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Filzdecke Ruhr: Wem nutzen die Volkseigenen Betriebe im Ruhrgebiet?

Die Idee klingt für viele erst einmal gut: Unternehmen in den Händen der Städte und des Staates schauen nicht auf den Profit, sondern engagieren sich im Sinne aller Bürger. Sie stellen sicher, das sauberes Wasser aus den Leitungen kommt, dass der Strom fließt und die Becken in den Schwimmbädern nicht leer werden.  Doch nicht alles was gut klingt, ist auch gut: Viele dieser Unternehmen,  ihre genaue Zahl weiß bislang niemand, dienen dazu, Parteifreunde mit üppigen Gehältern zu versorgen. Oft bestehen sie nur aus einem Geschäftsführer und ein paar Mitarbeitern und sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Die wichtigste Qualifikation der Führungskräfte ist oft das Parteibuch. Millionen, die dringend anderswo gebraucht würden versickern in undurchsichtigen Strukturen. Das Ruhrgebiet erinnert in dieser Beziehung an die DDR.

Mit der Unterstützung von Correctiv will ich mich in den nächsten Monaten mit diesem Thema beschäftigen. Mein Ziel ist es, dass die Strukturen transparent werden, denn nur wenn klar ist, wie groß dieser Wirtschaftlich-Politisch-Komplex ist, kann eine öffentliche Debatte über seinen Sinn oder Unsinn beginnen. Mein Ziel ist es, einen VEB-Atlas Ruhr zu veröffentlichen.

Dieser VEB-Atlas Ruhr richtet sich vor allem an die Bürger der Revier-Kommunen. Sie erhalten die Möglichkeit, sich unkompliziert und verständlich über die Verbindungen der Politik mit dem öffentlichen Unternehmen zu informieren und sich überhaupt erst darüber klar zu werden, wie groß dieser Sektor im Ruhrgebiet ist.

Aber auch für lokale Blogs und Journalisten ist der VEB-Atlas Ruhr gedacht: Er könnte zum Ausgangspunkt weiterer Recherchen werden. Warum gibt es welche Verflechtungen. Da kann eine Menge aufgeklärt werden.

Zuletzt richtet sich der Atlas auch an die Lokalpolitiker selbst. Viele von Ihnen werden die Orientierung verloren haben, was überhaupt von Ihnen kontrolliert werden soll.

Eine so aufwendige Recherche ist für einen freien Journalisten und auch für ein relativ großes Blog wie die Ruhrbarone nicht vorzufinanzieren. Deswegen sammle ich über die Crowd Geld ein, um eine so umfangreiche und zeitintensive Recherche leisten zu können. Die Ergebnisse meiner Arbeit werden allen Interessierten kostenlos zur Verfügung stehen. Die gesamte Summe wird in die Arbeit einfließen.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das tun. Ich sammel über die Crowdfunding-Seite von Correctiv Geld ein.

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8 Kommentare zu “Filzdecke Ruhr: Wem nutzen die Volkseigenen Betriebe im Ruhrgebiet?

  • #1
    der, der auszog

    Die Idee des VEB-Atlas Ruhr finde ich total klasse. Neben Kohle und Stahl wurden im Ruhrgebiet auch immer schon Filz produziert, welcher die Montankrise unbehelligt überstanden hat und der bislang vom Strukturwandel fast völlig verschont geblieben ist.

    Hinsichtlich meines Wohnortes Gelsenkirchen fällt mir als “Volkseigener Betrieb” spontan die Stadmarketinggesellschaft ‘SMG’ ein, die bis auf dumme Sprüche wie “Gelsenkirchen. Herz im Revier voll Kraft und Zauber”, langweilige Weihnachtsmärkte und seit einiger Zeit eine überflüssige Stadtzeitung, bislang nicht wirklich was geleistet hat. In den Jahren bis 2011 ist dieser stadteigene Betrieb von Wolfgang Lalakakis und Co. so richtig vor die Wand gefahren worden. Aber statt den Laden einzustampfen und dicht zu machen wird er bis heute künstlich am Leben gehalten…

    hier gehts zum Stadtmarketing Gelsenkirchen:
    http://www.stadtmarketing.de

    hier zu einem Artikel aus der WAZ von 2012:http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/stadtmarketing-gelsenkirchen-im-ueberlebenskampf-id7148080.html

    bedauerlicherweise saß auch die örtliche Presse in Gelsenkirchen immer schon auf dem Schoß der Politik, weshalb sie nie tiefer in die näheren Umstände eingestiegen ist. Aber vielleicht sind die Ruhrbarone für sowas das geeignetere Medium.

    Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Erfolg und bin gespannt was ihr zutage fördert.

  • #2
    PK

    Sehr gute Idee! Das ist ja ein überfälliges Projekt. Hohe Kosten, mäßige Leistungen und Intransparenz der “volkseigenen” Betriebe. Aber bestens versorgte Gutmenschen. Da sollte man in der Tat mal etwas Licht ins Dunkel bringen…

  • #3
    Klaus Lohmann

    Schöne Sache, hab vorhin mein Schärflein geleistet;-) Falls ihr an Infos zum Brüsseler Fördergelddschungel und dessen magische Anziehungskraft auf SPD-geführte Ruhr-Kommunen interessiert seid, könnte ich evt. etwas helfen.

  • #4
    bob hope

    #2 PK:

    Da haben wir ja wieder das Hauptproblem: “bestens versorgte Gutmenschen”. Hauptsache die Gutmenschen-Keule schwingen, sei es noch so konstruiert. Hoffe und denke mal, dass es bei dem Projekt um andere Dinge geht.

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  • #6
    Alreech

    selbst ohne Filz und Versorgung verdienter Parteigenossen:
    Wie kann der Staat dessen Aufgabe es ist Betriebe zu kontrollieren gleichzeitig selber Betriebe führen ? Da ist ein grundlegender Zielkonflikt, der schnell zu einem realen Konflikt wird wenn in den städtischen Betrieben Unregelmäßigkeiten auftauchen.

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