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Halle: Der Weg von der antisemitischen Hetze der Dortmunder Nazis zu Balliet ist nicht weit

Stephan Balliet Quelle: Twitter

Es mag sein, das Stephan Balliet, der mutmaßliche Mörder von Halle, ein Einzeltäter war, dass er ohne einen Komplizen versuchte in die Synagoge der Stadt einzudringen, um die Jüdinnen und Juden zu töten, der sich dort zu Jom Kippur versammelt hatten. Er ermordete wohl auch ohne Unterstützung einen Mann und ein Frau auf den Straßen Halles und in einem Dönerimbiss.

Der Neonazi Stephan Balliet mag ein Einzeltäter gewesen sein, aber alleine war er nicht.  Er wusste, dass es viele Menschen gibt, die seinen Antisemitismus teilen und konnte darauf vertrauen, dass sie ihn für seine Taten bejubeln werden. Ihm wurden Waffen verkauft, als Holocaustleugner hätte er  den Behörden bekannt sein können. Stephan B. hat die  Taten begangen, die viel Antisemiten begehen wollen.

Die Sicherheitsbehörden wissen, dass Rechtsradikale seit Jahren Waffen horten, Sie wissen, dass sie sich online und offline treffen, dass es Kontakte vom natürlich organisierten Rechtsradikalismus zu den militanten Einzelkämpfern und Zellen gibt und dass der Antisemitismus auch in dieser Szene immer offener ausgelebt wird. Der Weg von der offenen und geduldeten antisemitischen Hetze der  Dortmunder Nazis zu Balliet ist nicht weit.

Aber die Behörden gehen nicht bis an die Grenze des Rechtsstaates, um sie zu bekämpfen. Wer sich daran erinnert, wie der Staat in den 70er Jahren auf den Terror der RAF reagierte, hat eine Ahnung davon, was die Polizei leisten kann, wenn sie will und mit welcher Härte sie zuschlagen kann. Diese Härte, diesen Wille, den Kampf zu gewinnen, lassen die Behörden heute vermissen. Vielleicht liegt es daran, dass die Opfer des Terrors andere sind: Juden, Migranten, Behinderte – Nazis – wie auch Islamisten – sind bei der Wahl ihrer Opfer klüger als es die RAF war: Sie legen sich, seltene Ausnahmen wie der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke bestätigen die Regel, nicht mit den höchsten Repräsentanten von Wirtschaft und Staat an. Die Taktik scheint aufzugehen. Zwar zeigt der Staat  auch ihnen gegenüber die Zähne, aber sie wissen: Es sind nur die Milchzähne.

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31 Kommentare zu “Halle: Der Weg von der antisemitischen Hetze der Dortmunder Nazis zu Balliet ist nicht weit

  • #1
    UIrich

    Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, den Täter mit Namen zu nennen. Der Mann ist ein "Niemand", der wohl durch die abscheuliche Tat zu einem "Jemand" der Weltgeschichte werden wollte. Diesen Gefallen sollte man ihm nicht tun.

    Den Opfern ein ehrendes Andenken, dem Täter das Vergessen. Und lebenslange Haftstrafe.

  • #2
    ke

    "Der Kampf gegen Rechts" ist wichtiger Bestandteil des Programms nahezu aller Politiker. Warum handeln sie nicht? Es stellt sich auch die Frage, wie effizient unsere Staatsschutz-Abteilungen der Polizei sind. Gefühlt kommt da nicht viel.

    Wir leben in einem Rechtsstaat. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass die Polizei und insbesondere die Gerichte die Möglichkeiten des Rechts nutzen. Es gab zu viele vorzeitige Entlassungen etc.

    Besonders schlimm war für mich der Fall eines Angriffs auf eine Synagoge in Berlin, der nur durch Wachmänner verhindert wurde. Direkte Konsequenzen gab es nicht. Wie kommt man auf die Idee, dass hier keine Haftgründe vorliegen?

    https://www.bild.de/news/inland/news-inland/angriff-auf-synagoge-in-berlin-warum-ist-der-taeter-nicht-in-u-haft-65191384.bild.html

  • #3
    ke

    Ich kann nicht nachvollziehen, dass Mörder, die die die Öffentlichkeit gesucht hatten, hier abgebildet werden.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ke: Da es hundert Medien weltweit gemacht haben und die Nennung von Täternamen international üblich ist, sehe ich da kein Problem. Ob wir ihn nun nennen oder nicht, ändert schlicht gar nichts. Und seine Fresse sollen die Leute schon sehen – kann ja sein, dass sie ihn schon mal mit anderen Nazis zusammen gesehen haben.

  • #5
    Gerd

    @2:

    Ja, wir leben in einem Rechtsstaat, der mit seinen Aufgaben immer mehr überfordert ist und sich dennoch immer neue Aufgaben aufhalst.

  • #6
    Spion und Spion

    Ich frage mich die ganze Zeit,warum hat die Polizei erst nach 10 Minuten reagiert?In unmittelbarer Nähe befinden sich mehrere Wachen.Selbst von der Hauptwache geht’s über die Magistrale in max.5 minuten dahin.Die Magistrale ist eine Autobahn ähnliche Strasse wo man locker mit 100 fahren kann bei einsatz von Sonderechten.

  • #7
    Erich

    Ich frage mich, die Synagoge soll angeblich jeden Tag von der Polizei bewacht worden sein, aus Berlin kenne ich dies. Nur heute, am höchsten Feiertag der Juden, wird sie nicht bewacht. Es mag Gründe dafür geben, vielleicht stimmt auch die Aussage der sonst täglichen Bewachung nicht, mich macht dies nachdenklich und traurig.
    Wie oft habe ich mir gewünscht gegen diese rechtsradikale Gesinnung und Tendenzen auf die Strasse zu gehen und ich mache es nicht, weil ich Angst davor habe, dass der rechte Mob einen verfolgt. So weit ist es schon gekommen.

  • #8
    Lehmbruck

    Und was lernen wir daraus? Der Abschaum, der den Juden in Deutschland nach dem Leben trachtet, kommt von rechts und nicht von links. Immer. Wir sollten uns endlich auf die Bekämpfung der Nazis konzentrieren, statt uns in Wut über folgenlose Israel-Kritik von links hineinzusteigern.

  • #9
  • #10
    Thomas Wessel

    @ #1 @ #3 | Nazis durch Missachtung zu blamen, die Strategie geht doch seit Jahren nicht mehr auf. Spätestens seitdem die Nazis sie adaptiert haben: "AH" und "18" und "88" usw. Ich verstehe nicht, warum man diesen Nazi-Flirt mit Anonymität oder genauer: deren Strategie der Mystifizierung – warum man es akzeptieren sollte.

  • #11
    Lehmbruck

    @Stefan Laurin: Gegen jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ob jemand gegen Juden, Muslime, Schwarze, Frauen oder Homosexuelle hetzt, ist doch alles gleich schlimm.

  • #12
    Frank

    Es waren übrigens selbstgebaute Waffen die zum Glück komplett versagt haben (im Video lästert er auch darüber ab). Es gab Ladehemmungen und der Idiot hat sich dann auch noch selbst in den Autoreifen geschossen. Es klingt makaber, aber zum Glück war sein Vorgehen dilettantisch und alles extrem wirr. Schade, dass ihn die Polizei, die 12 min nach den ersten Schüssen eintrafen, scheinbar nur am Hals gestreift haben und nicht richtig erwischt haben.

  • #13
    herzschmerz

    Der Journalist Peter Zudeick meinte jünst im Nachrichten- und Ereigniskanal Phoenxi: "Die ganzen Verrückten (…) können jetzt selber schreiben.

    Herr Zudeick hat die Bezeichnung "Journalist" nicht verdient, weil er mit den angesprochenen Personen niemals im Leben selber gesprochen hat.

    Zum anderen sagte mein Geschichtslehrer: Wir haben den Sozialstaat, damit die Extremisten nicht wieder hochkommen. Das heißt: Die SPD hat, wie Gero Neugebauer es ausführte, beim Fördern und Fordern das Fördern vergessen – und dieses Land und diese Politiker wollen das bis heute nicht begreifen genauso wie Kirche lange Zeit nicht begreifen wollte, das die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist.

    Jürgen Zudeick, gebe doch bitte den Griffel ab und mach mal was normales in deinem Leben, damit deine Filterblase nicht auf ewig unser Schicksal bleibt.

  • #14
    Klaus Lohmann

    @#7 Erich: Man könnte sich ernsthaft selbst befragen, ob ein solch intimes Datum wie Jom Kippur eher schlichte Polizei-Gemüter zur Denke verleitet, dass an einem solchen Tag doch bitte Niemand auf die Idee kommt, einen Anschlag auf Juden zu verüben. Aber das hilft keinem, weil das spätestens seit 1933 ein unerfülltes Wunschdenken der Deutschen bleibt. Deutsche lernen *nix*. Punkt.

  • #15
    Martin

    Er ist nicht nur Antisemit er tötete auch einen Mitarbeiter im Dönerimbiss und erschoss wahllos eine Passantin. Er tötete Menschen die er nicht kannte. Ich versteh nicht warum immer das Wort "Hass" genutzt wird. Ich glaube das Motiv ist sein Geltungsbedürfnis wen er dafür töten musste war ihm wahrscheinlich egal.

  • #16
    detlef

    Man soll ja nicht nach dem Aussehen urteilen, aber komischerweise sieht er aus wie Böhnhardt (einer der NSU Uwes).

  • #17
    Annette

    Ich, die ich vor 30 Jahren voller Angst vor einer „chinesischen Lösung“ auf dem Ring in Leipzig demonstrieren ging, wollte heute voller Freude den Jahrestag feiern. Mir und meinem Sohn hat die Wende so viel , vorher Unvorstellbares ermöglicht.
    Statt dessen trauere ich um die getöteten Menschen, die Verletzten, deren Familien und Freunde in der Stadt, in der ich vor vielen Jahren studierte. Ich bin so traurig.
    Und hilflos. Woher kommt dieser Hass?

  • #18
    Gerd

    @8:

    Und was passiert wohl mit den israelischen Juden nach der Zerstörung Israels? Außerdem stimmt ihre Aussage nicht. Es gibt noch eine dritte Gruppe von Judenhassern und die ist nach Einschätzung der Opfer die gewalttätigste.

  • #19
    Besserwisser

    Die größßte Gefahr für unseren Rechtstaat sind nich Flüctlinge, Muslime oder Linke. Es sind immer die Rechten. Der typ war kein Einzelgänger. Sowas kann man nut achen wenn du ein Umfeld von Unterstützern hast. Armes Deutschland. Waru lernst du nich aus seinen Fehlern… Wir brauchen mehr Anti Hass Kampagnen

  • #20
    kein Besserwisser

    No. 19: Falsch!
    Terror kommt in der heutigen Zeit aus vielen Ecken. Wer hier vergleicht und wertet, ist genauso radikal, nur aus einem anderen Lager. Ich möchte keinen Terror und Gewalt, ob links oder rechts, Muslime oder Christen, Islamisten ….von wem auch immer. Unterschiedlich gerichtete Anschläge und Gewaltakte und somit Gefahren für Staat und Gesellschaft können aus jedem Lager aufgezählt werden.

  • #21
    Klaus

    "Da es hundert Medien weltweit gemacht haben und die Nennung von Täternamen international üblich ist, sehe ich da kein Problem. Ob wir ihn nun nennen oder nicht, ändert schlicht gar nichts."
    Euer scheiß Ernst? "Die anderen machen das auch"? Passend, dass ihr beim Namen die Bild verlinkt.

  • #22
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus: Ja, dass wir Bild verlinken passt. Machen wir seit Jahren ständig.

  • #23
    Klaus Lohmann

    @#18 Gerd:
    https://www.fr.de/politik/muslime-sind-nicht-feind-juden-11036393.html
    "Muslime sind nicht der Feind der Juden"
    Zentralratspräsident Josef Schuster spricht im Interview über Strategien gegen Antisemitismus, den Erfolg der AfD und Sigmar Gabriel.

    Aber sowas stört wohl das kleine Vorurteils-Universum ganz rechtsaußen.

  • #24
    Ulf J. Froitzheim

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Namen Stefan Laurin mal in einem Atemzug mit dem Namen Julian Reichelt nennen würde. Diese Öffentlichkeit, die ihr ihm gebt, wollte der Täter. Wer ihm diesen Gefallen tut, macht ihn bei dessen Gesinnungsgenossen zum Helden. Wir Journalisten machen uns zu Komplizen, wenn wir so etwas tun. Deshalb habe ich dafür null Verständnis. Im übrigen wäre ich froh gewesen, wenn ich die dummdreiste Fresse von Beate Z. nie gesehen hätte.

  • #25
    Ulf J. Froitzheim

    Übrigens kenne ich eine Frau B. Sie ist sehr nett. Ich wünsche ihr, dass sie keine schlimmen Dinge um die Ohren gehauen bekommt, weil sie diesen Namen trägt. Ist halt nicht Müller oder Schmitz.

  • #26
    Daniel

    Vielleicht solltest du deine Politik der Namensnennung noch einmal überdenken:
    https://twitter.com/niggi/status/1182019349214830592?s=19

  • #27
    Yilmaz

    Leider schweift man in den Kommentaren etwas ab.

    Gehen wir doch einfach zusammen am Montag in die Dortmunder Nordstadt und zeigen den Nazis wo der Hammer hängt !

  • #28
    Ertl

    Israel hat die Tat massiv verurteilt.
    Nannte die Regierung mitverantwortlich.
    Der Judenhass ist bei den allermeisten verbunden mit dem Israelhass. Dadurch das die Bundesregierung ständig die von den Arabern initiierten UN Resolutionen protestlos unterzeichnet. In Deutschland besonders die Linken, Grünen, SPD ebenfalls nicht nur massiv Israelkritik üben und Israel und Judenfeindliche Gruppen wie die BDS unterstützen und fördern . Da darf man sich nicht wundern das ein breitgefächerter Antisemitismus entsteht. Wer Antisemiten wie Karl Marx ein Denkmal baut und von höchsten Regierungskreisen eingeweiht wird, setzt den Nährboden des Antisemitismus.

    Israel hat es richtig erkannt und benannt. Wenn Deutschland glaubhaft den Antisemitismus bekämpfen möchte muss dieses auf allen Ebenen passieren. Vor allem bei den Linken Parteien und gesellschaftlichen Institutionen ist der Antisemitismus durch die Israelfeindlichkeit tief verwurzelt.
    Die Neonazizene gehört bekämpft und vernichtet. Würde den Antisemitismus nicht verringern.

  • #29
    sonja

    Jeden Montag genau! Vor dem Thor Steinar Laden brüllen und Farbe bekennen. Aber das ist vielen "Normalos" ja schon zu anstrengend und zu viel. Auch vielen Ruhrbarone Lesern. Woll?!

  • #30
    Sabrina

    Bemerkenswert ist, dass er hinter einem Golf auf Polizisten schießt, mehrfach Pausen von mehreren Sekunden macht, weil er seine Waffe nachladen muss…und keiner auf die Idee kommt, ihn von hinten zu erschießen, wohin er sich gar nicht umgeschaut hat. Wäre ein Leichtes gewesen. Die Polizisten scheinen für solche Einsätze nicht geschult genug zu sein.

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