Gott sei Dank gibt es das Wasser

Es gibt nicht viel, was mich im Ruhrgebiet hoffen lässt. Leider. Aber jetzt gibt es eine Entwicklung, die echt Anlass zur Freude bringt.

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Wenn die Ruhr-Oberbürgermeister dem geschenkten Geld aus der EU hinterher hecheln, besteht Hoffnung, dass ein paar Krümmel vom Ziel-2-Kuchen auch für sinnvolle Projekte fallen gelassen werden.

Denn im Hintergrund wird an den wirklichen strukturellen Verbesserungen des Reviers gebaut. Es geht um Wasser. Um Wasserlandschaften und die Kraft einer klugen Planung. Im Kern des Ganzen stehen ganze Seenketten, die entlang der Emscher entstehen sollen. Dabei rede ich nicht von so Traumprojekten, wie dem Phönix-See, der kommen mag oder auch nicht. Ich finde die bescheidenere Variante toll. Die kleiner, dafür aber auch realistischer sind.

Den ersten Teich findet man in Essen-Karnap. Der Stadtteil im Essener Norden ist seit Jahrzehnten benachteiligt. Arbeitsplätze sind verschwunden, die Bausubstanz geht den Bach runter und die Emscher stinkt neben dem Müllkraftwerk. Genau hier. Wo eigentlich alles am Ende ist soll ein See mit Wäldchen entstehen. Eine Freizeitlandschaft mit Wasserskiern. Cool. Mit diesem Projekt wird nicht nur der Essener Norden über eine schöne Landschaftskette mit dem besser gestellten Süden verbunden. Auch der Norden selbst bekommt die Chance, sich zu stabilisieren. Eigenheimsiedlungen werden in der Nähe des Karnaper Sees in ihrem Wert gehoben. Wohnsilos werden attraktiver auch für Leute, die mehr Taschengeld als ein Grundschüler haben. Eine positive Entwicklung wird angestoßen. Und das ganze kostet auch nur 3 Mio. Euro. Im Gegenzug bekommt man Lebensqualität nach Karnap, die mehr zählt, als die paar Taler.

Die Marina Essen gleich hinter dem Nordsternpark an der Schurenbachhalde führt in die gleiche Richtung. Oder der Töttelbergsee in Bottrop oder der Tenderingssee in Hünxe oder der Haarener See in Hamm. Es wird besser. Langsam aber stetig.

Dabei geht es nicht um diese verrückte Tourismusidee. Also ob der Pott mit Berlin mithalten könnte, wenn hier ein paar Teiche gebuddelt werden.

Es geht um die Menschen im Revier. Sie werden sich wohler fühlen, baden gehen, vielleicht auch angeln, mit ihren Kindern spielen oder Steine schmeißen.

Vor allem aber werden sie lieber in ihren Städten bleiben, als abzuwandern. Wenn die Entwicklung ersteinmal einsetzt, werden die Leute Geld in ihre eigenen Häuser stecken. Vielleicht sogar den Verfall stoppen. Das ist doch eine Idee vom Ruhrgebiet , die funktioniert. Die Teiche sind für alle da.

 

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3 Kommentare

  1. #1 | Daniel Ullrich sagt am 10. Januar 2008 um 00:17 Uhr

    Das größte Schwimmbad des Ruhrgebiets wurd doch schon vorm ersten Weltkrieg gebaut, quer von Dortmund bis Duisburg, meist direkt an der Emscher. Später wurde ein ähnliches auch an der Lippe von Hamm bis Wesel gebaut und beide bei Datteln verbunden. Das Konzept war aber wohl doch nicht so erfolgreich, so das der Badbetrieb heute leider vom Schiffsverkehr gestört wird. 😉

    Was passiert eigentlich nu mit dem Toeppersee? Wird der dann mit dem Aushub aus den Emscherseen verfüllt, oder wie, oder was?

  2. #2 | wet-pfl sagt am 10. Januar 2008 um 02:08 Uhr

    Mit dem Wasser is‘ nich‘ ganz falsch:

    Aber es gibt natürlich auch einen Unterschied zwischen Fliessgewässern und Teichen.

    Der Rheinstrom etwa ist Klasse, die Ruhr auch, die Emscher exotisch. Und dann die Kanäle dazwischen.

    Ich würde das Marinading nicht überschätzen: Stadthafen Essen ist weit vom Schuß, Innenhafen Duisburg ist geschichtsgeklitterter Scheißdreck.

    Tourismus in Bötchen fahren sehe ich nicht als signifikant.

    In Sachen der Berufsschiffahrt denke ich, daß der Rheinstrom ja schon so 600 bis 800 Jahre das Ruhrgebiet beglückte und jetzt, wenn Rotterdam immer bedeutender wird – hallo: Macht Umschiebeflächen für den Transport nach dem Resteuropa frei!

  3. #3 | David sagt am 10. Januar 2008 um 11:39 Uhr

    @wet-pfl
    Deine Beurteilung des Innenhafens Duisburg sehe ich anders. Das Ding ist relativ gut. Es funzt. Wenn auch tausendmal langsamer und bescheidener als ursprünglich verkündet. Das ist ja auch das Prob. Es wird hochgejazzt bis zum geht nicht mehr. Und dann kommt das was kommen kann. Das ist dann zwar ein Erfolg, aber im Vergleich zu den Ankündigungen ein Furz.

    Den Stadthafen essen finde ich gut, weil er dahinten beim Stinnes Hafen Entwicklungsflächen aufmacht. Da können vielleicht schöne Siedlungen entstehen oder irgendwas gehobenes. Es ist eine Chance für eine Gegend, in der sonst nur Nachtangler auf Aale gehen.

    Und schöne Teiche sind klasse. Die werten auch eine Alptraumgegend auf. Nicht nur der Rhein schafft das, auch die Stadtteiche in Herten.

    @Daniel Ullrich
    Ich glaub, die Messe für das Freibad Toeppersee ist leider gelesen. Schade. Das Ding war eine Legende im Pott. Aber der See wird ja wohl erhalten. Also, Scheiß auf die Aufsicht, man kann auch so in den See springen.

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