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Flaute auf hoher See – Finanzkrise trifft Windfarmen im Meer

Foto: Flickr.com / phault

In der vergangenen Woche habe ich über die Offshore-Windparks recherchiert. Das sind diese Riesenwindstromfabriken auf offenem Meer. Sie sollen in der Nordsee wachsen und in der Ostsee. Milliardenprojekte. Hochglanztauglich. Sie sind der Schaum auf jeder Präsentation zur Zukunft der deutschen Energieversorgung. Nur: bis heute kann niemand mit einem Schiff zu einem deutschen Windpark auf hoher See reisen. Es geht immer noch nur mit einem Mausklick vom Schreibtisch aus. Denn die Offshore-Projekte sind alle virtuell. Immer noch. Trotz aller Ankündigungen von Unternehmen und Bundesregierung wurde noch keine Stromfarm im tiefen Wasser errichtet.

Zum Beispiel der Windpark Borkum Riffgrund West. Ursprünglich wollte hier die Firma Energiekontor außerhalb der 12-Seemeilen-Zone 458 Windpropeller in die Nordsee stellen. Baubeginn sollte im Jahr 2004 sein. Hunderte Anleger zeichneten Anteilsscheine an dem Projekt. Doch bis jetzt wurde nur Papier bedruckt. Kein Mast gestellt. Cerstin Kratzsch von Energiekontor sagt: „Entscheidend für die Realisierung ist die Projektfinanzierung. Wir verhandeln derzeit mit Banken. Das ist während der aktuellen Finanzkrise allerdings schwierig.“

Die Pläne der Bundesregierung zum Ausbau von Windparks auf hoher See geraten unter Zeitdruck. Eigentlich sollten im vergangenen Jahr bereits 1500 Megawatt (MW) vor den deutschen Küsten stehen. Bis zum Jahr 2020 gar über 10.000 MW Leistung. Das entspricht der Kraft von zehn Kernkraftwerken. Doch von den Planspielen ist man weit entfernt. Bislang lag es vor allem an technischen Problemen und Schwierigkeiten bei der Netzanbindung.

Und nun kommt auch noch die Wirtschaftkrise dazu.

Foto: Flickr.com / phault

In der vergangenen Woche habe ich über die Offshore-Windparks recherchiert. Das sind diese Riesenwindstromfabriken auf offenem Meer. Sie sollen in der Nordsee wachsen und in der Ostsee. Milliardenprojekte. Hochglanztauglich. Sie sind der Schaum auf jeder Präsentation zur Zukunft der deutschen Energieversorgung. Nur: bis heute kann niemand mit einem Schiff zu einem deutschen Windpark auf hoher See reisen. Es geht immer noch nur mit einem Mausklick vom Schreibtisch aus. Denn die Offshore-Projekte sind alle virtuell. Immer noch. Trotz aller Ankündigungen von Unternehmen und Bundesregierung wurde noch keine Stromfarm im tiefen Wasser errichtet.

Zum Beispiel der Windpark Borkum Riffgrund West. Ursprünglich wollte hier die Firma Energiekontor außerhalb der 12-Seemeilen-Zone 458 Windpropeller in die Nordsee stellen. Baubeginn sollte im Jahr 2004 sein. Hunderte Anleger zeichneten Anteilsscheine an dem Projekt. Doch bis jetzt wurde nur Papier bedruckt. Kein Mast gestellt. Cerstin Kratzsch von Energiekontor sagt: „Entscheidend für die Realisierung ist die Projektfinanzierung. Wir verhandeln derzeit mit Banken. Das ist während der aktuellen Finanzkrise allerdings schwierig.“

Die Pläne der Bundesregierung zum Ausbau von Windparks auf hoher See geraten unter Zeitdruck. Eigentlich sollten im vergangenen Jahr bereits 1500 Megawatt (MW) vor den deutschen Küsten stehen. Bis zum Jahr 2020 gar über 10.000 MW Leistung. Das entspricht der Kraft von zehn Kernkraftwerken. Doch von den Planspielen ist man weit entfernt. Bislang lag es vor allem an technischen Problemen und Schwierigkeiten bei der Netzanbindung.

Und nun kommt auch noch die Wirtschaftkrise dazu. Die Finanzierung der kostenintensiven Projekte in Nord- und Ostsee steht auf der Kippe. Besonders mittelständische Projektentwickler seien betroffen, heißt es bei Banken. Ohne Unterstützung des Staates können offensichtlich nur noch große Versorger die so genannten Offshore-Parks realisieren. Torsten Hinsche ist Leiter des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energien der Commerzbank. Er sagt: „Gerade die sehr großen Projekte der Mittelständler haben das Problem, dass sie derzeit schwierig zu finanzieren sind.“

Selbst der Bau des Pilotprojekt „Alpha Ventus“ 40 Kilometer östlich von Borkum musste verschoben werden. Auch hier steht noch kein Windspargel. Der Baugrund 40 Kilometer östlich von Borkum ist schwieriger zu beherrschen als gedacht. Gleichzeitig verteuern sich die Projektkosten. Als im vergangenen Sommer die ersten sechs Rotoren installiert werden sollten, musste ein eigens angeheuertes Montageschiff quer über den Atlantik reisen, um anschließend wieder unverrichteter Dinge im Herbst in den Golf von Mexiko abzudampfen. Nun soll der Park in diesem Sommer fertig gestellt werden, heißt es bei den beteiligten Partnern E.on, Vattenfall und EWE. "Bis Spätherbst werden wir das schaffen", sagte ein Sprecher.

Die Weltwirtschaftkrise verschärft die ohnehin komplizierte Finanzierung für unerprobte Windparks in der stürmischen Hochsee. Banker und Unternehmen sagten mir übereinstimmend, die Ansprüche an die Eigenkapitalbasis für Offshore-Projekte seien in den vergangenen Wochen drastisch gestiegen. Reichte früher ein Eigenanteil von 15 Prozent aus, um einen Fremdfinanzierung zu bekommen, verlangen Banken heute, dass ein Kreditnehmer bis zu 30 Prozent der Kosten für die Hochsee-Spargel alleine trägt.

Besonders mittelständischen Unternehmen macht das zu schaffen. Willi Balz von der Projektgesellschaft Wetfeet Offshore berichtet, dass er für seinen Windpark Global Tech vor Cuxhaven insgesamt 1,3 Mrd Euro beschaffen muss. Der Eigenanteil liegt heute nach dem Einstieg der Stadtwerke München, der HSE Darmstadt sowie privaten Investoren bei rund 200 Mio Euro. „Wir brauchen aber mindestens 300 Mio, damit wir eine Finanzierung bekommen“, sagt Balz. Doch selbst wenn das Geld beisammen ist, sind noch nicht alle Probleme gelöst. „Heute ist es schwierig, eine Bank zu finden, die als Konsortialführer auftritt.“ Stattdessen müsse er mit jeder Bank einzelne Verträge aushandeln. Auch die Kreditsummen je Bank würden geringer, sagt Balz. „Keine Bank schultert mehr 300 Mio alleine. Stattdessen machen die Banken Verträge um die 50 Mio Euro.“

Von einem weiteren Problem berichtet Torsten Hinsche von der Commerzbank: „Langfristige Kredite sind nicht leicht zu erhalten und erhöhte Risiken teurer geworden.“ Gleichzeitig müssten bei Offshore-Finanzierungen die Risiken klar aufgezeigt werden. Hier würden die Banken besonders auf Versicherungen drängen, die alle Unwägbarkeiten absichern würden. „Gerade auf hoher See kann es zu wochenlangen Ausfällen der Anlagen kommen.“ Doch hier liegt das Problem: Erst wenn die Versicherer genau wissen, wie die Risiken definiert werden, sind sie bereit diese zu übernehmen. Ohne Versicherungen aber gibt es keine Finanzierungen.

Es entsteht eine Lücke, in die die großen Energieversorger bereitwillig vorstoßen. E.on, Vattenfall und EnBW wollen Projekte in der Nordsee realisieren. Der Finanzchef der RWE Innogy Hans Bünting sagt, gerade kleinere Projektierer hätten oft nicht die Möglichkeiten, die Schwierigkeiten zu meistern. „Viele werden ihre Projekte abgeben müssen, weil sie nicht die Finanzkraft haben, die Windparks zu realisieren. Hier haben die großen Versorger und starke Stadtwerkeverbünde eindeutig Vorteile.“ Den Worten lässt RWE Innogy Taten folgen. Der Konzern sicherte sich genauso wie die Konzerne E.on und Vattenfall auf Jahre hinaus die Produktion eines Windturbinenproduzenten. Dies verknappt die Kapazitäten der Propeller und macht sie teurer. Wieder steigen die Kosten für die Mittelständischen Projektierer. RWE Innogy Finanzchef Bünting bietet den in Schwierigkeit geratenden Unternehmen einen Ausweg an. „Wir stehen bereit, die angefangenen Vorhaben mit den Projektentwicklern gemeinsam umzusetzen.“

Windparkprojektierer berichten bereits, die großen Konzerne würden offen Lobbyarbeit in der Bundesregierung betreiben, um die Mittelständler aus den Projekten zu drängen. „Im Umweltministerium sagen Vertreter der Konzerne, die Offshore-Entwicklung könnten nur die großen Versorger bewältigen.“, sagte einer, der an den Gesprächen teilnimmt. „Das stimmt nicht. Das Know How liegt bei uns.“

Einen Grund für das aggressive Vorgehen der Energieriesen sehen die Mittelständler in den Versäumnissen der Großen aus der Vergangenheit. Weil in den Chefetagen der Konzerne lange Widerstand gegen die „Phantastereien“ herrschte, haben sich die Versorger zu spät um die Entwicklungen auf hoher See gekümmert. Heute besitzen E.on, RWE und Co kaum Anteile an den bereits genehmigten 20 Windparks mit 1497 Propellern.

Doch nicht nur in den Finanzierungen liegen Probleme der Offshore-Industrie. Auch technische Fragen ist noch nicht gelöst: Zum Bau der Windparks werden neue Spezialschiffe benötigt, die schnell über 100 Mio Euro kosten können. Dazu sind auf hoher See die Zeitfenster sehr knapp, in denen die Parks errichtet werden können. An Land kann an rund 300 Tagen im Jahr gearbeitet werden, auf dem Meer oft nur in weniger mehr als der Hälfte der Zeit. Commerzbank-Financier Hinsche sagt, unter anderem aus diesem Grund sei es schwierig, genaue Terminpläne zu entwerfen. „Diese aber sind wichtig, wenn es darum geht, die Projektabläufe zu koordinieren.“ Beispielsweise könne es von der Bestellung eines Seekabels bis zur Lieferung zwei Jahre dauern.

Das bedeutet: Nur wenn in diesem Krisensommer die Finanzierungen fixiert werden, kann der Bau der Anlagen im Jahr 2011 begonnen werden. Da die Vorlaufzeiten der Projekte sehr lang sind und die Kapazitäten für den Bau der Anlagen sehr begrenzt, müssen spätestens dann die ersten Anlagen in Betrieb gehen, damit die Ziele der Bundesregierung noch erreicht werden können. Ansonsten droht die Initiative im Nordseeschlick stecken zu bleiben.

Das ist nciht das einzige Problem. Derzeit sind die Windanlagen auf dem Festland billiger und sicherer zu bauen. Es gibt keine unkalkulierbare Risiken, dafür sichere Renditen. Die Folge: finanzkräftige Investoren setzen eher auf die traditionellen Windspargel.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat das Problem erkannt. Er fordert eine Art Rettungsschirm für die Offshore-Industrie. "Ein Einbruch beim Ausbau der erneuerbaren Energien muss verhindert werden", sagte der SPD-Politiker. Zunächst wurde im Konjunkturpaket II eine verbesserte Förderung der Hochsee-Projekte beschlossen. Seit wenigen Tagen kann die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) die Banken von bis zu 50 Prozent der Darlehenshaftung freistellen. Das schont das Eigenkapital der Geldhäuser und ermöglicht großzügigere Kredite. Gleichzeitig wird über Bürgschaften nachgedacht, die den Offshore-Projektierern gewährt werden soll. Dies würde vor allem die Eigenkapitalbasis der Mittelständischen Unternehmen stärken und den Zugang zu Finanzierungen erleichtern.

Commerzbanker Hinsche ist zuversichtlich: „Derzeit verzögert sich die Umsetzung der Off-Shore-Projekte. Ich halte diese Entwicklung aber auch für gesund.“ Der Zeitdruck dürfe nicht zu Leichtsinn verführen. „Eine sorgfältige Abwägung muss sein, um der Industrie die Chance zu geben, für die Projekte reif zu werden. Erst wenn alle Fragen geklärt sind, kann es richtig losgehen.“

Auch bei Energiekontor gibt man sich zuversichtlich, das Projekt Borkum Riffgrund West mit sechs Jahren Verspätung realisieren zu können. „Wenn wir im Laufe des Jahres die Finanzierung bekommen, können wir schon 2010 mit dem Bau beginnen“, sagt Cerstin Kratzsch.

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