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Florian Schneider ist gestorben: Ein Musikerleben als Roboter

Pioniere aus Düsseldorf: Kraftwerk

Pioniere aus Düsseldorf: Kraftwerk // Bildcredit: EMI

Florian Schneider-Esleben, Mitgründer der legendären Gruppe Kraftwerk, ist gestorben. Das teilte seine Plattenfirma Sony am Mittwochabend in Berlin unter Berufung auf Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter mit. Der Musiker sei nach einer Krebserkrankung gestorben, hieß es von Sony. Er wurde 73 Jahre alt. So viel ist sicher: Ohne die innovative und wegweisende Pionierarbeit von Kraftwerk wäre die Entwicklung von House- und Techno-Musik eine andere gewesen.

Im Jahr 1968 begann die Zusammenarbeit von Florian Schneider und Ralf Hütter während ihres Studiums. Schneider spielte Flöte, Geige, Gitarre und interessierte sich für Jazz. Schneider und Hütter gründeten zunächst die Gruppe Organisation, die als Vorläufer von Kraftwerk gilt. 1970 gründeten die beiden Musiker das berühmte Kling-Klang-Studio in Düsseldorf und danach die Gruppe Kraftwerk. Schneider-Esleben, Sohn des Architekten Paul Schneider-Esleben, wurde damit zu einem der Pioniere elektronischer Musik. Mit Karl Bartos und Wolfgang Flür wurde das Quartett auch gerne als „die Beatles der elektronischen Musik“ etikettiert.

Kraftwerk waren ursprünglich eine Band, die viel improvisierte. Ihre Songs entstanden spontan durch Improvisation wie im Jazz. Kraftwerk-Klangwerker Karl Bartos benennt das in seiner Biografie „Der Klang der Maschine“ (2017) als eine Art„autonome Fantasie“ und diese Art der Musikfindung ging der Band mit der Zeit verloren. Noch mit dem Album Computerwelt aus dem Jahr 1981 hat das Quartett die digitale Revolution vorausgesehen.

Mit Moog-Orgeln und prähistorischen Synthesizern haben sich die Düsseldorfer die Zukunft vorgestellt und einen bahnbrechenden Musikentwurf dafür erschaffen: so zeitlos und klassisch modern, wie die Bauhaus Architektur an anderer Stelle. Florian Schneider-Esleben war an den wegweisenden Kraftwerk-Alben Autobahn (1974), Radio-Aktivität (1975), Trans Europa Express (1977), Die Mensch-Maschine (1978) und Tour De France (2003) beteiligt.

Die Musik kam damals noch nicht aus der digitalen Schatulle, aber mit den Jahren änderte sich das. Ab 1986 arbeiteten die Klangwerker fast ausschließlich mit dem Computer – dabei sahen sich die Akteure nicht mehr in die Augen, sondern starrten nur noch auf den Bildschirm. Von da an änderte sich die Band-Kommunikation und es wurde untereinander nicht mehr miteinander gesprochen. Speziell Karl Bartos gibt in seiner Biografie zu verstehen, dass die Band nicht mehr in Sessions untereinander agierte, sondern jeder nur noch stumm seine Vorgaben in den Computer hämmerte.

Während Ralf Hütter heute wie ein exzentrischer Howard Hughes das Erbe von Kraftwerk in blutarmen 3-D-Shows aus der Konserve verwaltet, sind alle anderen Mitglieder nach und nach ausgeschieden. Wolgang Flür 1987, Karl Bartos im Jahr 1991 und Florian Schneider im Jahr 2008. Schon 1976 haben David Bowie und Brian Eno ihren Musiktitel ››V-2 Schneider‹‹ dem großen Düsseldorfer Musiker gewidmet. Wir verneigen uns vor einem der ganzen großen Musiker des 20. Jahrhunderts.

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Ein Kommentar zu “Florian Schneider ist gestorben: Ein Musikerleben als Roboter

  • #1
    Ke

    Es ist immer wieder erstaunlich, was sie alles erreicht haben.

    Es wird aber auch aktuell noch emotional, wenn die PR Profis Kraftwerk mit Astro Alex im Captain Future Shirt auf der ISS Spacelab spielen
    Nerdiger geht’s kaum.
    https://youtu.be/rCQEzgtWv-E

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