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Fehlzeichnungen

Leserin – gemeinfrei

Digitale Literatur? Es gibt Leute, die sind der Ansicht, sie hätte etwas zu bieten, das der analogen, in Papier ausgestaltenen Literatur, fremd ist. Dies mag sein. Eine Feinzeichnung dieses Anderen fehlt jedoch. Stattdessen gibt es seit den neunziger Jahren* diverse Bemühungen, durch verschiedene, unter Umständen verzwickte Griffe in Steckdosen, die Attraktivität des Digitalen zu erhöhen. Mit Literatur haben solche Vorgehensweisen nichts Erkennbares zu tun, jedoch mit einem Marketing, das in der Hitze der Gefechte über die Stränge schlägt. Links können als Beispiele dienen. Tauchen sie auf, wird man als Leser fortgeschickt, in andere Gefilde. Als Verweis können solche Links durchaus hilfreich sein, wird man jedoch fortlaufend aus einem Text gejagt, können lediglich eine Verbannung und eine Vermeidungsstrategie deutlich werden.
Durch die Formulierung „Hauen Sie doch endlich ab!“ ließe sich das publizistische Anliegen erläutern. Es würde mich zumindest ebenso treffen, falls Bilder und / oder Videos verstärkt in den Vordergrund rücken würden. Youtube hat für die Veröffentlichung von Videos eine Plattform geschaffen, mit Literatur hat diese jedoch nichts zu tun, allenfalls mit einem Marketing. Unsere ‚Engine Hedda‘ ist z.B. dort zu finden.

Literatur bleibt auch digital Sprache, der (sichtbare) Inhalt eines eBooks ist (primär) Sprache, aber eine Auseinandersetzung mit Sprache scheint Autoren, Verlagen als auch Lesern besonders schwierig zu sein. Man weiß ja so gut wie nichts, am wenigsten über Sprache. Die typischen Schul- und Germanistikkenntnisse sind lediglich ein Gräuel. Und nun?
Wenn Menschen überwiegend Analphabeten sind, dann ließe sich auf Sprache leicht verzichten. „Spielt“, ließe sich vorschlagen, „wandert doch zurück in Kinderwelten, ballert euch Kopf und Hose voll!“ Eine freilich nicht unkomplizierte Alternative hat Mark Ammern entwickelt, mit seinem literarischen Konzeptbüchlein. Es geht um künstlerische Sprache!

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Literatur:

Reinhard Matern, o.J., Netzliteratur und Schriftmedien, in: Kritikaster (www.autorenverlag-matern.de/archiv/essay1.htm), das Erscheinen wurde inzwischen eingestellt.
Mark Ammern, 2017, Das literarische Konzeptbüchlein, eBook, Duisburg.

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