz stehe. Ich bin dagegen. Aber ansonsten alles wie immer.

Haben sich also die Zeiten gewandelt? Der Vortrag lief in Ostwestfalen-Lippe, in Nordrhein-Westfalen. Ich sprach nicht im tiefsten Sachsen, oder in einer AfD-Hochburg wie einem Gelsenkirchener Stadtteil. Das war es also auch nicht.

Ist es nun mutig, negativ über die AfD zu sprechen, und zu benennen, dass die AfD eben tut, was sie tut, nämlich hetzen, Hass und Fake News verbreiten, und das in engem Gleichschritt mit dem Kreml? Nein, das ist es nicht. Es ist nicht mutig. Aber es scheint so, als gebe es zunehmend Menschen, die glauben, dass es das ist. Die dem Geschrei der AfD, zumal in den Sozialen Medien, bereit sind auf dem Leim zu gehen, zu glauben, dass die Extremisten in der Mehrheit sind, dass man aufpassen muss, was man sagt, dass man negative Konsequenzen erwarten muss, wenn man klar benennt, dass die Blauen eben eher braun denn blau sind. Man muss es nicht. Man muss nicht mutig sein.

Wir dürfen nicht glauben, dass wir vorsichtig sein müssen, solange wir in einem Rechtsstaat leben, wenn es darum geht, von unserer Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen. Wir dürfen uns keine Schere im Kopf erlauben. All das dachte ich.

Nun aber merkte ich, dass ich kurz inne hielt, als klar war, dass hinter dem Mord an Regierungspräsident Lübcke ein rechtsextremer Täter steht, dessen geistige Nähe zur nun ekelhaft-rumopfernden AfD offenkundig ist.

Ist es jetzt vielleicht mutig über die AfD als das zu sprechen, was sie ist?

Nein.

Es ist nur nötiger denn je.

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3 Kommentare zu “Es ist nicht mutig, über die AfD zu sprechen

  • #1
    Gerd

    „Dass sie sich das trauen, so offen gegen die AfD zu schießen. Das ist gut, dass sie das noch tun.“

    Ich werd much hinter den Bus! Entweder verwechseln die Berichterstattung mit Realität oder die wollten Sie auf die Schippe nehmen.

    "dass hinter dem Mord an Regierungspräsident Lübcke ein rechtsextremer Täter steht, dessen geistige Nähe zur nun ekelhaft-rumopfernden AfD offenkundig ist."

    Wäre der RP eine junge Frau gewesen und der (noch nicht einmal Angeklagte) ein Migrant, würde man das eine politische Instrumentalisierung nennen. Worüber sich die Bunten und Toleranten immer ganz doll aufregen. Aber hier ist Pauschalisieren ok. Welche Doppelmoral.

  • #2
    Klaus Lohmann

    @Gerd: Was "man eine politische Instrumentalisierung nennen" würde oder nicht, wissen Sie doch am allerwenigsten, wenn man Ihren braun-holprigen Relativismus so verfolgt. Hier ist weder Pauschalisieren ok noch das Gegenteil davon und das wissen Sie auch, also verschonen Sie uns bitte mit diesen ungehobelten Versuchen, Ihrer AfD Punkte zu verschaffen.

  • #3
    Klaus Lohmann

    @Autor: Hoffentlich waren das nicht die gleichen Leute, die vor 4 Jahren "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!" brüllten.

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