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Festivals 2021: Hoffen auf Apps und Impfung

Foto Bochum Total 2016 / Michalak


Der Festivalsommer 2020 fiel wegen der Coronapandemie aus. Nun hoffen die Veranstalter auf das kommende Jahr und die Impfung.

Für Millionen Musikfans gehören Festivals seit Jahrzehnten zum Sommer dazu. Doch wo sonst Bands gefeiert werden, herrschte in diesem Jahr Stille.

Auch bei Alex Schwers ging 2020 nichts. Schwers organisiert mit dem Ruhrpott-Rodeo in Hünxe das größte Punk Open-Air-Festival der Republik. Um die 9000 Besucher kommen jedes Jahr auf das Freigelände am Flugplatz Schwarze Heide, um Bands wie Dropkick Murphys, Bad Religion oder Acht Eimer Hühnerherzen zu hören. Im vergangenen Sommer musste Schwers das Festival wegen Corona absagen, für das Ruhrpott-Rodeo 2021 laufen die Planungen: „Fast alle Bands sind gebucht und wenn alles klappt, können wir unser bislang stärkstes Programm bieten.“ Für den Fall, dass es im Sommer noch Corona bedingte Einschränkungen gibt, haben wir ein Hygienekonzept erstellt: „Zum Beispiel wird es auf dem Campingplatz Parzellen geben, die Fläche des Festivals haben wir vergrößert und im Bühnenbereich herrscht dann Maskenpflicht.“ Das alles würde die Produktionskosten des Ruhrpott-Rodeos deutlich in die Höhe treiben, sagt Schwers, aber das Ordnungsamt Hünxe ist mit den Plänen zufrieden.
Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Lage bis zum nächsten Sommer normalisiert und sollte es zu Corona bedingten Maßnahmen auf dem Festival kommen, geht Schwers davon aus, dass die Besucher mitmachen.

Die Band WIZO gehörte im Jahr 2018 zu den großen Abräumern auf dem Ruhrpott Rodeo / Foto: Peter Hesse

Ob das Publikum aufgrund der diesjährigen Abstinenz nächstes Jahr mehr denn je zu Musikevents drängt oder noch längere Zeit verhalten reagiert, kann keiner sagen.

Das muss auch Marcus Gloria. Der 57jährige hat 1986 das Festival Bochum Total gegründet. Seit vielen Jahren ist es mit bis zu 800.000 Besuchern an vier Tagen die größte Musikveranstaltung Deutschlands. Auf vier Bühnen spielen dutzende Bands. Szenegrößen wie Tocotronic, Wir sind Helden oder die Donuts traten hier auf, meistens bevor ihre ganz große Karriere startet. Finanziert wird das Festival durch Werbung, Getränke und Standgebühren. 2020 fand Bochum-Total nur online statt. Für das kommende Jahr hat sich Gloria entschlossen, so zu tun, als ob es kein Corona gibt: „Wir haben die Gespräche mit unseren Partnern aufgenommen und die Planungen laufen. Im Moment gehen wir davon aus, dass das Festival im Sommer stattfindet.“ Nur ob die Menschen dann Lust haben, sich vor den Bühnen zu drängeln, das weiß Gloria nicht. Und unklar ist auch, ob es die vielen zusätzlichen Konzerte in den Clubs und Kneipen des Bermudadreiecks geben kann, die zu Bochum-Total dazugehören. „Ich hoffe, dass wir bis zum Sommer viele geimpft sind und bis dahin eine vernünftige Corona-App haben. Wenn nur Geimpfte in einen Club könnten, wäre viel gewonnen. Wichtig wäre auch, wenn eine App sagen würde, wenn jemand infiziert in einer Kneipe war. Dann wissen alle anderen Besucher, dass sie sich testen lassen müssen.“ Von beiden Maßnahmen hängt für Gloria ab, ob der kommende Sommer wie mehr Normalität wird bieten können.

Das Land hat Anfang November eine Arbeitsgruppe eingerichtet, welche die Wiedereröffnung von Kultureinrichtungen vorberietet. Open-Air-Veranstaltungen, teil das Kulturministerium auf Anfrage der Welt am Sonntag mit, seien „momentan nicht Gegenstand der Überlegungen der Arbeitsgruppe.“ Diese beschäftigt sich aktuell vor allem mit dem Thema Belüftung. Das Ministerium führe derzeit intensive Gespräche mit der Club-Szene, dabei gehe es jedoch nicht um Öffnungskonzepte, sondern darum, etwaige Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Die hat die Szene auch dringend nötig. Der Verband der Clubs und Veranstalter in NRW schätzt, dass alle der 600 Clubs im Land große wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben. Auch die Clubs hoffen auf den Sommer und Outdoor-Partys und Konzerte. Ab Februar könnte es, wenn es gut läuft, in einem eingeschränkten Rahmen weiter gehen. Aber mit Veranstaltungen im normalen Rahmen rechnen die Club-Verband nicht vor Mitte Herbst 2021.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Welt am Sonntag

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