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Update: Gaza-Flotilla: Geplante „Friedens-Feldzüge“ gegen Israel

Mit Schiffen und Flugzeugen wollen „Friedensaktivisten“ einen Feldzug nach dem anderen gegen Israel durchführen. Der kommende Sonntag wurde zum „Naksa-Tag“ erklärt. Von unserem Gastautoren Ulrich Sahm

In Jordanien, Gaza, Syrien und Libanon wurden Aufrufe veröffentlicht, am kommenden Sonntag erneut die Grenzen Israels zu stürmen, unter dem Motto: „Wir wollen unser Land in Palästina zurückhaben.“ Doch wegen erwarteter Unruhen schon am Freitag, positionierte sich die Polizei in Jerusalem rund um den Tempelberg und die Altstadt. Premierminister Benjamin Netanjahu drohte am Donnerstag, dass die israelische Armee die Anweisung erhalten habe, keine Verletzung der Grenzen Israels zuzulassen. Die Soldaten sollten „mit Zurückhaltung aber mit Bestimmtheit“ alle Versuche unterbinden, erneut die Grenzen zu stürmen.
„Naksa“ wird der Jahrestag des Ausbruchs des Sechs-Tage-Krieges, am 5. Juni 1967 genannt. Jener Krieg endete mit einer gewaltigen Niederlage der arabischen Staaten und mit der Besatzung der Sinai-Halbinsel, des Gazastreifens, Westjordanlandes und der syrischen Golanhöhen  durch Israel. „Naksa“ reimt sich mit „Nakba“, dem „Tag der Katastrophe“, wie Palästinenser den Tag der Gründung Israels am 15. Mai 1948 nennen. Am diesjährigen Nakba-Tag vor zwei Wochen stürmten Tausende Libanesen und palästinensische Flüchtlinge in Syrien die Grenzen zu Israel. Auf den Golanhöhen wurde der Grenzzaun stellenweise zerstört. Es gab mehrere Tote. Inzwischen haben die Israelis den Zaun repariert und verstärkt. Die Schießbefehle der Soldaten wurden „aufgefrischt“. Vor dem Sicherheitsausschuss der Knesset erklärte Generalstabschef Benny Gantz, dass sich die Armee, ausgestattet mit neuen Waffen, auf bevorstehende Massendemonstrationen in den besetzten Gebieten und an den Grenzen vorbereitet habe. Neben Gefahren „vom Messer bis zur Atombombe“ sei Israel mit einem neuen Feind konfrontiert: die arabische Straße.
Eine weitere Attacke ist für den 8. Juli angesetzt. Dann soll erneut die „Mavi Marmara“ von Istanbul aus in See stechen. Vor einem Jahr wurden beim Entern dieses Kreuzschiffes durch israelische Elitesoldaten neun bewaffnete türkische „Friedensaktivisten“ getötet. Der israelische Militärsprecher erklärte am Donnerstag, noch nicht veröffentlichte Fotos von Friedensaktivisten auf der Mavi Maramara mit Schusswaffen gefunden zu haben. Linksradikale deutsche Teilnehmer haben inzwischen eingestanden, dass es weniger darum ging, „Hilfsgüter“ an die palästinensischen Bewohner des Gazastreifens zu liefern, als vielmehr im Rahmen eines „zivilen Ungehorsams“ die israelische Blockade zu durchbrechen, so Matthias Jochheim, von »Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung« (IPPNW).
Die israelische Armee hält für die nächste blockadebrechende Flotte laut Aussagen hoher Marineoffiziere „einige Überraschungen“ bereit. Seit dem Zwischenfall auf der „Mavi Marmara“ trainiert die Marine und will zum 8. Juli „alle Reservisten“ einziehen. Die Soldaten sollen mit nicht-tödlichen Waffen für den Einsatz gegen Demonstranten ausgestattet werden. „Die Soldaten werden nicht mehr einzeln vom Hubschrauber abgeseilt werden“, erklärte der Generalstabschef. Sie würden „auf einen Schlag“ die Schiffe entern.
Noch ist unklar, wie viele Schiffe an der nächsten Flottille beteiligt sein werden. Ursprünglich war die Rede von 50 Booten. Die israelische Organisation „Israel Gesetzes-Zentrum“ hat Versicherungsgesellschaften mit Klagen vor amerikanischen Gerichten gedroht, falls sie Schiffe der Flottille versichern. Der größte Schiffsversicherer, Lloyd’s in London, erklärte daraufhin, dass die Hamas als Terrororganisation britischen und EU-Sanktionen unterliegt. Kein Schiff im Besitz oder unter der Kontrolle dieser Organisation dürfe deshalb von Lloyd´s oder anderen europäischen Gesellschaften versichert werden. Grundsätzlich darf kein unversichertes Schiff einen europäischen Hafen verlassen.
Ein Sprecher der türkischen Organisation IHH, Veranstalter der Flottille, redet nur noch von 14 Schiffen, mit 1500 Aktivisten aus 100 Ländern an Bord. Die israelische Regierung hat diplomatischen Druck auf europäische Staaten ausgeübt, offenbar mit Erfolg. Der türkische Außenminister erklärte jedoch: „Wir haben keinen Einfluss auf private Organisationen.“ Er warnte Israel davor, der erneuten maritimen Demonstration mit Gewalt zu begegnen.
Eine weitere Sternfahrt, diesmal per Flugzeug, ist ebenfalls für den 8. Juli geplant. Gemäß Berichten aus Berlin, Paris und London hätten zwischen 500 und 1000 Friedensaktivisten aus Europa einen Flug nach Israel gebucht, um bei ihrer Ankunft in Tel Aviv bei der Passkontrolle Krawalle zu machen und zu erklären, dass ihr Reiseziel „Palästina“ sei. „Weltweite Empörung und eine Verurteilung Israels wird die Flughafenbehörden zwingen, die Friedensaktivisten nach Palästina einzulassen“, heißt es in einem Bericht von Press-TV in Paris.

 


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18 Kommentare zu “Update: Gaza-Flotilla: Geplante „Friedens-Feldzüge“ gegen Israel

  • #1
    Sebastian

    Wow! Sahm schreibt für die Ruhrbarone. Super! Jedenfalls weiß man seit gestern, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das deutsch-schweizerische Schiff von Hamburg aus gen Gaza segeln wird. Proteste gegen die Hamas-Kombattanten wird es vor Ort ebenfalls geben. Der Rest der Flotte wird von Genua, Marseille und einem türkischen Hafen aus nach Gaza schippern.

  • #2
    Vatta

    Püh, sollen sie doch. Viel Spaß. Die Israelis werden wie immer konsequent und kompromißlos reagieren. Wer sich mit denen anlegt, sollte wissen auf was er sich einläßt.

  • #3
    Arnold Voß

    Mit Leuten die mein Existenzrecht anzweifeln würden, würde ich auch kompromisslos umgehen. Was sollte man in solch einer Situation sonst tun?

  • #4
    Thomas

    @Arnold: man kann den Leuten doch nicht pauschal unterstellen, sie würden das Existenzrecht Israels anzweifeln und noch weniger kann man das mit dem Existenzrecht einer einzelnen Person vergleichen. In den 90iger Jahren haben viele europäische Länder das Existenzrecht Bosniens, Kroatiens und Sloweniens bestritten, weil sie keine Teilung Jugoslswiens und somit ein Beispiel für andere Länder in der EU haben wollten. Die Flamen, die einen eigenen Staat wollen, bestreiten damit faktisch das Existenzrecht Belgiens und verstehen das keineswegs als eine Art von Massenselbstmord. Kurz: so, wie Du die Dinge mal wieder pauschalisierst, geht das nicht.

  • #5
    Steff

    @Thomas

    Das sind doch Äpfel mit Gurken Vergleiche die Sie hier bringen. Sie drehen einfach mal alles auf den Kopf.

    Ihr Europäer Vergleich ist doch genau anders herum. Es gab einen Staat, dessen Grenzen eben nicht in Frage gestellt wurde und man deshalb gegen die Abspaltung war. Gleiches mit Belgien.

    Nicht einmal im Umkehrtschluss taugt Ihr Vergleich. Denn keiner zweifelt an, dass die Palästinenser einen eigenen Staat bekommen soll.

    Es doch hier darum, dass Isrel abgeschafft werden soll. Keiner forderte aber die Abschaffung eines Kernlandes Serbien oder Belgien.

    Ich habe keine Ahnung, auf welchen Seiten Sie sich tummeln, dass Sie tatsächlich meinen, solche Vergleiche wären treffend. Überdenken Sie noch mal Ihre Argumentation.

    Und dann noch als Gipfel der geschmeidige Schlenker, das habe alles nichts mit Massenmord zu tun, ist einfach sensationell. Denn in der Charta derer, welche die Einstaatenlösung fordern, steht nicht nur als Ziel die Vernichtung Israels, sondern auch, dass jeder Jude überall zu töten ist.

    Jetzt hier gschmeidig die Kurve zu drehen, hat damit alles nichts zu tun, ist eine Argumentation, die man eigentlich nur bei denen findet, die eben den Staat Israel von der Landkarte gewischt sehen wollen.

    Daher überprüfen Sie vielleicht mal Ihre Quellen, ob das wirklich welche sind, von denen Sie bei genauerem Nachdenken auch noch weiter was übernehmen wollen….oder vielleicht eher doch wegen Unappetitlichkeit künftig einen größeren Bogen drum machen wollen. Und mal anfangen, solche Argumentationen nach der Zielrichtung zu hinterfragen.

  • #6
    allemachtdendrähten

    Ich glaube das es nur mit der 2 Staaten Lösung geht. Man kann nicht Israelis und Palästinenser in einen Staat zusammenpferchen, Mord und Totschlag wären die Folge. Man denke an Serben und Kroaten, auch engste Verwandte, aber kein eigener Staat möglich.Also sollte Israel über seinen Schatten springen und ein Papier anbieten auf dem schon Grenzlinien zu sehen sind. Dann sind die Leute aus Gaza und Ramallah am Zuge und sollten sich dazu erklären. Und zwar schnell und ohne auf die Solidarität der arabischen Staaten zu warten, denn die haben Palästina schon lange abgeschrieben. Es geht nur noch direkt zwischen Netanjahuh und Abbas und das schnellstens.

  • #7
    Steff

    Es gibt solche Papiere. Wie kommen Sie drauf, dass es die nicht gebe?

    Abbas seinerseits ist auch niemand, der nicht an einer Lösung interessiert wäre. Er hat primär das Problem der Flüchtlingsfrage. Er hat intern gesagt, natürlich können die nicht zurück auf israelisches Gebiet. Aber er konnte es nach außen nicht sagen. Das ist das Dilemma. Den Palästinensern wird vermittelt, sie können alle zurück, selbst die vierte Generation, was aber de fakto nicht möglich ist.

    Abbas selbst hatte da Kräfte gegen sich, gegen die er nicht ankommen kann.

    Und nun ist Hamas dabei. Hamas die bis heute sagt, Vernichtung Israel ist das Ziel und die Zwei-Staaten Lösung nur ein weg dorthin.

    Daher erklären Sie mir bitte mal, wo Israel über den Schatten springen soll? Netanjahu hat jetzt erst wieder gesagt, er wäre immer zu Verhandlungen bereit, nur halt nicht mit Hamas. Hamas muss dazu gebracht werden, dass die einen Frieden wollen und endlich akzeptieren, dass Isarel dort ist und da bleiben wird.

    Es war ein Fehler von denen, die darauf drängten, dass Hamas und Fatah sich versöhnen sollen. Da wurde Druck von außen ausgeübt, der nur dazu führte, dass Abbas noch mehr in die Klemme kam. Der arme Mann – auch wenn er korrupt ist, Frieden will er – wird von allen Seiten zerrieben und nun hat er auch noch die Hamas am Bein, weil Außenstehende verlangten, ohne gemeinsames Vorgehen kann es keinen eigenen Staat geben. Tolle Freude, die das verlangt haben. Jetzt ist der Prozess eingefahrener denn je und in weite Ferne gerückt, weil Hamas keinen Frieden will.

    Was soll Abbas tun? Der hat keine Chance mehr und das alles nur, weil wieder irgendwelche Menschen unter der Fahne Frieden meinten, die Lösung zu haben. Als ob Hamas mit Fatah von ihrem Vorhaben abrücken würde. Zig Stimmen haben das gesagt, davor gewarnt. Aber nein, mit müsse Hamas nur einbinden, dann würden die schon auf den rechten Weg kommen. Klar, was drauf wurde sieht man und mit einem Funken verstand, war das absehbar.

    Aber das hier gesagt wird, Israel solle über den Schatten springen, nachdem Netanjahu erst jüngst wieder sagte, wir werden Siedlungen aufgeben, weil wir das müssen, auch wenn es shcmerzhaft ist und ist doch wohl wieder, nicht zum ersten Male, ein über den Schatten springen.

    Wärhend Hamas dabei bleibt, wir werden Israel vernichten.

    Daher, die Apelle sollten in Richtung Hamas gehen. Die wollen Israel vernichten, Israel hat schon lange gesagt, wir wollen zwei Staaten, wie auch Abbas.

  • #8
    Thomas

    @Steff: das war eine Replik auf Arnold, der einen ähnlich absurden Bezug gewählt hat, indem er sich mit dem Staat Israel gleichgesetzt hat, kurz: so falsch bin ich hier nicht.

    Dass sich Staaten wandeln und auch, dass neue entstehen, ist im übrigen kein taugliches Argument, Israel das Existenzrecht abzusprechen und war auch keineswegs so von mir gemeint.

  • #9
    Arnold Voß

    @ Thomas

    Ach Thomas, bin ich wieder mal dein Lieblingsfeind? Du hast hier in diesem Blog in einem anderen Zusammenhang Israel als aggressiven Militärstaat bezeichnet, ohne die Hamas auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Das mit dem Existenzrecht schiebst du immer gerne nach, wenn es deinerseits gegen Israel geht.

    “Friedensfeldzug” finde ich sowieso einen klasse Ausdruck. Hat eine deutlich militärische Note, finderst du nicht? Einige der Friedenskämpfer waren beim letzten Mal auf dem Boot entsprechend auch mit Messern und Knüppeln bewaffnet. Da hätte Ghandi aber seine Freude dran gehabt, an dieser Art von Gewaltlosigkeit.

    Ich bin weder Jude noch jüdisch beeinflusst, noch überhaupt gläubig. Aber ich weiß wieso es den Staat Israel gibt. Ich identifiziere mich deswegen politisch mit seinem Existenzrecht und deswegen greift jemand, der sein Existenzrecht in Frage stellt indirekt auch mich an. Das wollte ich bildlich ausdrücken, als ich mich mit dem Staat Israel gleich gesetzt habe.

    Wer eine Zweistaatenlösung ablehnt will mit Israel keinen Frieden. Wer die Hamas nicht kritisiert, dafür aber Israel der Aggression bezichtigt, will auch keinen Dialog. Wer nicht den Vernichtungswillen und den Antisemitismus vieler militärischer und/oder politischer Gegner Israels thematisiert, wenn er über die Friedensmöglichkeiten zwischen Palästinensern und den Israelis diskutiert, der hat auch keinen ernstzunehmenden Friedenswillen.

    Und jetzt darfst du wieder deinen Weichspüler betätigen Thomas. Dass die Hamas eigentlich nur den Frieden will… dass die Friedenskämpfer auf den Schiffen alle gaaaanz lieb sind und sich alle durch die Bank das Existenzrecht Israels auf ihre Fahnen geschrieben haben ….dass man sich mit dem Existenzrecht Israels doch nicht so identifizieren sollte wie ich..usw. usw.

    Aber schreib bitte nicht, dass mir das Leid der Palästinenser egal ist. Ist es nämlich nicht.

  • #10
  • #11
    Thomas

    @Arnold: ich kann mich nicht entsinnen, Israel als aggresiven Militärstaat bezeichnet zu haben, das muss eine Verwechslung sein. Wenn nicht der selbe Avatar neben meinem Namen zu sehen ist, dann ist das ein anderer Thomas.

  • #12
    Thomas

    @Arnold: nach einigem Suchen habe ich die Kommentare gefunden, die du meinst. Nein, der Scheiß stammt nicht von mir. Wir hatten bislang nur einmal im Lars von Trier Beitrag miteinander diskutiert. Für eine Feindschaft ein viel zu geringer Anlass, finde ich 😉

  • #13
    Arnold Voss

    @ Thomas/Avatar

    Sorry Thomas, aber dein Name ist zur Zeit hier sehr beliebt und das mit dem Avatar war mir leider nicht mehr genau in Erinnerung.

    Lars von Trier war ein prima Verbalfight. Nein, wirklich kein Grund für eine Feindschaft.

    Ansonsten bin ich beim Thema Israel und/oder Antisemitismus aus gutem Grunde sehr empfindlich.

    Behalte also deinen Avatar bei, damit ich in Zukunft bescheid weiß.

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  • #16
    Peace through superior Firepower

    Was denn für Palastinenser ? Das sind doch Syrer , Libanesen und Jordanier .

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  • #18
    Rory-

    @Thomas: doch in dem Falle kann man das Existenzrecht eines Staates schon mit dem Existenzrecht von Personen vergleichen, weil der Staat Israel aus dem Grund gegründet wurde, Personen vor antisemitischem Vernichtungswahn zu schützen. Die Forderungen heißen ja nicht nur, dass Israel von der Landkarte verschwinden soll, sondern auch mit ihm seine jüdischen BewohnerInnen.

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