Frauke Gerlach verabschiedet sich mit einem Brief vom Grimme Institut

Frauke Gerlach Foto: Krd Lizenz: CC BY-SA 4.0


Frauke Gerlach, die Chefin des Marler Grimme Instituts hat sich von ihren Mitarbeitern verabschiedet. Ihre Nachfolge ist ebenso ungeklärt wie die inhaltliche Zukunft des Instituts.

Im Dezember gab Frauke Gerlach, die Leiterin des Marler Grimme Instituts, bekannt, dass sie sich nicht um eine Verlängerung ihres zum 1. Mai auslaufenden Vertrages bewerben wird. Im vergangenen Jahr geriet das Institut aufgrund eines Defizits von 430.000 Euro in die Schlagzeilen. Als Reaktion darauf wurden Sparmaßnahmen beim Personal ergriffen und der Grimme-Online-Award 2024 abgesagt. Der Grimme Preis, für den das Institut bekannt ist, wird jedoch am 24. April verliehen. Auch aus dem Umfeld des Instituts wurde Gerlach vorgeworfen, in ihrer zehnjährigen Amtszeit nur wenige Akzente gesetzt zu haben. So warf der „Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises“ Gerlach Ende 2023 vor, in den aktuellen Mediendebatten nicht präsent zu sein: „Wieso hört und liest man gerade in diesen Zeiten nichts aus dem Grimme-Institut?“ In einem Abschiedsbrief an die Mitarbeiter des Instituts, der diesem Blog vorliegt, zieht Gerlach eine positive Bilanz ihrer Arbeit:

„…von Herzen möchte ich Ihnen für 10 inhaltsstarke und produktive Jahre gemeinsamen Arbeitens danken. Auf diese Jahre blicke ich voller Dankbarkeit und Wertschätzung für Ihren Einsatz für die Sache des Grimme-Instituts zurück. Sie haben sich auf neue Impulse, Strategien und Transformationsprozesse eingelassen und diese mitgetragen. Ihre Reflexionen, Kritik und Ihr Einsatz haben zum Gelingen maßgeblich beigetragen. Dadurch konnte der Bereich Grimme-Forschung mit dem Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln und dem Center for Advanced Internet Studies entwickelt, die Medienbildung neu aufgestellt sowie der Grimme- Preise ins digitale Bewegtbild-Zeitalter geführt werden. Der Mediendiskurs ist profilierter integrativer Bestandteil aller Arbeitsbereiche geworden und die Grimme-Akademie ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil von Grimme. Damit wurde das Grimme-Institut inhaltlich und in seiner Außenwirkung weiter gestärkt. Dies ist Ihrer Arbeit und Ihrem Engagement zu verdanken.

Gerlach bittet um Verständnis, dass sie sich aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich von ihren Mitarbeitern verabschieden kann.

Wer Gerlachs Nachfolger wird, ist noch offen. Ob es ihm oder ihr gelingen wird, an die mittlerweile Jahrzehnte zurückliegenden „goldenen Zeiten“ anzuknüpfen, in denen das Marler Institut eine der wichtigsten Stimmen in bundesweiten Mediendebatten war, darf bezweifelt werden: Die Zukunft der Medien wird nicht mehr wie damals, als es noch um Sendelizenzen ging, in Nordrhein-Westfalen oder Deutschland entschieden, sondern in den USA. Und auch dort sind nicht mehr die Sender wichtig. Die Medien sind längst digital, die großen Player heißen immer noch Apple, Amazon und Disney. Bald könnten es schon OpenAI oder Microsoft sein. Eine bedeutende Rolle des eher analogen Grimme Instituts jenseits des Grimme Preises in Zeiten der Künstlichen Intelligenz ist nur schwer vorstellbar.

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