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“generation 13“ in Berlin – das etwas andere Museum

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Was ist ein Museum? Was darf ein Museum ausstellen? Was zählt noch zur Kultur und wo beginnt das Konsumgut? Diese Fragen stehen offen im Raum, findet man den Weg in das Museum “generation 13“ in Berlin. Von unserem Gastautor Nicolas von Lettow-Vorbeck.

Zentral im Touristen-Hotspot Hackescher Markt gelegen, doch versteckt und unscheinbar, hat sich hier der Kindertraum erwachsener Männer materialisiert. In dem überraschend weitläufigen, schick renovierten Kellergewölbe hängen keine Ölgemälde, werden keine Speerspitzen aus der Steinzeit, Tonscherben aus dem antiken Griechenland und keine Dinosaurierskelette ausgestellt, sondern ausnahmslos Plastikspielzeug, Sneaker und Videospiele.

Unter Federführung des Schauspielers Oliver Korittke entstand Ende 2012 im Herzen der Hauptstadt ein Ausstellungsort für Kindheitserinnerungen. Dem verwunderten und staunenden Besucher des “generation 13“ eröffnet sich eine ganze Lebenswelt, eine Kinderwirklichkeit der Siebziger, Achtziger und Neunziger. Sie umhüllt wie eine Wolke und nimmt mit auf eine nostalgische Reise in die eigene Vergangenheit. Freunde von früher, vergessen und doch unvergesslich, sind hier versammelt: Star Wars Figuren, Lurchi der Salamander, Monster in my Pocket, Yps mit Gimmick, He-Man, Super Mario, Ghostbusters, Hulk Hogan und Godzilla.

Die unzähligen Exponate in diesem Keller der Erinnerung rufen uns zu: „Weisst du noch, wie sehr du mich damals ersehnt hast? Wie du dich gefreut hast, als ich endlich unter dem Tannenbaum oder auf dem Geburtstagstisch lag? Wie toll wir damals miteinander gespielt haben?“ Wer zur “generation 13“ gehört, in den Siebzigern bis Neunzigern Kind war, zu dem sprechen diese Artefakte einer amerikanisierten Kindheit und Jugend in Westdeutschland.

Durch die Massenproduktion “Made in China“ verknüpfen Millionen von heutigen Erwachsenen Emotionen mit einer unscheinbaren He-Man Figur aus Plastik. Der Kult um Figuren oder Serien der Kindheit ist universell, generationsverbindend und doch so persönlich und individuell, wie das erste Verliebtsein in der Grundschule – Und wer zu alt oder zu jung ist, um zur “generation 13“ zu gehören? Für den bleiben die Exponate nur ein Haufen seltsamer, lustiger, bizarrer oder bestenfalls interessanter Dinge, und das ist auch gut so – Jede Generation braucht Abgrenzung und ein bisschen Rebellion. Was jeder versteht und liebt, das taugt nicht als Identifikationsmerkmal, dies wissen nicht nur die Jungs von Kiss.

Wie wird sich die digitale Generation Facebook dereinst an ihre Kindheit und Jugend erinnern? In einem virtuellen Schrein mit der Option Nostalgie zu liken und zu teilen? Zurück zur Ausgangsfrage: Rechtlich kann sich jede Institution selbst Museum nennen, denn der Begriff ist nicht geschützt und an keinerlei Auflagen gebunden. Dieser Fakt sollte Museums- und Kulturmacher animieren ein wenig spielerischer, kindlicher mit dem Museum umzugehen – ausprobieren, verwerfen und noch einmal von vorne beginnen. Diese Leichtigkeit, diesen Mut zum Risiko können Besucher im “generation“ 13 in Berlin bewundern. Es lohnt sich für diese Generation, eine Expedition auf den Dachboden der eigenen Kindheit zu unternehmen.

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