„Fahrlässig verkürzt, gefährlich verengt“: Weltkirchenrat verteufelt Israel, Kirchen in Deutschland grenzen sich scharf ab

Kibbuz Be’eri nach 10/7 by Micah Brickman cc 3.0

Das ging schnell. Am Donnerstag hatten die Ruhrbarone als einziges Medium berichtet, was der Weltkirchenrat  –  585 Mio Christen  –  weltweit vorgebetet hat: dass man Israel zum Teufel jagen möge. Jetzt die Reaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland, eine dringende Empfehlung an ihre Mitglieder: Keinesfalls nachbeten! Macht 585 minus 18 Mio.

Die laufende Woche über soll weltweit „für Frieden“ gebetet werden, genauer: für Israel-Hass. Das die Idee des Weltkirchenrats (World Council of Churches, WCC). In den Texten, die der WCC durch die Welt gespült hat: kein Wort über Hamas, keines zur inner-palästinensischen Opposition. Keines über die Massaker von 10/7, kein einziges für das Leben der Geiseln. Israel? Wird frömmelnd verwüstet, ein theologisches 10/7. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Dachverband für 20 Landeskirchen, hat auf den Ruhrbarone-Bericht reagiert, eine Sprecherin erklärte am Montag, die EKD habe ihren Mitgliedskirchen kurzfristig „empfohlen“, die Materialien des WCC „nicht zu verwenden“.

„Unser christliches Zeugnis darf weder Polarisierung verstärken noch vereinfachende Gut-Böse-Muster reproduzieren“, so die Sprecherin der EKD. Man wolle „eigene gottesdienstliche und liturgische Wege gestalten, die das Leiden wie auch die Hoffnung aller Menschen im Heiligen Land umfassen und ein glaubwürdiges Zeichen des Friedens setzen.“

Der Satz hat es in sich: Der Weltkirchenrat wird seit einem halben Jahrhundert oder mehr als politisches Über-Ich gehandelt. Die Materialien dieser so redlichen Ökumene jetzt, wo es ums theologische Ganze geht –  um Israel  – , diese Materialien „nicht zu verwenden“, sondern Wege zu gehen, die wirklich „gottesdienstlich“ seien, weil nur so ein „glaubwürdiges“ Zeichen gegeben werden könne, es ist eine Ansage. Betet es nicht nach. Und: „Gegenüber dem Generalsekretär des ÖRK hat die EKD ihre Haltung in einem internen Schreiben dargelegt.“

Frank Kopania, Auslandsbischof der EKD und damit deren Repräsentant beim WCC, formuliert eine Spur schärfer: Weil der WCC allein palästinensisches Leid wahrnehme, „bleiben diese Stimmen fahrlässig verkürzt und gefährlich verengt“, so der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD: Die Texte des WCC sprächen von „‚Besatzung‘, ‚Unterdrückung‘, ‚Apartheid‘ und ‚Genozid‘“ und forderten deren Ende  – „ohne eine Einordnung dieser Begriffe und ohne gleichermaßen die Bedrohung, die Sicherheitsbedürfnisse und das Leiden Israels zu benennen. Das Schweigen zu den Opfern des 7. Oktobers, zu Raketenangriffen und Terroranschlägen sowie zum Engagement vieler israelischer wie palästinensischer Friedensinitiativen macht die Darstellung unausgewogen.“

Mit Kopania zusammen hat die hessische Landeskirche (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, EKHN) alle ihre Pfarrer und Kirchengemeinden schriftlich aufgefordert, „eigene gottesdienstliche und liturgische Formen für Frieden im Nahen Osten zu gestalten, die das Leiden und die Hoffnung aller Menschen umfassen“. Die Texte des WCC, schreibt die Kirchenpräsidentin der EKHN, die Professorin Christiane Tietz, trügen „nicht angemessen zur Förderung des Friedens, eher zur Polarisierung bei“. Ihrem Schreiben an die Gemeinden sind Text-Vorschläge beigelegt, die, verglichen mit denen des WCC, aus einer anderen Welt zu stammen scheinen.

Ob es in der Israelfrage zu einem Zerwürfnis kommen könnte zwischen EKD und WCC? Die EKD hat die Grenze scharf gezogen. Auffällig allerdings, wie sehr sie dabei auf ihre eigene „Ausgewogenheit“ pocht. Als befände sie sich weder hier noch dort, sondern an einem dritten, irgendwie himmlischen Ort, an dem sie nie war: Ausgewogenheit, das textet nicht nur der Bochumer Theologieprofessor Günter Thomas seit Jahren, kann es für eine Kirche, die sich auf den Gott Israels bezieht, hienieden nicht geben. Kirche ist einseitig.

Auffällig auch, dass sich die EKD weiterhin an politischen Begriffen orientiert, an „Apartheid“, „Genozid“ et al. Wo es eine theologische Grenzziehung geben mag, verschlüsselt sie sich in Begriffen wie denen, was „gottesdienstlich“ sei und was „glaubwürdig“. Wobei es in der Tat eine Glaubensfrage ist: An ihr entlang, der „Judenfrage“, haben sich die Christen in Deutschland in den 30er Jahren zerrieben. Dass es heute die ökumenische Weltweite zerreißen könnte, die Aussicht hält Christian Staffa, im jüdisch-christlichen Dialog seit Jahren engagiert, im Gespräch mit den Ruhrbaronen für „absurd“. Fakt ist allerdings, dass der WCC selber die Gottesfrage gestellt hat mit seinen jüngsten Texten: Ob es denn nicht so sei, flötet der WCC, dass die Christen Gott selber zum Vater hätten? Und Juden einen anderen Vater anbeten würden? Den Teufel? „Die Suggestion ist leider völlig eindeutig“, sagt Staffa.

Ob  es bei dem Gott, den der WCC geschnitzt hat, um einen irgend biblischen handelt? Keine 5 Cent auf diese Wette. Der Einsatz würde sich  –  nach der entschiedenen Reaktion der EKD jetzt  –  deutlich erhöhen, ginge es um die Frage, ob die Kirchen in Deutschland ihren Kurs halten. Im Fall von Antisemitismus, hat Wolfram Weimer (CDU) kürzlich erklärt, wolle er, Kulturstaatsminister, jede Kulturförderung streichen.

Auch eine Idee. Sie stammt aus dem Lukas-Evangelium: „Dem, der nicht hat, wird das genommen, was er hat.“

 

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thomas weigle
thomas weigle
4 Monate zuvor

Luther wünschte und hoffte, dass sich Jüdinnen und Juden seiner schönen neuen Kirche anschlossen. Diese aber blieben „verstockt“ und rannten keineswegs Luthers Kirchentüren ein. So wurde Luther zum Feind der Jüdinnen und Juden.Die EKD ist also zu loben Aber, liebe EKD, da ist durchaus noch Luft nach oben, gerade jetzt angesichts der antiisraelischen Hasswelle, die diesen Staat überrollt und auch vor unseren Grenzen nicht haltmacht und unsere jüdischen StaatsbürgerInnen bedroht.

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